Was in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft noch vorgeht

Information zum Antrag 8 – Legitimierung und Rechenschaft der Goetheanum-Leitung

Noch in der Nacht nach der Behandlung des Antrages 8 an der Mitgliederversammlung ergab sich eine Korrespondenz zwischen einem Mitglied und Justus Wittich bzw. Ueli Hurter – ich selber war daran nicht aktiv beteiligt. Es ging um die Frage,  inwieweit es rechtmässig war, die Vorstellung des Antrages 8 zu verweigern. Ueli Hurter bezog sich dabei in seiner Ansicht auf Regeln für eine Gemeindeversammlung und sah es als rechtmässig an. Anders geht es aus Regelungen für Vereine hervor. Auf diesen Mail-Verkehr bezieht sich dieser Leitfaden für Vereine  sowie dieser Leitfaden für Gemeindeversammlungen.

Da es auch mir nicht rechtmässig erschien, die Versammlung über den Antrag 8 im Unklaren zu lassen und dennoch einen Ordnungsantrag auf Nichteintreten abstimmen zu lassen (zur Erinnerung: Die Antragsbegründungen waren nicht in AWW veröffentlicht worden und lagen auch nicht an der Versammlung aus!), haben wir einen Fachjuristen um seine Einschätzung gebeten, woraus nachfolgend berichtet wird. Es handelt sich um einen in Dornach ansässigen Fachanwalt für Vereinsrecht – der u.a. zum Vereinsrecht Vorlesungen an der Uni in Basel hält.

Der Fall zum Antrag 8 war für den Anwalt sonnenklar: Da es sich um einen Mitgliederantrag handelte, wäre den Antragstellern vor der Abstimmung des Ordnungsantrages zwingend das Wort einzuräumen gewesen, um den Antrag vorzustellen und zu begründen, zur Orientierung der Versammlung, worüber abgestimmt werden sollte. Das ist nicht geschehen. Deutlich ist auch, dass Ueli Hurter bewusst war, dass nach der Abstimmung des Ordnungsantrages noch der geänderte Antrag existierte, der von dem Ordnungsantrag nicht betroffen war! Und es gab ausserdem noch einen Gegenordnungsantrag! Darauf wies Ueli Hurter auch hin und kündigte an, nach der Pause darauf zurückzukommen. Allerdings wurde das Zurückkommen nach der Pause auf den Sonntag verschoben. Das geschah am Sonntag zunächst nicht, erst aufgrund von Interventionen durch Mitglieder kam Ueli Hurter darauf zurück. Mit Hinweis auf die knappe Zeit – wurde dann von ihm dazu eine Entscheidung der Versammlung abgefragt – und wiederum war diese nicht orientiert worden darüber, dass noch der geänderte Antrag und ein Gegenordnungsantrag vorlagen.

Ganz gleich, wie man die Tatsache einschätzt, dass am Samstag

  • der Antrag, die Nichteintretensanträge inkl. Abstimmung innerhalb von sage und schreibe weniger als 5 Minuten abgehandelt – oder besser: abgefertigt? – wurden, ohne dass die Versammlung gehörig informiert wurde,
  • und entgegen der Vereinbarung, dass die Verhandlung von Ordnungsanträgen von Harald Jäckel und nicht von Vorstandsmitgliedern – die in der Sache Partei sind – durchgeführt werden sollte, dies durch Ueli Hurter erfolgte,

ist erneut deutlich geworden: Über die Fragen von Legitimierung und Rechenschaft der Goetheanum-Leitung will man nicht ergebnisoffen und auf Augenhöhe ins Gespräch kommen – obwohl das Thema bereits seit 2019 an GVs eingebracht wurde.

Das Beispiel der von Ueli Hurter in der nächtlichen Korrespondenz vorgebrachten Regelungen für eine Gemeindeversammlung (Anhang) ist für Vereine nicht passend, da es dort um ein Geschäft geht, das allen Beteiligten vollständig bekannt ist bzw. man sich vorgängig vollständig informieren kann. Nur in einem solchen Fall kann beschlossen werden, auch in die Vorstellung des Geschäftes nicht einzutreten.

