Was in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft noch vorgeht

Zu dieser Website

Auf dieser Web-Site sollen zu aktuellen und grundsätzlichen Fragestellungen zur Situation und Entwicklung der Anthroposophie, der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Hochschule Beiträge für die gesamte (deutschsprachige) Mitgliedschaft ermöglicht werden.
Konkreter Anlass zur Einrichtung sind aktuelle Fragen im Zusammenhang mit der Entwicklung in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und in der Hochschule. Diese Fragen werden auch berührt durch die Anträge und Anliegen, die zur bevorstehenden Generalversammlung vom 22.-25. März 2018 gestellt wurden.
Da im Zusammenhang mit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, aber auch sonst im anthroposophischen Zusammenhang eine Möglichkeit des Austausches zwischen den Mitgliedern nicht existiert, soll hiermit ein Versuch unternommen werden, dies zu ermöglichen.
Es besteht bei den Beiträgen die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlegen bzw. eigene Beiträge zur Veröffentlichung auf dieser Plattform einzureichen. Dazu ist die Angabe Ihrer Email-Adresse und Ihres Namens notwendig.
Im Vordergrund soll zunächst die bevorstehende Generalversammlung mit den durch die Anträge angesprochenen Themen, die sogenannte „Zäsur“ (Wiederwahl der Vorstandsmitglieder Paul Mackay und Bodo von Plato) und der Projektkomplex „Goetheanum in Entwicklung“ stehen.
Ein weiteres zentrales Thema soll die Frage nach dem Verhältnis der Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Hochschulleitung zur „Dreigliederung des sozialen Organismus“ in Bezug auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung und im Besonderen auf die in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft existierenden Strukturen sein.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt wir die säkulare Wiederkehr der Weihnachtstagung 2023/2024 sein und in diesem Zusammenhang, damit überhaupt eine Erneuerung der damaligen Impulse denkbar ist, eine Aufarbeitung und Aufklärung über die Entwicklung der „Institutionen“ Gesellschaft und Hochschule, allgemein als „Konstitutionsfrage“ bezeichnet, aber deutlich über das bisher damit Gemeinte hinausgehend.
Weitere Themen sind möglich und herzlich willkommen.
Bitte berücksichtigen Sie, dass diese Seite noch in einem provisorischen Stadium befindet. Es handelt sich dabei nicht um ein langfristig geplantes Vorhaben, sondern um ein aus der aktuellen Notwendigkeit heraus kurzfristig entstandenes Projekt.

Hinweise, Anregungen und auch Beiträge sind herzlich willkommen.

Zur Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 2018 wurden 12 Anträge und 2 Anliegen eingereicht. Auf dieser Webseite wird bisher auf 4 dieser Anträge näher eingegangen. Zu dem Antrag zur Rehabilitierung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede gibt es nähere Hinweise auf der Seite der Initiative zur Rehabilitierung von Ita Wegmann und Elisabeth Vreede.

Zu den Anträgen

Aufarbeitung Impf-Empfehlung

Am Dienstag den 14. Juni 2022 findet am Goetheanum zum Thema «Impf-Empfehlung» der Medizinischen Sektion  eine offenen Forum statt:

«Wo liegt die Grenze zwischen Aufklärung, die zu einer individuellen Urteilsbildung beiträgt, und institutioneller Empfehlung, die schnell als ‹ex cathedra› empfunden wird?»

Das Forum ist eine Initiative des Zweiges am Goetheanum, Uhrzeit und Ort: ab 20 Uhr im Terrassensaal des Goetheanum.

Beim Gespräch anwesend sein werden als Vertreter der veranstaltenden Zweige und des Vorstands am Goetheanum: Matthias Girke, Andreas Heertsch, Ueli Hurter, Georg Soldner, Ronald Templeton und Justus Wittich

Anmerkungen zur Vorbereitung

Ob die Verlautbarungen der medizinischen Sektion als Impfempfehlungen verstanden wurden oder nicht, mag dahin gestellt sein. Tatsache ist, dass die offizielle Haltung schon zu der sogenannten Pandemie den Narrativen des Mainstream folgte: Weder wurde das Virus als Krankheitserreger überhaupt noch die allgemein geglaubten Wege der Ansteckung durch physische Übertragung der Viren infrage gestellt, obwohl es schon auf naturwissenschaftlicher Ebene an entsprechenden Nachweisen mangelte. Auf geisteswissenschaftlicher Ebene – sofern diese überhaupt in Betracht gezogen wurde – haben die einschlägigen und eindeutigen Aussagen Rudolf Steiners keine Berücksichtigung gefunden. Rudolf Steiner:

«Der Regen kommt, wenn die Frösche quaken …

Derjenige, der behauptet, dass von den kleinen Lebewesen die Krankheiten kommen, der zum Beispiel sagt: die Grippe kommt von dem Grippebazillus und so weiter, der ist natürlich geradeso gescheit, als wenn einer sagt, der Regen kommt von den Fröschen, die quaken. Natürlich, wenn der Regen kommt, quaken die Frösche, weil sie es spüren, weil sie ja in dem Wasser sind, das angeregt ist durch dasjenige, was den Regen bewirkt. Aber die Frösche bringen nicht den Regen. Ebenso bringen die Bazillen nicht die Grippe; aber sie sind da, wo die Grippe ist, geradeso wie die Frösche auf eine unerklärliche Weise hervorkommen. wenn der Regen kommt». (Auszug, wesentlich ausführlicher in Rundbrief 28 oder https://wtg-99.com/rudolf-steiner-zur-ansteckung/).»

Diese Widersprüche gegenüber den eigenen Ansichten wurden zu keiner Zeit thematisiert! Somit hat man sich seitens der Med. Sektion, wenn man Rudolf Steiners Aussagen (noch?) ernst nimmt, in dem «modernen Aberglauben» bewegt, «dass die Bazillen und Bakterien in den Menschen einziehen und ausziehen und die Krankheiten bewirken.»  Anstatt diese Widersprüche zu den eigenen Aussagen aufzuklären, wurde die Tatsache, das sich Rudolf Steiner gegen Pocken impfen lies, so dargestellt, als habe er dies als wirklich sinnvoll angesehen und sich aus innerer Überzeugung von einem gesundheitlichen Nutzen impfen lassen. Es wurde einfach unterschlagen, dass damals in Deutschland eine gesetzliche Impflicht bestand, der sich Rudolf Steiner kaum entziehen konnte. So kann der Eindruck entstehen, dass man ihn im Grunde instrumentalisierte, um die eigene Haltung zu unterstützen. War Rudolf Steiner ein Impfgegner? https://wtg-99.com/war-rudolf-steiner-ein-impfgegner/
Generell fällt auf, dass gerade in den medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen um  Corona und die Impfung von einem freien Geistesleben keine Rede sein konnte, da andere Ansichten gar nicht erst in Erwägung gezogen und deren Vertreter – darunter auch Ärzte, die zu anderen Schlussfolgerungen als die Sektion-Leitung gekommen waren – ausgegrenzt wurden, nicht zu Wort kamen oder gar aus Verschwörungstheoretiker diskreditiert wurden.

Der Vorwurf gegenüber Thomas Mayer, das von ihm veröffentlichte Buch „Corona-Impfen aus geisteswissenschaftlicher Sicht“ sei dogmatisch, unwissenschaftlich und unseriös war eine regelrechte Projektion und betraf die Rezensenten selber: Die Kritik war ausschliesslich persönlich, zum Teil falsch (man hatte das Buch gar nicht gründlich studiert) und es wurde nicht einmal der Versuch unternommen, sachlich irgendetwas zu wiederlegen. Von einem Absolutheitsanspruch konnte man nur in Bezug auf die Beurteilung der Rezensenten (zu denen auch die Leiter der Medizinischen Sektion gehörten) sprechen – Thomas Mayer hat wohl an keiner Stelle seines Buches die dort wiedergegeben Erfahrungen und Wahrnehmungen als absolut wahr und unbezweifelbar bezeichnet. Wenn man sich vergegenwärtigt, was Rudolf Steiner selber zu den Wirkungen der Pockenimpfungen sagte, kann deutlich werden, dass es keineswegs angemessen ist, die in dem Buch geschilderten Erfahrungen a priori als abwegig zu bezeichnen:

«Es (die Pockenimpfung) schadet nur denjenigen, die mit vorzugsweise materialistischen Gedanken heranwachsen. Da wird das Impfen zu einer Art ahrimanischer Kraft; der Mensch kann sich nicht mehr erheben aus einem gewissen materialistischen Fühlen. Und das ist doch eigentlich das Bedenkliche an der Pockenimpfung, daß die Menschen geradezu mit einem Phantom durchkleidet werden. Der Mensch hat ein Phantom, das ihn verhindert, die seelischen Entitäten so weit loszukriegen vom physischen Organismus wie im normalen Bewußtsein. Er wird konstitutionell materialistisch, er kann sich nicht mehr erheben zum Geistigen. Das ist das Bedenkliche bei der Impfung. Natürlich handelt es sich darum, daß da die Statistik immer ins Feld geführt wird. Es ist die Frage, ob eben gerade in diesen Dingen auf die Statistik so viel Wert gelegt werden muß.» 

Und ist es nicht so, dass inzwischen versucht wird, die Impfempfehlungen mit fragwürdigen Statistiken zu rechtfertigen?

Bleibt die Frage, ob nun das Buch von Thomas Mayer oder die grundsätzliche Haltung der offiziellen Anthroposophischen Medizin mehr Schaden angerichtet hat – für die Anthroposophie – vor allem aber für die betroffenen Menschen, die sich im Vertrauen auf die offiziellen Aussagen, die auch von anderen Institutionen (Weleda, Bund der Waldorfschulen , Demeter u.a.) übernommen wurden, haben impfen lassen. Das ist nicht nur eine medizinisch-naturwissenschaftliche – sondern insbesondere eine moralische Frage.

Inzwischen mehren sich die Hinweise auf Impfschäden und die dramatische Untererfassung dieser Nebenwirkungen kann kaum infrage gestellt werden. Aber auch weiterhin wird die Impfung empfohlen und die unhaltbaren und unwahren Aussagen zu Rudolf Steiners Haltung wurden nicht zurückgenommen:

https://www.mynewsdesk.com/de/goetheanum/pressreleases/stellung-der-anthroposophischen-medizin-zur-impfung-gegen-sars-cov-2-gesundheit-umfassend-staerken-3070644
https://www.gaed.de/corona/standortbestimmung
https://www.anthromedics.org/PRA-0971-DE
https://www.weleda.de/weleda/unsere-expertise/weleda-zu-covid-19
https://www.waldorfschule.de/ueber-uns/corona-faq/
https://www.demeter.de/aktuell/stellungnahme-corona

Auf die wesentlichen Aspekte wurde bereits im Frühjahr 2021 hingewiesen, die Aussagen in den Rundbriefen 28 und 29 sind auch weiterhin aktuell.

Weitere Informationen in Rundbrief 28 und 29.

Es ist höchste Zeit, dass umfassend Rechenschaft abgelegt, Verantwortung übernommen wird und Konsequenzen gezogen werden.

Zum Bericht über die Generalversammlung in AWW 5/22

Ist die Weltgesellschaft überhaupt eine Realität?

Der nachfolgende Bericht ist als Reaktion auf die von Ueli Hurter verfasste Kolumne «Zum Abstimmungsgeschehen» in AWW 5/22 entstanden, wobei auch die übrige Berichterstattung über die Generalversammlung 2022 angesprochen wird. Aufgrund der reduzierten Seitenzahl von Anthroposophie weltweit ist dort eine sachgemässe Erwiderung nicht möglich und es konnte daher dort nur eine stark zusammengekürzte Zusammenfassung erscheinen (AWW 6/22). Im Anhang sind mündliche GV-Beiträge von Marjatta van Boschoten und Thomas Heck wiedergegeben.

Desweiteren wird die Frage gestellt, ob man angesichts des rapide abnehmenden Interesses der Mitglieder an der Gesellschaft überhaupt noch von einer ‹Weltgesellschaft› sprechen kann.

Zu der Kolumne «Zum Abstimmungsgeschehen»

Seitens des Vorstandes, der die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft als einen der beiden Hauptaktionäre sowohl in der Weleda-Generalversammlung als auch im Verwaltungsrat vertritt, wurden wechselnden, z.T. sich widersprechende und nicht nachvollziehbare Argumentationen für eine „Ausgliederung“ der Weleda-Aktien an eine unbekannte Institution vorgebracht. Dies hat in der Mitgliedschaft erhebliche Irritationen verursacht und zu einem deutlichen Vertrauensverlust geführt. Die Chance, diesen wieder auszugleichen, beruht auf einer Mitgliederinitiative. Darauf hätte Ueli Hurter in seiner Kolumne ruhig hinweisen können. Auch wenn gewiss nicht beabsichtigt, so werden diese Ausführungen zumindest von informierten Mitgliedern kaum als hilfreich erlebt werden, denn sie sind  – auch durch das Nichtgesagte – in hohem Masse einseitig, irreführend und vermitteln kein zutreffendes Bild der tatsächlichen Vorgänge, sie würden einer sachlichen Überprüfung nicht standhalten können:

  • Ja, es bestand eine Unsicherheit über die Berechtigung und Zuständigkeit des geplanten neuen Leitungsorgans. Die Ursache dafür? Wie in der Kolumne beklagt, fehlte es tatsächlich an gutem Willen – allerdings des Vorstands – auch nur im Ansatz der Mitgliedschaft den Zweck dieses neuen Leitungsorgans zu vermitteln, nicht einmal auf direkte Nachfrage hin. Zudem wurden wesentliche Teile der von mir vorgebrachten Argumente schlicht ausgelassen (diese und die Ausführungen von Marjatta van Boschoten siehe Anhang weiter unten). Ohne eine vernünftige Begründung konnte man diesem Antrag nicht zustimmen und er wäre wohl auch ohne den Geschäftsordnungsantrag abgelehnt worden. Nun ist er nur vertagt. Offensichtlich sind die entsprechenden Vorhaben aus dem Jahr 1999[1] heute im Vorstand unbekannt. Hat man auch vergessen, dass die in AWW 12/18 angekündigten Massnahmen, zu denen auch die beabsichtigte Einführung dieses neuen Leitungsorgans gehörte, bei der Besprechung an der GV 2019 auf deutlich kritische Resonanz gestossen sind?
  • Gewiss hat der ursprüngliche Antrag zur Weleda Misstrauen erweckt, zu Recht, denn die wirklichen Gründe, warum die Aktien an eine andere Institution zum Nennwert übertragen werden sollten, waren vom Vorstand nicht benannt worden. Diese Art der Übertragung wird allgemein und zutreffend als verkaufen Was soll da missverstanden worden sein? Und ist es nicht einfach logisch, dass ein Wollen unverständlich bleibt, wenn die wahren Gründe für dieses Wollen nicht gesagt werden?
  • «Die Eigentümerschaft einer Firma ist über den von ihr gewählten Verwaltungsrat für die Ausrichtung und Zielsetzung zuständig, partizipiert an deren Erfolg – trägt aber zugleich eine erhebliche Mitverantwortung für gedeihliche und fördernde Rahmenbedingungen des Unternehmens sowie die darin mitarbeitenden Menschen.»[2] Die Eigentümerschaft liegt bei der AAG, die sich aus der Mitgliedschaft bildet. Der Vorstand vertritt diese lediglich und ist dieser gegenüber verantwortlich und rechenschaftspflichtig. Tatsache ist, dass die Bevölkerung in Schwäbisch Gmünd über die örtliche Presse besser über die Entwicklungen in der Weleda informiert wird, als wir, wie z.B. über die zusätzlich geplanten Investitionen von 4,6 Millionen CHF jährlich in die Bereiche Gemeinwohl und Umwelt. Darüber war erst auf Nachfrage etwas zu erfahren. Aber auch zu den nachfolgenden Punkten, wird der Mitgliedschaft nicht ordentlich berichtet: Die wechselnden und unterschiedlichen Äusserungen zu den Streichungen der Heilmittel sind kaum einzuordnen. Wurde über Sinn und Zweck der im März 2022 neu gegründeten Weleda HealthCare AG (Arlesheim) berichtet? Kennt jemand den Zweck der Weleda Trademark AG (Arlesheim), bei der lt. Handelsregister die Markenrechte der Weleda verwaltet werden? Was geschieht mit den (vermutlich erheblichen) nicht nur deutsche Steuern sparenden dort anfallenden Gewinnen? Wie kann man – und das wurde tatsächlich geäussert – der Ansicht sein, dass diese und andere Fragen die Mitgliedschaft nicht zu interessieren haben? Es möge jeder selber einordnen wie es zu beurteilen ist, dass die eigentliche Eigentümerschaft der Weleda so gut wie gar nicht informiert und damit die bestehende Rechenschaftspflicht ignoriert wird und dieser dann auch noch vorgeworfen wird, sie habe die Lösungsansätze für ein ihr nicht erklärtes Problem nicht erkannt. «Die Menschen, die dem Goetheanum räumlich näherstehen und zur Abstimmung anreisen konnten, oft mit hohem persönlichen Aufwand aus verschiedenen Ländern, verfügen über spezifische Erfahrungen, die nicht einfach vorschnell als persönliche Aversion diskreditiert werden können…. Es bleibt, wie ich meine, eine der Herausforderungen der Zukunft, die Mitglieder der [Allgemeinen] Anthroposophischen Gesellschaft auf der ganzen Welt über die Entwicklung des Goetheanum in Licht und Schatten genauer zu informieren und ihnen zu ermöglichen, zu einer eigenständigen Urteilsbildung zu kommen.»[3]
  • Mit der Einführung der Amtszeitbeschränkung im Jahr 2011 wurden besonders hehre Ziele formuliert, obwohl in Wirklichkeit etwas ganz anderes verfolgt wurde. So sollten «… die Mitglieder verstärkt in die Verantwortung einbezogen werden» und «Es geht darum, dass wir ein neues soziales Feld entwickeln. Damit ist gemeint, dass die Mitglieder mehr einbezogen werden.» Und weiter: «Gern möchten wir die Zusammenarbeit der Mitglieder mit den Verantwortungsträgern verstärken, sodass die Gesellschaft zum Partner des Vorstands wird und sich nicht als Gegenüber versteht». Diese Äusserungen erwiesen sich schon durch das nachfolgende Verhalten der Leitung als leere Versprechen. Tatsächlich war es ein geradezu taktisches Lügengebäude, denn Paul Mackay gestand 2019 öffentlich ein, dass die Einführung [der Amtszeitbeschränkung] 2011 lediglich eine (mögliche Über-)Reaktion auf den damaligen [2011] Abwahlantrag gewesen sei! Er meinte, eine regelmässige Besinnung auf die Vorstandstätigkeit sei schon notwendig, allerdings ohne die Mitgliedschaft einzubeziehen, denn nur im Kreis der Goetheanum-Leitung und der Konferenz der Generalsekretäre sei eine Beurteilung der Vorstandstätigkeit möglich![4] Hier kann man einerseits ahnen, welche Aufgaben dem neuen Leitungsorgan hätten zukommen sollen. Andererseits sind diese unwahrhaftigen Absichten jetzt bis in die Gesellschaftsverfassung, in die Statuten hinein geronnen. Jegliche Amtszeitverlängerung trägt seitdem diesen Makel einer taktischen Unwahrhaftigkeit. Peter Selg 2018 dazu: «Wenn man, so meine Auffassung, ein solches Mitgliedervotum auch in Zukunft einholen und entscheiden lassen will, so sollte das mit einem detaillierten Rechenschaftsbericht über die bisherige Amtszeit und die persönlich in ihr durchgeführten Arbeiten geschehen sowie mit einer klaren Beschreibung dessen, was in der nächsten Periode die konkreten eigenen Aufgaben sind. … Die Mitglieder sind urteilsfähig, zumindest diejenigen, die die Entwicklung des Goetheanum und der Vorstandsarbeit intensiv verfolgen; man braucht auf die Menschen nicht einzureden und sie von diesem oder jenem zu überzeugen versuchen. Man sollte vielmehr ‹in Ruhe abwarten, was die Mitglieder selber wollen› (Ita Wegman), nachdem man sie hinreichend informiert hat.» Wie treffend.
  • Dem Rat Peter Selgs aus dem Jahr 2018 wurde offensichtlich wenig Bedeutung zugemessen und so die Polarisierung im Sinne einer Spaltung aktiv weiterbetrieben. Durch die Gegenüberstellung der Landesrepräsentanten gegenüber der im Saal anwesenden Mitgliedschaft, entsteht ein unangemessenes Spannungsverhältnis, was gewiss vielfach zur Recht als Polarisierung erlebt wird. Das geschah insbesondere schon 2018 und Peter Selg hatte gewarnt: «Es wurde dadurch ein Spannungsfeld zwischen den Menschen im Saal … und einer fiktiven ‹Welt› erzeugt, ein Spannungsfeld, das in Wirklichkeit überhaupt nicht existiert. Alle Tendenzen in Richtung einer kollektiven Meinungsbildung und Funktionärsgesellschaft anstelle einer Mitgliedergesellschaft sind sehr gefährlich. Darin, und nur darin, besteht für mich eine wirkliche Nähe zu 1935.»
  • Die Bestrebungen, die AAG zu einer aristokratisch geführten Funktionärsgesellschaft zu entwickeln, sind seit Jahrzehnten unübersehbar – wenn man sie sehen will. Wenn man die letzten Ergebnisse der Mitgliederversammlungen in der Schweiz und in Deutschland zugrunde legt, kann sich z.B. Marc Desaules zwar auf eine 100%ige Zustimmung bei der Entlastung stützen, es waren jedoch nun 130 Mitglieder anwesend – gegenüber fast 400 noch 2018. Prozentual mit 97% nur unmassgeblich schlechter war das Ergebnis für Michael Schmock, bei lediglich 99 abgegeben Stimmen! Es war die letzte Versammlung vor Corona 2019. Will man wirklich behaupten, dass diese beiden Generalsekretäre die gesamten Landesgesellschaften repräsentieren? Hat Peter Selg nicht völlig Recht, wenn er von einer ‹fiktiven Welt› schrieb? Man vergegenwärtige sich: Nur 70-80 Mitglieder der Weltgesellschaft nutzten die Möglichkeit der Live-Online-Teilnahme. Peter Selg weiter: «Ich fragte mich auch, wen die Generalsekretäre und Landesvertreter dabei eigentlich vertreten. Können sie wirklich behaupten, für alle Mitglieder in ihrem Land zu sprechen? Ich kenne durch meine internationale Tätigkeit Anthroposophen in sehr vielen Ländern, darunter Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, die ganz anders denken als ihre Generalsekretäre, auch in dieser Frage. Letztlich stehen die Generalsekretäre und Landesvertreter für sich selbst, aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen, die keinesfalls mit den Erlebnissen all ihrer Mitglieder identisch sind.»

Bericht über die Generalversammlung in Deutschland

In der deutschen Landesgesellschaft scheint der Spaltungsprozess bereits weiter fortgeschritten zu sein, offensichtlich hat die Mitgliedschaft aufgegeben, überhaupt noch an der Gestaltung der Gesellschaftsverhältnisse teilhaben zu wollen: An der Mitgliederversammlung 2019 (vor Corona) nahmen gerade noch ca. 100 Mitglieder teil, 2020 waren es noch 50 und 2021 ca. 65. Allein der Vorstand und die Vertreter aus den 11 Arbeitszentren werden in diesen Versammlungen bereits eine überdeutliche Mehrheit gebildet haben, Mitglieder ohne Amt oder Funktion werden kaum anwesend gewesen sein. Insofern ist man in der Leitung weitgehend unter sich. Ist die „Funktionärsgesellschaft“, vor der Peter Selg warnte, in Deutschland bereits Realität? So wurden an der Mitgliederversammlung der AGiD 2020 Monika Elbert, Christine Rüter und Antje Putzke in das Arbeitskollegium (Vorstand) der AGiD gewählt – überwiegend mit den Stimmen der Leitungs-Kollegen.[5]

Unfassbar und erschütternd ist der Bericht von Christine Rüter, die 2022 erstmals an einer Generalversammlung in Dornach teilgenommen hat. Was und wie sie darüber berichtet, ist weitestgehend frei von Tatsächlichkeiten und voll von Unterstellungen gegenüber den Mitgliedern, die an der Generalversammlung teilgenommen und sich für die Gesellschaft und die Weleda-Problematik engagiert hatten.[6] Diese hätten für eine aggressive Stimmung gesorgt, sich nur profilieren wollen und kleinliche Kritik geäussert. Zudem wären alle Anträge abgelehnt worden – (kein einziger Antrag wurde abgelehnt, zum Antrag zur Weleda gab es nicht einmal eine einzige Gegenstimme und der Antrag zum Landesvertreterorgan wurde lediglich vertagt!). Was Christine Rüter schreibt erfüllt die Kriterien unseriösen Journalismus, so, wie sie in einer im Auftrag der AGiD erstellten Studie formuliert wurden («Vorsicht vor unseriösen Quellen»):[7]

  • Keine sachgerechte Trennung von Tatsachen und Meinung.
  • Eine einseitige Selektion der Inhalte.
  • Das Verschweigen von ansehensrelevanten Tatsachen.
  • Keine Konfrontation der angegriffenen Institution.
  • Fragwürdige Tatsachenbehauptungen.

Überzeugen Sie sich selbst.

Ist die Weltgesellschaft eine Realität?

Wenn Christine Rüter nun meint, man solle die Generalversammlungen an anderen Orten mit Online-Abstimmungsmöglichkeiten stattfinden lassen, damit nicht die ihrer Ansicht nach aggressiven Dornacher Mitglieder in der Überzahl sind, so ist allerdings fraglich, ob ihr das wirklich weiterhelfen würde: Aus der Weltgesellschaft (ca. 42.000 Mitglieder) haben sich weniger als 100 Mitglieder an der GV online zugeschaltet und an der fakultativen Abstimmung wurden online gerade einmal ca. 60 Stimmen abgegeben. Wie kann man angesichts dieser Realität noch von einer ‹Weltgesellschaft› sprechen? Ganz offensichtlich fühlt sich nur noch eine verschwindend geringe Zahl von Mitgliedern für die Gesellschaftsangelegenheiten verantwortlich – und ausgerechnet diese werden dann auch noch verunglimpft!

Das geschwundene Interesse an der Gesellschaft zeigte sich auch aufgrund einer Einladung zu einem runden Tisch (AWW 11/21). Angesprochen werden sollten Mitglieder, die sich aus Enttäuschung oder anderen Gründen von der Gesellschaft zurückgezogen haben. Die Initiatoren fragten: «Wir, die wir uns nicht zurückzogen haben, blieben wir bloß mit einem ‹Trotzdem›? Haben wir – so wir noch unseren Zweig besuchen – doch ein lokales Zuhause gefunden? Traten wir nicht alle mit den größten Idealen an? Wollten wir nicht am Kulturauftrag der Anthroposophischen Gesellschaft mitarbeiten? Im Lichte der vorgeburtlichen Entschlüsse fällt das Erreichte wohl immer etwas kläglicher aus. Sind wir tatsächlich angesichts der unerbittlichen Macht des Faktischen eingeknickt? Machen wir unsere Zweige zu ‹Auslaufmodellen›? … Wie wollen wir unsere Anthroposophische Gesellschaft dem näherbringen, was wir einst suchten?»

Dieser Runde Tisch fand Mitte März 2022 statt, mit gerade einmal 25 Teilnehmern, wovon etliche zu den Initiatoren und deren Umfeld gehört haben werden. Nicht besonders ermutigend. Auch dazu ist auf den Internetseiten der AGiD ein Bericht erschienen, der einen Einblick in die Gesellschaftssituation erlaubt (aus dem Bericht von Anke Steinmetz[8]): «Was mich als Mitarbeiterin in der Vorbereitungsgruppe irritierte, war die Vorstellung einiger Anwesenden nach dem weiteren Vorgehen. Plädoyers wurden gehalten zu Erwartungen und Forderungen zum Beispiel an die Leitung des Goetheanum, oder darüber, was unter wissenschaftlicher Arbeit zu verstehen sei. Es wurde auf das zurückgegriffen, was in früheren Zeiten doch funktioniert hatte, beispielsweise große Persönlichkeiten und Referierende einladen, selbst mehr Führung von oben wurde gefordert… anderen in der Runde schien dabei der Atem zu stocken. Sie waren mit der Frage beschäftigt: Wie kann ich selbst in meinem Handeln besser den Aufgaben entsprechen, die sich uns stellen? Was muss ich tun, um mehr Interesse an dem anderen hervorbringen zu können? Wie kann ich etwas dazu beitragen, dass reales Geisterleben in unseren Arbeitsgruppen lebt? Welche Verantwortungs- und Organisationsform ist in der heutigen Zeit fruchtbar und wie kann ich an diesen Veränderungen konstruktiv mitwirken? Die einen hatten Fragen, die anderen Antworten, aber die Antworten schienen nicht auf die Fragen zu resonieren. Es war, als kämen sie aus einer Vergangenheit und wollten anderen sagen, wie sie dieses oder jenes zu machen hätten, damit alles besser werde. Diese Haltung entzog uns allen meiner Beobachtung nach etwas den Boden für unsere ursprüngliche Intention von einer Selbstertüchtigung und von Eigenverantwortung an unserem Platz.»

So leben durchaus wichtige und entscheidende Fragen in der Gesellschaft – das Ergebnis dieses Runden Tisches ist jedoch nicht sehr ermutigend, um den Kulturauftrag einer anthroposophisch sein wollenden Gesellschaft erfüllen zu können, weder quantitativ noch qualitativ. Hat diese Gesellschaft überhaupt noch eine Zukunft, so muss man sich realistischer Weise fragen – ausgerechnet jetzt, zur unmittelbar bevorstehenden säkularen Wiederkehr der Weihnachtstagung?

Thomas Heck, 1. Juni 2022

Anhang

Geschäftsordnungsantrag zum Antrag 1 „Konferenz der Landesvertreter“, Thomas Heck

«Ich möchte gerne vorausschicken an die Adresse des Vorstandes, die Generalsekretäre und Landesvertreter: ich habe weder gegen irgendjemanden persönlich etwas, weil ich jetzt hier spreche. Und ich habe auch nichts gegen die Gremien, die sich gebildet haben. Eigentlich habe ich nur etwas „dafür“, dass dies alles ordentlich in unserer Gesellschaft gehen kann.

Es war an dieser Generalversammlung schon von Globalisierung die Rede, dass die Gesellschaft immer internationaler wird und immer weniger deutschsprachig. Wenn man in die Welt schaut, dann haben wir doch heute sehr viele Probleme, gerade mit der Globalisierung und wir haben eine allgemeine Tendenz, dass Souveränitätsrechte und nationale Rechte immer weiter von den Ländern an supranationale Organisationen übertragen werden. Wer am Zeitgeschehen einigermaßen teilnimmt wird wissen, was ich meine. Wenn heute zum Beispiel die WHO eine Pandemie ausruft, dann geht das unmittelbar durch, auch in die Schweiz, in das Schweizer Recht, wo dann der Staat handeln muss. Diese Entwicklungen sind eine eindeutige Tendenz. Und diese Tendenz geht ja weiter, bis in die in die Fragen des Impfens und vieles mehr.

