Was in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft noch vorgeht

3 x 33 Jahre Weihnachtstagung

Die Krise der AAG

Rückblick – Perspektiven – Initiativen

Bedeutung, Schicksal und Aktualität der Impulse Rudolf Steiners

zur Neugründung der AG 1923 im Jahr 2022 – nach 3 x 33 Jahren

 

Seminaristische Arbeit mit Thomas Heck und Eva Lohmann-Heck

 

Unterlengenhardt: Samstag, 2. Juli 2022, 9:30 – 18 Uhr

Dornach: Freitag, 15. Juli 2022, 19:30 Uhr und Samstag, 16. Juli 2022, 9:30 – 18 Uhr

 

Weitere Termine auch an anderen Orten auf Anfrage.

Anmeldung: siehe Ende der Seite.

Die Krise der AAG

Die Zeichen dafür, dass sich die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (sowie andere anthroposophische Institutionen) kurz vor der säkularen Wiederkehr der Weihnachtstagung in einer existenziellen Krise befindet, werden unübersehbar. Einerseits betrifft das die öffentliche Repräsentation der Anthroposophie durch die leitenden Persönlichkeiten. Man ist offensichtlich übereingekommen, den zunehmenden Angriffen (Rassismusvorwurf, Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit, Querdenker-Nähe, Rechts-Lastigkeit, Verschwörungstheoretiker-Tendenzen, Impfgegner, u.a.) durch Anpassung an mainstream- und konsensfähige Ansichten und Vermeidung von unbotmässigen Positionen entgegenzutreten. Dabei wird in Kauf genommen, dass die anthroposophische Substanz z. T. verleugnet und Rudolf Steiner falsch zitiert werden muss. Gewiss wird versucht, die Wissenschaftlichkeit der Anthroposophie nachzuweisen und die Rassismus-Vorwürfe zu entkräften. Ein allerdings kaum erfolgversprechendes Unterfangen, da diesen Vorwürfen zumeist selber bereits eine wissenschaftliche Grundlage fehlt. Man wird niemanden überzeugen können, der nicht verstehen will.

Andererseits sind auch intern die Krisenzeichen unübersehbar: Neben dem seit Jahrzehnten kontinuierlichen Rückgang der Mitgliederzahlen scheint das Verhältnis der Leitung und der Mitgliedschaft nachhaltig gestört, was z.B. in der stark rückläufigen Teilnahme an Mitgliederversammlungen zum Ausdruck kommt. Neben den unhaltbar vertretenen Positionen in der CoronaKrise dürfte vor allem der Vertrauensverlust zugrunde liegen, der durch die Reaktionen auf die Nichtbestätigung zweier Vorstandsmitglieder an der GV 2018 entstanden ist: Anstatt das Ergebnis zu respektieren und sich darum zu bemühen, das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen, verschanzte man sich regelrecht, kritisierte die Mitglieder wegen ihres Verhaltens und suchte nach Wegen, deren Einfluss einzuschränken. Der Versuch, an der GV 2022, ein neues Leitungsorgan statuarisch zu installieren, wurde von der Mitgliedschaft als unzeitgemäss klar abgelehnt.

Wir sollten die Art und Weise, wie wir unsere sozialen Verhältnisse regeln und was in unserer Gesellschaft geschieht in ihrer Wirkung auf das Weltgeschehen nicht zu gering schätzen. Selbstverständlich geschieht dies nicht auf einer rein äußeren Ebene. Rudolf Steiner wies 1923 darauf hin, dass die Anthroposophische Gesellschaft eine Art Vortrupp dessen sein solle, „was einfach aus der Notwendigkeit der Zeitverhältnisse heraus immer weitere Ausbreitung gewinnen muss.“ Angesichts der allgemeinen Tendenz, Grundrechte abzubauen und Souveränitätsrechte an supranationale, nicht demokratische Organisationen zu übertragen, wäre es eine falsche Geste, in ähnlicher Weise in der AAG Leitungsorgane zu bilden. Wirklich Not-wendende Veränderungen der heutigen menschen- und freiheitsverachtenden Bestrebungen werden und können nur von der Basis, von einzelnen Individualitäten ausgehen, welche sich in zeitgemässen Formen zu gemeinsamen Initiativen vereinen. Das gilt gewiss im Besonderen für die AAG, denn unsere eigenen Verhältnisse können keinesfalls als vorbildlich gelten.