Der Antrag 0 war nicht bezogen auf ein Traktandum der Tagesordnung – der Bericht von der Arbeit kann nicht als Traktandum zählen und war auch nicht in die Tagesordnung aufgenommen, sondern ein Punkt im Rahmenprogramm (siehe AWW 3/24). Ansonsten macht die Unterscheidung zwischen Tagesordnung und Programm keinen Sinn. Hinzu kommt, dass lediglich ein Bericht angekündigt war, nicht eine Beschlussfassung. Insofern hätte dieser Antrag mit 6-Wochen-Frist veröffentlicht werden müssen. Es ist ja der Sinn dieser Frist, dass die Mitglieder sich vorbereiten können! Dies wurde durch das Vorgehen im Grunde unterlaufen. Hinzu kommt, dass der Antrag 0 nach §8 der Statuten gar nicht abstimmungsfähig war in der ursprünglichen Form.

Das Vereinsrecht ist eindeutig, in Artikel 67, 2 ZGB heisst es: «… Über Gegenstände, die nicht gehörig angekündigt sind, darf ein Beschluss nur dann gefasst werden, wenn die Statuten es ausdrücklich gestatten.» Dieser Antrag war nicht ordnungsgemäss in der Tagesordnung traktandiert worden und eine Abstimmung hätte demnach gar nicht erfolgen dürfen.

Hinzu kommt, dass auch die übrigen Mitgliederanträge und –anliegen nicht fristgerecht vor der Mitgliederversammlung veröffentlicht wurden – die Frist beträgt 6 Wochen – die Veröffentlich erfolgte – zudem unvollständig – erst 4 Wochen vor der MV – und damit ebenfalls zu spät.

Dies zur Information für den Rückblick am Samstag (11. Mai 2024) im Mitgliederforum als Einschätzung eines Fachjuristen zum Schweizer Vereinsrecht.

Thomas Heck, 10. Mai 2024

Anthroposophen beschliessen Corona-Aufarbeitung

An der diesjährigen Mitgliederversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft wurde mit deutlicher Mehrheit beschlossen, das Verhalten der Leitung der Gesellschaft und der Hochschule – insbesondere der medizinischen Sektion – aufzuarbeiten. Nachdem im letzten Jahr einem seitens zweier Vorstandsmitglieder in Aussicht gestellten Aufarbeitungsprozess die Goetheanum-Leitung nicht zugestimmt hatte, wurde dieser nun von der Mitgliederversammlung beschlossen. Grundlage war ein Antrag von ca. 200 Mitgliedern, dessen grundsätzlichem Anliegen sich die Leitung mit einem Ergänzungsantrag anschloss.

Ziel dieser Aufarbeitung wäre unter anderem, einvernehmlich Wege zu finden für einen anderen Umgang mit ähnlichen Herausforderungen in der Zukunft, vor allem im Hinblick auf einen freien Austausch unterschiedlicher Sichtweisen und deren Veröffentlichung in den Gesellschaftsmedien.

Lt. Beschluss soll nun eine Arbeitsgruppe paritätisch aus leitenden und nicht-leitenden Mitgliedern gebildet werden, die sich u.a. folgenden Fragen widmen soll:

  • Die verschiedenen Beurteilungen, Aussagen und Handlungsweisen sind im Zeitablauf miteinander zu vergleichen und entsprechend dem jeweils verfügbaren Kenntnisständen zu bewerten – auch in Bezug auf den Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Leitung der Freien Hochschule. In diesem Sinne ist der jeweilige zeitliche Kontext dieses Verhaltens vor, während und nach der Pandemie-Zeit sowie die bereits geleistete Aufarbeitung zu berücksichtigen.
  • Ziel der Aufarbeitung ist insbesondere der Erkenntnisgewinn im Hinblick auf potentiell ähnliche gesellschaftliche und wissenschaftliche Anforderungen.
  • Unabhängig von Corona ist schon seit längerem zu beobachten, dass man sich seitens der Leitungen unserer Institutionen zunehmend dem lediglich medial und politisch hergestellten angeblichen Konsens in den Wissenschaften unterwirft und die dadurch entstandenen «Denkverbote» nicht nur akzeptiert, sondern meint, mit den entsprechenden Institutionen kooperieren zu können, gemeinsam forschend innerhalb des durch diese Institutionen vorgegebenen «Denkrahmens», aber auch zum Schutz der Anthroposophie vor Angriffen.[1]
  • Zu klären ist, ob der Vorwurf gerechtfertigt ist, dass auch innerhalb der Gesellschaft eine wissenschaftliche Auseinandersetzung im Sinne eines freien Geisteslebens in Bezug auf die mit Corona bestehenden Fragen nicht zugelassen wurde und Andersdenkende ignoriert oder gar als Verschwörungstheoretiker diskreditiert wurden (z.B. anlässlich einer Buch-Rezension in «Das Goetheanum»)?
  • Obwohl auch Mitglieder der Goetheanum-Leitung die Ansichten der Sektionsleitung der Medizinischen Sektion nicht vollständig teilten, haben sich diese jedoch offensichtlich aus Solidaritätsgründen nicht oder nicht genügend erkennbar zu Wort gemeldet.
  • Man ist mit der Theorie des Virus als Krankheitserreger einem monokausalen Denken (eigentlich einem Glauben) gefolgt, obwohl es dafür keine naturwissenschaftliche Evidenz gibt (siehe wtg-99.com/aufarbeitung) und Rudolf Steiner diese Auffassung als einen modernen Aberglauben bezeichnet hat.
  • So wurden die diesen Theorien widersprechenden Aussagen Rudolf Steiners entweder gar nicht oder nur verkürzt wiedergegeben, sodass er als Impfbefürworter erscheinen konnte.
  • Zu klären ist, ob es sich überhaupt um eine Pandemie im eigentlichen Sinne gehandelt hat.
  • Die Frage nach dem Wesen der Impfung wurde nicht thematisiert, obwohl Rudolf Steiner in Bezug auf die damalige Pockenimpfung bereits davon sprach, dass die Geimpften mit «einem Phantom durchkleidet werden», wodurch der Mensch «konstitutionell materialistisch»[2] würde.
  • Es ist davon auszugehen, dass viele Entscheidungen für die «Impfung» im Vertrauen auf die Verlautbarungen der Medizinischen Sektion getroffen wurden. Es wurden die erheblichen Forschungsdefizite sowohl in Bezug auf die Vorgänge der Ansteckungen als auch der Wirkung der Impfungen auf die höheren Wesensglieder des Menschen sichtbar – keineswegs nur Corona betreffend.
  • Warum wurden die kritischen Stimmen u.a. von Medizinern und anderen Fachleuten nicht berücksichtigte und auf entsprechende Hinweise nicht oder nur ungenügend reagiert hat?
  • Inwieweit hat der laufende Anerkennungsprozess der Ausbildungsstandards bei der WHO das Verhalten der Medizinischen Sektion beeinflusst, angesichts der Impfaffinität der WHO?

Zusammengestellt: Thomas Heck, 10. Mai 2024

Kontakt: thomas.heck@posteo.ch

[1] Rundbrief 61, siehe www.wtg-99.com im Rundbriefarchiv.

[2] GA 314, S. 278.

Unterstützungs- und Alternativantrag zu den Anträgen von Uwe Werner

Alternative Beschlussvorlage zu Anträgen 6.1 und 6.2:

Die Mitgliederversammlung 2024 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft empfiehlt, bei zukünftigen Konstitutionsprozessen die Einführung eines Delegiertensystems sowie die Einführung konsultativer Abstimmungen in Mitgliederversammlungen, ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Mit diesem Votum wird in wesentlichen Teilen dem ursprünglichen Antrag Uwe Werners entsprochen, ohne jedoch dessen Ansichten, Argumentationen und Begründungen zu folgen.

Begründung

Es erscheint absolut berechtigt, Überlegungen anzustellen, wie Gesellschaftsbeschlüsse auf eine breitere Basis gestellt werden können. Insofern ist gegen ein Delegiertensystem oder weltweite Abstimmungen nicht grundsätzlich etwas einzuwenden, sofern die gesellschaftlichen und sozialen Voraussetzungen dafür gegeben sind, z.B. in ausreichender Berichterstattung und freier Kommunikation der Mitgliedschaft untereinander. Solange die notwendigen Voraussetzungen nicht gegeben sind, kann von der Mitgliederversammlung eine notwendige Zustimmung nicht erwartet werden.