Mein Eindruck ist, dass es ein falsches Signal wäre, wenn auch wir einen solchen Schritt tun und die Gesellschaftsleitung um ein Organ ergänzen. Ich möchte daran erinnern: Wir haben auch das Organ der Goetheanum-Leitung, ein Organ, das in den Statuten nicht definiert ist. Es ist dort nicht festgelegt, wie das Organ zustande kommt und die Goetheanum-Leitung ist auch der Mitgliedschaft gegenüber nicht rechenschaftspflichtig. Im Grunde ist das genau die gleiche Tendenz (auch bei dem Landesvertreter-Organ). Müsste man da nicht erst einmal genau hinschauen und klären, warum das so ist? Warum steht die Goetheanum-Leitung nicht als Organ in den Statuten? Und mit dem Organ der Generalsekretäre und Landesvertreter wäre das ganz ähnlich. Es würde zwar definiert, es steht aber nicht in den Statuten, wie dieses Organ zustande kommt. Und dieses Organ wäre der Mitgliedschaft gegenüber nicht rechenschaftspflichtig.

Ich habe nichts dagegen, dass dieses Organ gebildet wird, ich meine nur, dass die ganze Beratung und Auseinandersetzung mit der Mitgliedschaft zu kurz gekommen ist. Und eigentlich bräuchte es in unserer Gesellschaft die Geste – und das wäre auch ein Vorbild für das, was in der Welt notwendig ist –  dass es ein Mitgliederorgan gibt. Ein Organ, das sich aus der Mitgliedschaft bildet und auf Augenhöhe mit dem Vorstand und der Goetheanum-Leitung, also mit den Gremien, die die Gesellschaft leiten, verhandeln kann, sich austauschen kann. Das müsste nach meinem Verständnis aus der Mitgliedschaft, aus einer Initiative der Mitgliedschaft und nicht vom Vorstand ausgehend gebildet werden.

Nun würde ich diesem Vorschlag für das neue Organ ungerne zustimmen, ich möchte aber auch nicht dagegen stimmen. Und ich will mich eigentlich auch nicht enthalten. Denn ich glaube, wir brauchen diesen Zugriff  bis in die Statuten.

Mein Vorschlag ist: Lassen Sie uns das verschieben. Die Organe und die Arbeitszusammenhänge, die da sind, die können weiter arbeiten und werden durch diesen Beschluss, der jetzt gefasst werden soll weder begünstigt noch behindert, wenn er nicht gefasst wird. Aber lassen Sie uns doch noch ein Jahr Zeit, oder auch länger Zeit nehmen, dass das bewegt werden kann. Dazu möchte ich nun den Geschäftsordnungsantrag stellen, dass der Antrag des Vorstandes auf unbestimmte Zeit vertagt wird. Ich würde auch nicht sagen, wir treten gar nicht ein, nicht dass der Antrag weg ist. Aber lassen Sie uns ihn vertagen – und auch nicht vergessen. Das wird dann ihre Aufgabe sein. Vielen Dank.»

Am Sonntag, 12. April 2022, Marjatta van Boeschoten

«Ich stehe hier, weil ich von gestern sehr besorgt bin und zwar, weil ich zwei ganz verschiedene Bilder in mir trage. Gestern vor dem Mittag waren viele von Euch in kleinen Gruppen (Arbeitsgruppen) und ich war mit meinem Kollegen aus den USA, John Bloom, zusammen in einem Büro und wir haben mit der Englisch sprechenden Welt online gesprochen. Das war zum ersten Mal, dass das möglich war in einer Generalversammlung. Und sie konnten auch zuschauen, was hier im Saal vorging. Wir haben 1 ¼ Viertelstunden gesprochen. Sie kamen aus Japan, Australien, Russland, Rumänien, viele EU-Länder und sie haben so rührend mit so viel Dankbarkeit gesprochen, dass sie hier angeschlossen sein können. Dass sie mit uns in diesem Saal endlich mitmachen können. Ich war wirklich überrascht, und ich habe zuletzt gesagt, als wir uns verabschiedeten, wie ich mich freue, diese neue Beziehung machen zu können und würde das im Herzen tragen durch den Rest dieser Generalversammlung und gestern Nachmittag natürlich auch. Ich hatte dieses Bild in mir.

Dann hat Justus Wittich beschrieben, wie wir, die Generalsekretäre, zusammen mit dem Vorstand ein neues Organ machen möchten, das, was wir schon lange gemacht haben, das würde jetzt offiziell werden. Und dann kam so ein Widerstand, den die ganzen Leute und die Welt gesehen haben. Und in dieses Gespräch hinein ist eine Beziehung gemacht worden zwischen dem, was wir als Generalsekretäre mit unseren Kollegen hier im Goetheanum machen möchten und der WHO. Und ich weiß nicht, ob sie gespürt haben, was ich gespürt habe, ob ich es mir eingebildet habe. Mit diesen Worten kam ein Virus von Furcht durch den ganzen Saal. Eine ganz andere Stimmung ging von dem aus, als was wir als Generalsekretäre zusammen mit unseren Kollegen einbringen wollten. – Es ging nicht. Im Englischen würde man sagen: It got kicked into the long grass, ins lange Gras, wo man es nicht mehr finden kann. Niemand hat gesagt: Interessante Sache, gute Idee. Das kann man machen, ja, es gibt Probleme, wir müssen darüber denken. Aber es soll weiter (gehen). Das war für mich und ich glaube auch für meine Kollegen war das sehr schmerzhaft. Wir kommen aus Ländern, die auch hierher gehören, genau wie Sie (im Saal) fühlen, dass sie dazugehören. Nur können Sie nicht die Reise machen. Aber sie haben Plätze hier. Und wir wollen das aufmachen, dass sie jetzt zuhören können, sehen können und mitmachen können. Und ich fühle, wir haben hier zwei verschiedene Welten. Und wenn wir Gesellschaft wollen, wenn wir in die Zukunft sehen wollen, in die nächsten 100 Jahre, ist das ein Problem. Das muss aufgenommen und gelöst sein.»

Langer Beifall folgte, Matthias Girke, am Rednerpult, klatschte lange nach und sagte: «Ganz herzlichen Dank, Marjatta für diesen sehr wichtigen und ich glaube auch zukunftsweisenden Beitrag von Dir.»

Das Interesse der Mitglieder aus der Welt kam in der Online-Beteiligung deutlich zum Ausdruck: Im deutschsprachigen Online-Kanal nahmen max. 60 – 80 Zuschauer insgesamt teil, im englischsprachigen deutlich und im spanischen Kanal noch weniger. Ins Französische wurde gar nicht übersetzt. An den Abstimmungen nahmen weltweit gerade einmal 50 bzw. 60 Mitglieder online teil.

In einem Beitrag von 2018 hatte Peter Selg die Frage gestellt, wen die Generalsekretäre und Landesvertreter eigentlich vertreten. Wenn man die Beteiligung an Mitgliederversammlung zugrunde legt – und dort wird ja über die Besetzungen abgestimmt. An der deutschen Mitgliederversammlung (insgesamt ca. 12.500 Mitgliedern, 30% der Gesamtmitgliedschaft) nahmen 2016 noch 200 Mitglieder teil, 2017 waren es 150, 2018 und 2019 jeweils 100. Das sind 0,8 – 1,6 % der deutschen Mitglieder, die die jeweilige Gesellschaftsleitung bestätigen.

[1] Siehe: https://wtg-99.com/papierkorbentwurf99.

[2] Justus Wittich in AWW 7-8/21.

[3] Anthroposophie weltweit 5/18.

[4] Nur im Internet: https://www.goetheanum.org/fileadmin/kommunikation/GV_2019_Antraege.pdf (letzter Zugriff: 1. Juni. 2022).

[5] https://www.anthroposophische-gesellschaft.org/blog/zur-mitgliederversammlung-der-deutschen-landesgesellschaft

[6] https://www.anthroposophische-gesellschaft.org/blog/ist-die-weltgesellschaft-regional-oder-global

[7] https://www.anthroposophische-gesellschaft.org/blog/vorsicht-vor-unprofessionellen-quellen

[8] https://www.anthroposophische-gesellschaft.org/blog/grosser-runder-tisch. Hervorhebung TH.

Weleda – weiteres Mitgliederforum am 4. April 2022

Nachdem an dem Mitgliederforum am 29. März 2022 am Goetheanum deutlich geworden war, dass es erheblichen Gesprächsbedarf seitens der Mitgliedschaft zu den Absichten des Vorstandes bzgl. der Weleda gibt, wurde ein weiteres Treffen noch vor der Generalversammlung vereinbart:

Mitgliederforum am Goetheanum

Einziges Thema: Weleda

Montag, 4. April 2022, 20 Uhr

Ort: Goetheanum (vermutlich im Halde-Saal)

Veranstalter: Zweig am Goetheanum

Zur Weleda

Nach den Äusserungen des Vorstandes an dem Mitgliederforum vom 29. März 2022 und den Ausführungen in AWW 4/22 in Bezug auf die Abstimmung zur Weleda an der Generalversammlung scheinen nun alle Klarheiten beseitigt: Es ist unklar, ob an der GV überhaupt in Bezug auf die Weleda etwas entschieden bzw. worüber abgestimmt werden soll. Was geschehen soll, wird erst an der Generalversammlung mitgeteilt. Nur soviel scheint (unverbindlich) klar zu sein, dass eine endgültige Entscheidung erst an einer a.o. GV in der 2. Jahreshälfte 2022 von der Mitgliedschaft getroffen werden soll. Weiterhin kursiert jedoch die Aussage eines Mitglieds des Schweizer Landesvorstandes, dass jetzt gar nicht über die Weleda abgestimmt werden soll.

Ob und worüber auch immer an der GV abgestimmt werden soll: Eine breite Beteiligung an der diesjährigen GV ist sehr wünschenswert, damit ein aussagekräftiges Abstimmungsergebnis bzw. Stimmungsbild möglich wird, ganz unabhängig vom Ergebnis. Das ist insbesondere für den Vorstand wichtig, für einen klaren Auftrag von der Mitgliedschaft, in welche Richtung überhaupt gedacht werden soll.

Verkauf der Aktien – eine unsachliche Aussage?

In «Anthroposophie weltweit 1-2/22» wurde deutlich und unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass nach dem Willen des Vorstandes der Aktienbesitz inklusive der Partizipationsscheine (PS) an der Weleda an eine Stiftung (oder an eine andere Organisation?) übertragen werden soll. Diese Übertragung soll zum Nennwert erfolgen. Dabei handelt es sich um den Wert, zu dem die Aktien bzw. die PS ausgegeben wurden (der aktuelle Zeitwert liegt um das ca. 10-fache höher). In AWW 4/22 kommt weiterhin klar zum Ausdruck, dass die Verhältnisse so gestaltet werden sollen, dass von der Mitgliedschaft eine Mitsprache in Bezug auf die Weleda und den Aktienbesitz in Zukunft nicht mehr möglich sein soll. Dazu wird es als erforderlich angesehen, dass die Aktien nicht mehr im Besitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sind, dann also einer anderen Organisation gehören würden, welche die Rechte an dem Aktienbesitz inklusive der Stimmrechte halten wird.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, die dazu führen, dass der Aktienbesitz in andere Hände gelangt:

  1. Durch Übertragung ohne Gegenleistung, landläufig «schenken» genannt.
  2. Durch Übertragung zu einem bestimmten Wert, d.h. es erfolgt eine Gegenleistung (z.B. in Form einer Bezahlung, eines Natural-Tausches oder es wird ein Darlehen gewährt). Dieser Vorgang wird landläufig als «verkaufen» bezeichnet, was an und für sich kein unmoralischer Vorgang ist. Dabei ist vollkommen unerheblich, wie man diesen Vorgang nennt, ob «Übertragung zum Nennwert», «Neugliederung» oder eben «Verkauf». Einen sachlichen oder qualitativen Unterschied gibt es nicht.

Die Aussage «Übertragung zum Nennwert» ist eine klare Aussage und es ist absolut sachgemäß, von «verkaufen» zu sprechen, da es sich nicht um einen Schenkvorgang handeln soll.

Transparente Information?

Obwohl in dem Beitrag in AWW 4/22 mehrfach von Transparenz die Rede ist, sind die Absichten des Vorstandes auch weiterhin insgesamt undeutlich, durch die neuen Verlautbarungen sogar noch nebelhafter geworden. Es ist eher das Gegenteil von transparenter Information. Oder aber die ganze Angelegenheit ist bisher so wenig durchdacht, dass man selber noch gar nicht weiss, wie das alles gehen soll. Dafür spricht manches, auch informelle Verlautbarungen aus dem Goetheanum.

Klar erkennbar ist aber der Wille, einen Weg zu suchen, um eine zukünftige Mitgliedschaft sowie einen zukünftigen, möglicherweise verantwortungslosen Schatzmeister daran zu hindern, im Falle eines Falles mit Hilfe des Aktien- bzw. Partizipationsscheinbesitzes mögliche Bilanzprobleme zu lösen bzw. durch Veräusserung Haushaltsdefizite zu decken und/oder ggf. eine Insolvenz zu vermeiden. Erinnern wir uns bitte, dass unter der Führung des aktuellen Schatzmeisters einerseits immer wieder Gesellschaftsvermögen (Liegenschaften) zur Deckung von Haushaltsdefiziten (das strukturelle Defizit) verkauft wurden. Und es ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre zu erwarten, dass ein zukünftiger Nachfolger dieses dauerhaft bestehende strukturelle Defizit erben wird. Nun soll dem zukünftigen Schatzmeister unter anderem genau die Möglichkeit verwehrt werden, die der aktuelle zur Vermeidung einer bilanziellen Überschuldung für das Rechnungsjahr 2017 genutzt hatte: eine (durchaus moderate) Anpassung des Wertes der Partizipationsscheine!

Eine moderate Anpassung der Werte der Partizipationsscheine in der Bilanz ist nicht das eigentliche Problem. In einer Notsituation kann das durchaus eine sinnvolle Massnahme sein. Das Problem war und ist das weiterhin bestehende strukturelle Defizit.

Mit der Zustimmung zu der beabsichtigten Übertragung der Aktien und Partizipationsscheine soll also die Gesellschaft in gewisser Weise vor sich selbst geschützt werden, damit sie nicht wie Odysseus den Verlockungen der Sirenengesänge unterliegt, die für ihn den sicheren Untergang bedeutet hätten, wäre er diesen erlegen. Stellt sich allerdings die Frage, ob für die Gesellschaftssituation nicht das Umgekehrte gilt: Wenn die Gesellschaft endgültig und unwiderruflich sich der Möglichkeit begibt, im Falle einer Notsituation auch über das Aktien- und Partizipationsschein-Kapital in verantwortlicher Weise und im Rahmen der bestehenden Regeln (siehe weiter unten) verfügen zu können, so kann heute noch nicht abgesehen werden, welche Folgen das haben kann. Als vor Jahren die Hälfte der Partizipationsscheine mit Gewinn an eine Vermögensverwaltung weiterverkauft wurde, hat man das sicher auch für einen richtigen Weg gehalten. Aus heutiger Sicht ein schwerer Fehler, was auch vom Vorstand ganz klar so gesehen wird.

Kann man denn heute wissen, was in 5, 10 oder 20 Jahren notwendig und richtig sein wird? Hält man sich im Vorstand wirklich für so weitblickend, um die weitere Entwicklung vorhersehen zu können und heute bereits festlegen muss, was eine zukünftige Mitgliedschaft und ein zukünftiger Vorstand auf keinen Fall darf? Dass man glaubt, diese vor sich selber schützen zu müssen, indem man eine Entscheidung trifft und damit dieses ideelle und finanzielle Gesellschaftsvermögen endgültig und irreversibel ausgliedert (aufgibt, verkauft, überträgt oder wie immer man das nennen mag)? Meint man wirklich, selber moralisch und sachlich bereits heute eine Entscheidung für eine zukünftige Gesellschaftsrealität treffen zu können und die Handlungsspielräume – vollkommen unnötig, wie sich zeigen wird – einschränken zu müssen?

Vermeintliche Gefahren für die Weleda

Mit folgenden vermeintlichen «Gefahren» werden die Absichten begründet:

Erstens: Es bestünde ein Compliance-Problem, wobei dies jetzt in AWW 4/22 allerdings in den Hintergrund getreten ist, nur noch erwähnt wird. Dieses Compliance-Problem mag zwar «rechtlich beschreibbar» sein, allerdings sind die Regelungen in den Statuten der Weleda ganz eindeutig (und darüber kann sich jeder, der Aktien oder Partizipationsscheine erwerben will, zuvor informieren): Es gehört zum statuarisch festgelegten Unternehmenszweck der Weleda, anthroposophische Institutionen zu unterstützen und zu fördern! In diese Kategorie fällt auch die AAG mit der Hochschule. Hinzu kommt, dass diese Spenden seit vielen Jahren jährlich erfolgen, auch darüber kann ein möglicher Erwerber informiert sein. Statuarisch ist dieses Vorgehen klar geregelt und so wurde auch von Justus Wittich eingeräumt, dass dieses Vorgehen höchstwahrscheinlich rechtssicher in Ordnung sei. Insofern stellt sich die Frage, ob dieses theoretische (und vermutlich vermeintliche) Compliance-Problem jemals real werden könnte. Eine juristische Einschätzung scheint es nicht zu geben, da eine entsprechende Nachfrage beim Schatzmeister (nebst zweifacher Erinnerung) bis heute (3. April 2022) ohne Reaktion blieb. Muss nun aus einer Mitgliederinitiative heraus eine notwendige juristische Einschätzung eingeholt werden? Solange eine solche der Mitgliedschaft in überprüfbarer Form nicht vorliegt, sollte nicht einmal eine unverbindliche Richtungsentscheidung getroffen werden und eine weitere Diskussion unterbleiben.

Zweitens: Durch die Auslagerung des Aktien- und Partizipationsschein-Besitzes soll sichergestellt werden, dass dieser nicht durch Verkauf auf den freien Markt gelangen kann. Das könne dazu führen, dass z.B. durch profit-orientierte Aktionäre die Ausrichtung des Geschäftszweckes der Weleda abweichend von den ursprünglichen Intentionen beeinflusst und damit auch die jährlichen Spenden an die AAG in Frage gestellt werden könnten. So zumindest kann man das Ansinnen des Vorstandes verstehen. Auch das hört sich zunächst sinnvoll an, ist ein nachvollziehbarer Gedanke. Allerdings stellt sich die Frage, ob denn diese Gefahr überhaupt besteht. Selbst wenn in der AAG die totale Verantwortungslosigkeit in dieser Frage ausbrechen würde oder wenn gar im Falle eines Konkurses der Gesellschaft im Rahmen einer Zwangsvollstreckung die Aktien und die Partizipationsscheine zu Geld gemacht werden sollten, besteht diese Gefahr nicht. Das ergibt sich aus den Statuten der Weleda AG. Denn man hat für genau dieses mögliche Szenario bereits vorgedacht. So heisst es in §6 der Weleda-Statuten(Auszug):

«Die Namenaktien dürfen nur mit schriftlicher Zustimmung des Verwaltungsrates der Gesellschaft übertragen werden. Der Verwaltungsrat kann die Übertragung verweigern, wenn der vorgesehene Erwerber nicht Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, Dornach (Kanton Solothurn/ Schweiz), ist und somit nicht hinreichend dokumentiert, dass er die anthroposophische Zielsetzung der Weleda AG als berechtigt anerkennt und unterstützt,  …

Auch bei Erwerb durch Erbgang, Erbteilung, eheliches Güterrecht oder Zwangsvollstreckung kann der Verwaltungsrat die Eintragung in das Aktienbuch verweigern, muss aber dann dafür sorgen, dass die Aktien zum wirklichen Wert im Zeitpunkt des Gesuches übernommen werden. Um wirksam zu sein, müssen die Übertragungen im Aktienbuch der Gesellschaft eingetragen sein.»

An dieser Regelung kann die AAG allein nichts ändern, es müsste also zu einem theoretischen Veräusserungswillen  der AAG auch die Zustimmung des Verwaltungsrates hinzukommen. Aber selbst wenn ein solcher Coup gelingen sollte, sind die Aktien immer noch nicht frei handelbar, es bleiben Namensaktien, die an der Börse nicht handelbar sind. Und um dies zu ändern, wären noch höhere Hürden zu überwinden, denn für eine dazu notwendige Statutenänderung wäre in der Generalversammlung der Weleda nicht nur eine Zustimmung von 2/3 der Stimmrechte notwendig, sondern auch noch zusätzlich die absolute Mehrheit des Aktienkapitals. Eine nicht leicht zu überwindende Hürde, die eine ausserordentlich breite Zustimmung in der Generalversammlung der Weleda erfordern würde. Hier müssten AAG und Klinik schon gemeinsame Sache machen. Konkret heisst das, dass sowohl der Vorstand der AAG, als auch die Mehrheit einer GV der AAG, eine Mehrheit der Klinik-Leitung und eine 2/3-Mehrheit der Weleda-GV sich einig sein müssten, diesen Weg zu gehen. Ist es wirklich notwendig, sich mit grossem Aufwand davor zu schützen?

Ist eine Stiftung die Lösung?

Eine Stiftungs-Lösung ist vermutlich eher eine Gefahr als eine Lösung. Es liegt im Wesen einer Stiftung, dass sie von aussen nicht beherrscht werden kann wie z.B. eine Aktiengesellschaft oder eine GmbH. Der Stiftungsrat ist das höchste Organ und kann z.B. in seinem Handeln nicht an die Weisung eines AAG-Vorstandes gebunden werden. Ob es rechtsichere Gestaltungen gibt, die dennoch ermöglichen würden, dass der Stiftungsrat nur Entscheidungen treffen kann, die im Interesse der AAG liegen bzw. nur im Einvernehmen mit dem Vorstand der AAG handeln kann, ist sehr fraglich. Und ob es wünschenswert ist, dass eine Verwaltung dieses doch besonderen ideellen Gesellschaftsvermögens unter staatlicher Aufsicht erfolgen soll, ist gewiss ebenfalls fraglich. Man vergegenwärtige sich, dass auch die Alanus-Hochschule und die Universität Herdecke ihren Status nur unter staatlicher Aufsicht bzw. mit staatlicher Anerkennung haben können. Wäre das wirklich für die Verwaltung dieses Vermögens und den Einfluss auf die Weleda wünschenswert? Zudem weiss man nicht, wie sich der staatliche Einfluss zukünftig entwickeln kann. Im Falle einer ungünstigen Entwicklung, wäre eine Rückabwicklung nicht möglich!

Zwischenfazit

Die vorgetragenen vermeintlichen Gefahren, mit denen die Ausgliederung der Aktien und der Partizipationsscheine gerechtfertigt werden soll, bestehen, wenn überhaupt, ganz offensichtlich keinesfalls in einem so bedrohlichen Mass, dass ein vorauseilendes Handeln jetzt notwendig oder gerechtfertigt erscheint, zudem damit erst zukünftig erkennbare sinnvolle Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bereits jetzt beschränkt oder verunmöglicht würden.

Von der Mitgliedschaft wird die bisherige Entwicklung der Weleda durchaus als problematisch gesehen, so u.a. folgende Punkte:

  • Streichung zahlreicher Medikamente.
  • Die Absicht, die Querfinanzierung der Heilmittel aus Kosmetik-Erträgen zumindest zu reduzieren.
  • Die Verlagerung der Heilmittelproduktion nach Deutschland, obwohl dort in der EU die Gefahr eines Verbotes von Naturheilmitteln viel grösser ist als in der Schweiz.
  • Immer weniger erkennbare anthroposophische Ausrichtung des Unternehmens.
  • Einrichtung von Wellness-Zentren (Weleda-City-Spa).
  • Fehlentwicklungen in der Vergangenheit, die fast zur Zahlungsunfähigkeit der Weleda geführt hätten (unnötiges und sehr teures Verwaltungszentrum Basel mit mehreren Millionen CHF Aufwand pro Jahr. Inzwischen aufgegeben, womit eine positive Unternehmensentwicklung einherging!).
  • Zweckänderung des Unternehmens, um Spenden in Höhe von ca. 4,5 Mio. CHF jährlich an offensichtlich nichtanthroposophische Einrichtungen geben zu können. (Es handelt sich um den 3-fachen Betrag, den das Goetheanum jährlich erhält! 2022 sollen schwerpunktmässig die Bereiche Biodiversität, Bodengesundheit, Klimaschutz, nachhaltigere Verpackungen sowie gute Unternehmensführung (Governance) und Gemeinwohl gefördert werden. Inwieweit es sich dabei um anthroposophische Projekte handelt, ist nicht erkennbar und wurde nicht erwähnt.)

Diese Entwicklungen sind seitens der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft nicht von der Mitgliedschaft, sondern vom Vorstand (zusammen mit der Goetheanum-Leitung und der Medizinischen Sektion) zu verantworten.

Die Mitglieder wurden über all diese Vorgänge nicht informiert, geschweige, dass darüber Rechenschaft abgelegt wurde. Ausgehend von den bisherigen Erfahrungen: Vor wem muss die Weleda geschützt werden? Gewiss nicht vor den Mitgliedern!

Es wird höchste Zeit, dass aus der Mitgliedschaft heraus die Verantwortung auch für die Gesellschaft endlich ergriffen wird!

Alternative Lösung

Wenn es darum geht, die Verfügungsmöglichkeiten über den Aktien- und Partizipationsschein-Besitz innerhalb der AAG zu beschränken bzw. zu erschweren, gäbe es eine einfachere Lösungsmöglichkeit: In den Statuten wäre zu regeln, dass über die Aktien und die Partizipationsscheine nur mit 2/3 (oder 3/4?) Mehrheit in der GV verfügt werden kann. Zusammen mit den Regelungen der Weleda-Statuten müsste damit einem möglichen Missbrauch in weitestgehend vorgebeugt sein.

Externe Berater?

Wer sind die externen Berater, die diese Vorgehensweisen empfehlen? Was befähigt diese, im Interesse der Anthroposophie und der AAG sinnvolle Gestaltungen vorzuschlagen, für die der Mitgliedschaft keine schlüssigen und nachvollziehbaren Problembeschreibungen vorgelegt wurden?

Abschluss-Fazit

Zum angeblichen Compliance-Problem: Ohne eine auch für die Mitgliedschaft überprüfbare juristische Beurteilung, dass dieses Problem überhaupt besteht, sollte dieser Punkt nicht weiter verfolgt werden. Allenfalls könnte dem Vorstand der Auftrag erteilt werden, z.B. bis zum 30. Juni 2022 ein entsprechendes Rechtsgutachten vorzulegen oder aber von der Weiterverfolgung dieser Frage abzusehen. Eine ausserordentliche GV ist dann auch nicht notwendig.

Schutz der Mitgliedschaft vor sich selbst: Es besteht keinerlei Anlass, die Mitgliedschaft oder einen zukünftigen Vorstand vor einem Problem zu schützen, wo es schon genug Schutz gibt. Allenfalls könnte beschlossen werden, dass Verfügungen über die Aktien und die Partizipationsscheine nur mit qualifiziertem Mehr verfügt werden kann. Eine solche Statutenänderung könnte an der GV 2023 beschlossen werden. Eine a. o. GV ist dafür nicht erforderlich.

Ist es sinnvoll und entspricht es der Aufgabe der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, wenn die Weleda-Beteiligung und damit die Verantwortung endgültig und unwiderruflich an eine Organisation übertragen wird, die weder von der Mitgliedschaft legitimiert noch dieser gegenüber rechenschaftspflichtig ist? Das ist die Frage vor der wir stehen.

Thomas Heck, 3. April 2022

Zum Mitglieder-Abend am Goetheanum 29. März 2022

«Nach den Corona-Erfahrungen: Was müssen wir als Anthroposophische Gesellschaft lernen?»

Vorbemerkung

Am 29. März 2022 fand ein Mitgliederforum am Goetheanum zu den Erfahrungen im Umgang mit Corona statt. Dazu hiess es in der Einladung:

«Der Zusammenhalt in einer Gesellschaft wie der Anthroposophischen zeigt sich auch darin, wie wir zusammenwirken und wie wir uns bei unterschiedlichen, ja polaren Auffassungen verständigen. Wir laden Sie daher herzlich ein, zum Thema ‹Nach den Corona-Erfahrungen: Was müssen wir als Anthroposophische Gesellschaft lernen?› ins Gespräch zu kommen. Wir möchten erfahren, wie Sie den Umgang mit den Corona-Massnahmen erlebt haben und wie wir Wege finden, um auch in Gegensätzen doch miteinander eine gemeinsame Zukunft zu bauen. Dazu findet ein Mitglieder-Forum am 29. März 2022, 20 Uhr in der Rudolf-Steiner-Halde statt.»

Es hatten sich knapp 60 Menschen eingefunden und es entstand recht bald ein lebhaftes Gespräch. Angesichts der bevorstehenden Generalversammlung mit doch brisanten Themen kamen auch die Fragen zum Umgang mit dem «Weleda-Besitz» der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft zur Sprache.

An dieser Stelle eine wichtige Information zum Antrag des Vorstandes: Dieser Antrag soll in der Richtung verändert werden, dass an der kommenden Generalversammlung zwar ein Richtungs-Entscheid, jedoch noch kein endgültiger Beschluss gefasst werden soll. Dieser soll an einer ausserordentlichen Generalversammlung in der 2. Jahreshälfte 2022 erfolgen, sofern ein entsprechender Richtungsentscheid jetzt am 9. April 2022 von der Mitgliedschaft gefasst wird.

Angesichts der bevorstehenden Generalversammlung und der begrenzten Zeit, soll nun am kommenden Montag, den 4. April 2022, um 20 Uhr ein weiterer Gesprächsabend ausschliesslichen zum Thema «Weleda» stattfinden.

Nachfolgend ein erster Stimmungsbericht von Eva Lohmann-Heck aus der gestrigen Veranstaltung.

Nachklang zum Prozess und Zukunftsfragen

Sehr wichtig und anregend erlebte ich den gestrigen Mitglieder-Abend in der Halde. Wie immer in  solchen Zusammenkünften lebt der Wunsch und die Hoffnung auf Verständigung und einen fruchtbaren Austausch. Deutlich wurde auch in den Beiträgen das Bemühen, dies zu ermöglichen, herzlichen Dank in dieser Hinsicht auch an Ronald Templeton für seine Gesprächsleitung!

Selbstverständlich sollte es möglich sein in einer Anthroposophischen Gesellschaft, dass im Sozialen alle Sichtweisen und Auffassungen ihre Berechtigung haben und leben dürfen, zumal man voraussetzen kann, dass alle auf der Suche nach einer Erkenntnis der Wahrheit und Wirklichkeit streben.