«… das Wichtigste für die Zukunft wird geschehen durch die Tüchtigkeit des einzelnen menschlichen Individuums»[1]

In diesem Sinne ist es gerade jetzt, 3 x 33 Jahre nach der Weihnachtstagung, notwendig, aus der Mitgliedschaft heraus Verantwortung zu ergreifen, auch für unsere Gesellschaftsverhältnisse, für ein gemeinsames Aufgabenbewusstsein, für die zivilisatorische Aufgabe der Anthroposophie. Aus solcher Initiative könnte sich ein Mitgliederorgan bilden, als Partner der Leitung auf Augenhöhe und es würde möglich, die entstandenen Gegensätzlichkeiten aufzulösen. Damit würde auch denjenigen eine Teilnahme am Gesellschaftsgeschehen möglich werden, die sich heute nicht repräsentiert fühlen können. Es könnte real werden, was 2011 aus rein taktischen Gründen versprochen, aber nicht eingehalten wurde: «Gern möchten wir die Zusammenarbeit der Mitglieder mit den Verantwortungsträgern verstärken, sodass die Gesellschaft zum Partner des Vorstands wird und sich nicht als Gegenüber versteht.»

Eine solche Initiative benötigt zur Bildung einerseits genügend Rückhalt in der Mitgliedschaft, andererseits ist ein gemeinsames Verständnis der Aufgaben und Probleme in der Gesellschaft Voraussetzung für eine gedeihliche Entwicklung. Es ist höchste Zeit, dass wir ins Gespräch kommen, es genügt ja nicht, immer wieder die bestehenden Unzulänglichkeiten zu beschreiben, es sind aktive positive Entwicklungsimpulse notwendig. Dem soll das nachfolgende Seminarangebot Rechnung tragen: Ein gemeinsames Bewusstsein zu schaffen für die Geschichte und Aufgabe der Gesellschaft sowie ein Beitrag zur Entwicklung zukünftiger Gestaltungen.

[1] Rudolf Steiner, GA 185a, 2017, S. 148.

Seminar-Inhalt

  1. Block 90 Min.
  • Der 33-Jahres-Rhythmus und die Christus-Jahre. Symptomatisches aus der Vorgeschichte der anthroposophischen Bewegung und Gesellschaft, insb. aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Notwendige Voraussetzungen für Rudolf Steiners Wirken.
  • Die Entwicklungen, die zur Weihnachtstagung führten, im Überblick. Die Situation der Gesellschaft 1914, nach dem Weltkrieg, nach dem Brand des ersten Goetheanums. Grundlage des Entschlusses zur Weihnachtstagung als esoterische Tat aus moralischer Intuition im Sinne der Philosophie der Freiheit.
  1. Block 90 Min. mit Gespräch
  • Charakteristik der Neugründung 1923, zweifaches Risiko der Übernahme der Gesellschaftsleitung. Symptomatische Irrtümer und Mythen, die mit der Weihnachtstagung und der Neugründung verbunden sind. Der Impuls zur Weihnachtstagung.
  • Die weitere Entwicklung nach Rudolf Steiners Tod. Die ersten Wochen als Urbild der weiteren (krisenhaften) Entwicklung. Gesellschaft bzw. Hochschule in Sukzession der von Rudolf Steiner gegründeten Gesellschaft bzw. Hochschule? In welcher Gesellschaft sind wir eigentlich Mitglied?
  • Bedeutung des Konstitutionsproblems für die heutige Situation. Leitung der Gesellschaft: Ein Gemisch aus Sukzession, Selbstermächtigung und Auftrag der Mitgliedschaft?
  1. Block 90 Min. mit Gespräch
  • Blick in die Zukunft, die mögliche Auferstehung der mit der Weihnachtstagung verbundenen Impulse und Voraussetzungen für deren Ergreifen. Erkenntnis der Fehlentwicklungen und Irrtümer, die sich aus der Geschichte ergeben haben und in der Gestaltung der bestehenden Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule wirksam sind. (Struktur der Gesellschaft, die AAG-Struktur als Vermischung von Weihnachtstagungs-Gesellschaft (WTG) und Bauverein, AAG in vermeintlicher Nachfolge der WTG, Kooption, Initiativ-Vorstand, u.a.).
  1. und 5. Block, je 90 Min. mit Gespräch
  • Vertiefung nach Bedarf, Fragen und Gespräch.
  • Gesellschaft wollen, Initiative ergreifen: Was ist konkret zu tun? Bilder für die Zukunft entwickeln: Notwendige Schritte für eine zeitgemässe und zukunftsfähige Gesellschaft. Wie kann sich die Mitgliedschaft aktiv einbringen?
  • Konkrete Initiativen bis zur Generalversammlung 2023 und darüber hinaus?

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Anmeldung und Termin

Dornach: 20. Juni 22, 19:30 Uhr und 11. Juni 22, 9:30 – ca. 18 Uhr

Unterlengenhardt: 2. Juli 22, 9:30 – ca. 18 Uhr

Dornach: 15. Juli 22, 19:30 Uhr und 16. Juli 22, 9:30 – ca. 18 Uhr

Seminargebühr – Richtsatz: Dornach: 100 CHF, Unterlengenhardt: 80 €,  Ermässigung möglich.
Begrenzte Teilnehmerzahl.

Anmeldung erforderlich: thomas.heck@posteo.ch

Der genaue Seminarort mit Adresse wird nach der Anmeldung bekannt gegeben.