Uwe Werner begründet seinen Antrag im Wesentlichen mit vermeintlichen Absichten Rudolf Steiners, was jedoch in Frage zu stellen ist:

Kann es wirklich sein, dass erst nach 100 entdeckt worden sei, dass Rudolf Steiner «eine urdemokratisch legitimierte jährliche Mitgliederversammlung (Generalversammlung) der Weltgesellschaft auf der Basis des Delegiertenprinzips»[1] (so Uwe Werner) im Sinn gehabt haben soll? Die von Uwe Werner angeführten Äusserungen[2] Rudolf Steiners standen nicht im Zusammenhang mit Beschlussfassungen und wurden lediglich an der Weihnachtstagung geäussert – vor den ca. 800 anwesenden Mitgliedern bzw. den Schweizer Delegierten. «Für Rudolf Steiner waren die jährlichen Mitgliederversammlungen als Delegiertenversammlungen eine Selbstverständlichkeit.», so die Ansicht Uwe Werners. Eine erstaunliche Annahme, denn über eine Angelegenheit dieser Tragweite hätte Rudolf Steiner gewiss auch die nicht an der Weihnachtstagung anwesenden ca. 11.000 Mitglieder informiert. Aber nichts in dieser Richtung findet sich in seinen Berichten, Briefen und sonstigen Ausführungen nach der Weihnachtstagung, absolut nichts. Was Uwe Werner nicht erwähnt: In Rudolf Steiners «Entwurf einer Geschäftsordnung» (Beiheft zu GA 260a, S. 4f.) heisst es: «4. In allen Versammlungen der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach führt der Leiter der Anthroposophischen Gesellschaft den Vorsitz. Bei Abstimmungen hat jedes Mitglied der Gesellschaft eine Stimme. Bei Delegierten-Versammlungen wird das Stimmrecht durch den Vorsitzenden jeweils bei Beginn der Versammlung festgestellt.» Alle Versammlungen sind alle Versammlungen und in den Statuten ist keine Rede davon, dass die Jahresversammlungen als Delegierten-Versammlungen in diesem Sinne hätten stattfinden sollen. Dass es die Aufgabe der Delegierten gewesen wäre, in beide Richtungen zu berichten, ist keine Frage. Und so gibt es keinerlei Hinweise, dass in irgendeiner Weise Stimmrechte an Delegierte hätten übertragen werden sollen und einzelne Mitglieder kein Stimmrecht gehabt hätten oder nicht hätten haben sollen.

Bei den von Uwe Werner vorgebrachten Argumenten und Belegen für seine Thesen (die er auch selber lediglich als Thesen bezeichnet) handelt es sich weitgehend um Ansichten und Interpretationen, die zum Teil dazu führen, Rudolf Steiner – gewiss unbeabsichtigt – unüberlegtes und intransparentes Handeln zu unterstellen.

So sei die Weihnachtstagungs-Gesellschaft von Rudolf Steiner bewusst nicht als rechtfähiger Verein begründet worden – was absolut zutreffend ist.[3] Er habe dann aber am 29. Juni 1924 diese ins Handelsregister eintragen lassen wollen, wozu jedoch die Vereinsform Voraussetzung gewesen wäre. Und so unterstellt Uwe Werner Rudolf Steiner auch explizit unüberlegtes Vorgehen und bringt dies zum Ausdruck: «Dieser Rechtsvorgang war nicht gut vorbereitet worden und scheiterte dann vor allem deshalb, weil alles Vereinsmässige im Statut der Gesellschaft fehlte.»[4] Das soll Rudolf Steiner übersehen haben? Welch eine Aussage, sollte doch alles Vereinsmässige aus den Versammlungen herausgehalten werden – schon seit 1912!!! Sollten Uwe Werners Ansichten zum 29. Juni 1924 tatsächlich Rudolf Steiners Absichten entsprochen haben, wären die von ihm an diesem Tag formulierten Statuten für diesen Zweck allerdings vollkommen widersinnig und ungeeignet gewesen.