Im Konkreten stehen wir immer aufs Neue vor der Aufgabe, wenn sich die Sichtweisen sehr unterscheiden, wie man nicht nur zu einem Sich-Geltenlassen  in den Verschiedenheiten kommt – womit ja bereits eine wichtige Qualität erreicht wäre – sondern wie ein echtes Erkenntnis-Gespräch möglich werden kann? – Zu den Voraussetzungen gehören selbstverständlich Qualitäten und soziale Fähigkeiten, wie z.B. das Interesse an den Gedanken des anderen und an dem, was im anderen lebt, Wohlwollen und „allgemeine Menschenliebe“, das schlichte Sich-Ausreden lassen – und die Toleranz gegenüber „menschlichen Schwächen“ (– der eine spricht zu leise, der andere zu laut, einer zu langsam, der andere zu schnell usw.…). Diese Qualitäten habe ich auch an gestrigen Abend erlebt. Es wurden die mitgebrachten Fragen und Themen kurz dargestellt, eine schöne Vielfalt ergab sich, im Laufe des Gespräches wurden natürlich auch die Unterschiede immer deutlicher. Jemand  brachte zu Recht zum Ausdruck, wie unmöglich es sei, wenn man vom anderen nicht nur ein Denken sondern auch ein Handeln erwartet oder gar fordert  im eigenen Sinne.

Meist enden die Veranstaltungen in diesem  Nebeneinander –Stehenlassen der Meinungen. In diesem Falle ist eine Fortsetzung geplant  für den kommenden Montag. Die Stimmung blieb konstruktiv und ich hatte den Eindruck, dass doch mit offenem Herzen alles wahrgenommen worden war. Am Montag wird es konkret nochmals um das  Thema Weleda gehen, um die offenen Fragen bzw. um etwaige Missverständnisse zu klären. Dann werden wir uns voraussichtlich in kleinerem Kreise und, wenn andere hinzukommen, in einer neuen Zusammensetzung wieder finden. Damit beginnt ein neuer Prozess.

Es werden womöglich erneut sehr unterschiedliche  Denk- und Willensrichtungen zu Tage treten und die verschiedenen Sichtweisen nebeneinander  „im Raum“  stehen, was dann? Dazu einige grundsätzliche Gedanken, zu der Frage, wie gegensätzlichen Auffassungen künftig in einen echten gemeinsamen Erkenntnisprozess übergeführt werden könnten. Ein erster Schritt hierzu könnte sein, so meine Erfahrung, sich darüber zu verständigen, auf Grund welcher Informationen oder Kenntnisse man zu seinem Urteil gekommen ist. Welches sind die Fakten bzw. Informationsquellen? Am Beispiel der Corona-Zeit: Wenn ich weiss, dass der andere sein Wissen ausschliesslich aus der Tageschau und der Tagespresse bezieht, auf den „Faktencheck“ vertraut und dort meine Aussagen überprüfen und widerlegen lässt, so kann ich wissen, dass er zu anderen Urteilen kommen  m u s s  als ich. – Und wem in unseren Zusammenhängen die Aussagen Rudolf Steiners über das Impfen oder die Hintergründe der Weltpolitik, die Ziele der Gegenmächte usw.  unbekannt sind, der muss ebenfalls zu anderen Urteilen  über das Zeitgeschehen kommen als ich. Konkret zum Thema Weleda: Welches sind die Gründe für die geplante Ausgliederung und welches die gesetzlichen Vorgaben, welche dies erfordern? Wie wird die Aufgabe der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft als Hauptaktionärin gesehen sowie die Aufgabe des Vorstandes als ihr Vertreter im Verwaltungsrat der Weleda? – Vielleicht treten schon hier unterschiedliche Auffassungen zu Tage, die letztlich auf die noch grössere Frage zurückführen, welche gestern Abend ebenfalls geäussert wurde: Wie ist „unser“ Bild beziehungsweise welche Bilder leben von der Aufgabe der AAG? Rudolf Steiner sprach von dem dringend notwendigen gemeinsamen Aufgabenbewusstsein. Müssten wir diese Aufgabe  nicht gemeinsam finden und formulieren? Dies kann keinesfalls die Aufgabe des Vorstandes ohne die Mitgliedschaft sein!

Im Falle einer Gesprächsrunde zwischen Mitgliedern, Vorständen und Sektionsleitern kommt auch noch die ungleiche Rollen – und Aufgabenverteilung hinzu. Denn um in ein echtes Erkenntnisgespräch zu kommen, darf es keinen Handlungs-und Ergebnisdruck geben, nur echtes Interesse an der Wahrheit bzw. in diesem Falle an der Weleda und ihrer Aufgabe sowie die Verantwortung der AAG in Bezug auf die Entwicklungsrichtung dieses Unternehmens.  Justus Wittich sprach auch von Missverständnissen, die es in der Kommunikation gab und dass man den Mitgliedern das Vorhaben besser erläutern müsste. (Leider erinnert mich dies etwas an die Aussagen von Politikern, man müsse der Bevölkerung die geplanten Massnahmen nur besser erklären….) Die Weichen sind gestellt und die Entschlüsse gefasst, insofern wäre es gut, sich in Bezug auf den kommenden Montag realistische Ziele zu setzen, angesichts des fortgeschrittenen Stadiums des Prozesses, jedoch auch sich ins Bewusstsein zu rufen, dass die Letztverantwortung bei den Mitgliedern liegt.

Die Wahrnehmung der Mitglieder-Ansichten in Fragen von solcher Tragweite in einer gemeinsame Bildgestaltung vor der Beschlussfassung wäre da im Sinne anthroposophischer Arbeitsmethodik vielleicht ein Weg für die Zukunft?

Ich glaube, es würde viel Zeit und Kräfte sparen, wenn wir uns zuerst über unsere Erkenntnisgrundlagen verständigen würden im oben beschriebenen Sinne. Dies wäre jedoch nur der erste Schritt, er garantiert noch keineswegs, dass man zum gleichen Urteil kommt. Denn unsere Verschiedenheiten reichen selbstverständlich tiefer und weiter, nämlich in unsere charakterologischen Anlagen und – unbewussten Interessen, Neigungen und Intentionen. Diese immer mehr ins Bewusstsein zu heben ist Aufgabe der Schulung und ein langer Weg…

Soziale Gestaltung

Ich sehe kein Problem darin, wenn in unserer Gesellschaft unterschiedliche Auffassungen nebeneinander bestehen – das ist normal und gehört zu einem freien Geistesleben. Ein Problem entsteht erst, wenn nur ein Teil dieser Sichtweisen die Möglichkeit erhält, sich allen anderen und der Öffentlichkeit mitzuteilen, sprich, wenn zufälligerweise nur diejenigen Repräsentanten der AAG oder Institutionen sich öffentlich in der Wochenschrift und in AWW äussern können, deren Sichtweisen im Einklang stehen mit den politischen mainstream- Medien. Auch wenn die Beiträge – wie von Ueli Hurter betont wurde – individuell entstanden sind, gingen sie doch alle in die gleiche Richtung.

So wurden andersartige Sichtweisen  unterdrückt – genauso wie in der Politik – und ein wissenschaftlicher Austausch wurde ebenfalls vermieden – genauso wie in der Politik. – Noch vor 20 Jahren gab es die Möglichkeit zu ausführlichen Stellungnahmen und über mehrere Ausgaben der Wochenschrift sich erstreckende inhaltliche Debatten! Das wäre echte Einbeziehung der Mitgliedschaft und würde der Urteilsbildung dienen.  – Nun werden Sie sagen: Jeder kann sich doch per Leserbrief äussern! Das stimmt auch nicht. Kleine Erfahrung vor Jahren: Auf meinen Lesebrief erhielt ich erst auf mehrere Nachfragen hin nach Wochen eine Antwort, und in der hiess es, es gab leider zu viele Leserbriefe – und nun sei das Thema ja vorbei. Zahlreiche Leserbriefe zeugen doch eigentlich von einer interessierten Mitgliedschaft! Wenn  man sie jedoch dermassen „einschränkt“  oder ausgrenzt in den Möglichkeiten, sich wahrzunehmen und einzubringen, muss man sich nicht wundern, wenn sie weniger werden.…oder kritischer.

Nun würde ich keineswegs eine Lösung darin sehen, die derzeit Leitenden auszuwechseln und andere zu „installieren“ – die dann ihrerseits wieder, um handlungsfähig zu sein, Andersdenkende sich vom Halse halten müssen, die aus der Flut von Emails ihre Auswahl treffen und die Mehrzahl unbeantwortet lassen – vor allem die unangenehmen Nachfragen – und ihre Entscheidungen in ihrem Kreise ohne Transparenz hinter verschlossenen Türen fällen. – Dann dienen Mitglieder-Abende dem Ziel, dass alle mal „Dampf ablassen können, damit man anschliessend in Ruhe weiterarbeiten kann“ (Zitat eines Vorstandsmitgliedes vor Jahren). – Und ehrlich gesagt – ich kann es sogar ein wenig nachvollziehen. Nur glaube ich nicht, dass eine derart geleitete Gesellschaft zukunftsfähig oder gar ein Kulturfaktor werden kann, und erst recht nicht eine wahrhaft anthroposophische Gesellschaft sein KANN!

Nein, ich sehe vielmehr das Problem in den Strukturen unserer AAG  selbst. Und damit in einem viel grösseren Problem, dass nur langfristig zu lösen sein würde! Solange wir nicht alle vollkommen selbstlos und geläutert sind, brauchen wir Sozialformen, welche diesen unseren Einseitigkeiten Rechnung tragen. Es kann kein Mensch, auch nicht eine kleine Gruppe, die Rolle Rudolf Steiners übernehmen und eine Gesellschaft mit über 40.000 Mitgliedern in einer zeitgemässen Form leiten. Nur er konnte als Eingeweihter die Menschen wahrhaft erkennen, ihr tiefstes Wesen, ihre karmischen Voraussetzungen, ihre Fähigkeiten und Zielrichtungen. In einer modernen anthroposophischen Gesellschaft müsste eine Fähigkeiten-Hierarchie entstehen, damit jeder  seine Aufgabe seinen Kräften und Fähigkeiten gemäss erfüllen kann. (Wege hierfür wären gemeinsam zu suchen!) Stattdessen haben wir ein – Verzeihung – Cliquenwesen! Wo wie in der Politik Ämter vergeben werden nach persönlicher Nähe und Bekanntschaft, Sympathie und karmischer Verbundenheit, nicht jedoch unbedingt  nach Fähigkeiten, denn man kann ja gar nicht alle Fähigen und Geeigneten erkennen – allein schon auf Grund der Anzahl und – der karmisch gefärbten Brille oder Blindheit. Unsere Gesellschaft müsste wenigstens im Sinne des dreigliedrigen Menschen ein freies Geisteslegen ermöglichen und die Gleichheit im Rechtlich-Sozialen, was sich z.B. darin ausdrücken würde, dass inhaltliche Darstellungen von Mitgliedern in einer Wochenschrift Raum gegeben wird und auch auf einer Generalversammlung die Redezeit nicht nur für Vorstände und Leitende relativ unbegrenzt ist. – Natürlich müsste man machbare Formen finden! Und doch – unter Rudolf Steiners Leitung war es noch so: Die GV dauerte so lange, wie es notwendig war, um allen Gehör zu schenken und Konflikte zu lösen,… nämlich über eine Woche lang. (Klingt natürlich völlig utopisch, macht aber etwas deutlich!)

Ungesunde soziale Gestaltungen müssen zu Unfrieden führen – und schwächen doch letztlich dadurch alle, vor allem die AAG und die Anthroposophie, welche in ihr leben können sollte! – Die Sozialgestaltung ist die höchste der sieben Künste, Rudolf Steiner nennt sie die königliche Kunst. Der Tempelbau im Sozialen ist die wahre Aufgabe der Anthroposophie – und der AAG? 

Wenn wir uns am Montag wiedersehen, stellt sich die Frage, wie kann es zu einem wirklich fruchtbaren Dialog kommen? Nur in einem ergebnisoffenen Gespräch und gemeinsamer Suche nach dem richtigen Weg.

Wir haben (bisher) nur diese eine Gesellschaft, aber sie ist ein gemischter König. Das dient nur den Gegenmächten. Endlich beginnen, sie zu heilen und verwandeln würde ich als die wichtigste Aufgabe nach 3 x 33 Jahren Brand und Weihnachtstagung sehen!

Eva Lohmann-Heck,  30.März 2022

Zu Rudolf Steiners 97. Todestag

Vorbemerkung

Ursprünglich waren für diesen Gedenktag Beiträge vorgesehen, die nun aufgrund der aktuellen Themen vor der Generalversammlung warten müssen. Durchaus passend zu diesem 97. Todestag erscheint es jedoch, wenn, ausgehend von einem Rückblick auf Rudolf Steiners damaliges Bemühen um die Konsolidierung der Gesellschaft, die sich aktuell zuspitzende Situation der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in den Blick genommen wird.

Dazu eine persönliche Bemerkung vorab: Es lag überhaupt nicht in meiner Absicht, mich in irgendeiner Weise im Zusammenhang mit der diesjährigen Generalversammlung zu engagieren. Zu deutlich schienen mir die beiden vorherigen GVs von Desinteresse seitens der Mitgliedschaft geprägt. Trotz der neu gegebenen Möglichkeit der weltweiten Online-Teilnahme, wurde diese kaum genutzt: Im letzten Jahr nahmen von den mehr als 40.000 Mitgliedern gerade einmal 350 aus 45 Ländern an dem Livestream und an der Abstimmung teil. Mit einer derartig geringen Teilnahme hatte wohl kaum jemand gerechnet. 350 Teilnehmer an einer GV wären auch für eine Präsens-GV in Dornach nicht viel. Man kann gespannt sein, wie es dieses Jahr sein wird.

So war die deutliche Resonanz aus der Mitgliedschaft auf die Einladung zu der Informationsveranstaltung zur Weleda am 17. März 2022 überraschend gross, vermutlich auch für die Gesellschaftsleitung (siehe Rundbrief 34 und 35[1]). Es geht hier um das Schicksal der Weleda, die untrennbar verbunden ist mit der Anthroposophischen Medizin, zumindest ursprünglich. So wird die unklare Kommunikation bzgl. nicht mitgeteilter wesentlicher Veränderungen im Unternehmenszweck und der Absicht, die Weleda-Anteile an eine noch nicht existierende Stiftung zu übertragen (und damit zu verkaufen, inzwischen wird auch von «neu gliedern» gesprochen) offensichtlich von vielen Mitgliedern nicht akzeptiert. So lohnt es, hier Licht ins Dunkel zu bringen, endlich zu erfahren, was wirklich beabsichtigt ist und dem ggf. Einhalt zu gebieten – im Interesse der ursprünglichen Intentionen der Weleda. Genau dafür trägt die Mitgliedschaft einen wesentlichen Anteil der Verantwortung, was offensichtlich auch erlebt wird. So hat sich aus der Sache und der Situation ergeben, dass jetzt ein Engagement sinnvoll erscheint. Zur weiteren Entwicklung, neuen Informationen und einem möglichen Vorgehen wird weiter unten ausgeführt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der ebenfalls wie im Weleda-Zusammenhang, ausgerechnet jetzt, 3 x 33 Jahre nach dem Schicksalsjahr 1923 auftaucht, ist die Absicht des Vorstandes, die Zentralisierung der Gesellschaftsleitung weiter zu verstärken, in dem die Konferenz der Generalsekretäre und Landesvertreter zu einem statuarischen Gesellschaftsorgan erhoben werden soll. Auch in unserer Gesellschaft ist damit eine zunehmende «Aristokratisierung» zu beobachten.

Mit diesen Themen kann angeknüpft werden an Rudolf Steiners damalige Versuche, der Anthroposophischen Gesellschaft, insbesondere der Leitung, den Spiegel vorzuhalten und die damals entstandene problematische Entwicklungsrichtung zu korrigieren. Insofern scheint es angemessen nach jetzt 99 Jahren die Frage zu stellen, ob die aktuell eingeschlagene Entwicklungsrichtung, die aus dem Handeln der Leitung deutlich wird, einer Korrektur bedarf. Eine solche Korrektur – wenn sie denn notwendig ist – kann heute nur aus der Mitgliedschaft geleistet werden.

3 x 33 Jahre nach dem Schicksalsjahr 1923 – zur Lage der Gesellschaft

Nach dem Gesetz der 33 Jahre korrespondiert das aktuelle Jahr 2022 mit den Jahren 1989 und 1923, dem Schicksalsjahr sowohl der Anthroposophischen Gesellschaft als auch Mitteleuropas (und damit der ganzen Welt). Von diesen und zwei weiteren Zeitreihen (1902 und 1913) handelten die vorherigen Beiträge «100 Jahre Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft»[2] und «… am Grabe aller Zivilisation?»[3]. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei der an der Weihnachtstagung gegründeten Gesellschaft nicht um die heutige Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft handelt!

Unübersehbar leben wir in einer Zeit der Zentralisierung, in der weltweit die Macht von den nationalen Regierungen auf supranationale Organisationen verlagert wird, welche von relativ kleinen, demokratisch nicht legitimierten Gruppen beherrscht werden. Es ist weltweit zu erleben, was Rudolf Steiner bereits 1905 vorausgesagt hatte, «denn der Gang der Entwickelung ist nicht der, dass wir demokratischer werden, sondern dass wir brutal aristokratisch werden.»[4] Und kann es einen Zweifel an der Aktualität folgender Aussage geben? «Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit den Mitteln der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse. Zu ihnen gehören alle diejenigen Menschenkreise, welche diese Gruppe imstande ist, durch Wirtschaftsmittel zu binden und zu organisieren.»[5]Der schon seit Längerem erkennbare Entdemokratisierungsprozess spitzt sich immer weiter zu, immer unverhohlener und offensiver wird diese Aristokratisierung betrieben und in den Auswirkungen tatsächlich immer brutaler. (Man denke nur an die Pläne des «Great Reset», die Impfpflicht und die Einschränkungen der Grundrechte.) Nicht übersehen sollten wir, dass  all dieses Geschehen auch okkulte Hintergründe hat und wir es bei den uns bekannten Protagonisten zu allermeist mit Marionetten zu tun haben, «Hampelmänner»[6] hat Rudolf Steiner diese genannt, Werkzeuge derer, die wirklich dieses öffentliche Geschehen steuern. Und wir sollten uns «nicht durch die schwarze Magie des Journalismus herumkriegen»[7] lassen und gutgläubig meinen, die da oben wollen nur unser Bestes.

Und machen wir uns nicht vor: Auch in unserer Gesellschaft gibt es diese Machtkonzentrationen: Die Entwicklung der Statuten seit 1925 sprechen eine deutliche Sprache: z.B. wurde 1935 das von Rudolf Steiner als «Inzucht»[8] bezeichnete Kooptionsprinzip eingeführt. Seit 1975 ist das Dogma des sogenannten Initiativvorstandes in den Statuten festgeschrieben. 1999 fand der erste Versuch[9] statt, das Antragsrecht der Mitglieder massiv einzuschränken, im Weiteren 2001 und dann 2002.[10] Mit der Einführung der Amtszeitbeschränkung im Jahr 2011 wurden besonders hehre Ziele formuliert, obwohl in Wirklichkeit etwas ganz anderes verfolgt wurde. So sollten angeblich «… die Mitglieder verstärkt in die Verantwortung einbezogen werden» und «Es geht darum, dass wir ein neues soziales Feld entwickeln. Damit ist gemeint, dass die Mitglieder mehr einbezogen werden.» Und weiter: «Gern möchten wir die Zusammenarbeit der Mitglieder mit den Verantwortungsträgern verstärken, sodass die Gesellschaft zum Partner des Vorstands wird und sich nicht als Gegenüber versteht». Diese Äusserungen erwiesen sich schon durch das nachfolgende Verhalten der Leitung als leere Versprechen. Tatsächlich war es ein geradezu taktisches Lügengebäude, denn Paul Mackay gestand 2019 öffentlich ein, dass die Einführung [der Amtszeitbeschränkung] 2011 lediglich eine (mögliche Über-)Reaktion auf den damaligen [2011] Abwahlantrag gewesen sei! Er meinte, eine regelmässige Besinnung auf die Vorstandstätigkeit sei schon notwendig, allerdings ohne die Mitgliedschaft einzubeziehen, denn nur im Kreis der Goetheanum-Leitung und der Konferenz der Generalsekretäre sei eine Beurteilung der Vorstandstätigkeit möglich![11]

Nur ein Jahr später (2012) wurden Vorstandsaufgaben an die neu gebildete «Goetheanum-Leitung» übertragen, deren Bildung und Organisation weder eine statuarische noch eine gesetzliche Grundlage haben. Damit ist ein Gesellschaftsorgan entstanden, welches weder durch die Mitgliedschaft legitimiert noch dieser gegenüber rechenschaftspflichtig ist. So finden wir auch innerhalb unserer Gesellschaft Entwicklungstendenzen wieder, die wir in der Weltpolitik beobachten können: eine deutliche Machtkonzentration, die nun an der diesjährigen Generalversammlung noch verstärkt werden soll, indem die Konferenz der Landesvertreter und Generalsekretäre in den Stand eines statuarischen Organs erhoben werden sollen. Wieviel Leitungsorgane braucht diese Gesellschaft denn noch? Und Inzucht[12] herrscht in diesen Kreisen allemal: Niemand wird gegen den Willen des Vorstandes Generalsekretär oder Landesvertreter. Und seit Jahren verständigt man sich bereits auf dieser Ebene, bevor man irgendetwas an die Mitglieder heranträgt. Aber wehe denjenigen, die aus diesen Konsens-Kreisen ausscheren und sich eine eigene Meinung erlauben. Davon konnte der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz ein Lied singen, der sich 2018 intern, nicht einmal öffentlich, gegen eine Amtszeitverlängerung von Paul Mackay und Bodo von Plato ausgesprochen hatte. Intern im Kreis der Leitenden in der AAG brach eine regelrechte Hexenjagt über sie herein.[13]

Noch ein Leitungsorgan?

Wozu soll nun dieses neue Organ gut sein? Wäre es nicht zeitgemässer zu fragen, wie die Mitgliedschaft tatsächlich einbezogen werden kann? Stattdessen gab es 2018 erneut Ansätze, sowohl das Verfahren von Mitgliederanträgen zu modifizieren als auch Ablehnungen von Amtszeitverlängerungen zu verhindern bzw. diese zu erschweren.[14] Damals war von «Partizipation» der Mitglieder die Rede, das Gegenteil wird und wurde jedoch betrieben. Gilt nicht auch für unsere gesellschaftlichen Verhältnisse, die ja Musterverhältnisse sein sollten, was auch im Grossen gilt?

«Wir stehen heute auf einem anderen Boden, und heute sind eben die Menschen nicht so, dass sie sich von kleinen Gruppen dasjenige diktieren lassen wollen, was sie zu tun haben … Heute ist die Zeit, in der man lernen muss den Unterschied zwischen herrschen und regieren. … Herrschen muss heute das Volk, eine Regierung darf nur regieren. Das ist es, worauf es ankommt. Und damit ist auch gegeben, dass in einem gesunden Sinne heute die Demokratie notwendig ist. Deshalb habe ich auch keine Hoffnung, dass man mit den schönsten Ideen etwas erreichen kann, wenn man sie durch kleine Gruppen verwirklichen will und wenn man nicht getragen wird von der Erkenntnis und Einsicht der wirklichen Majorität der Bevölkerung. Die wichtigste Aufgabe heute ist, die große Mehrheit der Bevölkerung für das zu gewinnen, was man als Möglichkeit zur Veränderung erkannt hat. So stehen wir heute vor der Notwendigkeit, für das, was zuletzt wirklich an wahrer Sozialisierung erreicht werden wird, in demokratischer Weise die Mehrheit der Bevölkerung zu haben.»[15]

Mit recht drastischen Formulierungen hielt Rudolf Steiner 1923 insbesondere den in konkreten Aufgaben und leitenden Funktionen stehenden Mitgliedern den Spiegel vor, vergegenwärtigte die Situation und den Zustand der Gesellschaft. Diese stünde vor dem Zerfall, sie sei ein Schemen, alles was nicht verstanden wurde, sei sofort getan worden bzw. geschah das Gegenteil von dem, was er sagte. Seit 1914, verstärkt aber im Jahr 1923 sprach Rudolf Steiner von einer «inneren Opposition» und bezeichnete die Gesellschaft als «ahrimanisch durchlöchert»[16]. Das bedeutete ja nichts anderes, als dass die gegnerischen Impulse innerhalb der Gesellschaft wirkten, die Widersacher, welche sich für ihr Wirken der Menschen bedienen.

Und heute? Ist unsere Gesellschaft auch «ahrimanisch durchlöchert»? Gibt es auch heute eine «innere Opposition» in der Gesellschaft? Ein Wirken gegen die Intentionen Rudolf Steiners? Diese Frage muss gestellt werden!

Verantwortung der Mitgliedschaft

Die AAG ist ein Verein nach Schweizer Recht. Damit ist das oberste Organ, der Souverän, die Mitgliedschaft – vertreten durch das Organ der Generalversammlung. Und damit trägt auch die Mitgliedschaft in letzter Konsequenz die Verantwortung für das, was in der Gesellschaft geschieht, wie die Gesellschaft durch die Leitung repräsentiert wird und auch für die Folgen, die sich ergeben können, wenn der Vorstand nicht im Sinne der Gesellschaft handelt, nicht die Interessen der Gesellschaft vertritt. All die Verhältnisse, die wir heute in der Gesellschaft haben, können nur so sein, wie sie sind, da sie von der Mitgliedschaft mehrheitlich entweder genau so gewollt sind – oder eben toleriert werden.

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass mit der Goetheanum-Leitung ein Leitungs-Organ in der Gesellschaft geschaffen wurde, welches nicht durch die Mitgliedschaft legitimiert wurde und keine Rechenschaft ablegen muss. Das ist ein im Grunde unhaltbarer Zustand und wäre unter Rudolf Steiner kaum möglich gewesen. Und so stellt sich die Frage, ob es denn nicht höchste Zeit wäre, dass auch die Sektionsleitungen Rechenschaft ablegen und sich der Bestätigung durch die Mitgliedschaft stellen müssten?

Entsprechend dem oben wiedergegebenen Zitat Rudolf Steiners müsste vielmehr ein Mitgliederorgan entstehen bzw. entwickelt werden, frei aus der Mitgliedschaft, nicht dominiert durch die Gesellschaftsleitung. Und diesem Organ wären dann von der GV entsprechende Kompetenzen zu übertragen, um ein Zusammenwirken mit den Leitungsorganen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Dass ein solches Organ entsteht, liegt naturgemäss nicht im Interesse des Vorstandes. Nur aus der Mitgliedschaft könnte ein solches Organ entstehen. Allerdings wird auch das erst möglich sein, bzw. können entsprechende Initiativen entstehen, wenn die Mitgliedschaft Bereitschaft gezeigt hat, ihre Verantwortung zu übernehmen.

Eine Empfehlung oder gar ein Aufruf, dem Antrag des Vorstandes für das geplante Organ der Generalsekretäre und Landesvertreter zu- oder nicht zuzustimmen, erfolgt hiermit ausdrücklich nicht. Jeder möge sich selber ein Urteil bilden – möglichst vor der GV.

Das Gleiche gilt für die Fragen zur Weleda. Auch hier trägt die Mitgliedschaft die Letztverantwortung dafür, welche Entwicklungsrichtung eingeschlagen werden soll. Hier gilt im Besonderen: Eine sachgemässe Urteilsbildung allein an der GV ist kaum möglich.

Die Lage der Gesellschaft mag aussichtslos erscheinen, das war 1923 für Rudolf Steiner nicht anders. Er hat es trotzdem versucht.

Zur Weleda

Das Wesentliche ist bereits beschrieben worden, nachzutragen ist einerseits, mit welcher Konsequenz die Änderung des Unternehmenszweckes erfolgt ist. Das wird aus der Begründung des nachfolgenden Antragsvorschlags deutlich.

Leider wurden die an Justus Wittich gestellten Nachfragen zu seinen Äusserungen anlässlich der Informationsveranstaltung am 17. März 2022 bisher nicht beantwortet (Stand 28. März 2022). Deutlich ist, dass man auch am Goetheanum mit zahlreichen kritischen Reaktionen beschäftigt ist.

Antrag zum Tagesordnungspunkt «Entlastung des Vorstandes» (Entwurf)

Sachverhalt und Begründung des Antrages

Es gehört zur Aufgabe des Vorstandes der AAG, die Gesellschaft nach aussen zu repräsentieren und,  im Rahmen der ihm übertragenen Kompetenzen, deren Interessen zu vertreten. Weiterhin obliegt ihm lt. Statuten u.a. die Geschäftsführung der Gesellschaft. Bestandteil der Gesellschaft ist die Freie Hochschule mit den verschiedenen Fachsektionen. Diese wird u.a. mit Mitteln der AAG finanziert.

Die laufende Finanzierung der Gesellschaft erfolgt aus Mitgliedsbeiträgen, Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb, freien Spenden und Legaten. Zu den Einnahmen gehören auch die Zuwendungen von der Weleda, in Form von Spenden und Dividenden.

Die AAG ist Hauptaktionärin der Weleda AG und wird in deren Gremien (Verwaltungsrat und Generalversammlung) durch den Vorstand bzw. durch eine von diesem benannte Person vertreten.

Mit Bezug auf die Weleda AG liegt es im Interesse der AAG, dass diese insbesondere für die Anthroposophische Medizin geeignete und benötigte Heil- und Pflegemittel herstellt und vertreibt. (Streng zu unterscheiden sind Pflegemittel und Kosmetika. Die Herstellung und der Vertrieb letzterer liegt nicht im primären Interesse.) Weiterhin liegt es im Interesse der AAG, von der Weleda jährlich zusätzlich zu den Dividenden einen Beitrag zur Finanzierung der Gesellschafts- und Hochschulaufgaben zu erhalten. Dies erfolgt in Form einer Spende. Diese Spendenpraxis ist durch den Unternehmenszweck legitimiert (§2 der Weleda-Statuten[17]).

Im Jahr 2020 wurde der Unternehmenszweck erweitert und die Statuten entsprechend ergänzt. Dort wurde ergänzt (§2, Abs. 4): «Die Gesellschaft verfolgt den Zweck, mit ihrer Geschäftstätigkeit eine erhebliche positive Wirkung auf das Gemeinwohl sowie die Umwelt zu erzielen.»

Ebenfalls im Jahr 2020 wurde durch eine Pressemitteilung[18] veröffentlicht und mitgeteilt, dass die Weleda ab 2022 jährlich 1% des Umsatzes für Klimaschutz und den Erhalt der Biodiversität spenden wird. Dieser Betrag entspricht in etwa dem Dreifachen dessen, was jährlich an die AAG gespendet wird. Konkret sind für das Jahr 2022 4,6 Mio. CHF vorgesehen. Laut einer aktuellen Mitteilung an die Aktionäre sollen schwerpunktmässig die Bereiche Biodiversität, Bodengesundheit, Klimaschutz, nachhaltigere Verpackungen sowie gute Unternehmensführung (Governance) und Gemeinwohl gefördert werden. Inwieweit es sich dabei um anthroposophische Projekte handelt, ist nicht erkennbar und wird nicht erwähnt.

