Was in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft noch vorgeht

Antrag zur Klärung des Verhältnisses Mitglieder – Vorstand bzw. Goetheanum-Leitung

Aus den folgenden Verlautbarungen ergeben sich Fragen in Bezug auf das Gesellschaftsverständnis des Vorstandes bzw. der Goetheanum-Leitung:

1. An dem „Jahrestreffen der Anthroposophischen Bewegung“ 2017 hatte Claus-Peter Röh mehrfach davon gesprochen, dass sich die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft weg von einer Mitglieder-Gesellschaft hin zu ein „Initiativ-Ermöglichungs-Gesellschaft“ entwickeln solle. Was hat diese Aussage zu bedeuten? Warum soll die Gesellschaft keine Mitgliedergesellschaft mehr sein? Soll die Gesellschaft in eine Stiftung umgewandelt werden?

2. In dem – vermutlich internen – Arbeitspapier „Goetheanum in Entwicklung“ vom Oktober 2017, welches offensichtlich Grundlage für den gleichnamigen Artikel in „Anthroposophie weltweit“ 12/17 war, hiess es: „Ein wesentliches Ziel aller genannten Projekte ist es, innerhalb von drei Jahren die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Goetheanum zu erreichen. Die Basis dafür ist das Vertrauen in das Goetheanum und seine Entwicklung. Ein wichtiger Impuls ist in diesem Zusammenhang die Initiative einer verstärkten Pflege der Beziehung zu den Mitgliedern. Denn noch immer bleiben weiterhin die Mitgliederbeiträge eine wesentliche Grundlage der Finanzen.“ (In der Veröffentlichung in Anthroposophie weltweit fehlte der letzte Satz.) Diese „Initiative einer verstärkten Pflege der Beziehung zu den Mitgliedern“ hat deutlich die Mitgliedsbeiträge, nicht die Mitglieder im Blick.

3. In dem gleichen Arbeitspapier – jedoch nicht in „Anthroposophie weltweit“ – wird zusätzlich von einem Kommunikations-Projekt berichtet, das dazu beitragen soll, „ein neues Bild des (weltweiten) Goetheanum zu vermitteln“. Dazu soll „mit Hilfe von externen Fachleuten die Ist-Situation im Blick der Öffentlichkeit analysiert und der Veränderungsbedarf“ u.a. in dem Horizont „interner Umkreis (Mitglieder) … ermittelt und dafür realistische Vorgaben für die Zeitperiode 2018 bis 2020 entwickelt werden.“ Was bedeutet es, ein neues Bild des Goetheanums zu entwickeln? Warum werden externe Berater benötigt, um die Situation und den Veränderungsbedarf des Verhältnisses des Goetheanums zu den Mitgliedern zu ermitteln bzw. zu entwickeln? Warum erfahren die Mitglieder davon nichts? Und warum wird die Mitgliedschaft in diese Fragestellung nicht aktiv mit einbezogen?

Weitere Fragen drängen sich auf. So stellt sich die Frage, welches Verständnis in der Leitung der Gesellschaft und der Hochschule lebt bezüglich des Verhältnisses gegenüber den Mitgliedern? Üblicherweise bildet die Mitgliedschaft die Gesellschaft und dem Vorstand fällt die Leitung in einer den Zielen der Gesellschaft verpflichteten und der Mitgliedschaft gegenüber rechenschaftspflichtigen Rolle zu. Durch die o.g. Zitate kann der Eindruck entstehen, dass die Leitung der Gesellschaft sich als selbständige und unabhängige Unternehmerschaft versteht und die Mitgliedschaft in der Rolle der Belegschaft des Unternehmens „Goetheanum“ oder „Gesellschaft“ sieht, und dementsprechend die Beziehung zu dieser Belegschaft mit Hilfe externer Berater zu gestalten und zu optimieren beabsichtigt. Diese Belegschaft wird allenfalls über die geplanten Entwicklungen informiert, ohne einbezogen zu werden.

Sofern die Generalversammlung der Ansicht ist, dass hier wichtige offene Fragen im Gesellschaftsverständnis und in dem Verhältnis zwischen Mitgliedern und der Leitung der Gesellschaft liegen, möge sie folgendes beschliessen:

Der Vorstand wird ersucht, sein Selbstverständnis als Leitungsorgan der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und das sich daraus ergebende Verständnis für seine Beziehung zu den Mitgliedern im Sinne der genannten Fragestellungen ausführlich und klar schriftlich darzustellen und an einem Mitgliedertag dazu Stellung zu nehmen und Fragen zu beantworten. Um möglichst vielen Mitgliedern die Teilnahme zu ermöglichen, soll der Termin hierfür auf einen Samstag von 10 – 18 Uhr im September oder Oktober 2018 gelegt werden.

Dornach, 26. Januar 2018
Thomas Heck

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