War Rudolf Steiner wirklich ein Dilettant in diesen Dingen? Kann man ernsthaft annehmen, dass er derartig unüberlegt und intransparent gehandelt hat und auch die Mitgliedschaft über seine tatsächlichen Absichten nicht genügend informierte? Macht es Sinn, wenn die Statuten der Weihnachtstagung Mitgliederanträge explizit erwähnen – eine Abstimmung aber Delegierten vorbehalten sein soll, ohne dass dies erwähnt wurde?

Auch wenn Uwe Werners Annahmen und Thesen sehr ausführlich und umfangreich sind, erscheinen diese jedoch selber in wesentlichen Aspekten unüberlegt, in ihren Konsequenzen nicht zu Ende gedacht und manche, seine Thesen stützenden Argumente, selektiv ausgewählt. Im Falle eines wissenschaftlichen Anspruchs in Bezug auf die vorgelegten Ausführungen wäre eine Auseinandersetzung mit den Ergebnissen anderer Konstitutionsforscher bzw. deren Widerlegung zwingend notwendig gewesen. So widersprechen Uwe Werners Ausführungen in wesentlichen Aspekten selbst der im Rahmen der AAG erarbeiteten Chronologie[5], die er selbst mitunterzeichnet hat (allerdings ohne daran aktiv mitgearbeitet zu haben!). Wäre nicht mit einer gewissen Selbstverständlichkeit zu erwarten, dass von dieser Chronologie abweichende Ansichten entsprechend begründet werden? Wobei dies sicher nicht nur von Uwe Werner zu erwarten wäre!

Rudolf Steiner im siebten Mitgliederbrief: «Was der eine behauptet, muss Bedeutung für den andern haben; was der eine erarbeitet, muss für den andern einen gewissen Wert haben.»

In diesem Sinne erscheint es notwendig zum Ausdruck zu bringen, dass mit dem Votum zu diesem Antrag die Mitgliederversammlung sich die Ansichten, Argumentationen und Begründungen Uwe Werners nicht zu eigen machen, sondern die Empfehlungen unabhängig davon ausspricht.

Thomas Heck, 14. April 2024, thomas.heck@posteo.ch

[1] Alle Zitate Uwe Werners ohne weiteren Einzelnachweis finden sich in seinem Thesenpapier https://konstitution.anthroposophie.online/uw.pdf sowie seinem Aufsatz «Ein geeigneter Binnenraum für die Pflege der Geisteswissenschaft. Das Freiheitsideal im Werden der anthroposophischen Gesellschaft» im Archivmagazin 10. Dez. 2020, S. 125 – 162.

[2] GA 260/1985, S. 122 und 157.

[3] Ausnahmslos alle diejenigen, die behaupten, es sei ein rechtsfähiger Verein an der Weihnachtstagung gegründet worden, sind den Nachweis dafür bis heute schuldig geblieben bzw. setzen sich über mehrere vorliegende juristische Aussagen und Einschätzungen hinweg. www.wtg-99.com/Rundbrief_69

[4] Artikel von Uwe Werner im Archivmagazin, auf den er sich explizit bezieht.

[5] Im Login-Bereich auf www.goetheanum.org oder https://konstitution.anthroposophie.online/

Aspekte zur Beteiligung an der Mitgliederversammlung 2024

Obwohl die diesjährige Mitgliederversammlung aufgrund der zu verhandelnden und abzustimmenden Themen durchaus bedeutsam für die Zukunftsfähigkeit und Wirksamkeit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sein wird, besteht im Moment der Eindruck, das nur mit einer geringen Teilnahme gerechnet werden kann. Für uns zeigt sich dies vor allem an dem unerwartet geringen Interesse an den angebotenen Vorbereitungsmöglichkeiten (an die hier erinnert werden soll). Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die sich bereits in dem rückläufigen Interesse an den Mitgliederforen gezeigt hat – sowohl vor Ort, vor allem aber online.