Bemerkenswert ist, dass auch im §20 (Aufgaben des Verwaltungsrates) eine Ergänzung vorgenommen wurde. Es wurde ergänzt:

«Bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt der Verwaltungsrat (i) die kurz- und langfristigen Interessen der Gesellschaft, ihrer Tochtergesellschaften und ihrer Zulieferer, (ii) den Zweck der Gesellschaft eine erhebliche positive Auswirkung auf das Gemeinwohl und die Umwelt zu erzielen, sowie (iii) die Auswirkungen ihres Handelns gegenüber den relevanten Interessengruppen unter anderem: ihren Mitarbeitenden, ihren Kunden, den Regionen und Gemeinschaften, in denen sie tätig sind, und der Umwelt.» Auffällig ist, dass bei der Entscheidungsfindung insbesondere die Interessen der Anthroposophischen Medizin und die ideellen und finanziellen Interessen der anthroposophisch orientierten Hauptaktionäre (AAG und Klinik Arlesheim) nicht einmal erwähnt werden.

Es ist undeutlich, ob und inwieweit bei den zukünftigen Spenden in Höhe 1% des Umsatzes anthroposophische Institutionen und Initiativen überhaupt berücksichtigt werden. Auch die für 2022 konkret genannten Bereiche geben darüber keinen Aufschluss. Es kann der Eindruck entstehen, dass anthroposophische Projekte nicht mehr priorisiert werden und es stellt sich die Frage, ob dies im ideellen bzw. finanziellen Interesse der Hauptaktionärin AAG liegt.

Da eine Zweckänderung der Weleda-Statuten nur mit einer 2/3 Mehrheit möglich ist, hat der Vertreter der AAG – Paul Mackay in Vertretung und Verantwortung des Vorstands – dieser Änderung zugestimmt.

Einerseits liegt damit eindeutig eine Kompetenzüberschreitung vor, denn eine derartige Änderung des Unternehmenszweckes der Weleda mit möglicherweise gravierenden Folgen für den Finanzhaushalt der AAG liegt nicht im Bereich einer normalen und üblichen Geschäftsführung eines Vereins. Derartige Kompetenzen wurden dem Vorstand nicht übertragen!

Nochmals: Es ist also festzustellen, dass der Unternehmenszweck der Weleda geändert wurde, dieser Änderung durch den Vertreter des Vorstandes der AAG zugestimmt wurde, obwohl ein dafür notwendiger GV-Beschluss der AAG  oder eine entsprechende Kompetenzübertragung nicht vorlagen.

Gegenüber der Aussenwelt ist die Veränderung der Statuten rechtswirksam. Die Verantwortung liegt beim Vorstand der AAG, auch wenn dieser nur mittelbar durch einen beauftragten Vertreter (Paul Mackay) gehandelt hat. Unklar ist derzeit, ob der Vorstand rechtlich für sein Vorgehen belangt werden könnte, da eindeutig und erkennbar nicht im Interesse der Gesellschaft gehandelt wurde.

Da die Spendenpraxis erst in diesem Jahr (2022) beginnen soll, ist ein möglicher finanzieller Schaden eventuell noch nicht eigetreten.

Da diese wesentliche und nicht im Interesse der AAG liegende Veränderung des Unternehmenszweckes der Weleda AG der Mitgliedschaft nicht mitgeteilt und keine Rechenschaft darüber abgelegt wurde, gilt die Vorstandsentlastung aus dem Jahr 2021 für diesen Vorgang nicht. (Grundsätzlich gelten Entlastungen nur für Handlungen, über die berichtet und Rechenschaft abgelegt wurde.)

Eine Entlastung des Vorstandes für dieses Vorgehen erscheint nicht sinnvoll. Zudem sollten die Veränderungen des Unternehmenszweckes der Weleda AG nach Möglichkeit wieder rückgängig gemacht werden. Daher sind folgende Beschlüsse (im Sinne einzelner Anträge) erforderlich:

Antrag A

Die GV möge beschliessen:

Eine Entlastung des Vorstandes für alle Tätigkeiten und Entscheidungen, die im Zusammenhang mit der Rolle als Hauptaktionär der Weleda AG in einem unmittelbaren oder mittelbaren Zusammenhang stehen, wird zurückgestellt, bis ein lückenloser Rechenschaftsbericht über diese Vorgänge vorliegt bzw. die genannten Statutenänderungen der Weleda AG rückgängig gemacht wurden.

Antrag B

Die Generalversammlung beauftragt den Vorstand, für die diesjährige Generalversammlung der Weleda AG am 20.05.2022 in Dornach einen Antrag zu stellen, der darauf hinzielt, die Erweiterung des Unternehmenszweckes von 2020 wieder vollständig rückgängig zu machen (§2, Abs. 4 und §20 neuer Abs. 8 sind ersatzlos zu streichen).

Antrag C

Die Generalversammlung beauftragt den Vorstand, unverzüglich im Verwaltungsrat darauf hinzuwirken, dass die für 2022 anvisierte Spendenpraxis von 1% an Umwelt und Klima nicht weiter umgesetzt wird. Die Geschäftsleitung der Weleda AG ist unmittelbar nach der Beschlussfassung (nach der GV) über diesen Beschluss zu informieren.


[1] https://www.wtg-99.com/Rundbrief_34 und https://www.wtg-99.com/Rundbrief_35

[2] ENB Nr. 1/2022.

[3] ENB Nr. 6/2022.

[4] GA 93, S. 126.

[5] Manuskript zu den Hintergründen des Kriegsgeschehens teilweise veröffentlicht unter dem Titel «Der Kampf um den russischen Kulturkeim» in: Der Europäer, 3. Jg. Nr. 5 (März 1999), S. 3 (Manuskript Archiv Perseus Verlag), hier wiedergegen nach GA 173c.

[6] z.B. GA 173a, S. 141.

[7] GA 173c, S. 55.

[8] GA 259, S. 226.

[9] Siehe: https://wtg-99.com/papierkorbentwurf.

[10] https://wtg-99.com/Entwicklung_Antragswesen.

[11] Nur im Internet: https://www.goetheanum.org/fileadmin/kommunikation/GV_2019_Antraege.pdf (letzter Zugriff: 28.03.2022).

[12] Kooption wurde von Rudolf Steiner so bezeichnet: GA 259, S. 226.

[13] Siehe hierzu: https://wtg-99.com/letter-to-sijmons.

[14] Anthroposophie weltweit Nr. 12/18.

[15] GA 331, S.68f.

[16] GA 259, S. 302.

[17] https://weledaint-prod.global.ssl.fastly.net/binaries/content/assets/pdf/ch-de/aktien/statuten_05062020.pdf.

[18] https://www.presseportal.de/pm/25239/4913584.

Weleda – wohin?

Wie bereits berichtet[1] soll die Mitgliedschaft der AAG an der Generalversammlung 2022 dem Vorhaben des Vorstandes zustimmen, die seit knapp 100 Jahren bestehende Beteiligung an der Weleda an eine noch unbekannte – bzw. noch nicht bestehende – Stiftung zu übertragen. Da dies zum Nennwert (d.h. zum Ursprungswert) erfolgen soll und damit auch eine Gegenleistung[2] erfolgen wird, kann dieser Vorgang auch als Verkauf bezeichnet werden.

Es handelt sich dabei um ein ähnliches Vorhaben wie schon 2009[3], welches durch Einsprachen von Mitgliedern verhindert wurde. Nun taucht es wieder auf, ohne dass inzwischen ein klares oder gar konkretes Konzept entwickelt wurde.

All dies geschieht nun ausgerechnet 3 x 33 Jahre nachdem die Weleda in den Besitz der Gesellschaft kam und damit gleichzeitig 3 x 33 Jahre nach der Weihnachtstagung. Die Weleda ist in ihren Ursprüngen und Urintentionen ganz eng mit dem anthroposophischen Heilimpuls verbunden. Gerade dem Bereich der Medizin und des Heilwesens mass Rudolf Steiner grosse Bedeutung zu: An der Weihnachtstagung brachte er dies sowohl im Eröffnungs- als auch im Abschlussvortrag sehr deutlich zum Ausdruck. Es war und ist ein stark umkämpftes Gebiet, dies wurde insbesondere in den letzten zwei Jahren mehr als deutlich.

Eine Richtigstellung vorab

In dem Beitrag „Zu den aktuellen Absichten des Goetheanums mit der Weleda“, der in „Ein Nachrichtenblatt“ Nr. 6/2022 sowie in dem Rundbrief Nr. 34[4] in „Was in unserer Gesellschaft noch vorgeht“ erschienen ist, hiess es, dass der Vorstand auch ohne einen Generalversammlungsbeschluss über die Weleda-Beteiligungen verfügen könne. Das Gegenteil ist der Fall, eine Zustimmung der Generalversammlung ist zwingend notwendig, da es sich um eine Vermögensverfügung handelt, die weit über den Rahmen einer normalen Geschäftsführung hinausgeht. Hinzu kommt, dass die Generalversammlung der AAG am 27. März 2010 folgendem Antrag zugestimmt hatte: «Antragsteller und Vorstand beantragen, dass jegliche Verfügung über Stimmrechte und/oder die stimmberechtigten Aktien der Weleda AG der vorherigen Zustimmung der Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft bedarf.»

Ein Compliance-Problem?

An der von Mitgliedern zu diesem Vorhaben initiierten Informationsveranstaltung vom 17. März 2022 in Arlesheim nahm auch Justus Wittich teil. Aus seinen Ausführungen wurde deutlich, dass im Vordergrund dieses Vorhabens steht, die jährlich Spende von 1,6 Mio. CHF an die AAG sicherzustellen. Theoretisch könne sich ein sogenanntes Compliance-Problem daraus ergeben, dass die AAG als einer der Hauptaktionäre eine (gewinnmindernde) Spende erhalte. Dadurch könnte sich einer der übrigen Dividendenempfänger benachteiligt fühlen und auf Gleichstellung klagen. Möglicherweise könnte in einem solchen Fall die Weleda zumindest vorübergehend diese Spende an die AAG nicht auszahlen und so entstünde im Haushalt der AAG ein Problem. Allerdings, so fügte Justus Wittich hinzu, sei das aktuelle Vorgehen mit grosser Wahrscheinlichkeit rechtssicher in Ordnung und würde daher auch einer gerichtlichen Prüfung standhalten.

Dieses somit theoretische und wahrscheinlich gar nicht vorhandene Problem solle nun in der Weise gelöst werden, dass die Aktien und Partizipationsscheine zum Nennwert[5] an eine (unbekannte bzw. noch zu gründende) Stiftung übertragen werden. Die AAG wäre dann ihrer Doppelrolle als Hauptaktionärin und Spendenempfängerin enthoben. Vollkommen unklar ist, wie dann die Wächterfunktion der AAG erhalten bleiben soll, in jedem Fall bestünde bei einem solchen Vorgehen endgültig und unwiederbringlich keine Möglichkeit mehr, im Falle eines Falles seitens der Mitgliedschaft Einfluss z.B. auf die Entwicklungsrichtung der Weleda zu nehmen, im Sinne einer Notbremse.

Mit Blick auf die Statuten der Weleda AG scheint dieses Compliance-Problem wirklich ein nur theoretisches zu sein, denn es ist

  • einerseits klar geregelt, dass es zum Unternehmenszweck gehört, anthroposophische Institutionen zu fördern (§ 2, Satz 3) und
  • andererseits die Höhe der Dividende nicht abhängig davon ist, ob oder inwieweit Spenden an steuerlich anerkannte gemeinnützige Institutionen geleistet werden (§ 29).

Diese Regelungen sind eindeutig, jeder Aktionär oder Partizipationsscheininhaber kann sowohl die Statuten als auch die jahrzehntelange Praxis kennen und es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass eine Klage auf Gleichstellung Chancen auf Erfolg hätte. Hier sollte aber noch eine anwaltliche Einschätzung eingeholt werden, sofern eine solche nicht bereits am Goetheanum vorliegt und zur Kenntnis gegeben werden kann. Eine entsprechende Anfrage bei Justus Wittich ist erfolgt (siehe Anhang, am 21. März 2022 angefragt, aktuell[6] unbeantwortet).

So stellt sich die Frage, ob es wirklich angemessen ist, einen derartig schwerwiegenden, lt. Justus Wittich auch sehr teuren und vor allem endgültigen Schritt zu gehen.

Hinzu kommt, dass die Absicht dieser Gestaltung für jedermann erkennbar ist: so blieben die Spenden an die AAG auch weiterhin gewinnmindernd. Ob dies als Gestaltungsmissbrauch ausgelegt werden könnte und somit überhaupt eine rechtssicherere Situation als aktuell entstünde, müsste überprüft werden. Es ist also fraglich, ob die gewünschte Sicherheit überhaupt eintritt oder ob sich der Vorgang im Nachhinein als sehr viel schwerwiegenderer Fehler herausstellen kann, als der damalige Verkauf der Partizipationsscheine an eine Vermögensverwaltungsgesellschaft. Dass dies ein gravierender Fehler war, räumte Justus Wittich ganz klar ein.

Worüber reden wir eigentlich?

Die Beteiligung an der Weleda steht in der Bilanz der AAG mit ca. 3,1 Mio. CHF zu Buche. Dabei handelt es sich um den Nennwert oder den Nominalwert. Das ist der Wert, den die Wertpapiere zu dem Zeitpunkt hatten, als diese erstmals ausgegeben wurden. Der Wert der Partizipationsscheine hat sich seitdem verzehnfacht[7] und auch der Wert der Aktien dürfte heute bei dem 10-fachen liegen. Demnach läge der aktuelle Zeitwert der AAG-Beteiligung bei ca. 30 Mio. CHF. Wäre die Weleda ein ganz normales Unternehmen und die Aktien frei handelbar, wäre der Wert vermutlich noch deutlich höher, wie hoch, ist schwer einzuschätzen.

Damit kein Missverständnis entsteht: Es soll hiermit keineswegs propagiert werden, die Wertpapiere zu Geld zu machen oder den Aktienbesitz als konventionelle Wertanlage zu betrachten. Wir sollten uns aber darüber klar sein, dass der bilanzierte Wert von ca. 3,1 Mio. CHF bei weitem nicht repräsentiert, worüber jetzt verhandelt wird. Ebenso wenig wie etliche Liegenschaften, die im Besitz der AAG sind, deren Zeitwert im Millionenbereich liegt und die mit lediglich einem Franken bewertet in der Bilanz stehen.

Umgang mit Vereinsvermögen

An dieser Stelle ist es notwendig darauf hinzuweisen, dass der Umgang mit Vereinsvermögen nicht immer, sagen wir, glücklich war. Zu erinnern ist an die Vorgänge, die im Zusammenhang mit dem Wirken des damaligen Schatzmeisters Dieter Pommerening in der AGiD entstanden waren, in deren Folge Millionenverluste eintraten und die deutsche Landesgesellschaft in Gefahr war, die steuerliche Gemeinnützigkeit zu verlieren. Immer wieder müssen Haushaltslücken der AAG durch Liegenschaftsverkäufe und aus Erlösen von Legaten gedeckt werden. Das selbst formulierte Ziel der unumgänglichen Sanierung der Goetheanum-Finanzen[8] (siehe hier) konnte nicht erreicht werden, so ist nachvollziehbar, dass der Schatzmeister eigentlich mehr als Defizitmeister fungieren muss und ihn permanent Sorgen plagen, mit welchen Mitteln die Gehälter und die sonstigen Ausgaben bezahlt werden sollen. Keine beneidenswerte Aufgabe. Es kann aber nicht sein, dass das Weleda-Vermögen aus Gründen der Defizitdeckung ausgelagert werden soll.

Verlagerung des Unternehmenszweckes

Die ursprünglichen Intentionen zur Gründung der Weleda-Betriebe (Chemische Werke Gmünd und die Internationalen Laboratorien AG in Arlesheim) lagen eindeutig in der Entwicklung anthroposophischer Medikamente und Pflegeprodukte. Der Kosmetikbereich hat sich erst im Laufe der Zeit aus der Weiterentwicklung der medizinischen Pflegeprodukte entwickelt. Heute sei die Weleda AG der weltgrösste Hersteller von Naturkosmetik. Mit ca. 80% des Gesamt-Umsatzes liegt hier heute das Hauptgeschäft. Insofern hat sich der Betrieb von den ursprünglichen Intentionen entfernt und es befremdet, wenn man hört, dass die aufgrund aufwendiger Herstellungs- und Zulassungsanforderungen im Medizinbereich entstandenen finanziellen Defizite nicht mehr durch den sehr profitablen Bereich der Naturkosmetik ausgeglichen werden sollen und stattdessen eine massive Streichung der zugelassenen Heilmittel bereits erfolgt ist. Da eine Neuzulassung unter heutigen Bedingungen unbezahlbar wäre, sind diese Heilmittel – es wird davon gesprochen, dass von ursprünglich 2.500 nur noch ca. 750 übrig sein sollen – für die Anwendung möglichweise endgültig verloren. Inwieweit die Gründung der Weleda Healthcare AG[9] eine Lösung dieses Problems darstellen wird, konnte noch nicht geklärt werden.

Ist es Aufgabe der Weleda, Umwelt und Gemeinwohl zu fördern?

Die Weleda ist offensichtlich derartig profitabel, dass der Unternehmenszweck ergänzt wurde, damit auch eine Förderung des Gemeinwohls und der Umwelt möglich wird. Damit können keine anthroposophischen Institutionen gemeint sein, denn für deren Förderung wäre eine Erweiterung des Unternehmenszweckes nicht erforderlich gewesen.

So wurde Unternehmenszweck (§2 der Weleda-Statuten) wie folgt ergänzt:

„Die Gesellschaft verfolgt den Zweck, mit ihrer Geschäftstätigkeit eine erhebliche positive Wirkung auf das Gemeinwohl und die Umwelt zu erzielen.“

In diesem Zusammenhang wurde lt. Pressemitteilung der Weleda angekündigt, zukünftig ab 2022 jährlich 1% des Umsatzes an Umweltorganisationen zu spenden. Im Vergleich zu der jährlichen Spende an die AAG in Höhe von ca. 1,6 Mio. CHF soll also in Zukunft jährlich zusätzlich(!) nahezu der dreifache Betrag, also ca. 4 Mio. CHF an Umwelt- und andere nichtanthroposophische Organisationen gespendet werden? Angesichts der Not bei den anthroposophischen Heilmitteln ist das nicht verständlich.

So stellt sich die Frage, wer für diese Entscheidung verantwortlich ist? Die Initiative dazu kann nur aus dem Verwaltungsrat gekommen bzw. von diesem gutgeheissen worden sein. Der Beschluss wurde an der Weleda-GV 2020[10] gefasst, in der die Klinik Arlesheim und die AAG durch die entsprechenden Verwaltungsräte vertreten sind und über eine 2/3-Mehrheit[11] verfügen. Der damalige Verwaltungsrat setzte sich aus folgenden Persönlichkeiten zusammen (Quelle: Geschäftsbericht der Weleda 2020 Seite 3, Hinweise kursiv in [] stammen nicht aus dem Geschäftsbericht):

  • Paul Mackay, Verwaltungsratspräsident, [seit Januar 2020 Mitglied im Stiftungsrat WWF Deutschland und seit Juli 2020 Mitglied in dessen Finanzausschuss.      
    Quelle: https://www.wwf.de/ueber-uns/organisation/stiftungsrat-des-wwf/].
  • Monique Bourquin, Verwaltungsrätin, seit 2019, [verfügt über fast 30 Jahre Erfahrung in der Lebensmittelindustrie und besetzte leitende Funktionen in Marketing und Sales in Unternehmen wie Knorr, Rivella und Mövenpick. Bei Unilever Schweiz war sie von 2008 bis 2012 Country Manager und bis 2016 CFO bei Unilever Deutschland für die DACH Region. Als Verwaltungsrätin begleitet sie neben der Kündig Gruppe Unternehmen wie Emmi AG, Kambly Holding SA und Weleda AG; sie ist im Stiftungsratsausschuss bei Swisscontact und Präsidentin von Promarca, dem Schweizerischen Markenartikelverband
    Quelle: https://kuendig.com/governance/monique-bourquin/].
  • Dr. Andreas Jäschke, Leiter Organisationskultur der Klinik Arlesheim.
  • Ueli Hurter, Co-Leiter der Sektion Landwirtschaft am Goetheanum und Demeter-Landwirt.
  • Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS-Gemeinschaftsbank.
  • Elfi Seiler, Drogistin und Mitbesitzerin der St. Peter Apotheke in Zürich.
  • Prof. Dr. Harald Matthes, Leitender Arzt am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin.

Nehmen wir also zu Kenntnis, dass unter dem Verwaltungsratspräsidenten Paul Mackay die Erweiterung des Unternehmenszweckes erfolgte, während dieser gleichzeitig Mitglied im Stiftungsrat des WWF war.

Zwischenfazit

Die Weleda AG stellt sich heute also als ein Unternehmen dar, welches seinen Hauptumsatz in einem Geschäftsbereich erzielt, der nicht den ursprünglichen Intentionen entspricht und der aufgrund seines Umfanges Umsätze in Bereichen tätigt, die ausserhalb des eigentlichen anthroposophischen Umfeldes liegen. Dies kommt vermutlich auch zunehmend (oder bereits überwiegend?) in der Besetzung zentraler und wichtiger Leitungspositionen zum Ausdruck. Dies ist zur Kenntnis zu nehmen und es soll der ausserordentliche Erfolg, der zumindest in seinen Ursprüngen auf anthroposophischen Kernanliegen gründet, durchaus gewürdigt und keinesfalls kritisiert werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob es nicht wesentlicher Veränderungen bedarf, damit dem ursprünglichen Unternehmensauftrag noch in angemessenem Umfang nachgekommen werden kann. Kein sinnvoller und zukunftsfähiger Weg scheint es jedoch zu sein, wenn auch hier eine zunehmende Orientierung an der allgemeinen, nichtanthroposophischen Entwicklung gesucht wird, wie es in vielen anderen Kernbereichen leider zunehmend zu beobachten ist. Dazu weiter unten konkretere Gedanken.

Das Heilmittel-Problem

Schon seit Jahren wird insbesondere von Ärzten beklagt, dass die – ohnehin schon äusserst aufwendige – Produktion von Heilmitteln aufgrund der immer weiter gestiegenen gesetzlichen Anforderungen reduziert wird. Der unternehmensseitige Grund dafür liegt darin, dass durch den hohen Aufwand für die Herstellung und Zulassung der Heilmittel, die unterhalb einer gewissen Jahresmenge liegen, nicht rentabel, sondern defizitär sei. (Frage: Gibt es Listen, welche und wie viele Heilmittel in den letzten Jahren aus der Produktion genommen wurden, wieviel davon verkauft wurde, welche noch als Apothekenmittel erhältlich sind und welche gänzlich nicht mehr zu bekommen sind? Ist das irgendwo dokumentiert?)

Dieses Problem besteht zweifellos und seit Jahren existieren Versuche, den Bereich der komplementären Heilmittel zu diskreditieren bis hin zu Versuchen, insbesondere die homöopathischen Mittel regelrecht zu verbieten, was in einigen Ländern bereits erfolgt ist. Es ist ein umkämpftes Gebiet und wird es bleiben.

Abgesehen von der bereits angesprochenen Frage, warum mit den Profiten aus der Naturkosmetik die Defizite aus der Heilmittelproduktion nicht aufgefangen werden können (und stattdessen nun 1% des Umsatzes an Umwelt- und Gemeinwohlorganisationen gespendet werden sollen), sollte nach anderen Wegen gesucht werden, um die Heilmittel, deren Herstellung und Vertrieb für die Weleda nicht sinnvoll möglich ist, dennoch zur Verfügung zu haben. So besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass Apotheken diese als Magistralrezepturen herstellen, da unterhalb einer gewissen Herstellungsmenge die aufwendigen Zulassungsbedingungen nicht gefordert werden. Von der Weleda könnten dazu die notwendigen Rezepturen und die Grundsubstanzen zur Verfügung gestellt werden. Wenn dies entsprechend organisiert würde, in einem Zusammenspiel der Weleda (als Lizenzgeber für die Medikamente, evtl. auch zusammen mit der Wala), mit den Ärzten und einer gewissen Anzahl von geeigneten und zugelassenen Apotheken, die diese Heilmittel herstellen könnten, wäre es zumindest denkbar, auch selten – bis hin zu ganz selten – benötigte Medikamente zur Verfügung stellen zu können.

Dem Autor liegt ein erster Entwurf eines entsprechenden Konzeptes vor, welches zunächst mit Apothekern, Ärzten und ggf. mit der Weleda vorbesprochen werden müsste. Inwieweit sich ein vergleichbares Konzept durch die erwähnte Weleda HealthCare AG in Entwicklung befindet, konnte noch nicht geklärt werden.

Unternehmensaufteilung?

Es liegt in der Natur der Sache, dass in einem Unternehmen, welches zu 80% von einer sehr profitablen Naturkosmetik lebt, diese auch in jeder Beziehung alle materiellen und ideellen Ressourcen eines Unternehmens erfordert und bindet. Es gibt gewiss zwischen der Herstellung der Heilmittel und der Naturkosmetik Synergien in Bezug auf Rohstoffe und teilweise in der Produktion. Spätestens jedoch im Bereich des Absatzes, des Vertriebs, des Marketings, der Produktentwicklung und -gestaltung usw. ergeben sich erhebliche unterschiedliche Anforderungen und Vorgehensweisen. In einem notwendigerweise betriebswirtschaftlich orientierten Umfeld wird schon zwangsläufig der sowohl umsatzmässig als auch ertragsmässig bedeutendere Geschäftsanteil im Vordergrund stehen. Zudem ist der Bereich der Heilmittel eindeutig mehr dem Geistesleben zuzuordnen, als dies für die Naturkosmetik der Fall ist. Auch ohne konkreten Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse ist erkennbar, dass es quasi zwangsläufig zu Interessenskonflikten kommen muss, die allein durch eine organisatorische Trennung (die gewiss vorhanden sein wird) kaum gelöst werden können. Es ist einfach ein Riesenunterschied, einen prosperierenden und hochprofitablen Betrieb zu führen und weiterzuentwickeln als einen, schon aufgrund unbeeinflussbarer äusserlicher Gegebenheiten, sich immer weiter defizitär entwickelnden Betrieb. Dabei ist letzterer (der Heilmittelbereich) aus geistiger Sicht wesentlich bedeutender und wird auch dauerhaft auf Zuwendungen angewiesen sein. Dieser, innerhalb der Weleda insbesondere in den Bereichen der Unternehmensleitung bestehenden Interessenskonflikt könnte dadurch aufgelöst werden, dass die Bereiche eine jeweils vollständig eigenständige Unternehmensleitung erhalten. Denkbar wäre, die Unternehmensteile dazu auch in rechtlicher Hinsicht z.B. in eine Weleda Naturkosmetik AG und eine Weleda Heilmittel AG aufzuteilen. Dabei könnte sowohl ein örtlicher Zusammenhang bis hin zu einer Zusammenarbeit bestehen bleiben, in all den Bereichen, in denen das sinnvoll ist und im gemeinsamen Interesse liegt. Die Unternehmen könnten sich so in ihren unterschiedlichen Kernanliegen unabhängig und ungestört voneinander entwickeln. Selbstverständlich müssten auch weiterhin und auf Dauer Defizite im Heilmittelbereich aus Profiten im Kosmetikbereich abgedeckt werden, als Querfinanzierung wie bisher. Dies dann im Sinne von Schenkgeld, wie es einer Einrichtung des Geisteslebens als Empfänger und einem mehr wirtschaftlich orientierten Unternehmen als Spender gemäss wäre.

Die übergrossen Probleme in nahezu allen Bereichen der Medizin und des Gesundheitswesens haben ihre Ursache darin, dass diese in vollkommen wesensfremder Art und Weise den Paradigmen eines konventionellen Wirtschaftlichkeitsdenkens unterworfen werden.

Verantwortung des AAG-Vorstandes

Zu den Aufgaben des Vorstandes gehören die Vertretung der AAG und deren Interessen sowohl in der Generalversammlung der Weleda als auch in deren Verwaltungsrat. In diesem Sinne ist der Vorstand Beauftragter der AAG und hat damit deren Interessen respektive die Bedürfnisse der Anthroposophischen Medizin angemessen zu berücksichtigen. Zudem ist er der Mitgliedschaft auch in diesem Zusammenhang rechenschaftspflichtig. Dieser Aufgabe und Pflicht wurde in der Vergangenheit nicht ansatzweise in genügendem Maße nachgekommen. Im Gegenteil wurde zum Beispiel ein eindeutiger Auftrag der Generalversammlung 2011, eine ausserordentliche Generalversammlung zur Weleda durchzuführen, bis heute nicht umgesetzt.

Die Erweiterung des Unternehmenszweckes 2022 (siehe oben) und der Beschluss des Verwaltungsrates, zukünftig jährlich 4,5 Millionen an (nichtanthroposophische) Institutionen des Gemeinwohls bzw. der Umwelt zu spenden, ist eine wesentliche Veränderung des Unternehmenszweckes und entspricht nicht den ursprünglichen Intentionen. Es ist nicht erkennbar, inwieweit diese Beschlüsse, die zweifelsfrei von erheblicher Tragweite sind, im Interesse der AAG bzw. der Anthroposophischen Medizin liegen.

Von diesen Absichten und den entsprechenden Beschlüssen konnte die Mitgliedschaft aus den offiziellen Gesellschaftsorganen nichts erfahren.

Zur Generalversammlung 2022

Die Generalversammlung ist ohne jeden Zweifel das Organ, in welchem die Mitglieder ihrer Verantwortung für die Gesellschaftsverhältnisse nachkommen können, wozu auch der Umgang mit dem Eigentumsanteilen an der Weleda gehört. Um eine derartig schwerwiegende Entscheidung über die endgültige Ausgliederung dieser Eigentumsrechte an der Weleda verantwortlich treffen zu können, sind klare und eindeutige Konzepte notwendig. Autoritätsgläubigkeit ist keine Grundlage für eine sinnvolle Entscheidung. Damit an der GV ein tragfähiger Beschluss gefasst werden kann, ist eine möglichst breite Teilnahme von Mitgliedern notwendig, die sich bereits im Vorfeld der GV informieren konnten. Dem sollen diese und ggf. folgende Ausführungen dienen. So, wie es derzeit aussieht, ist das Vorhaben des Vorstandes weder verständlich erläutert noch überzeugend begründet oder konkret genug entwickelt. Wie im vorigen Absatz gezeigt wurde, ist der Vorstand nicht ansatzweise seinen Aufgaben und Verpflichtungen zur Wahrung der Interessen der AAG, der Anthroposophischen Medizin und der Wahrung der ursprünglichen Unternehmensintentionen der Weleda nachgekommen.

Thomas Heck, 24. März 2022

Anhang: Nachfrage an Justus Wittich vom 21. März 2022

Lieber Herr Wittich,

vielen Dank, dass Sie an unserer Informationsveranstaltung teilgenommen und auch beigetragen haben. Auch vielen Dank für die Richtigstellungen. Dazu haben sich einige Nachfragen ergeben, die kurzfristig geklärt werden sollten.

Sie hatten korrigiert, dass es bei dem ehemaligen Lizenzvertrag nicht um die Rechte an dem Markennamen ging. Unklar blieb allerdings, wofür die Lizenz bezahlt wurde. Sie sprachen davon, dass es ein „Geheimvertrag“ gewesen sei, der zur Zeit von Gisela Reuter (1977 – 1988 im Vorstand) entstanden sei. Wie ist das zu verstehen? Die aus diesem Vertrag resultierenden Zahlungen werden nicht geheim gewesen sein und wurden über 20 Jahre lang geleistet, sodass jedermann davon erfahren konnte, sowohl die IWK als auch bestehende und zukünftige Aktionäre bzw. Partizipationsscheinerwerber. Was war konkret der Gegenstand der Lizenzvereinbarung? Es ist nicht nachvollziehbar, warum der Vertrag nicht weitergeführt werden konnte und wieso es ein Geheimvertrag gewesen sein soll.

Sie hatten ausgeführt, das die heutige Vorgehensweise vermutlich rechtssicher sei, aber dennoch die Gefahr bestünde, dass ein Aktionär oder Partizipationsscheininhaber auf Gleichstellung klagen könne. In diesem Fall könne dann die Weleda zumindest vorübergehend die jährliche Spende nicht weiter leisten. Haben wir das richtig verstanden? Wenn ja: woraus könnte sich überhaupt der Gleichstellunganspruch begründen lassen? Aus den Statuten? Gibt es konkrete Hinweise, dass jemand einen solchen Anspruch stellen will? Gibt es eine juristische Begutachtung der Fragestellung? Können Sie uns ggf. das Ergebnis zur Verfügung stellen?

In der Hoffnung auf eine Antwort: Vielen Dank im Voraus

Herzliche Grüsse, Thomas Heck


[1] Ein Nachrichtenblatt Nr. 6/2022 und http://www.wtg-99.com/Rundbrief_34.

[2] Die Übertragung zum Nennwert erfordert eine Gegenleistung in dieser Höhe, andernfalls wäre es eine Schenkung. Letzteres scheint jedoch nicht vorgesehen, würde auch zu Bilanzschwierigkeiten der AAG führen (bilanzielle Überschuldung).

[3] Anthroposophie weltweit 3/2009.

[4] https://wtg-99.com/Rundbrief_34.

[5] Der Nennwert bzw. Nominalwert entspricht dem ursprünglichen Wert der Aktie zum Zeitpunkt der Erst-ausgabe. Der Zeitwert gibt den aktuellen Wert wieder. Eine Weleda-Aktie mit dem Nennwert von 1‘000 CHF hat heute den ca. 10-fachen Zeitwert, also 10‘000 CHF.

[6] Stand 24. März 2022.

[7] https://www.finanzen.ch/aktien/weleda-aktie.

[8] http://www.wtg-99.com/Rundbrief_25.

[9] https://www.weledahealthcare.ch/.

[10] https://weledaint-prod.global.ssl.fastly.net/binaries/content/assets/pdf/ch-de/aktien/beschluesse_97gv_2020.pdf.

[11] AAG und Klinik halten zusammen knapp 80% der Stimmrechte in der GV der Weleda AG.

War Rudolf Steiner ein Impfgegner?

Nein, gewiss nicht. Gerne wird darauf hingewiesen, dass Rudolf Steiner vor jedem Radikalismus in dieser Hinsicht, dem «fanatischen Sichstellen gegen diese Dinge» gewarnt habe. Ausserdem wird bisweilen darauf hingewiesen, dass er sich selber habe gegen Pocken impfen lassen. Bei diesem Hinweis wird es zumeist belassen, um auch mit Rudolf Steiner im Hintergrund eine positive Einstellung zur Impfung gegen SARS-CoV-2 rechtfertigen zu können. Bei näherer Betrachtung erweist sich diese selektive Zitierung jedoch als nicht haltbar. Allerdings lassen sich schon seine Ausführungen zur Ansteckung nicht mit den derzeit vertretenen Annahmen in Einklang bringen, darauf wurde bereits hingewiesen.[1]

Schauen wir uns das Zitat[2] genauer an:

„Und die Pockenimpfung? Da ist man in einem eigentümlichen Fall. Sehen Sie, wenn man jemand impft, und man hat den Betreffenden als Anthroposophen und erzieht ihn anthroposophisch, so schadet es nichts. Es schadet nur denjenigen, die mit vorzugsweise materialistischen Gedanken heranwachsen. Da wird das Impfen zu einer Art ahrimanischer Kraft; der Mensch kann sich nicht mehr erheben aus einem gewissen materialistischen Fühlen. Und das ist doch eigentlich das Bedenkliche an der Pockenimpfung, daß die Menschen geradezu mit einem Phantom durchkleidet werden. Der Mensch hat ein Phantom, das ihn verhindert, die seelischen Entitäten so weit loszukriegen vom physischen Organismus wie im normalen Bewußtsein. Er wird konstitutionell materialistisch, er kann sich nicht mehr erheben zum Geistigen. Das ist das Bedenkliche bei der Impfung. Natürlich handelt es sich darum, daß da die Statistik immer ins Feld geführt wird. Es ist die Frage, ob eben gerade in diesen Dingen auf die Statistik so viel Wert gelegt werden muß. Bei der Pockenimpfung handelt es sich sehr stark um etwas Psychisches. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß da der Glaube, daß die Impfung hilft, eine unberechenbar große Rolle spielt. Wenn man diesen Glauben durch etwas anderes ersetzen würde, wenn man naturgemäß erziehen würde die Menschen, so daß sie beeindruckbar wären durch etwas anderes als dadurch, daß man sie impft, etwa dadurch, daß man die Menschen wiederum an den Geist näher heranbrächte, so wäre es durchaus möglich, daß man gegen das unbewußte Hereindringen: hier ist Pockenepidemie! – durch vollständiges Bewußtsein davon: hier ist ein Geistiges, wenn auch ein unberechtigtes Geistiges, gegen das ich mich aufrechthalten muß! -ebenso gut wirken würde, wie man überhaupt den Menschen stark machen müßte gegen solche Einflüsse.“

Frage: „Wenn die Verhältnisse so liegen, wie zum Beispiel in unserer Gegend, wo die Einwirkung durch die Erziehung und so weiter sehr schwierig ist, wie soll man sich da verhalten?“

Rudolf Steiner: „Da muß man eben impfen. Es bleibt nichts anderes übrig. Denn das fanatische Sichstellen gegen diese Dinge ist dasjenige, was ich, nicht aus medizinischen, aber aus allgemein anthroposophischen Gründen, ganz und gar nicht empfehlen würde. Die fanatische Stellungnahme gegen diese Dinge ist nicht das, was wir anstreben, sondern wir wollen durch Einsicht die Dinge im Großen anders machen. Ich habe das immer, wenn ich mit Ärzten befreundet war, als etwas zu Bekämpfendes angesehen, zum Beispiel bei Dr. Asch, der absolut nicht geimpft hat. Ich habe das immer bekämpft. Denn wenn er nicht impft, so impft eben ein anderer. Es ist ein völliges Unding, so im Einzelnen fanatisch vorzugehen.“

Zunächst zu den schwarzen Pocken. Diese gelten ebenfalls als eine virale Erkrankung. Diese aber mit einer Grippe oder Covid-19 zu vergleichen ist nicht angemessen. Der erste Versuch einer Immunisierung erfolgte bereits 1717 mittels „Variolation“.[3] Dazu entnahm man Material von einer Pocke und ritzte davon eine geringe Menge in die Haut einer anderen Person. Deutlich war, dass dadurch die Krankheit übertragen werden konnte und diese auch wiederum ansteckend war. Damit ist ein durchaus respektabler Hinweis gegeben, dass den Pocken ein Krankheitserreger zugrunde liegt. Vollkommen gegenteilige Erfahrungen machte man 1918, als man mit ähnlichen Methoden versuchte Ansteckungen mit Grippe künstlich vorzunehmen. Nichts davon gelang. (Es kann nur dringend empfohlen werden, sich mit den Tatsachen der Spanischen Grippe zu beschäftigen, da immer wieder Bezüge zu heutigen Situation gezogen werden. Mit Wikipedia kommt man allerdings nicht weiter.[4]) Dies reicht natürlich nicht als wissenschaftlicher Nachweis, korrespondiert jedoch auffallend mit Rudolf Steiner Angaben, gerade in Bezug auf die Ansteckung mit Grippe. Deutlich ist damit, dass die Aussage zur Impfung in Bezug auf die Pocken keineswegs einfach auf die Grippe oder jetzt Corona übertragen werden kann.

Eine Aussage wie diese: „wenn er nicht impft, dann impft eben ein anderer“ von Rudolf Steiner ist unerwartet. Es kann doch nicht sein, dass man etwas tut, nur weil es sonst ein anderer täte? Angesichts der von ihm selber beschriebenen erheblichen Auswirkungen der Pockenimpfung kann er das so nicht gemeint haben. Irritieren kann auch, dass er sich selber habe auch gegen Pocken impfen lassen. So berichtet Hedda Hummel, eine wichtige Stenographin:

„Bekanntlich hatte die  Gesellschaft damals einen Kinderhort eingerichtet. In Berlin waren an einer Ecke die Pocken ausgebrochen. So viel ich mich erinnere, wurden in den Schulen und Kinderhorten die Kinder geimpft. Dr. Steiner ordnete an, dass auch die Kinder in unserem Kinderhort geimpft würden und auch die Menschen, die im Kinderhort aus- und eingingen. Dr. Steiner selbst ließ sich auch impfen, auch Frau Dr. Steiner und auch wir alle oder fast alle, die im Hause aus- und eingingen. Dr. Steiner bekam selbst einen schlimmen Arm, die Pocken schlugen an, wie man sagt. Es ging damals der Witz rund, Dr. Steiner mache die Frauenbewegung mit – die darin bestand, dass wir alle, meistens Frauen, eben oft den kranken Arm gerieben haben.“

Wirklich verständlich wird dies allerdings erst, wenn man einbezieht, dass es damals im Deutschen Reich eine Impfpflicht gegen Pocken gab (im Gegensatz zu Österreich, daher war Rudolf Steiner offensichtlich nicht als Kind geimpft worden):

„Obgleich die Pocken also ihr Gefährdungspotenzial verloren hatten und die „Gewissensbedrängnis“ der Zwangsimpfungen in der „Tagespresse und in Volksversammlungen“  immer häufiger Anlass zu heftiger Kritik bot, stand der Impfzwang im Deutschen Reich nicht zur Disposition, im Gegenteil: Seit Ausrufung der Republik wurden Pockenschutzimpfungen rigider denn je durchgesetzt.“[5]

Auch wenn nicht überliefert ist, wann diese Impfungen erfolgten, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um eine behördliche Massnahme gehandelt hat. So wird die Aussage verständlich, denn die Kinder mussten geimpft werden und wenn der eine Arzt das nicht durchführen wollte, nun, dann musste es eben ein anderer tun.

Mit diesem Hintergrund dürft nun klar sein, dass dieses Zitat von Rudolf Steiner vollkommen ungeeignet ist, ein Impfen gegen Covid-19 zu befürworten.


[1]  Siehe mein Rundbrief Nr. 28, https://wtg-99.com/Rundbrief_28.

[2]  GA 314, 287f.

[3]  Dr. Suzanne Hupfries, Roman Bystrianyk, ”Die Impfillusion”, Rottenburg, 2020, S. 77ff.

[4]  Engelbrecht/Köhnlein, aaO, S. 254f. und Impfreport, Seite 4, https://www.impf-report.de/download/impf-report_2005.pdf.

[5]  Malte Thießen, „Vom immunisierten Volkskörper zum „präventiven Selbst“. Impfen als Biopolitik und soziale Praxis vom Kaiserreich zur Bundesrepublik“, Oldenbourg Wissenschaftsverlag | 2013           https://www.degruyter.com/document/doi/10.1524/vfzg.2013.0002/html

… am Grabe aller Zivilisation?

«Wir leben in einer katastrophalen Zeit. Es wäre natürlich durchaus falsch, wenn man glauben wollte, dass dasjenige, was im Weihnachtssinn katastrophal ist, auch im Ostersinn katastrophal sein müsste. Aus dem Katastrophalen von heute kann sich allerdings gerade das Umgekehrte, das Größte des Menschen Schaffens ergeben, wenn die Menschheit Mittel und Wege findet, um von dem zu lernen und mit geradem Sinne hinzuschauen auf dasjenige, was eingetreten ist.»[1]

Im ersten Teil («100 Jahre AAG?») wurde auf drei verschiedene Zeitstränge im 33 Jahres-Rhythmus hingewiesen, die sich aus den drei Gründungs-Terminen der Anthroposophischen Gesellschaft ergeben:

  • Eigentliche Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft: 1902 – 1935 – 1968 – 2001/2
  • Gründung der AG in Köln und Johannes-Bau-Impuls:           1912 – 1945 – 1978 – 2011/12
  • Weihnachtstagung und Neugründung der AG:                        1923 – 1956 – 1989 – 2022/23

Mit Blick auf diesen Rhythmus wurde deutlich, dass insbesondere die Gründungsimpulse von 1902 und 1912 nach jeweils 33, 66 bzw. 99/100 Jahren durch die Auseinandersetzungen in den zentralen Gesellschaftskonflikten verdeckt und vergessen wurden. Die Folgen waren schon rein menschlich zerstörerisch und führten zu Spaltungen, ganz abgesehen von der Missachtung bzw. dem Vergessen der ursprünglichen spirituellen Impulse und der Möglichkeit einer Neuergreifung zu diesen Zeitpunkten. «Denn nachher ist nichts mehr zu erreichen auf demjenigen Wege, auf dem das in dem genannten Zeitraume erreichbar gewesen wäre.»[2] Die Handreichungen aus der geistigen Welt waren nicht ergriffen worden. So stehen wir jetzt, 2022/2023, vor der wohl allerletzten Gelegenheit (für lange Zeit) das wiederum bestehende Entgegenkommen aus der geistigen Welt zu ergreifen.

Auf die konkreten Impulse, die mit der Weihnachtstagung verbunden waren, wird noch zurückzukommen sein.

Der Versuch, abstrakt und akademisch zu ergründen, ob es sich nun um 3 x 32 ⅓, ganze 33 oder 33 ⅓ Jahre handelt,[3] wird nicht weiterführen.[4] Es wird einen zeitlichen Spielraum geben und von 99 Jahren ausgehend korrespondiert das ganze Jahr 2022 mit dem ganzen, sogenannten Schicksalsjahr 1923. Es war das Jahr, in dem Rudolf Steiner versuchte die Gesellschaft vor dem endgültigen Zerfall zu retten, so wies er z.B. an der Delegierten-Tagung Ende Februar 1923 in Stuttgart darauf hin, «dass von diesen drei Tagen das Schicksal der Gesellschaft abhängt.»[5] In diesem Zusammenhang hielt er auch die Vorträge zur Gemeinschaftsbildung (in GA 257).

Wenn man sich vergegenwärtigt, welch apokalyptische Zukunfts-Perspektiven für die Menschheit  Rudolf Steiner der Mitgliedschaft nach der Weihnachtstagung eröffnete, für den Fall, dass diese und die Impulse der Anthroposophie nicht genügend aufgenommen und verstanden würden, so tritt das Gesellschaftsschicksal deutlich in den Hintergrund. Rudolf Steiner begann am 1. Juli 1924 über das Karma der Anthroposophen und das der Anthroposophischen Gesellschaft zu sprechen und wies auf die weit über die Gesellschaftsverhältnisse hinausragenden Konsequenzen hin, die sich aus einer ungenügenden Aufnahme der Anthroposophie und der damit verbundenen Impulse ergeben würden. Es müsse eine «spirituelle Erneuerung, die auch das Intellektuelle in das Spirituelle heraufführt, mit dem Ende des 20. Jahrhunderts» eintreten, es bedürfe einer «Wiederspiritualisierung der Kultur im 20. Jahrhundert.» «Dass das eintrete, dürfen sich die Menschen des 20. Jahrhunderts nicht verscherzen! Da aber alles heute vom freien Willen abhängt, so hängt, dass dies eintrete, auch davon ab, ob die Anthroposophische Gesellschaft versteht, im rechten Sinne hingebend die Anthroposophie zu pflegen.» [6] Und weiter:

«Ich habe angedeutet, wie diejenigen Menschen, die mit völliger Intensität drinnen stehen in der anthroposophischen Bewegung, am Ende des Jahrhunderts wiederkommen werden, dass sich dann andere mit ihnen vereinigen werden, weil dadurch eben jene Rettung der Erde, der Erdenzivilisation vor dem Verfall letztgültig entschieden werden muss.»[7]

«Finden sich solche ehrlichen Anthroposophenseelen, die die Spiritualität in dieser Weise in das Erdenleben hineintragen wollen, dann wird es eine Bewegung nach aufwärts geben. Finden sich solche Seelen nicht, dann wird die Dekadenz weiterrollen. Der Weltkrieg mit all seinen üblen Beigaben wird nur der Anfang von noch Üblerem sein. Denn es steht heute die Menschheit vor einer großen Eventualität: vor der Eventualität, entweder in den Abgrund hinunterrollen zu sehen alles, was Zivilisation ist, oder es durch Spiritualität hinaufzuheben, fortzuführen im Sinne dessen, was im Michael-Impuls, der vor dem Christus-Impuls steht, gelegen ist.»[8]

«Kann so gearbeitet werden, wie es von Michael vorbestimmt, prädestiniert ist, dann kommt Europa, dann kommt die moderne Zivilisation heraus aus dem Niedergang. Aber auf keine andere Weise sonst! Dieses Herausführen der Zivilisation aus dem Niedergang ist verbunden mit dem Verständnis von Michael. […] Es geht um Großes, es geht um Riesiges!»[9]

«Und im Laufe dieses 20. Jahrhunderts, wenn das erste Jahrhundert nach dem Kali Yuga verflossen sein wird, wird die Menschheit entweder am Grabe aller Zivilisation stehen oder am Anfang desjenigen Zeitalters, wo in den Seelen der Menschen, die in ihrem Herzen Intelligenz mit Spiritualität verbinden, der Michael-Kampf zugunsten des Michael-Impulses ausgefochten wird.»[10]

Rudolf Steiner hatte mit seinen Äusserungen gewiss vor Augen, welche Abgründe und Katastrophen Mitteleuropa bevorstünden, wenn der Nationalsozialismus in Deutschland herrschende Kraft würde. Dieser aus alten und vollkommen unzeitgemässen okkulten Impulsen gespeisten Bewegung[11] hätte nur Einhalt geboten werden können durch ein Erkennen und ein genügendes Ergreifen der notwendigen spirituellen Impulse. Denn auch diese menschenverachtende und zerstörerische okkulte Bewegung, die ja keineswegs mit dem Dritten Reich untergegangen ist, schöpfte und schöpft aus entsprechenden Quellen:

«Während Michael oben seine Scharen schulte, wurde eine Art unterirdischer, unmittelbar unter der Oberfläche der Erde liegende ahrimanische Schule gegründet. Daher kann man davon sprechen, dass im Überirdischen die Michael-Schule ist; unmittelbar in der Region, auf der wir stehen – denn auch im Unterirdischen ist Geistiges tätig und wirksam -, wurde die ahrimanische Gegenschule begründet. Und wenn von Michael jetzt gerade in dieser Zeit keine Impulse herunterströmten, um die Intelligenz himmlisch zu inspirieren, wenn die Intelligenz auf der Erde sich zunächst selbst überlassen war, so bemühten sich umso mehr die ahrimanischen Scharen, von unten herauf Impulse in die intelligente Menschheitsentwickelung hineinzusenden. Es ist ein gewaltiges Bild, das einem da vor Augen stehen kann. Man stelle sich vor: die Erdoberfläche, oben Michael, seine Scharen belehrend, ihnen mit großen gewaltigen Weltenworten das enthüllend, was die alte Initiatenweisheit war; dem gegenüberstehend die ahrimanische Schule in den Untergründen der Erde. Auf der Erde sich entwickelnd die vom Himmel herabgefallene Intelligenz; Michael zunächst gegenüber dem Irdischen in himmlischer Einsamkeit Schule haltend – keine Strömungen gehen von oben nach unten – , die ahrimanischen Mächte umso mehr ihre Impulse nach oben sendend.»[12]

Dieses Widersacherwirken, welches sich seit dem Sturz der Geister der Finsternis zum Ende des 19. Jahrhunderts erheblich verstärkt hatte, ist gewiss nach wie vor Realität im Weltgeschehen. Und auch der Materialismus, hat sich seit 1879 erheblich gesteigert. Die Widersacher und deren Wirken sind Realitäten und mehr denn je aktiv, man denke nur an Rudolf Steiners Aussagen zu 1998 (in GA 346), der zu erwartenden Inkarnation Ahrimans (in GA 192 und GA 193) und der Hinweise zu den Hintergründen des Weltgeschehens (in «Zeitgeschichtliche Betrachtungen», u.a. in GA 173).

«Und die materialistische Weltanschauung kann genannt werden: die große Verschwörung gegen den Geist. Diese materialistische Weltanschauung ist nicht bloß ein Irrtum, sie ist eine Verschwörung, die Verschwörung gegen den Geist.»[13]

1923

Für die Entwicklung des Jahres 1923 kommen zumindest zwei Aspekte in Betracht: Einerseits die Gesellschaftssituation und andererseits die sich anbahnende Katastrophe in Mitteleuropa durch den Nationalsozialismus.

Die Gesellschaft hatte sich nicht wie erhofft entwickelt. Es hatte sich ab 1914 eine «innere Opposition», eine innere Gegnerschaft gebildet. Nach dem Krieg konnte die esoterische Arbeit aus inner-gesellschaftlichen Gründen nicht wieder aufgegriffen werden. Auf der anderen Seite nahm das öffentliche Interesse an der Anthroposophie zu und erreichte 1922 einen Höhepunkt.[14] Auch wenn die äussere Gegnerschaft stark zugenommen hatte, lag der hauptsächliche Grund dafür, dass Rudolf Steiner sein öffentliches Wirken nahezu vollständig aufgeben musste, in dem ungenügenden inneren Rückhalt und Verständnis aus der Mitgliedschaft. Die Situation kulminierte zum Jahreswechsel 1922/23 mit dem Brand des Goetheanum – weder er selber noch der Bau konnten durch die Mitgliedschaft ausreichend geschützt werden. Das Folgejahr 1923 war geprägt von dem Versuch, die gesamte Situation zu konsolidieren, um überhaupt weiterarbeiten zu können – allerdings erwies sich die Gesellschaft als weitgehend konsolidierungsresistent, sodass Rudolf Steiner erwog, die anthroposophische Bewegung ausserhalb der Gesellschaft weiterzuführen, sich aus dieser gänzlich zurückzuziehen.[15] Und die Dreigliederungs-Bemühungen mussten als gescheitert bezeichnet werden:

«Man möchte sagen, als von dem Dreigliederungsimpuls im sozialen Leben gesprochen worden ist, da war das gewissermaßen eine Prüfung, ob der Michael-Gedanke schon so stark ist, dass gefühlt werden kann, wie ein solcher Impuls unmittelbar aus den zeitgestaltenden Kräften herausquillt. Es war eine Prüfung der Menschenseele, ob der Michael-Gedanke in einer Anzahl von Menschen stark genug ist. Nun, die Prüfung hat ein negatives Resultat ergeben. Der Michael-Gedanke ist noch nicht stark genug in auch nur einer kleinen Anzahl von Menschen, um wirklich in seiner ganzen zeitgestaltenden Kraft und Kräftigkeit empfunden zu werden.»[16]

Bereits ein Jahr zuvor: «Denn der Zeitpunkt, wo man das, was in den ‹Kernpunkten der sozialen Frage› steht, realisieren sollte, der ist vorüber für Mitteleuropa.»[17]

Wie sehr sich die Situation in Bezug auf die Dreigliederung bereits 1923 geändert hatte, brachte er an der Weihnachtstagung, am 31. Dez. 1923 zum Ausdruck: «Wenn heute einer die Dinge [die Dreigliederung] in derselben Weise vertritt, mit der man sie 1919 vertreten hat, man da um Jahrhunderte zurückgeblieben ist.»[18]

Aber das Jahr 1923 war auch in anderer Hinsicht ein Schicksalsjahr – insbesondere für Mitteleuropa, und weit darüber hinaus.

In Deutschland entwickelte sich der Nationalsozialismus, eine zweifellos «antianthroposophische Bewegung»,[19] die auch an den Störungen und Angriffen auf Rudolf Steiner in München und Velbert beteiligt war. Insbesondere der 9. Nov. 1923, an dem der blutig niedergeschlagene Ludendorff-Hitler-Putsch stattfand, wurde von ihm sehr ernst genommen (rückblickend zu Recht, denn das Geschehen führte zu einem schwarzmagischen Totenkult und der 9. November war der höchste Feiertag im Dritten Reich[20]). Er reagierte sofort, als er am 10. November Kenntnis von dem Putsch genommen hatte und beschloss, den Berliner Wohnsitz aufzugeben und den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag nach Dornach zu verlegen.[21] Zu dem Putsch äusserte er sich wie folgt: «Wenn diese Gesellschaft sich durchsetzt, bringt dies für Mitteleuropa eine große Verheerung.»[22]

Rudolf Steiner waren die okkulten Hintergründe des Nationalsozialismus sehr bewusst, ebenso wie das mögliche Schicksal Mitteleuropas, die Gefahren für die Menschheitsentwicklung und für die Erdenmission, wenn sich diese Kräfte durchsetzen könnten. Insofern war die Weihnachtstagung und die Neugründung keineswegs eine reine Gesellschaftsangelegenheit, mit dem erhofften «Welten-Zeitenwende-Anfang» ging es um die Rettung der Menschheitsmission, wie aus den oben angeführten Zitaten deutlich hervorgeht, es ging um die «Rettung der Erde, der Erdenzivilisation vor dem Verfall.»[23]

Mit Blick auf diesen Hintergrund kann verständlich werden, warum Rudolf Steiner die erheblichen Risiken einging, die mit der «Tat» der Weihnachtstagung und der Neugründung verbunden waren.  Einerseits bestand das Risiko, dass der Strom der Offenbarungen abbrechen könnte, wenn die Tat von der geistigen Welt nicht angenommen würde. Andererseits kam nun alles darauf an, dass die Mitgliedschaft in genügendem Masse die Impulse verstehen und ergreifen würde. Andernfalls könnte die Situation eintreten, dass es «besser gewesen [wäre], man hätte sich [zur Weihnachtstagung] nicht versammelt.»[24] Noch deutlicher hatte sich Rudolf Steiner gegenüber Ita Wegman geäussert:

«Mächtig war dann die Weihnachtstagung. Sie war so mächtig, dass Rudolf Steiner sogar zu mir sagte, dass nachdem er alle Elemente, alle Geistigkeit aufgerufen habe, und wenn die Menschen von jetzt ab nicht auch geistig sich entwickeln würden, ein ungeheurer Rückschlag eintreten würde. ‹In früheren Zeiten›, sagte er noch‚ ‹hätte ein Mensch, der einen solchen esoterischen Akt vollzogen hätte, dieses vielleicht sogar mit einem plötzlichen Tod bezahlen müssen. Jetzt mit der Christuskraft sind solche Dinge möglich, und weil die Menschheit in ihrem jetzigen Zustand es braucht, müsse man das Vertrauen, auch den Mut dazu haben, solche gewaltigen Dinge zu tun.›»[25]

So war 1923 eine Gelegenheit gegeben, einerseits zu einer Gemeinschafts- bzw. Gesellschaftsbildung, im Sinne einer Bruderschaft (wie im ersten Teil ausgeführt), welche für einen «Welten-Zeitenwende-Anfang» notwendig gewesen wäre. Und andererseits bestand die Möglichkeit, den aus alten, vorchristlichen Herrschaftsimpulsen wirkenden nationalsozialistischen Intentionen einen zukunftsfähigen, freiheitlich-spirituellen Entwicklungsimpuls entgegenzustellen.

1956

Es würde an dieser Stelle zu viel Raum einnehmen, die relevanten Ereignisse der Jahre 1956 und 1989 ausführlich zu beschreiben. Dies wird nur in aller Kürze möglich sein, weitere Informationen finden sich im Internet, für einen ersten Überblick sind die Darstellungen bei Wikipedia durchaus geeignet.

Ungarn

Nach dem 2. Weltkrieg war Ungarn Bestandteil des Warschauer Pakts, hatte eine autoritäre kommunistische Regierung und das sowjetische Militär war als Besatzungsmacht im Land stationiert. Schon 1955 entstand eine Freiheitsbewegung, die dann im Jahr 1956 auch politische Forderungen stellte (z.B. die Unabhängigkeit studentischer Organisationen). Wohl angeregt durch den polnischen Arbeiteraufstand des gleichen Jahres, durch den die Besetzung des Postens des ersten Sekretärs des Zentralkomitees gegen den Willen der Sowjets durchgesetzt und eine militärische Intervention abgewendet werden konnte, kam es am 23. Oktober zu einer friedlichen studentischen Demonstration in Budapest. Diese eskalierte, als die Regierung am Abend in die schnell wachsende Menge schiessen liess. Damit entstand eine bewaffnete Auseinandersetzung, die Regierung wurde gestürzt und durch eine aus verschiedenen Parteien gebildete ersetzt. Der Warschauer Pakt wurde gekündigt und Ungarn für neutral erklärt. Dem inzwischen verstärkten sowjetischen Militär war diese von breiten Schichten getragene Revolution jedoch nicht gewachsen, der Aufstand wurde bereits am 4. November 1956 militärisch niedergeschlagen. In der nachfolgenden Säuberung wurden hunderte Aufständische durch die Machthaber hingerichtet, zehntausende wurden eingekerkert oder interniert und hunderttausende Ungarn flüchteten in den Westen. Der Impuls, liberale und menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen, war zunächst gescheitert. Ein Erfolg hätte schon damals den Zusammenhalt des Ostblocksystems in Frage gestellt. Der Westen hatte offensichtlich kein Interesse an Veränderungen, ausser verbalen Äusserungen gab es keine Unterstützung für die Aufständischen. Der 23. Oktober wurde 1989, 33 Jahre später, zum Nationalfeiertag erklärt.