Ist die Resignation über die problematischen Verhältnisse in unserer Gesellschaft bereits so weit fortgeschritten, dass kaum noch Hoffnung auf Veränderung besteht? Es gibt gewiss berechtigte Gründe für eine derartige Haltung – und dies zeigt sich ja auch in der hohen Zahl der Austritte[1] (dabei handelt sich keineswegs nur um Vermutungen, die Ergebnisse unserer Umfragen sprechen eine eindeutige Sprache).

Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass in jeder Art von Gemeinwesen die bestehenden Verhältnisse davon abhängig sind, inwieweit sie von denen getragen oder geduldet werden, die das Gemeinwesen bilden. Denn letztlich liegt die eigentliche Verantwortung für die Verhältnisse bei der Zivilbevölkerung, in unserem Gemeinwesen «Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft» bei der Mitgliedschaft! Die wesentlichen Zukunftsentscheidungen können nur von denjenigen getroffen werden, die sich einbringen und an den entsprechenden Versammlungen teilnehmen. Wer sich nicht beteiligt – sei es durch Enthaltung oder Nicht-Teilnahme – stützt letztlich die bestehenden Verhältnisse, auch wenn dies nicht gewollt ist.

So wäre eine breite Beteiligung an der Mitgliederversammlung wünschenswert, damit die zu treffenden Entscheidungen eine genügend grosse Grundlage haben – ganz gleich, was bzw. wie entschieden wird.

Der Einwand, es sei doch nur eine kleine Minderheit, die die Entscheidungen für die ganze Gesellschaft trifft, entkräftet sich inzwischen selber, denn die Weltgesellschaft hat heute die Möglichkeit, bequem vom Wohnzimmer aus teilzunehmen und kann auch mitabstimmen. Müssten nicht von den 42.000 Mitgliedern eher tausende als hunderte online teilnehmen? Das war sicher erwartet worden, stattdessen waren es zwischen 150 und 300, die das Geschehen live angeschaut haben.

Dass online nur fakultativ abgestimmt werden (aus rechtlichen Gründen), mag man beklagen. Aber wer beklagt es denn? Es klagt vor allem die Minderheit derer, die die Gesellschaft leiten bzw. diesen nahestehen! Es sind eben nicht die über 40.000 Mitglieder, die nicht teilnehmen, von diesen ist nichts zu sehen und zu hören – und vermutlich werden diese nicht einmal mehr von der Leitung erreicht.

Man stelle sich doch einmal vor, dass z.B. 2.000 Online-Teilnehmer an einer Mitgliederversammlung gänzlich anders abstimmen würden als z.B. 400 Teilnehmer im Saal. Damit würde reales Leben in der Gesellschaft sichtbar, das könnte und sollte zu regem weltweitem Austausch führen und würde in jedem Fall deutliche Wirkungen erzeugen. Ich persönlich glaube nicht, dass dann das Minderheitenvotum, welches rechtlich gültig wäre, einfach durchgesetzt würde. Ich persönlich würde das Eintreten einer solchen Situation auf jeden Fall positiv werten und es wären dann Wege zu suchen, wie damit angemessen umgegangen werden könnte.

Allerdings sieht es im Moment nicht danach aus, dass dies eintreten kann. Und so haben wir eben die Situation, dass trotz bestehender Möglichkeiten sich nicht mehr Mitglieder für die Gesellschaftsangelegenheiten interessieren und engagieren. Das ist einfach eine Tatsache, die hinzunehmen ist.

Peter Selg stellte 2018 (nach der Nichtbestätigung von Paul Mackay und Bodo von Plato) fest:

«Die Mitglieder sind urteilsfähig, zumindest diejenigen, die die Entwicklung des Goetheanum und der Vorstandsarbeit intensiv verfolgen; man braucht auf die Menschen nicht einzureden und sie von diesem oder jenem zu überzeugen versuchen. Man sollte vielmehr «in Ruhe abwarten, was die Mitglieder selber wollen» (Ita Wegman), nachdem man sie hinreichend informiert hat.»

Insofern ist es vollkommen legitim, dass diejenigen, die an der Mitgliederversammlung teilnehmen, auch diejenigen sind, die über die zur Abstimmung stehenden Fragestellungen entscheiden.