Ägypten – Naher Osten

Etwa zur gleichen Zeit versuchte Ägypten sich aus der Übermacht der Kolonialmächte zu befreien. Im Vordergrund standen die Nutzungsrechte des Suezkanals. Dieser wurde 1956 von dem ägyptischen Regierungsoberhaupt Abdel Nasser verstaatlicht. Nach ergebnislos verlaufenen Verhandlungen erfolgte eine gemeinsame militärische Intervention und Besetzung ägyptischen Staatsgebietes durch französisches, englisches und israelisches Militär («Suez-Krise», «Sinai-Feldzug»). In ungewöhnlicher Einigkeit erzwangen die USA gemeinsam mit der UdSSR mithilfe der UNO die Beendigung der Besetzung. Auch wenn Ägypten militärisch hoffnungslos unterlegen war, konnte es so politisch einen Sieg für sich proklamieren. Der von den Angreifern geplante und erhoffte Sturz Abdel Nassers wurde nicht erreicht und der Suezkanal stand fortan unter ägyptischer Kontrolle.

Deutlich konnten die Hegemonial-Mächte ihre Interessen durchsetzen und die Liberalisierungsbestrebungen der Bevölkerung verhindern. Dies galt auch für Ägypten, welches sich fortan enger mit der UdSSR verbündete. Die der freiheitlichen Entwicklung entgegenstehenden Kräfte konnten sich mit militärischer Gewalt durchsetzen.

1989

Die Ereignisse von 1989 sind vielen Zeitgenossen noch geläufig, so kann hier auch nur an weniges erinnert werden. Es war das Jahr, in dem das «sozialistische Experiment»[26] nach 72 Jahren endete bzw. beendet wurde. Gewiss hatten die beharrlichen Demonstrationen, die in der damaligen DDR insbesondere von den Montagsgebeten in der Nikolaikirche in Leipzig ausgingen und im Herbst sehr schnell zu grossen Demonstrationen führten, einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung. Andererseits scheint es aber auch irgendeine Art von Einvernehmen sowie Absprachen im Hintergrund gegeben zu haben, dieses Experiment nun zu beenden. Dennoch bleibt für diejenigen, die diese Vorgänge miterleben bzw. mitverfolgen konnten, das damalige Geschehen eindrucksvoll. Man erinnere sich an die Besetzung der Botschaft in Prag, die Reaktionen auf die Ausreisegenehmigungen und die Bilder des 9. November 1989, als die Mauer fiel. Aber schon zuvor, im Juli und August, hatte ausgerechnet Ungarn zumindest teilweise die Grenze geöffnet und liess DDR-Bürger ungehindert ausreisen.

So schien das westlich orientierte, vermeintlich freiheitliche Modell der repräsentativen Demokratie auch im ehemaligen Ostblock seinen Siegeszug fortzusetzen.

2022

Inzwischen sollte sich weitgehend gezeigt haben, dass gerade mit dem Modell der repräsentativen Demokratie einerseits und mittels angeblicher Wissenschaftlichkeit andererseits die Grundrechte in der ebenfalls vermeintlichen freien Welt massiv eingeschränkt wurden – und kaum zu erwarten ist, dass diese in vollem Umfang innerhalb der bestehenden politischen Systeme wiederhergestellt werden. Gerade in den letzten Jahren, vor der sogenannten Pandemie, wurde durch Prof. Rainer Mausfeld deutlich herausgearbeitet, dass es sich bei der repräsentativen Demokratie nur vermeintlich um Demokratie handelt. Inzwischen sollte sich in breiteren Kreisen die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass es eine kleine Gruppe von Oligarchen ist, die versuchen, die Welt zu beherrschen. Denn es zeigt sich bei näherem Hinsehen, dass die «repräsentative Demokratie» als Mittel «zur Verhinderung von Demokratie»[27] installiert wurde, wie Rainer Mausfeld eindrücklich beschreibt: «Die Erfinder dieses Modells [der repräsentativen Demokratie], die Gründerväter der amerikanischen Verfassung, entwickelten mit diesem Konzept einen Demokratiebegriff, der seiner Natur nach das Modell einer wirklichen, also partizipatorischen Demokratie auf der Basis einer ungeteilten souveränen Selbstgesetzgebung des Volkes ausschloss. Für diese Form einer durch demokratische Wahlen legitimierten Oligarchie [Herrschaft von wenigen] wurde die Bezeichnung ‹Demokratie› beibehalten, um das Bedürfnis des Volkes nach einer Volksherrschaft zu befriedigen – und zwar durch die Illusion von Demokratie.»[28]

Als in Deutschland nach dem Kaiserreich um ein neues politisches System gerungen wurde, sagte Rudolf Steiner dazu:

«Man kann sich kaum etwas Unglücklicheres denken als den Aberglauben, dass es einen Zauber bewirken werde, wenn man zu dem übrigen, was man sich hat von England gefallen lassen, nun auch noch das fügt, dass man sich die demokratische Schablone von ihm aufdrängen lässt. Damit soll nicht gesagt werden, dass Mitteleuropa nicht im Sinne einer inneren politischen Gestaltung eine Fortentwickelung erfahren solle, allein eine solche darf nicht die Nachahmung des westeuropäischen sogenannten Demokratismus sein, sondern sie muss gerade dasjenige bringen, was dieser Demokratismus in Mitteleuropa wegen dessen besonderer Verhältnisse verhindern würde. Dieser sogenannte Demokratismus ist nämlich nur dazu geeignet, die Menschen Mitteleuropas zu einem Teile der englisch-amerikanischen Weltherrschaft zu machen, und würde man sich dazu auch noch auf die sogenannte zwischenstaatliche Organisation der gegenwärtigen Internationalisten einlassen, dann hätte man die schöne Aussicht, als Mitteleuropäer innerhalb dieser zwischenstaatlichen Organisation stets überstimmt zu werden.»[29]

Aktuell gibt es auch aus der Bevölkerung heraus Bestrebungen zu einer Liberalisierung der Verhältnisse, man denke nur an die vielen Demonstrationen 2020 und derzeit die zahlreichen Spaziergänge in Deutschland, an denen Hunderttausende teilnehmen an mehr als 1.500 Orten. Wie 1989 in der DDR wird an einigen Orten versucht, «runde Tische» mit den örtlichen Politikern zu initiieren und mit diesen ins Gespräch zu kommen. Zu diesem Widerstand gegen die als unangemessen angesehenen Corona-Massnahmen gehören auch die Trucker-Proteste in Kanada, die aktuell Widerstandsbewegungen in anderen Ländern als Anregung dienen. Deutlich ist, dass hier Bewegungen aus der Bevölkerungen entstehen – der einzig angemessene und zeitgemässe Weg, unsere sozialen Verhältnisse zu gestalten. An dieser Stelle sei auch auf das aktuell wachsende Interesse an der Dreigliederung nebst entsprechenden Initiativen hingewiesen.

Schlussfolgerung und Ausblick

Als Rudolf Steiner damals auf den 33-Jahres Rhythmus hinwies, konnte man diesen zunächst nur im Rückblick auf die gewordene Geschichte anwenden. Seitdem dieses Wissen jedoch in der Welt ist, können wir uns nicht damit begnügen. Wenn es also richtig ist, dass nun, nach 99 Jahren eine besonders günstige Gelegenheit besteht, sich um die damaligen Impulse (im Sinne einer letzten Gelegenheit) zu deren Erneuerung bzw. Aufgreifen oder gar Realisieren mit besonderer Unterstützung aus der geistigen Welt zu bemühen, so ergibt sich für den, der dies erkennt, eine Mitverantwortung für die weitere Entwicklung, für das Geschehen in der Welt. Wenn man mit diesem Blick konkret auf das Jahr 1923 schaut, so ergeben sich zunächst folgende Aufgabenfelder – ganz unabhängig von einem gesellschaftlichen oder institutionellen Zusammenhang:

  • Rudolf Steiner hat damals insbesondere den Verantwortlichen der Gesellschaft schonungslos den Spiegel vorgehalten, drängte auf (Selbst-)Erkenntnis der gesellschaftlichen Verhältnisse, in dem Sinne, dass nur auf der «Grundlage der Erkenntnis der Mangelhaftigkeiten – die ja wohl zugegeben werden –, also der konkreteren Erkenntnis desjenigen, was mangelhaft ist, zu einer Gestaltung des Positiven geschritten»[30] werden kann. Die notwendige gesellschaftliche Selbsterkenntnis war damals nicht möglich. Hier stellt sich die Frage, ob es heute anders ist? Die Aufgabe, den Spiegel vorzuhalten, kann heute nur aus der Mitgliedschaft ergriffen werden  und bedarf erfahrungsgemäss einer gewissen Öffentlichkeit. Zum Teil geschieht dies immer wieder, eine Bündelung, der Versuch, eine Überschau zu ermöglichen, könnte die Voraussetzung für ein weiteres Vorgehen sein, welches zur «Gestaltung des Positiven» führen könnte.
  • Als weiteres wurde von Rudolf Steiner auf die Notwendigkeit der Gemeinschaftsbildung hingewiesen, im Sinne eines umgekehrten Kultus, somit eine mit spirituellem Bewusstsein durchdrungene Gemeinschaftsbildung. Dies war nicht in dem erforderlichen Masse entstanden, bereits 1905 war auf die Notwendigkeit und die daraus entstehenden Möglichkeiten hingewiesen worden: «Vereinigung bedeutet die Möglichkeit, dass ein höheres Wesen durch die vereinigten Glieder sich ausdrückt. … So sind die menschlichen Vereinigungen die geheimnisvollen Stätten, in welche sich höhere geistige Wesenheiten herniedersenken, um durch die einzelnen Menschen zu wirken, wie die Seele durch die Glieder des Körpers wirkt. … Zauberer sind die Menschen, die in der Bruderschaft zusammen wirken, weil sie höhere Wesen in ihren Kreis ziehen. … Der Zukunft obliegt es, wieder Bruderschaften zu begründen, und zwar aus dem Geistigen, aus den höchsten Idealen der Seele heraus.»[31] Damit liegt eine Aufgabe vor, die nur in einem konkreten überschaubaren menschlichen Zusammenhang realisierbar ist. Rudolf Steiner hielt die Vorträge zur Gemeinschaftsbildung am 27. und 28. Febr. 1923 an der damaligen Delegiertentagung in Stuttgart (und anschliessend in Dornach vor der dort lebenden Mitgliedschaft). Damit war gewiss die Hoffnung verbunden, dass die Zuhörer diese Gedanken in ihre konkreten menschlichen Verhältnisse trugen, damit diese die erforderliche spirituell-gemeinschaftliche Grundlage für den notwendigen Gesellschaftszusammenhang bilden konnten.

Aber haben wir das alles nicht schon zur Genüge versucht und sind immer wieder gescheitert? Gewiss, aber ging es Rudolf Steiner anders? Trotz verständlicherweise bestehender Frustrationen und Resignationen könnten individuelle und gemeinschaftliche Bemühungen, ausgehend von den Initiativen einzelner, gerade jetzt lohnen, längst aufgegebenen Ideen und Hoffnungen doch noch aufleben zu lassen. Wenn es richtig ist, dass jetzt besondere Möglichkeiten bestehen, auch im Sinne einer letzten Gelegenheit, so müsste das doch bemerkbar sein!

Das Jahr 2022 hat gerade erst begonnen. Es ist noch einiges möglich.

Nachtrag

Dieser Beitrag war bereits fertig, als am 22. Febr. 2022 russisches Militär aktiv in den schwelenden Ukraine-Konflikt eingriff. Mit unerwarteter Deutlichkeit wird der Bezug zu den vergangenen Ereignissen offenbar, denn es ist wiederum eine Ost-West-Auseinandersetzung, die nun zu einem heissen Konflikt geworden ist – wir wissen nicht, was daraus werden wird. Vor 3 x 33 Jahren wurden die Weichen gestellt, die zu den Ost-West-Auseinandersetzungen führten. Denn hätten das Dritte Reich und die Naziherrschaft verhindert werden können, wäre die Spiritualisierung der Zivilisation aus der Anthroposophie heraus möglich geworden, hätte dieser Ost-West-Gegensatz sich nicht in dieser Schärfe ausleben müssen, wie es geschehen ist, und wie wir es jetzt wieder erleben. Aktuell werden nun die ganzen Illusionen offenbar, die mit den Ereignissen von 1989 verbunden waren.

Thomas Heck, 27. Februar 2022


[1] GA 180, 1980, S. 81.

[2] GA 185, 1982, S. 95.

[3] Eine schlüssige Begründung mit konkretem Bezug auf Rudolf Steiner, dass es sich doch um 3 x 33 1/3 Jahre handeln würde, habe ich bisher nicht erhalten. Insofern gehe ich von 99 Jahren aus, auch wenn 99/100 geschrieben wird.

[4] Wer sich mit dieser Frage näher beschäftigen möchte, sei die Übersicht von Jens Göken «Das Gesetz der 3 x 33 Jahre» empfohlen: www.wtg-99.com/33Jahre.

[5] GA 259, S. 390.

[6] GA 240, 1977, S. 161.

[7] GA 237, S. 142, Dornach, 3. August 1924

[8] GA 240, 1992, S. 307,

[9] GA 240, S. 180.

[10] GA 240, S. 183.

[11] TH in www.wtg-99.com/Rundbrief_08 und www.wtg-99.com/Rundbrief_15 . Dieter Schäfer: «Der Christus-Diener und das Sorat-Medium», ENB 17/2019.

[12] GA 240, 1992, S. 191.

[13] GA 254, 1986, S. 266.

[14] Rudolf Steiner sprach vor vollen Sälen, z.B. in der Berliner Philharmonie mit 1.600 Plätzen und beim Ost-West-Kongress in Wien vor 2.000 Zuhörern.

[15] Ausführungen zu den möglichen Konsequenzen in TH, «Ein aphoristisches Fragment», https://wtg-99.com/Aphoristisches-Fragment.

[16] GA 223, 1990, S. 50f., Dornach 1923.

[17] GA 305, 1991, S. 205, Oxford 1922.

[18] GA 260, S. 219.

[19] Nach Karl Heyer.

[20] Siehe hierzu: TH, «Zum 9. November», Rundbrief 8, https://wtg-99.com/Rundbrief_8.

[21] GA 259, S. 862f.

[22] Karl Lang, Lebensbegegnungen, S. 67, hier zitiert nach GA 259

[23] GA 238, 1991, S. 142.

[24] GA 260a, 1987, S. 92. (Hervorhebung vom Verfasser.)

[25] Zitiert nach Emanuel Zeylmans van Emmichoven, «Wer war Ita Wegman», Bd. 2.

[26] GA 174b, 1994, S. 359f.

[27] Rainer Mausfeld: «Die Angst der Machteliten vor dem Volk». Transkript eines Vortrages. Quelle: https://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf.

[28] Rainer Mausfeld: «Warum schweigen die Lämmer», 2. Aufl., o.J., Westend-Verlag. Im Internet sind viele Vorträge von Rainer Mausfeld zu finden, zumeist Videos, aber auch Transskripte.

[29] GA 24, 1982, S. 350, «Erstes Memorandum», Juli 1917,

[30] GA 259, S. 377, Stuttgart 26. Februar 1923.

[31] GA 54, 1983, S. 192f. und GA 265, 1987, S. 122.

100 Jahre Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft?

„Wenn die Menschen dem Genius eines Zeitalters absagen, dann tritt an sie heran der Dämon dieses Zeitalters.“ Rudolf Steiner[1]

In Bezug auf die Umlaufszeiten geistiger Impulse spricht Rudolf Steiner eigentlich von einem Zeitraum von 3 x 33, also 99 Jahren, wonach diese erneuert bzw. wieder aufgegriffen werden können.[2] Geschieht dies nicht, so könne zumindest für sehr lange Zeit daran nicht mehr angeschlossen werden mit der Folge, dass diese Impulse den Widersacherkräften überlassen werden müssen. Die Möglichkeit einer Erneuerung kann nun nichts anderes bedeuten, als dass zu den entsprechenden Zeiten seitens der geistigen Welt die entsprechenden Voraussetzungen zu einer Erneuerung bestehen. Es liegt also keineswegs in der Beliebigkeit der Menschen, wann dies geschehen kann. Doch nur wenn diese geistigen Impulse von Menschen erkannt und aktiv ergriffen werden, nur dann kann die Erneuerung Realität werden. Es hängt also alles davon ab, ob für ein mögliches Wiederergreifen ein realistisches Bewusstsein und ein notwendiger Wille vorhanden ist.

Damit ergeben sich als Voraussetzung:

  • Eine realistische/wahre Erkenntnis des ursprünglichen Impulses.
  • Eine zeitlich richtige Zuordnung, da nur zu bestimmten Zeiten die Erneuerungsmöglichkeit besteht.
  • Eine realistische Erkenntnis der damaligen und heutigen Kräfte, die einer möglichen Ergreifung entgegenstehen.

Nun gehört es zu den Besonderheiten der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, dass ausgerechnet an unrichtigen und unwahren Bildern der eigenen Geschichte – insbesondere um das Geschehen und die Tatsachen an und nach der Weihnachtstagung – auch dann festgehalten wird, wenn die Realität für jedermann erkennbar geworden ist. Nachfolgend dazu einige Beispiele, auf die in späteren Ausarbeitungen konkret eingegangen werden kann:

  • Der Grundstein-Spruch ist zu differenzieren von dem Grundstein selber.
  • Dieser wurde nicht von Rudolf Steiner „in die Herzen der Mitglieder“ gelegt!
  • Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft wurde nicht an der Weihnachtstagung, sondern bereits 1913 gegründet.

Weitergehend ergibt sich zwischen dem, was heute zumeist unter dem Impuls der Weihnachtstagung verstanden wird eine Differenz zu dem, was Rudolf Steiner mit dieser Formulierung zum Ausdruck brachte. Und wenn auch heute vom „100-jährigen Fortwirken der Weihnachtstagung“[3] gesprochen wird, so ist das Hypothetische des gesamten Weihnachtstagungs-Geschehens und der Neugründung der Gesellschaft, worauf R. Steiner immer wieder hingewiesen hatte, offensichtlich aus dem Blick geraten.

Mit diesen wenigen Sätzen ist ein ganzes Bündel von Themen angesprochen, die nur nach und nach angeschaut werden können, um Klarheit zu bekommen für die nun bevorstehende säkulare Wiederkehr der Weihnachtstagung. Erst durch die Beantwortung bzw. Klärung offener Fragen kann ein realistisches Bild entstehen und damit die Voraussetzung dafür, an eine Möglichkeit zur Erneuerung der damaligen Impulse auch nur zu denken. Ob, inwieweit und woran wir heute noch anknüpfen können, muss sich ebenfalls aus der Klärung ergeben.

Auch wenn nachfolgend vornehmlich die Gesellschaftsgründungen in den Blick genommen werden, ist die Bedeutung keineswegs auf die heutigen Gesellschaftsverhältnisse begrenzt, im Gegenteil, sind doch gerade die mit der Weihnachtstagung verbundenen Absichten von Bedeutung für die ganze Menschheitsentwicklung.

99 oder 100 Jahre?

Dieser Frage soll hier nicht nachgegangen werden, dies ist anderweitig bereits ausführlich geschehen und diskutiert worden, darauf sei hier lediglich verwiesen.[4] Ich gehe davon aus, dass es nicht falsch sein kann, bereits 99 Jahre zu berücksichtigen und es ist sicher ein gewisser Spielraum gegeben um diesen Zeitpunkt. Man kann aber auch die Frage haben, ob es sich bei den üblich gewordenen 100 Jahren um einen Trick der Widersacher handelt, damit eine Verspätung eintritt. Während zum 100. Geburtstag Friedrich Schillers 1859 ein Schiller-Jahr begangen wurde, hat Rudolf Steiner genau dieses als das Todesjahr des eigentlichen Idealismus bezeichnet.[5]

So kann diese Frage offen bleiben – mit der Möglichkeit, eine Verspätung zu vermeiden.

Der richtige Zeitpunkt?

Begriffsklärung

Nun ist nicht nur die säkulare Wiederkehr der Weihnachtstagung in den Blick zu nehmen, sondern auch die damit verbundene Neugründung der Gesellschaft. Von der Gesellschaftsleitung wird nach wie vor öffentlich und offiziell vertreten, dass die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft an der Weihnachtstagung von Rudolf Steiner gegründet worden sei.[6] Als 2019 zu den Kolloquien zur Klärung der Konstitutionsfrage eingeladen wurde, erfolgte dies „im Hinblick auf das Ereignis ‹100 Jahre Gründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft› 2023/24“.[7] Aber genau in dieser Formulierung wird schon die hier angesprochene Problematik deutlich, denn sowohl die Gesellschaftsleitung als auch die Mitgliedschaft glaubte eben seit 1925, dass es sich bei der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ um die an der Weihnachtstagung 1923/24 neugegründete Gesellschaft handeln würde, man also in der AAG Mitglied der Weihnachtstagungs-Gesellschaft sei. Tatsächlich aber handelt es sich bei der AAG um den am 8. Febr. 1925 in „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ umbenannten „Verein des Goetheanum freie Hochschule für Geisteswissenschaft“, den sogenannten Bauverein. Dieser ging zurück auf die Gründung des „Johannesbau-Vereins“ in Basel im Jahr 1913 und hatte seinen eigentlichen Ursprung in der Gründung eines gleichnamigen Vereins in München im Jahr 1910.[8] Davon war (und ist) streng zu unterscheiden die an der Weihnachtstagung neugegründete Gesellschaft namens „Anthroposophische Gesellschaft“.[9]

Obwohl bereits an der Generalversammlung 1963 durch engagierte Mitglieder die wirklichen Tatsachen vorgebracht wurden und damit im Gesellschaftszusammenhang bekannt geworden waren, hat sich der Glaube, die AAG sei mit der Weihnachtstagungs-Gesellschaft identisch, bis heute gehalten. Anstatt 1963 in einen notwendigen Erkenntnisprozess einzutreten, wurde die weitere Diskussion verhindert, indem die damaligen Protagonisten rechtzeitig vor der nächsten Generalversammlung aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Seitens der Leitung wurde bis Ende der 90er Jahre geleugnet, dass es überhaupt ein Problem mit der Konstitution gibt.

Auf die Fragestellungen zur Konstitution wird demnächst detaillierter eingegangen werden können, wenn ein zumindest vorläufiges Ergebnis aus der 2-jährigen Kolloquiums-Arbeit zur Konstitution der AAG veröffentlicht werden wird.

Nachfolgend wird nun unterschieden:

  • Die „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“, bei der es sich um den am 8. Febr. 1925 umbenannten „Johannesbau-Verein“ handelt. Dieser Verein ist mit der heutigen AAG identisch, in der viele von uns Mitglied sind.
  • Die an der Weihnachtstagung 1923/24 neugegründete „Anthroposophische Gesellschaft“, die zur Unterscheidung hier auch Weihnachtstagungs-Gesellschaft genannt wird.

Wann wurde die „Anthroposophische Gesellschaft“ gegründet?

Rudolf Steiner erinnert nach der Weihnachtstagung an die Gründung der „Anthroposophischen Gesellschaft“ und bezieht sich dabei explizit auf den Beginn der anthroposophischen Arbeit im Jahr 1902 (!) im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft:

„Als aus dem Schosse der Theosophischen Gesellschaft heraus im Beginne des Jahrhunderts in Berlin die Anthroposophische Gesellschaft begründet worden ist, …“[10] und „Die Anthroposophische Gesellschaft hat ja in sehr, sehr kleiner Form begonnen, und diese kleine Form war dazumal im Beginne des Jahrhunderts in der Theosophischen Gesellschaft enthalten.“[11]

Allein aus diesen Bemerkungen wird die Kontinuität deutlich, die er dem gesellschaftlichen Verhältnis beimisst, abseits formaler oder juristischer Gegebenheiten: Sowohl die Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft 1912 als auch die Neugründung an der Weihnachtstagung 1923/24 stehen in diesem Kontinuitäts-Strom seit der Gründung der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft 1902 und der Übernahme der Aufgabe des Generalsekretärs durch Rudolf Steiner. Ganz unabhängig von den äusseren Formen wurden diese Gesellschaften nicht unterschieden – in seinem Verständnis ist es immer die gleiche Gesellschaft! Die Gründung 1912 erfolgte, weil sich die Bedingungen in der Theosophischen Gesellschaft geändert hatten:

„Und wären Gesinnung, Haltung und Wirken der [Theosophischen] Gesellschaft so geblieben, wie sie damals waren, mein und meiner Freunde Austritt hätte nie zu erfolgen gebraucht. Es hätte nur innerhalb der Theosophischen Gesellschaft die besondere Abteilung ‹Anthroposophische Gesellschaft› offiziell gebildet werden können.“[12]

Etwas anders stellte sich die Situation 1923 dar: Da sich die Gesellschaft nicht so entwickelt hatte, wie 1912 erhofft und die versuchte Konsolidierung im Jahr 1923 sich als nicht möglich erwiesen hatte, war die Neugründung und insbesondere die Übernahme der Gesellschafts-Leitung Rudolf Steiners letzter Versuch, um doch noch zu erreichen, was von Anfang intendiert war:

„Ich will auf die Kraft bauen, die es mir ermöglicht, ‹Geistesschüler› auf die Bahn der Entwickelung zu bringen. Das wird meine Inaugurationstat allein bedeuten müssen“.[13]

„Eine geistige Bewegung in Europa ins Leben zu rufen“ und zwar „eine solche Bewegung, die an den abendländischen Okkultismus und ausschließlich an diesen anknüpft und diesen fortentwickelt.“[14]

Der Menschheit die notwendige Verbindung zu ihren geistigen Ursprüngen sowie zeitgenmässe neue Mysterien zu ermöglichen: An diesen Intentionen Rudolf Steiners hatte sich auch 1923/24 nichts geändert. Wie er schon 1905 ausführte ging es darum, dass spirituelle Vereinigungen auf bruderschaftlicher (menschlicher) Basis entstehen:

„Vereinigung bedeutet die Möglichkeit, dass ein höheres Wesen durch die vereinigten Glieder sich ausdrückt. Das ist ein allgemeines Prinzip in allem Leben. Fünf Menschen, die zusammen sind, harmonisch miteinander denken und fühlen, sind … nicht bloß die Summe aus den fünf. … Eine neue, höhere Wesenheit ist mitten unter den fünfen, ja schon unter zweien oder dreien. ‹Wo zwei oder drei in meinem Namen vereinigt sind, da bin ich mitten unter ihnen.› Es ist nicht der eine und der andere und der dritte, sondern etwas ganz Neues, was durch die Vereinigung entsteht. … So sind die menschlichen Vereinigungen die geheimnisvollen Stätten, in welche sich höhere geistige Wesenheiten herniedersenken, um durch die einzelnen Menschen zu wirken, wie die Seele durch die Glieder des Körpers wirkt. … Zauberer sind die Menschen, die in der Bruderschaft zusammen wirken, weil sie höhere Wesen in ihren Kreis ziehen. … Der Zukunft obliegt es, wieder Bruderschaften zu begründen, und zwar aus dem Geistigen, aus den höchsten Idealen der Seele heraus.“[15]

So setzte er 1923 „letzte Hoffnung“[16] darauf, diese Intentionen nun nach der Weihnachtstagung im gesellschaftlichen Zusammenhang „durchführen“[17]zu können.

Verpasste Möglichkeiten?

2001/2002 – die säkulare Wiederkehr der Gründung der „Anthroposophischen Gesellschaft“

Geht man wie Rudolf Steiner davon aus, dass die eigentliche Gründung der „Anthroposophischen Gesellschaft“ bereits im Jahr 1902 stattfand, wären im 33-Jahres-Rhythmus (1935, 1968 und 2001) Erneuerungsmöglichkeiten gegeben gewesen. Stattdessen finden sich in diesen Jahren Kulminationspunkte der grossen Gesellschaftskonflikte:

  • Im Jahr 1935 kulminierte der bereits unmittelbar nach Rudolf Steiners Tod ausgebrochene Gesellschaftskonflikt in den Ausschlüssen von Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand, den Ausschlüssen einiger Einzelpersonen sowie der gesamten holländischen und englischen Landesgesellschaft aus der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Darüber hinaus wurden Statuten-Änderungen beschlossen, „um die Statuten den Prinzipien weitgehend anzugleichen“[18], was allerdings nicht den Tatsachen entsprach: So wurde insbesondere die Position des 1. Vorsitzenden gegenüber den anderen Vorständen gestärkt[19], diesem das alleinige Recht zur Aufnahme von Mitgliedern übertragen und insbesondere für Vorstandserweiterungen das Kooptions-Prinzip eingeführt. Von all dem konnte in der Konstitution der Weihnachtstagungs-Gesellschaft nicht die Rede sein.
  • Im Jahr 1968 beschloss der Vorstand, ab sofort die von der Nachlassverwaltung herausgegebenen Bücher (insbesondere Schriften und Vorträge Rudolf Steiners) nicht weiter zu verleugnen und diese auch im Goetheanum zu verkaufen. Damit wurde ein 20-jähriger Boykott der Nachlassverwaltung aufgehoben, ohne dass jedoch der Nachlassstreit angemessen aufgearbeitet worden wäre. Zudem wurde ein neuer jahrelanger Konflikt erzeugt, da Herbert Witzenmann den Mehrheitsbeschluss nicht mittragen wollte und er seine Position öffentlich gegenüber der Mitgliedschaft vertrat. Dies führte erneut zu Spannungen und Spaltungen in der Gesellschaft. Näheres hierzu siehe Fussnote.[20]
  • Im Jahr 2001 – nach fast 40 Jahren – konnte die Existenz des Konstitutionsproblems von Vorstandsseite nicht weiter geleugnet werden. Davon zeugte die Veröffentlichung des sogenannten „Mannheimer Ergebnisses“[21] als Zwischenresultat einer Arbeitsgruppe, die aus Funktionären sowie Mitgliedern bestand, die sich in der Konstitutionsfrage engagiert hatten. Allerdings wurden alle Hoffnungen auf eine gemeinsame weitere Vorgehensweise durch den Alleingang des Vorstandes zunichte gemacht, als dieser ohne jede Absprache und entgegen dem vereinbarten Vorgehen einseitig die weitere gemeinsame Arbeit verunmöglichte und einen eigenen Weg zu Lösung des Problems einschlug.[22] Dieser führte zu weiteren Konflikten und mehrjährigen gerichtlichen Auseinandersetzungen. Eine wirkliche Lösung des Konstitutions-Problems wurde jedoch nicht erreicht. Letztlich hat der Vorstand durch unkluges Agieren die Streitigkeiten provoziert, die Gerichtsprozesse vorhersehbar verloren und anschliessend mit einer weiteren Unwahrheit behauptet, das Gericht habe festgestellt, aufgrund einer konkludenten Fusion sei die AAG mit der WTG identisch.[23] Letztere Ansicht wird auch heute noch vertreten – tatsachenwidrig wider besseren Wissens.[24]

Eine Aufarbeitung all dieser Konflikte und Gesellschaftskatastrophen steht nach wie vor aus. Insbesondere die (negative) Bedeutung des Rekonstitutionsversuches von 2001/2002 ist in seiner Tragweite bisher zuallermeist kaum realisiert worden.

Allein schon die Bedeutung der Tatsache, dass die Möglichkeit vollkommen verpasst wurde, bewusst und aktiv an die ursprünglichen geistigen Impulse zur Gesellschaftsgründung anzuknüpfen, dürfte schwerwiegend sein: Wurden diese damit für lange Zeit endgültig vertan? Konnte damit der „Dämon dieses Zeitalters“ Herrschaft über die weitere Entwicklung erlangen? Vergleichbar mit dem, was Rudolf Steiner zu dem Nichtergreifen der liberalen Ideen im 19. Jahrhundert ausführte? Denn nachher ist nichts mehr zu erreichen auf demjenigen Wege, auf dem das in dem genannten Zeitraume erreichbar gewesen wäre. Nachher ist nur durch völliges Erwachen im geisteswissenschaftlichen Erleben etwas zu erreichen. So hängen die Dinge historisch in der neueren Geschichte zusammen.[25] Noch deutlicher kommt das an anderer Stelle zum Ausdruck:

„Wenn so etwas [wie die Spiritualisierung der Menschheit] – da die Menschheit in der neueren Zeit auf Freiheit gestellt werden muss – aus dem freien Menschenwillen heraus unterlassen wird, so sinkt die Waagschale auf die andere Seite hinunter. Dann entlädt sich das, was auf spirituellem Wege hätte erreicht werden können, durch das Blut. Dann entlädt sich das auf eine, ich möchte sagen, überphysische Weise. Es ist nur das Gleichstellen der Waage, was wir in unserer katastrophalen Zeit erleben. Die Menschheit, die zurückgewiesen hat die Spiritualisierung, muss in die Spiritualisierung hineingezwungen werden. Das kann durch eine physische Katastrophe [damals der erste Weltkrieg] geschehen.“[26]

Lassen wir die weitere Beurteilung dieser Ereignisse und die heutige Bedeutung zunächst offen.

Die säkulare Wiederkehr des Bauimpulses.

Einen genauen ursprünglichen Zeitpunkt für den Bauimpuls zu finden ist nicht einfach. Da der Bau zunächst in München entstehen sollte, wurde dort auch der erste Johannesbau-Verein im Jahr 1910 gegründet. Im Oktober 1912 war Rudolf Steiner erstmals in Dornach und erkundete die Umgebung des ihm angebotenen Geländes. Die endgültige Entscheidung für Dornach wurde 1913 gefällt, die Grundsteinlegung fand am 20. September 1913 statt und 2 Tage später wurde der Dornacher „Johannesbau-Verein“ gegründet. Innerhalb dieses Zeitraumes liegt die Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft in Köln 1912. Insofern bietet sich dieses Jahr für eine weitere Untersuchung an. Im 33er-Rhythmus ergibt sich die Folge: 1912 – 1945 – 1978 – 2011/12 (Ergänzungen für die nachfolgend angeführten Ereignisse sind willkommen).

  • Im Jahr 1945 begann die Eskalation des Nachlassstreites. Marie Steiner gab die Übertragung ihrer Rechte an den 2 Jahre zuvor gegründeten Nachlassverein bekannt. „Eine Bombe schlägt ein“[27], so überschreibt Lorenzo Ravagli das entsprechende Kapitel. Die damit beginnenden und vor allem eskalierenden Auseinandersetzungen prägten Jahrzehnte der Gesellschaftsgeschichte mit Auswirkungen, die auch heute noch zu spüren sind. Eine Aufarbeitung ist nicht erfolgt, die einzige mir bekannte einigermassen umfassende Darstellung findet sich in dem zitierten Werk von Lorenzo Ravagli.
  • 1978: Beginnende Kulmination des Interesses insbesondere der Jugend an der Anthroposophie. Blüte der Jugendsektion, der Seminartätigkeiten und der Ausbildungsstätten – bis in die 80er/90er Jahre.
  • 2011: An die Stelle einer Erinnerung an die ursprünglichen Impulse trat wieder ein Gesellschaftskonflikt. Aufgrund eines Abwahlantrages, der bereits Monate zuvor bekannt war, hatte der Vorstand beschlossen, diesem zuvor zu kommen und die Amtszeit der Vorstände zukünftig auf 7 Jahre zu begrenzen. Insbesondere von Paul Mackay und Bodo von Plato wurden hehre Ziele und Absichten vorgebracht. So sollten „… die Mitglieder verstärkt in die Verantwortung einbezogen werden“ und „Es geht darum, dass wir ein neues soziales Feld entwickeln. Damit ist gemeint, dass die Mitglieder mehr einbezogen werden.“ sowie „Gern möchten wir die Zusammenarbeit der Mitglieder mit den Verantwortungsträgern verstärken, sodass die Gesellschaft zum Partner des Vorstands wird und sich nicht als Gegenüber versteht“, erwiesen sich schon durch das nachfolgende Verhalten der Leitung als leere Versprechen. Als geradezu taktisches Lügengebäude offenbarten sich diese durch Paul Mackays öffentliches Eingeständnis, als er zur Begründung seines Antrages zur Aufhebung dieser Amtszeitbeschränkung vorbrachte, dass deren Einführung 2011 lediglich eine (mögliche Über-)Reaktion auf den damaligen Abwahlantrag gewesen sei! Des Weiteren führte er aus, dass schon regelmässig eine Besinnung auf die Vorstandstätigkeit erfolgen sollte, allerdings ohne die Mitgliedschaft einzubeziehen, denn nur im Kreis der Goetheanum-Leitung und der Konferenz der Generalsekretäre sei eine Beurteilung der Vorstandstätigkeit möglich![28]

Die säkulare Wiederkehr der Weihnachtstagung 2022/23

Mit Blick auf die Weihnachtstagung ergibt sich die Jahresfolge: 1923 – 1956 – 1989 – 2022/23.

Die Jahre 1956 und 1989 sind offensichtlich keine markanten Krisenjahre im gesellschaftlichen Zusammenhang. Der Fall der Mauer 1989, die damit verbundene Auflösung des sozialistischen Experimentes im Osten traf die anthroposophische Gemeinschaft unvorbereitet. Die Versuche freier Initiativen, die allesamt ihren Ursprung nicht im gesellschaftlichen Zusammenhang hatten, Elemente der Dreigliederung in die Neugestaltung der sich auflösenden Staatsverhältnisse einzubringen, blieben letztlich erfolglos und so konnten sich die westlichen Hegemonieambitionen durchsetzen. Es ist offensichtlich, dass heute, ca. 33 Jahre später, wieder eine Zuspitzung stattfindet – diesmal weltweit. Insbesondere mit Blick auf einige aktuelle Verlautbarungen der medizinischen und sozialwissenschaftlichen Sektion[29] drängt sich die Frage auf, ob die Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Hochschule die aktuelle Weltlage realistisch einschätzt.

Noch steht das Ereignis 99 Jahre Weihnachtstagung vor uns. Sind damit noch alle Möglichkeiten offen?

Nun wird es darauf ankommen, zunächst die tatsächlichen Impulse und Absichten, die mit der Weihnachtstagung und der Neugründung von Gesellschaft und Hochschule verbunden waren, herauszuarbeiten.

Fazit

„Die Weisheit liegt nur in der Wahrheit“
Motto der Anthroposophischen Gesellschaft

Es ist offensichtlich ein Symptom im Zusammenhang der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, sich an die ursprünglichen Impulse nicht erinnern zu wollen. Stattdessen kulminierten ausgerechnet an etlichen entscheidenden Zeitpunkten des 33-Jahresrhythmus die Gesellschaftskonflikte mit den damit verbundenen Ausgrenzungen und Spaltungen, wodurch den Widersachermächten für ihr Wirken Tür und Tor geöffnet wurde. Man kann sich fragen, ob nach all den hier beschriebenen Gegebenheiten nun mit der säkularen Wiederkehr der Weihnachtstagung – dem letzten Versuch Rudolf Steiners, seine Aufgabe, seine Mission für die Menschheitsentwicklung doch noch erfüllen zu können – auch für uns die allerletzte Möglichkeit gegeben sein wird, sich die ursprünglichen Impulse zu vergegenwärtigen und zu ergreifen, was noch ergriffen werden kann. Ohne eine zumindest anfängliche Aufarbeitung der Gesellschaftsgeschichte – die ja gleichzeitig die Geschichte der Entwicklung der Anthroposophie ist – wird das jedoch kaum möglich sein.

Die Erinnerung an die Weihnachtstagung und die Besinnung auf die damit verbundenen Impulse und Absichten werden nur dann fruchtbar werden können, „wenn auf Grundlage der Erkenntnis der Mangelhaftigkeiten … also der konkreteren Erkenntnis desjenigen, was mangelhaft ist, zu einer Gestaltung des Positiven geschritten wird.“[30] (Rudolf Steiner im Zusammenhang mit dem Konsolidierungsversuch der Gesellschaft am 26. Febr. 1923).

Das Mysteriengeschehen der Weihnachtstagung war keineswegs ein isoliertes Ereignis für die Anthroposophische Gesellschaft, es war ein Menschheitsereignis, der letzte Versuch, aus den „Zeichen der Zeit“ eine spirituelle Vereinigung von Menschen zu bilden, mit der eine Erneuerung der Mysterien hätte möglich werden können, „für den Fortschritt der Menschenseelen, für den Fortschritt der Welt.“[31]

Jeder, der sich mit Rudolf Steiner und der Anthroposophie verbunden erlebt, kann sich hier angesprochen fühlen, initiativ zu werden, auch jenseits des gesellschaftlichen Zusammenhangs.

Thomas Heck, 6. Jan. 2022


[1] GA 225, S. 166.

[2] Hierzu insbesondere GA 180, Vorträge 1-4.

[3] Justus Wittich, AWW 12/2021, S. 3.

[4] Eine ausführliche Literaturliste in Jens Göken, „Das Gesetz der 33 Jahre“, Gegenwart Nr. 2 / 2011. Frank Spaan, „Über den 33 Jahres-Rhythmus“, Privat-Druck, Bezug: postfs@protonmail.com.

[5] GA 222, 1989, S. 18, 11. März 1923.

[6] Siehe z.B. Internetseite www.goetheanum.org und  rosa Info-Heft für neue Mitglieder.

[7] AWW 9/19, S. 3.

[8] Der „Johannesbau“ sollte ursprünglich in München entstehen. Dem standen jedoch verschiedene Widerstände entgegen, sodass diese Absicht 1913 aufgegeben wurde.

[9] Ohne dem Ergebnis der Kolloquiumsarbeit vorgreifen zu wollen kann aber gesagt werden, dass in dieser Frage bei den Teilnehmern ein breiter Konsens herrscht.

[10] GA 238, S. 16, 5. Sept. 1924.

[11] GA 260a, S. 94, 18. Jan. 1924.

[12] GA 28, 1982, S. 309.

[13] Brief vom 16. Aug. 1902 an Wilhelm Hübbe-Schleiden, hier zitiert nach GA 264, S. 19.

[14] Aus dem Gespräch zwischen Marie von Sivers und Rudolf Steiner am 17. Nov. 1901, GA 254, 1986, S. 48.

[15] GA 54, 1983, S. 192f. und GA 265, 1987, S. 122.

[16] GA 259, 1991, S. 865. Aus einem Brief von Rudolf Steiner an Marie Steiner

[17] GA 260a, 1987, S. 183.

[18] Nachrichtenblatt Nr. 11/12, 17. März 1935.

[19] Der 1. Vorsitzende wurde quasi allmächtig und bestimmte die Vollmachten der übrigen Vorstandsmitglieder – und konnte sie diesen auch entziehen, siehe §13 der damaligen Statuten. Nachrichtenblatt 11/12, 17. März 1935.

[20] Lorenzo Ravagli, Selbsterkenntnis in der Geschichte, Band 1, Glomer.com, o.J.

[21] Nachrichtenblatt Nr. 20, 20. Mail 2001.

[22] Justus Wittich, „Konstitutionsgruppe als wichtiger Wegbereiter“, Nachrichtenblatt 42/2002.

[23] „Mythen der Konstitutions-Frage: ‚Die Fusion durch konkludentes Handeln‘“, https://wtg-99.com/mythos-fusion.

[24] Justus Wittich, „Stärkung der Hochschule in den Statuten“ in AWW 1-2/2014.

[25] GA 185, 1982, S. 95.

[26] 174a, 1985, S. 230f.

[27] Lorenzo Ravagli, Selbsterkenntnis in der Geschichte, Band 1, Glomer.com, o.J.

[28] Nur im Internet: https://www.goetheanum.org/fileadmin/kommunikation/GV_2019_Antraege.pdf (letzter Zugriff: 28.12.2021).

[29] Gemeint sind hier die diversen Positionierungen zu den Corona-Impfungen und die Äusserung G. Häfners, Deutschland habe unbewusst die Dreigliederung gewählt.“ („Das Goetheanum“, 15. Okt. 2021).

[30] GA 259, S. 377.

[31] Zitate aus dem Eröffnungsvortrag der Weihnachtstagung 24. Dez. 1923, GA 260.

Aktuelles zu Corona und Rundbrief 23

Liebe Freunde,

es ist im Moment kaum möglich, mit der Entwicklung der Ereignisse – und leider auch der Bedrohungen – die durch das politische Handeln der Verantwortlichen erzeugt werden, mitzukommen. Die Veröffentlichung einer umfangreichen und wohl sehr zutreffenden Analyse aus dem Bundesinnenministerium offenbart, mit wie wenig Überblick und vor allem mit fehlender Risikoabschätzung Massnahmen ergriffen wurden, die nach allem, was jetzt bekannt ist, weit mehr Schäden anrichten – auch an Menschenleben – als durch die Massnahmen vermeintlicher Nutzen erzeugt wurde. Anstatt sich nun der wirklich bestehenden Probleme zuzuwenden, denkt man über marginale Lockerungen nach. Offensichtlich man bestrebt, die Massnahmen so weit und so lange als möglich gesichtswahrend aufrecht zu erhalten. Der Umgang mit dem geleakten Dokument aus dem Bundesinnenministerium spricht Bände: Auf den brisanten Inhalt wird nicht eingegangen, sehr wohl aber auf das angebliche Fehlverhalten des inzwischen beurlaubten Mitarbeiters.

Ein Artikell von Lorenzo Ravagli zu dem Vorgang um das Dokument aus dem BMI:
https://anthroblog.anthroweb.info/2020/corona-virus-menschheit-am-scheideweg/

Rundbrief Nr. 23: www.wtg-99.com/Rundbrief_23

Sie werden alle bereits überflutet sein mit Informationen und Hinweisen auf Videos und Veröffentlichungen und man kann nicht alles wahrnehmen. Dennoch möchte ich einige Hinweise geben:

Ein Artikel von Johannes Mosmann: „Corona – Menschheit am Scheideweg“
https://www.dreigliederung.de/files/download/essays/2020-05-johannes-mosmann-corona-virus-menschheit-am-scheideweg.pdf

Ein Beitrag von Peter Selg thematisiert vor allem die entstehenden totalitären Entwicklungen im historischen Kontext:

https://kernpunktecom.files.wordpress.com/2020/05/kernpunkte_no._6_2020-1.pdf

Ein Ärztin bringt vieles auf den Punkt:
https://www.youtube.com/watch?v=YKKe_t20ml0

Die Parteigründung von dem Arzt Bodo Schiffmann www.widerstand2020.de hat nun vor allem damit zu kämpfen, dass sie von Anmeldungen hoffnungslos überrannt (mehr als 100.000 Anmeldungen in ca. 14 Tagen) und natürlich auch auf allen Ebenen angegriffen wird. Widerstand ist im Moment vielleicht wirklich angesagt und man kann nur hoffen, dass dieser Ansturm irgendwie bewältigt werden wird. Für unterstützungswürdig halte ich persönlich Bodo Schiffmann in jedem Fall:

https://kenfm.de/dr-bodo-schiffmann/

Mit herzlichen Grüssen
Thomas Heck

Corona und der Kampf umd die Deutungshoheit

Was Greta Thunberg nicht geschafft hat («I want to panic you»), für das Corona-Virus war es kein Problem: Die Welt in Panik, in Angst und Schrecken zu versetzen. Unvorstellbares ist eingetreten: Grosse Teile der Weltbevölkerung unterliegen derzeit Ausgangsbeschränkungen und die Weltwirtschaft ist in weiten Teilen zum Stillstand gekommen. Inzwischen kommen aber auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit der offiziellen Berichterstattung auf und es wird gefragt, ob mit dieser sogenannten Pandemie und ihren Folgen möglicherweise auch ganz andere Interessen verfolgt werden. ….

Weiter im Rundbrief Nr. 21

Inhalt

– Corona und der Kampf um die Deutungshoheit
– Irreführende Berichterstattung
. Erfolgreiche Propaganda
– Weltregierung und “Neue Weltordnung”

Diverse Links zu interessanten Informations-Seiten, Petitionen und interessanten Videos finden Sie unter www.wtg-99.com/corona

Hinweis: Die Internetseite von der Rechtsanwältin Beate Bahner war zum Zeitpunkt des Versandes nicht erreichbar. Auf derartige Zwischefälle und Löschungen von Seiten wird auch von Swiss Propaganda Research (www.swprs.org/covid-19-hinweis-ii/) hingewiesen!

Unterschriftaktion zur Kontroverse um die “Steiner Studies”

Rundbrief zur Anthroposophie von Friedwart Husemann vom 1. Dezember 2019 

Liebe Freunde,

Sie können sich an der Kontroverse um die Steiner Studies beteiligen. Hier der Link:

Steiner Studies

Rudolf Steiner hat über Welt, Erde und Mensch, aber auch zur Anthroposophischen Bewegung, zur Soziologie der Anthroposophischen Gesellschaft und zur Gegnerfrage sehr ausführlich sich geäußert. Beispielweise wollte er, dass man Gegner moralisch beurteilt, wenn sie R. Steiner verleumdeten oder Lügen verbreiteten, und er wollte, dass man dieses Urteil öffentlich ausspricht (GA 259, siehe „Rudolf Steiner zur Gegnerfrage“ unter „Dokumentation“ im obigen Link). Meiner Meinung nach ist es so, dass im Falle von Helmut Zander dieser Ratschlag R. Steiners angewendet werden sollte.

Allerdings leben wir heute in einer Zeit, wo moralische Urteile als anstößig empfunden werden. Darüber hinaus hat sich in leitenden Kreisen der Anthroposophischen Gesellschaft die Meinung ausgebreitet, dass es die Gegner so wie damals bei R. Steiner nicht mehr gibt. Ich bin dieser Meinung nicht. Wir können aber in Ruhe warten, bis die Tatsachen selber sprechen.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Friedwart Husemann 

Dr. med. Friedwart Husemann
Internist – Homöopathie
Anthroposophische Medizin (GAÄD)
Poghausener Str. 46
26670 Uplengen
Tel:  04956 4047007
Fax: 04956 4047006
www.husemannpraxis.de
friedwart.husemann@gmx.de

Offener Brief an die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland

Sehr geehrte Frau Sandtmann,

dieser offene Brief – als Reaktion auf Ihre Erwiderung auf den Brief des Dresdner Zweiges – geht stellvertretend an Sie, im Grunde ist von den folgenden Ausführungen die gesamte weltweite Gesellschafts-Leitung betroffen, insbesondere als Mitglieder der Freien Hochschule.

Es ist wirklich beeindruckend, wie seitens der Leitenden in unserer Gesellschaft durch die Beherrschung der Kommunikation auf sachlich-kritische (im Sinne des terminus-technikus, wie Sie es formuliert haben) Stimmen aus der Mitgliedschaft häufig gar nicht, ansonsten manipulativ und extrem einseitig reagiert wird. So auch auf die – im besten Sinne – kritischen Reaktionen auf die Mitwirkung namhafter und leitender Persönlichkeiten aus der anthroposophischen Gesellschaft an der Initiative der „Steiner Studies“.

Auf einen wirklichen Dialog mit den eigenen Mitgliedern lässt man sich nicht ein, sehr wohl aber mit unwissenschaftlich agierenden Gegnern Rudolf Steiners und der Anthroposophie.

Im Einzelnen zum aktuellen Vorfall:

  1. So, wie Sie aus dem Brief des Dresdner Zweiges zitieren, entsteht ein einseitiges Bild und es wird nicht deutlich, was die 20 Unterzeichner wirklich zum Ausdruck bringen. Unter den Unterzeichnern sind gewiss auch Hochschulmitglieder, die ihr „Repräsentant-Sein“ ernst nehmen und aus Sorge über die Entwicklungen in unserer Gesellschaft und aus einer gelebten Verantwortung gegenüber Rudolf Steiner, der Anthroposophie und der Hochschule sich zu Wort gemeldet haben.
  2. Durch Weglassen der zentralen Argumente – insbesondere dem Hinweis, dass seitens der Gesellschafts- und der Hochschulleitung zu den unwissenschaftlichen und diffamierenden Äusserungen der Initiatoren der „Steiner Studies“ bisher nie Stellung bezogen wurde – wird verhindert, dass sich der Leser ein eigenständiges Urteil bilden kann.
  3. Sie nennen die Namen der Unterzeichner dieses offenen Briefes nicht. So wird nicht sichtbar, dass zumindest drei der Unterzeichner Mitglieder im Vorstand des Arbeitszentrums Ost sind.
  4. Sie führen aus, dass die „Steiner Studies von der AGiD weder veranlasst noch beauftragt“ wurden. Dadurch entsteht der Eindruck, dies sei in dem Brief behauptet worden. Ein derartig absurder Vorwurf wurde jedoch gar nicht erhoben. Das kann der Leser aber nicht erkennen und muss das Gegenteil annehmen.
  5. Bemerkenswert ist, dass Sie Näheres über die Intentionen der „Steiner Studies“ wissen und so etwas darüber aussagen können, wie die „kritische Steiner-Forschung“ von den Initiatoren wirklich gemeint sei. Woher wissen bzw. woraus schliessen Sie das und wie kommen Sie dazu, diese Initiative zu verteidigen?
  6. Wie Sie zu dem Urteil kommen, dass es sich bei den „Steiner Studies“ um eine wirklich „wissenschaftliche Zeitschrift“ handeln wird, ist nicht nachzuvollziehen, da – soweit bekannt – eine Ausgabe dieser Zeitschrift bisher nicht einmal vorliegt.
  7. Nach C. Clements Ansicht führen die Forschungsmethoden Rudolf Steiners nicht zur Erkenntnis einer wirklichen geistigen Welt und auch nicht zu außerhalb des (alltäglichen) Bewusstseins des Menschen existierenden geistigen Wesen. Steiner begegne in seiner Geistesforschung nur sich selbst (siehe z.B. Frank Linde, Die Drei 11/2015).  Nach allem, was von und über C. Clement bekannt ist, urteilt er über die Anthroposophie und die Schriften Rudolf Steiners, ohne selber sich um den anthroposophischen Schulungsweg bemüht zu haben. Denn wenn man Rudolf Steiner und den von ihm formulierten Voraussetzungen ernst nimmt, kann man C. Clements Urteilen keine Berechtigung zusprechen: „ … doch nimmt die Leitung der Schule für sich in Anspruch, dass sie von vornherein jedem Urteile über diese Schriften die Berechtigung bestreitet, das nicht auf die Schulung gestützt ist, aus der sie hervorgegangen sind. Sie wird in diesem Sinne keinem Urteil Berechtigung zuerkennen, das nicht auf entsprechende Vorstudien gestützt ist, wie das ja auch sonst in der anerkannten wissenschaftlichen Welt üblich ist.“ (§8 der Statuten der Weihnachtstagungs-Gesellschaft). So stellt sich auch in diesem Zusammenhang die Frage, wie Sie sicher sein können, dass es sich bei den „Steiner Studies“ wirklich um eine „wissenschaftliche“ Zeitschrift handeln wird? Und wie kommen Sie zu der Annahme, dass jemand wie H. Zander im positiven Sinne zu kritischer Wissenschaftlichkeit gegenüber Rudolf Steiner neigen könnte, wenn er sich wie folgt äussert:
    „Kritiker und Wissenschaftler haben sich auch gefragt, welche psychische Disposition Steiner besass, ob er, polemisch gefragt, ›geisteskrank‹ war oder, seriöser, an Schizophrenie litt. … Oder nahm er vielleicht doch Drogen? Mit dem Schnupftabak, den er liebte, könnte er auch Kokain, den ›Schnee‹ wie es in seinen Briefen heisst, zu sich genommen haben, vielleicht bewusst, vielleicht auch ohne es zu wissen. Halluzinogene Mittel mögen, wenn er sie denn nahm, einzelne Erfahrungen erklären, aber seine Beschäftigung mit meditativen Techniken über zweieinhalb Jahrzehnte geht darin nicht auf.“
  8. Im Zusammenhang mit dem vorherigen Punkt stellt sich die Frage, inwieweit Sie (und Ihre Kollegen) – soweit Sie Hochschulmitglieder sind – in Ihrem Verhalten und in Ihrer Argumentation gegenüber den Initiatoren und deren Werken selber der Bedingung der „Repräsentanz für die  anthroposophische Sache“ insbesondere als Hochschulmitglieder mit Leitungsaufgaben und ggf. als Lektoren – gerecht werden, wenn Sie sich derartig für C. Clement, H. Traub, H. Zander u.a. einsetzen, obwohl es sich offenkundig um Gegner der Anthroposophie und Rudolf Steiners handelt?
  9. Es ist kaum anzunehmen, dass Rudolf Steiner ein derartiges Verhalten von Hochschulmitgliedern geduldet hätte, ein Ausschluss aus der Hochschule wäre wohl spätestens jetzt die Folge gewesen. Sich in dieser Art und Weise für die Gegner der Anthroposophie und Rudolf Steiners einzusetzen, kommt im Grunde einem Selbstausschluss gleich, wohl nicht rechtlich, jedoch moralisch. Da dieses Verhalten aber gerade aus der Leitung der Gesellschaft heraus erfolgt und von der Hochschulleitung und den Sektionsleitungen geduldet – wenn nicht sogar begrüsst – wird, müssten auch alle diejenigen, die dieses Verhalten decken und beschweigen, nach den selbst vertretenen Bedingungen der Hochschulmitgliedschaft aus dieser ausgeschlossen werden. So werden diese Bedingungen zur Hochschulmitgliedschaft immer wieder eingefordert – selber aber hält man sich nicht daran!
  10. Wer der Ansicht ist, man könne mit C. Clement oder H. Zander auf geisteswissenschaftlichem Niveau fruchtbar zusammenarbeiten, müsste dies angesichts der vorliegenden fundierten kritischen Auseinandersetzungen mit deren Veröffentlichungen begründen und belegen können. Es scheint aber evident zu sein, dass sich gerade diejenigen, die meinen, sich auf einen Dialog mit C. Clement u.a. einlassen zu müssen, einen solchen mit den im besten wissenschaftlichen Sinne kritischen Mitgliedern vermeiden. So ist z.B. von einer Auseinandersetzung von J. Schieren oder W.-D. Klünker mit F. Linde oder L. Ravagli nichts bekannt. Ebenso existieren keine Stellungnahmen z.B. seitens der Hochschulleitung. Auf die Unvereinbarkeit mit dem selbst vertretenen Repräsentanz-Anspruch wurde bereits hingewiesen.

Ein sachlicher Dialog im Sinne einer gemeinsamen Erkenntnisbemühung ist mehr als überfällig. Aus Ihren Ausführungen ist nicht erkenntlich, ob dazu eine Bereitschaft besteht. Und um eine Personaldebatte geht es nicht – es geht um Erkenntnisfragen! Werden wir es noch erleben, dass die Leitung der Gesellschaft und der Hochschule ihre Aufgabe und Verantwortung ergreift, um endlich Stellung zu beziehen und sich auf einen inhaltlichen Dialog mit den Mitgliedern einzulassen?

Mit freundlichem Gruss

Thomas Heck, Dornach, den 22. November 2019, Kontakt: thomas@lohmann-heck.de

Seminar: Die Neugründung der AG an der Weihnachtstagung – was ist daraus geworden?

Samstag, den 21. September 2019, 9:30 – 18 Uhr

Themen

  • Die Stellung des Weihnachtstagungsgeschehens in der Menschheitsentwicklung
  • Rudolf Steiners Mission
  • Rudolf Steiners Intentionen im Hinblick auf die Weihnachtstagung
  • Was zur Weihnachtstagung und zur Neukonstituierung der Gesellschaft führte
  • Zur Form: Wie wollte Rudolf Steiner die einheitliche Konstituierung realisieren?
  • Zur Identität: in welchem Zusammenhang steht die AAG mit der Weihnachtstagungs-Gesellschaft?

Seminaristische Arbeit mit Thomas Heck

Anmeldung: thomas@lohmann-heck.de oder 061 / 599 16 47

Kostenbeteiligung: 80 CHF, Ermäßigung möglich.

Maximal 20 Teilnehmer

Ort: Veranstaltungsraum der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz, Oberer Zielweg 60, 4143 Dornach.

Professionelles Beschwerdemanagement am Goetheanum eingeführt

Pressemitteilung der Goetheanum-Leitung

Im Rahmen des Projektes „Goetheanum in Entwicklung“ und im Zuge der zunehmenden Unzufriedenheit vieler Mitglieder mit den Entwicklungen am Goetheanum ist, nun ein professionelles Beschwerdemanagement für Unmutsäusserungen und Kritik an der Leitung des Goetheanums, der Hochschule und der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft eingerichtet worden. Besonderer Wert wurde dabei auf das Schutzbedürfnis von Mitgliedern gelegt, die Kritik oder Beschwerden vorbringen möchten.

Ab sofort können entsprechende Beschwerden schriftlich an das Goetheanum (Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, Abt. Beschwerdemanagement , Hügelweg 45, 4143 Dornach oder per Email an beschwerden@goetheanum.ch) verschickt werden. Es wird absolute Diskretion zugesichert. Dies wird insbesondere dadurch erreicht, dass erhaltenen Briefe sofort ungeöffnet und ungelesen einer zertifizierten Aktenvernichtung zugeführt werden. Damit ist allen Beteiligten optimal gedient: Der Beschwerdeführer hat sich unbehindert und frei äussern können ohne mit negativen Folgen wie z.B. schlechtem Ansehen oder der Kritik, kritisiert zu haben, rechnen zu müssen. Auch der Beschwerde bzw. der Kritik als solcher ist absolute Diskretion zugekommen, indem weiter niemand von ihr etwas erfährt und sich so darüber auch niemand, insbesondere die Leitung des Goetheanums, ärgern oder angegriffen fühlen muss. Durch eine zertifizierte Software ist sichergestellt, dass die Emails nach Eingang sofort gelöscht werden und auch keine Sicherungskopien erstellt werden. Für dringende telefonische Beschwerden wurde eine automatische Annahme (7 x 24 Stunden Bereitschaft) eingerichtet (061 / 706 99 99). Auch hier wurde sichergestellt, dass der Anrufer ungestört (vor allem ungehört) ausführlich sprechen kann. Aus den bereits genannten Diskretionsgründen wurde die Aufnahmefunktion des Anrufbeantworters ausser Betrieb gestellt.