Thomas Heck, 16. April 2024

[1] https://wtg-99.com/documents/Rundbrief_63.pdf#page=4

Vorbereitung der Generalversammlung 2024

Wie bereits im letzten Jahr sind schon allein die Anzahl der Anträge sowie die zu verhandelnden Themen an der Mitgliederversammlung Ausdruck des Bedürfnisses aus der Mitgliedschaft nach Veränderungen im Verhältnis Mitgliedschaft und Leitung der Gesellschaft. Hinzu kommt die Bereitschaft, Mitverantwortung für die Gesellschaftsangelegenheiten zu übernehmen. Dem entgegen steht ein offensichtliches Bestreben, die seit Rudolf Steiners Tod entstandene einheitsstaatsähnliche Leitungsstruktur zu erhalten.

So kann der Eindruck entstehen, dass die an der diesjährigen Mitgliederversammlung zu treffenden Entscheidungen für das weitere Schicksal der Gesellschaft von grosser Bedeutung sein werden: Wird ein verbindlicher Prozess zu Erneuerung der Sozialstrukturen beginnen können oder werden sich die restaurativen Tendenzen durchsetzen?

Zur Vorbereitung der Generalversammlung (ich verwende den üblichen Begriff, besser aber wäre: Mitgliederversammlung) wird es demnächst mehrere Aussendungen geben. Ausserdem sollen Vorbereitungstreffen stattfinden – online und vor Ort in Dornach. Folgende Termine sind vorgesehen:

Online:

Neu zusätzlich: Mittwoch 24. April, 20 – 21:30 Uhr

Dornach

Donnerstag, 25. April 2024, 19.30 – 21.30 Uhr. Der genaue Ort wird noch bekannt gegeben.

Anmeldung zu allen Terminen ist notwendig!

Anmeldung

Kaspar Hauser Festspiele 2024 in Ansbach

„Kaspar Hauser und der Begriff der Menschwerdung“

Als Kaspar Hauser wie aus dem Nichts zu Pfingsten 1828 in der Welt erschien, wurde er einerseits bezeichnet als ein halbwilder Tiermensch, andererseits als ein engelgleiches Wesen aus längst vergangenen Äonen. In kürzester Zeit vermochte er dann eine rasante Entwicklung zu durchlaufen und Teil der „zivilisierten“ Gesellschaft zu werden, wobei er jedoch auch Entscheidendes verlor. Und so ist es nur verständlich, dass Jakob Wassermann bezüglich seines berühmten Kaspar-Hauser-Romans aus dem Jahre 1908 sagt, dieser sei „die Darstellung einer Menschwerdung.“ Der Begriff der „Menschwerdung“ aber ist in unserer heutigen Zeit inzwischen zu einer großen Frage geworden, da der Mensch sich ja nun anschickt, anhand technischer Hilfsmittel überwinden zu wollen! Dem „Transhumanismus“ soll die weitere Entwicklung anvertraut werden! Diese geschähe dann aber vorrangig nur noch von „Außen“, nicht mehr von „Innen“ her, und genau dies wäre das Fatale, denn dieser „Fortschritt“ gliche letzten Endes dann eher nur noch einer Leihgabe als einer tatsächlichen Aneignung! Nach den offiziellen Begrüßungsworten durch Vertreter der Stadt Ansbach wird Eckart Böhmer sich dieser Fragen annehmen, für die Kaspar Hauser zeichenhaft steht. Die Eröffnung der Festspiele wird musikalisch umrahmt durch das DUO CHAGALL, das die beiden innigen Werke „Spiegel im Spiegel“ und „Vater Unser“ von Arvo Pärt darbieten wird!

ECKART BÖHMER, Intendant, Theaterregisseur, Referent und Autor rief 1998 gemeinsam mit der Stadt Ansbach die alle zwei Jahre stattfindenden Kaspar-Hauser-Festspiele ins Leben. 2018 wurde ihm der Kulturpreis der Stadt Ansbach verliehen.

Weitere Informationen, Programm, Anmeldung:

Stadt Ansbach

Programm

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