So werden kritische Zuschriften an die Leitung der Gesellschaft auch in Zukunft nicht beantwortet. Der wesentliche Fortschritt besteht nun darin, dass man nicht wie bisher unangemessenes Verhalten der Leitung vermuten kann, da diese definitiv nichts von der Zuschrift erfährt und frei nach dem Grundsatz: „Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss“ nach Gutdünken und ungestört ihren Intentionen nachgehen kann.

Mitglieder, die diesem Verfahren keine positive Seite abgewinnen können, werden ausdrücklich auf die neu vorgestellten Medikamente des Sofimed® Heilmittellabors hingewiesen, besonders Egalodoron® und Ovis silens comp®[1] werden gewiss hervorragend Abhilfe schaffen. Empfehlenswert ist auch die folgende Meditationsformel, mit der evtl. bestehendes Unbehagen wirkungsvoll beseitigt werden kann: „Bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal.“

Die Goetheanum-Leitung, 1. April 2019

[1] Nähere Angaben zu den Medikamenten erscheinen in einer Pressemitteilung der Sofimed® Heilmittel AG in „Ein Nachrichtenblatt“.

Die Würde des Goetheanums

Freitag, 23 März 2018, Generalversammlung im großen Saal, auf der Tagesordnung: Aussprache zu den Anträgen und Anliegen. In eindrücklichen Worten, mit strenger Stimme, ermahnte der Versammlungsleiter Florian Oswald die ca. 650 anwesenden Mitglieder, sie mögen sich vergegenwärtigen, in welchem Raum sie sich befinden. Dabei wies er demonstrativ auf die Deckenmalerei und die Fenster. Es sei die Würde des großen Saales zu berücksichtigen, wenn man hier spricht. Durch die von vielen Mitgliedern empfundene unangemessene und oberlehrerhafte Ermahnung entstand eine beklemmende Stimmung im Saal, in die hinein dann die Regeln für die Aussprache genannt wurden: maximal 3 Minuten Redezeit, er habe das Recht zu unterbrechen und er wolle keine Mitglieder sehen, die sich zum Sprechen an der Bühne anstellen. Man solle sich melden und er würde auswählen, wer sprechen kann. Sowohl der Inhalt als auch die Art und Weise, wie Florian Oswald selber sprach, standen im krassen Widerspruch zur Würde des Saales. Die Mitglieder nahmen die Massregelungen hin, lediglich ein Zwischenruf „was erlauben Sie sich?“ brachte die Situation auf den Punkt, blieb jedoch ohne Reaktion. In der Folge, und das dann besonders am Sonntagvormittag, sollte sich zeigen, dass die Würde durch die Mitgliedschaft gewahrt blieb, einzig aus der Goetheanum-Leitung und dem Kreis der Generalsekretäre bzw. der Landesvertreter fielen einige aus der Rolle, indem sie einzelne Mitglieder bzw. ganze Mitgliedergruppen in zum Teil hochemotioneller Art und Weise diskreditierten. Denkwürdig war der Sonntagvormittag, als einige Leitungspersönlichkeiten ihre Empörung über das Abstimmungsergebnis zum Ausdruck brachten und den Mitgliedern regelrecht die Leviten gelesen haben.

Nein, der Würde des Goetheanums und der Gesellschaft entsprach vieles nicht, was durch die Leitung der Gesellschaft und der Hochschule zu verantworten war:

  • Der Umgang mit der Zäsur von Bodo von Plato und Paul Mackay war im Grunde eine Verhöhnung der Mitgliedschaft, angesichts der 2011 zur Einführung der Zäsur vorgeschobenen Begründung, man wolle die Mitgliedschaft mehr einbeziehen und der nahezu vollständigen Nicht-Information (und damit Nicht-Einbeziehung) der Mitglieder in Bezug auf die Zäsur 2018. (Siehe „Ein neues soziales Feld entwickeln“ in dieser Ausgabe)
  • Die regelrechte Treibjagt und Diskreditierung der Vorstandsmitglieder AGiS, die sich auf Nachfrage des Vorstands am Goetheanum die Freiheit erlaubt hatten, eine Amtszeitverlängerung nicht zu befürworten.
  • Die Berichterstattung darüber in Anthroposophie weltweit, die in dem Beitrag von Jaap Sijmons gipfelte.[1]
  • Durch die zeitliche enge Vorgabe des Vorstandes für die Behandlung von Mitgliederanträgen und -Anliegen 2018 und 2019 wird deutlich gemacht, dass man einen Einbezug der Mitgliedschaft nicht wünscht, es drückt sich darin eine regelrechte Missachtung der Mitgliedschaft aus, die 2019 insofern noch gesteigert ist, indem die Anträge und Anliegen nicht wie seit Jahrzehnten üblich im vollen Wortlaut in AWW veröffentlicht wurden und auch eine Übersetzung bisher nicht erfolgt ist (Stand 22. März 2019).
  • Die Ignoranz der Leitung gegenüber den Argumenten und Gründen derjenigen, die einer Amtszeitverlängerung nicht zustimmen konnten.
  • Die Verheimlichung der Tragweite der Aufgabendelegation an die Goetheanum-Leitung, die 2012 vereinbart wurde, der Mitgliedschaft jedoch erst 2018 durch den dritten Mitgliederbrief offenbart wurde.
  • Die Veröffentlichung der Beiträge „Die offene Anthroposophie und ihre Gegner“[2] und die darin enthaltene vollkommen haltlose Diskreditierung von Mitgliedern – und Rudolf Steiner, verantwortet durch den Chefredakteur und den Sprecher des Goetheanum – damit verantwortet auch durch die Gesellschaftsleitung!
  • Die unwahre Berichterstattung in den Publikationsorganen der Gesellschaft, die im Grunde durch ein sehr deutliches Votum der Mitgliedschaft an der Generalversammlung 2018 zu einem entsprechenden Antrag (Antrag 8) bestätigt wurde. Sowohl diese Tatsache als auch die in dem Antrag genannten Beispiele unwahrer Berichterstattung wurden durch das totale Schweigen der Leitung und der Redaktionen ebenfalls als zutreffend bestätigt.
  • Im Zuge der Rechenschaft zu der Faustinszenierung 2016 wurde die Unfähigkeit der Leitung deutlich, bei der selber in Auftrag gegebenen Faustinszenierung im Gegensatz zu vielen Mitgliedern nicht rechtzeitig erkennen zu können, dass diese „spirituell nicht genügend durchdrungen“ (Bodo von Plato) war (Paul Mackay, warum es so lange gedauert habe: „Wir haben eben so lange gebraucht.“). Auch für die Neu-Inszenierung 2020 ist nicht zu erwarten, dass diese der Würde des Goetheanums angemessen sein wird. (Siehe ‹FAUST 2020› in „Ein Nachrichtenblatt“ Nr. 5, 10. März 2019).
  • „Seit über 10 Jahren zeichnet sich ab, dass am Goetheanum die Spanne zwischen Ausgaben und Einnahmen zu gross wird“, so lautete die Feststellung des Vorstandes im Jahr 2010. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren in dramatischer Weise zugespitzt. Auch nach fast 20 Jahren kann vom Vorstand nicht erläutert werden, wie das Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes erreicht werden soll.
  • Weiter könnte der Umgang mit dem Zander-Zitat im Zusammenhang mit der Ausstellung „Rudolf Steiner Bilder“, die öffentliche und weltweite ungerechtfertigte Diskreditierung eines Mitgliedes durch J. Wittich in diesem Zusammenhang, der Umgang und die Haltung zur „Steiner Kritischen Ausgabe“ von Christian Clement und vieles andere mehr genannt werden.

Als wenn das alles nicht reichen würde – nun auch noch dieses:

Fotoshooting für Modewerbung im und am Goetheanum, im großen Saal, die Fenster im Hintergrund und, ganz gezielt, auch die Deckenmalerei. Ein Model in aufreizenden Pose, gekonnt inszeniert im oberen Saaleingang, das rote Fenster im Hintergrund (auch wenn es nicht auf den ersten Blick erkennbar ist) und auf weiteren Bildern Models in Eurythmie persiflierenden Stellungen Und als wenn das nicht schon genug wäre auch noch der Sektionsleiter, Mitglied der Hochschulleitung und Lektor sowie weitere Mitglieder des Goetheanum-Eurythmie Ensembles als Models in Designerklamotten und halbeurythmischen Posen!

Zu den Fotos

Aus der Erklärung von W. Held: „Das Goetheanum erhält beinahe wöchentlich Anfragen von Redaktionen und Agenturen, den Bau von außen und innen fotografieren oder filmen zu dürfen. In der Mehrzahl der Fälle – wenn es um Produktmarketing geht – lehnen wir solche Gesuche ab, um die Identität des Goetheanum zu schützen. … Die Tatsache, dass Lukas Wassmann, der Fotograf des im Magazin publizierten Beitrags, seiner verstorbenen Mutter, die, selbst Eurythmistin, an der Else-Klink-Eurythmieschule als Haushälterin tätig war, diese Fotoserie widmen wollte, ließ uns sein Vorhaben wohlwollend prüfen. In diesem Fall haben wir nach Rücksprache im Haus der Fotoserie zugestimmt. “

Hier stellen sich gleich mehrere Fragen: Der einzige positive Grund, der von Wolfgang Held genannt wird, ist die Tatsache, dass der Fotograf der Sohn einer verstorbenen Eurythmistin gewesen ist. Das allein soll ausgereicht haben, um ein Vorhaben für eine Produktwerbung, die als Reportage getarnt ist, zu genehmigen? Und mit wem hat er Rücksprache gehalten, wer ist mit „im Haus“ gemeint, den er gefragt hat und der letztlich für die Genehmigung den Ausschlag gegeben hat? Und wie sind die Mitglieder des Eurythmie Ensembles dazu gekommen, als Models mitzumachen? Haben sie von der Bühnenleitung oder der Sektionsleitung einen entsprechenden Auftrag erhalten? Von Justus Wittichs Stellungnahme wurde berichtet: “Justus Wittich sprach von einer Gratwanderung, den der arme Wolfgang Held beschreiten müsse, um solche an das Goetheanum gestellte Anfragen zu entscheiden. Er [J. Wittich] habe sich die Bilder angeschaut und den Text hierzu [der Reportage] gelesen, und er meine, die Bilder seien grossartig, man hätte so etwas auch mit anthroposophischen Bekleidungsideen längst machen sollen, und der Text sei von allerhöchster Qualität.”

Wenn in der Leitung des Goetheanum und der Gesellschaft schon kein Gespür mehr für die Würde des Hauses vorhanden ist (man vergegenwärtige sich, dass es sich bei den Leitenden um Mitglieder der Hochschulleitung handelt, die zumeist auch Lektoren sind, d. h. Klassenstunden halten) muss man doch fragen, ob denn niemand auf die Idee gekommen ist, dass diese vollkommen unnötige Aktion von sehr vielen Mitgliedern empört abgelehnt werden könnte?  Zu meinen, man habe das nicht bedacht, wäre wohl eine Beleidigung der intellektuellen Fähigkeiten der Verantwortlichen.

Zur Würde des Goetheanums gehört auch, inwieweit wahr und ehrlich  im Goetheanum gesprochen (und geschrieben) wird. Die Zäsur wurde 2011 eingeführt, weil „auch die Mitglieder verstärkt in die Verantwortung einbezogen werden“ [3] sollten und „Gern möchten wir die Zusammenarbeit der Mitglieder mit den Verantwortungsträgern verstärken, sodass die Gesellschaft zum Partner des Vorstands wird und sich nicht als Gegenüber versteht.“[4] Hatte die Entwicklung der letzten Jahre bereits gezeigt, dass davon keine Rede sein konnte, wird jetzt durch den Antrag von Paul Mackay zugegeben, dass  es sich bei den damaligen Begründungen und Aussagen um Unwahrheiten – oder wohl doch: um bewusste Lügen – gehandelt hatte, eine schwere Verletzung der Würde des Goetheanum und der Gesellschaft und, so stellte sich jetzt heraus, ein schwerer Vertrauensbruch gegenüber der Mitgliedschaft, denn, wie schon angedeutet, wurde nichts von dem, was damals versprochen wurde, auch nur im Ansatz zu realisieren versucht. Im Gegenteil, wie die Zäsur 2018 gezeigt hat und wie sich jetzt für die Zäsur 2019 ebenfalls abzeichnet. So ist die Begründung, die Paul Mackay vorbringt, ein regelrechter Paukenschlag: denn er gibt heute unumwunden zu, dass die damalige Einführung der Zäsur eine taktische Gegenreaktion auf den damaligen Abwahlantrag war. Nachdem er nun Opfer seiner eigenen Taktik geworden ist, möchte er dass die Amtszeitbegrenzung wieder aufgehoben wird. Dieses Vorgehen erscheint an unverfrorener Dreistigkeit kaum noch zu überbieten zu sei. Oder doch? Denn ist es vorstellbar, dass dieser Antrag von ihm nicht im Einvernehmen mit dem Vorstand, der Goetheanum-Leitung und/oder den Generalsekretären gestellt wurde? Auch dieses Vorgehen ist mit der Würde nicht nur des großen Saales sondern der Gesellschaft, der Anthroposophie und einer Verantwortung der Hochschule gegenüber vollkommen unvereinbar.

Die Genehmigung des Jahresabschlusses und die Entlastung des Vorstandes erfolgen an den Generalversammlungen in aller Regel mit grosser Mehrheit, auch wenn in den letzten Jahren die Enthaltungen (die wohl gezählt, aber nicht gewertet werden) durchaus zugenommen haben. Die Zustimmung und Entlastung entspricht einem Auftrag: „Bitte weiter so!“ Angesichts dieses Auftrags seitens der Mitglieder ist es dann aber auch nicht verwunderlich, wenn sich die hier beispielhaft angeführten Zu- und Missstände fortsetzen und steigern.

Thomas Heck, 22. März 2019

[1] Anthroposophie weltweit 7-8/18 und „Wann treten Sie zurück?“, Ein Nachrichtenblatt Nr. 18, 16. September 2018 bzw. www.gv-2019.com/letter-to-sijmons

[2] Anthroposophie weltweit 7-8/18

[3] Anthroposophie weltweit 3/11

[4] Anthroposophie weltweit 5/11

Anträge und Anliegen GV 2019

„Die modernste Gesellschaft, die es geben kann …“

Für Rudolf Steiner bestand mit dem Beginn des öffentlichen Wirkens für die Anthroposophie und die Ermöglichung neuer christlicher Mysterien von Anfang an die Notwendigkeit, dafür einen geeigneten Gesellschaftszusammenhang zur Verfügung zu haben. Die alten, auf autoritativen Formen und strengen Regeln beruhenden Sozial-Zusammenhänge, in denen das Mysteriengeschehen stattfand, kamen für den zur Freiheit strebenden Menschen nicht mehr in Frage, sie waren nicht mehr zeitgemäss. „Wir haben kein Recht, Autorität zu erzwingen: Erste Gemeinschaft, die Organisation mit Freiheit anstrebt.“[1] so Rudolf Steiner im Jahr 1906 an der Generalversammlung der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Nachdem ein Wirken im Rahmen dieser Gesellschaft nicht mehr möglich war, erfolgte die Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft 1913 in Köln. Im Gegensatz zur Theosophischen Gesellschaft übernahm Rudolf Steiner in dieser Gesellschaft keine Leitungsaufgaben, worauf er nach der Weihnachtstagung hinwies:

„Als die Anthroposophische Gesellschaft 1913 begründet worden ist, hat es sich darum gehandelt, einmal wirklich aus einem okkulten Grundimpuls heraus die Frage zu stellen: Wird diese Anthroposophische Gesellschaft sich weiter entwickeln durch die Kraft, die sie bis dahin in ihren Mitgliedern gewonnen hatte? Und das konnte nur dadurch auserprobt werden, dass ich selber, der ich ja bis dahin als Generalsekretär die Leitung der Deutschen Sektion hatte, als welche die anthroposophische Bewegung in der Theosophischen Gesellschaft drinnen war, dass ich selber dazumal nicht weiter die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft in die Hand nahm, sondern zusehen wollte, wie diese Anthroposophische Gesellschaft sich nun aus ihrer eigenen Kraft entwickelt.“[2]

Die Mitglieder konnten die Impulse nicht ergreifen und nach dem vergeblichen Bemühen um eine Konsolidierung der Gesellschaft im Jahr 1923, hatte Rudolf Steiner erwogen, sich ganz von der Anthroposophischen Gesellschaft zurückzuziehen.[3] Erst kurz vor der Weihnachtstagung fällt der endgültige Entschluss zur Neubegründung, „nach schwerem inneren Überwinden“[4], ein letzter Versuch, so schreibt Rudolf Steiner am 1. Dezember 1923 an Marie Steiner: „Denn ich setze für die Gesellschaft gewissermaßen letzte Hoffnungen auf die Weihnachtszusammenkunft.“[5] Es handelte sich um einen frei gefassten Entschluss von Rudolf Steiner, die Initiative zu der Neugründung zu ergreifen und auch mit der Aufgabe des 1. Vorsitzenden die Leitung der Gesellschaft wieder zu übernehmen. Er allein entwickelt die Statuten, bestimmt die Struktur und die Gestalt dieser Neugründung. Die Einsetzung des Vorstandes erfolgt einerseits durch ihn, er bezeichnet dies selbst als „etwas aristokratisch gehandhabte Einsetzung des Vorstandes.“[6] Die tatsächliche Einsetzung des Vorstandes und die Entstehung der Gesellschaft ist aber von der Zustimmung der Mitglieder abhängig. Die Initiative geht vollständig von Rudolf Steiner aus, die freie Tat eines Menschen einerseits, gleichzeitig ein esoterischer Vorgang und eine esoterische Handlung eines Eingeweihten andererseits, den Impulsen der geistigen Welt folgend, um wieder eine Verbindung zwischen der geistigen Welt und den Menschen zu ermöglichen. Ein eigentlich in sich widersprüchliches, von der Zeit gefordertes völlig neues Unterfangen: Eine Synthese aus der streng hierarchischen Ordnung der geistigen Welt und den Anforderungen einer durch die Mitglieder selbst bestimmten Organisation, die dem sich zur Freiheit entwickelnden Menschen Rechnung trägt. Diese Synthese kann nicht ausschliesslich auf einer bestehenden Rechtsordnung gründen, dazu ist ein freies Vertrauensverhältnis notwendig, dass das jeweilige Überhandnehmen des aristokratischen oder des demokratischen Prinzips ausschliesst. Rudolf Steiner am 25. Dezember 1923 während der Statutenbesprechung:

„Also ich meine, in der Praxis wird kein so großer Unterschied sein zwischen Demokratie und Aristokratie. Wir könnten ja in den nächsten Tagen einmal die Probe aufs Exempel machen und könnten fragen, ob der Vorstand, den ich vorgeschlagen habe, gewählt oder nicht gewählt wird. Dann hätten wir ja auch eine demokratische Voraussetzung; denn ich setze voraus, daß er gewählt wird, sonst würde ich doch auch wieder zurücktreten! Nicht wahr, es muß doch Freiheit herrschen. Aber, meine lieben Freunde, Freiheit muß auch ich haben. Ich kann mir nichts aufoktroyieren lassen. Freiheit muß doch vor allen Dingen auch derjenige haben, der die Funktion ausüben soll.“[7]

Die Freiheit Rudolf Steiners besteht darin, dass er zurücktreten würde, wenn ihm der von ihm vorgeschlagene Vorstand von den Mitgliedern nicht zur Seite gestellt oder das Vertrauensverhältnis auf andere Art und Weise beeinträchtigt worden wäre.

Die Statuten dieser Gesellschaft

„… sind auf das rein Menschliche eingestellt. Sie sind nicht eingestellt auf Prinzipien, sie sind nicht eingestellt auf Dogmen, sondern in diesen Statuten ist etwas gesagt, was rein an das Tatsächliche und Menschliche anknüpft, meine lieben Freunde.“[8]

Rudolf Steiner stellt seine Initiative frei vor die versammelten Mitglieder hin, er bezieht sie ein durch die intensive Beratung der Statuten und die Beantwortung von Fragen, er erläutert jede Formulierung bis ins Detail und begründet gegenüber den Mitgliedern jede Entscheidung in Bezug auf die Vorstandsmitglieder und die Sektionsleiter. Der gesamte langwierige Prozess ermöglichte den Mitgliedern jeden Schritt vollbewusst zu durchdringen und mittragen zu können.

Die Vorstandseinsetzung wird dann durch die Mitglieder bestätigt:

„Dann bitte ich Sie, jetzt nicht durch eine Abstimmung in dem Sinne wie die früheren Abstimmungen waren, sondern mit dem Gefühl: Sie geben diesem Grundcharakter der Führung einer wirklichen Anthroposophischen Gesellschaft recht, bitte ich Sie, Ihre Zustimmung dazu zu geben, dass dieser Vorstand hier für die Führung der Anthroposophischen Gesellschaft gebildet werde.“ [9]

Auch den Statuten als Ganzes stimmen die versammelten Mitglieder am 28. Dezember 1923 zu.

Die Mitglieder bilden so in freier Selbstbestimmung nach der Initiative Rudolf Steiners mit ihm diese neue Gesellschaftsform. Es vereinigt sich das aristokratisch-esoterische Prinzip der Initiative „von oben nach unten“ aus der geistigen Welt heraus mit dem irdisch-demokratischen Prinzip, hier der Bestätigung der geschaffenen Wirklichkeit durch die Zustimmung „von unten nach oben“. So entsteht die modernste Gesellschaft, die es geben kann – „denn die modernste Gesellschaft soll eben die Anthroposophische Gesellschaft sein, die hier begründet wird“[10]

Bestand wird dieses Gebilde nur dann haben können, wenn es aus dem Bewusstsein dieser besonderen Gestalt jenseits rechtlicher Ansprüche das „Leben“ aus dem gegenseitigen Vertrauen gestalten kann.

„Man sollte sich zum Bewusstsein bringen, dass damit die Anthroposophische Gesellschaft eigentlich einen esoterischen Charakter bekommen hat; nicht mehr eigentlich eine Vereinigung wie andere ist, sondern etwas ist, was selber Anthroposophie wirken will. Das wird sie nur können, wenn dieses wirklich überall verstanden wird. Denn Anthroposophie kann wirklich nur in voller Freiheit wirken, wenn dieses Wirken überall immer auf Verständnis auftrifft. Anthroposophisches Wirken kann kein Wirken von oben herein sein, obwohl es ein Wirken sein muss, das von Initiative abhängig ist. Deshalb haben wir bei der Dornacher Tagung so stark betont, dass der dort gebildete Vorstand ein Initiativvorstand, und nicht ein Verwaltungsvorstand sein will. Man wird deshalb auf dasjenige sehen müssen, was er tut, weil ihm etwas einfällt, weil er Gedanken und Ideen hat zum Wirken, weil er ein Initiativvorstand ist. Und als solchen wird man ihn anzusehen haben als eine Art wirklichen esoterischen Mittelpunkt der anthroposophischen Bewegung. In viel höherem Grade als das bisher der Fall war, wird man anthroposophische Bewegung und Anthroposophische Gesellschaft zu identifizieren haben. Sie werden eins sein. Nur unter diesen Bedingungen konnte ich mich selber entschließen, den Vorsitz zu übernehmen und diese Gesellschaft bei der Dornacher Weihnachtstagung zu ersuchen, denjenigen Vorstand mir an die Seite zu stellen, mit dem ich glauben kann, dass ich meine Intentionen durchführen kann.“ [11]

Die eigentliche Gesellschaftsbildung entsteht in der Mitte, es ist ein lebendiger Prozess, im vertrauensvollen Zusammenwirken dadurch, dass die geistigen Impulse von den Mitgliedern ergriffen werden und sich diese um die Verbindung zur geistigen Welt bemühen. Es entstand so in diesem Zusammenwirken der Initiative Rudolf Steiners als Repräsentant der geistigen anthroposophischen Bewegung mit den sich frei in diese Gesellschaft stellenden Mitgliedern eine Art dreigliedriges Wesen. Dessen Mitte konnte als atmendes pulsierendes Leben nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit entstehen, indem die Mitglieder die Intentionen Rudolf Steiners in Freiheit bejahen und verwirklichen und damit gleichzeitig durch ihre Arbeit aus dem Umkreis die individuellen Bausteine für das „geistige Goetheanum“ bringen.

So war die modernste Gesellschaft entstanden, die es geben kann. Was aus daraus geworden ist, soll im nächsten Jahr angeschaut werden.

Thomas Heck

[1] Zitiert nach Hella Wiesberger, GA 259, 1991, S. 843

[2] GA 260a, 1987, S. 204, Hervorhebung Thomas Heck

[3] U.a. in Dr. F. W. Zeylmans van Emmichoven: Entwicklung und Geisteskampf 1923-1935, Den Haag, 1935 oder GA 232, 1998, S. 234.

[4] GA 260, 1994, S. 39

[5] GA 262, 2002, S. 361

[6] GA 260, 1994, S. 82

[7] GA 260, 1994, Seite 82f

[8] GA 260, 1994. Seite 41

[9] GA 260,1994, Seite 162

[10] GA 260,1994, Seite 125

[11] GA 260a, 1991, S. 182f

Ein aphoristisches Fragment zur Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft

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Nach dem Brand des ersten Goetheanum 1922/23 hatte Rudolf Steiner den desolaten Zustand der 1913 in Köln gegründeten Anthroposophischen Gesellschaft deutlich und mehrfach benannt. Das Jahr 1923 war geprägt davon, dass er seine öffentliche Vortragstätigkeit stark einschränkte und sich vor allem anderen der Konsolidierung der Gesellschaft widmete. Mehrfach hatte er ernsthaft erwogen, sich aufgrund der Situation der Gesellschaft, die dadurch geprägt war, dass eine „innere Opposition“ (s.u.)7 gegen ihn entstanden war und die Mitglieder seine Impulse völlig ungenügend aufgegriffen hatten, gänzlich abzuwenden und in einem kleinen Kreis, einer Art Orden oder Bruderschaft, weiter zu arbeiten.13

Wir haben heute wenig im Bewusstsein, in welchem Zustand die Anthroposophischen Gesellschaft sich im Jahr 1923 befand und was dies für Rudolf Steiner bedeutete. [1] Die folgende kleine Auswahl von Zitaten kann dies deutlich machen:

„Aber zerfallen wird sie [die Gesellschaft] ganz sicher, wenn sie, da sie jetzt zu alledem, was sie schon hat an äußeren Begründungen, auch noch das Goetheanum wieder aufbaut, wenn nicht jenes Bewußtsein entsteht, von dem ich in diesen Vorträgen gesprochen habe [GA 258], wenn diese Selbstbesinnung nicht da ist. Dann aber, wenn sie zerfällt, wird sie sehr rasch zerfallen. Aber das hängt ganz von dem Willen derer ab, die innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft sind. Anthroposophie wird sicher nicht aus der Welt geschafft. Aber sie könnte für Jahrzehnte und länger, ich möchte sagen, in einen latenten Zustand zurücksinken und dann später wieder aufgenommen werden. Es wäre aber Ungeheures verloren für die Entwickelung der Menschheit.“[2]

Insbesondere gegenüber den leitenden Funktionären der Gesellschaft[3] sprach sich Rudolf Steiner deutlich aus: „Diese Gesellschaft ist im Zerfall begriffen“[4],  „Es kann so nicht weitergehen“[5], „Die Anthroposophische Gesellschaft ist überall ahrimanisch durchlöchert“[6] und „Meine lieben Freunde, ich habe oftmals … davon gesprochen, daß eine innere Opposition innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft vorhanden ist gegen dasjenige, was ich manchmal aus dem Zentrum der Anthroposophie heraus zu vertreten habe.[7]

 Aus Briefen, die Rudolf Steiner an Edith Maryon schrieb:

“… Für die Gesellschaft habe ich eigentlich nur zu sagen, dass ich am liebsten nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte. Alles, was deren Vorstände tun, widert mich an“

„… Es schläft hier die A. G. weiter, man bringt sie zu keinem Erwachen“

„… in der Gesellschaft geht es ganz unglaublich schrecklich. Aus allen Ecken kommen die Unmöglichkeiten“

„… Sonst ging alles gut mit der allerdings gewichtigen Ausnahme, dass auch unsere Wiener Mitglieder schlafen“

“Es scheint eben doch alles auch in der anthrop. Ges. in das Chaos einzumünden. … die Ges. ist auch hier in einer gräulichen Verfassung, Uneinigkeit, Ungenügendheit usw. “[12]

  1. W. Zeylmans van Emmichoven berichtet von einem Gespräch mit Rudolf Steiner:

„Wie schwer diese Sorgen auf Rudolf Steiners Seele lasteten, ging hervor aus einem Gespräch am 17. November 1923, am Vorabend der Bildung der Anthroposophischen Gesellschaft in Holland, als er seine Zweifel darüber äußerte, ob ein Weitergehen mit der Gesellschaft als solcher überhaupt noch möglich sei. Er beklagte sich darüber, daß man nirgends zu verstehen scheine, was er überhaupt wolle und daß es vielleicht nötig sein würde, mit nur ganz wenigen Menschen innerhalb eines strengen Zusammenschlusses weiter zu arbeiten.[13]

Am 23. Dezember 1923, am Vorabend der Weihnachtstagung, Rudolf Steiner:

„Es ist schon so, daß gegenwärtig die Dinge sehr, sehr ernst, bitter ernst genommen werden müssen. Sonst müßte eigentlich dennoch dasjenige eintreten, wovon ich ja oftmals gesprochen habe, daß ich mich von der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen müßte.“[14]

Erst am 17. November 1923 in Den Haag fiel die endgültige Entscheidung für die Weihnachtstagung und die Neugründung der Gesellschaft, die entscheidende Frage hatte Ita Wegman gestellt. Rudolf Steiner schrieb an Marie Steiner: „Denn ich setze für die Gesellschaft gewissermassen die letzte Hoffnung auf die Weihnachtszusammenkunft.“[15]

Die Begründung der neuen Gesellschaft und der Hochschule ging allein von ihm aus, es war seine Initiative, er übernahm selber den Vorsitz und ließ sich den von ihm vorgeschlagenen Vorstand von der Gründungsversammlung an die Seite stellen, in der Hoffnung, damit seine Intentionen verwirklichen zu können:

„Nur unter diesen Bedingungen konnte ich mich selber entschließen, den Vorsitz zu übernehmen und diese Gesellschaft bei der Dornacher Weihnachtstagung zu ersuchen, denjenigen Vorstand mir an die Seite zu stellen, mit dem ich glauben kann, daß ich meine Intentionen[16] durchführen kann.“ [17]

 

Die esoterische Bedeutung des Vorstandes war allein dadurch gegeben, dass es Rudolf Steiner war, der Vorsitzender des Vorstandes war. Diese esoterische Bedeutung ergab sich nicht von Amts wegen. In Bezug auf die Übernahme des Vorsitzes in der Gesellschaft weist er immer wieder darauf hin, dass er dies tun musste

Die Situation vor der Weihnachtstagung beschreibt Gerhard v. Beckerath wie folgt

„1.  Alle endlosen Versuche Rudolf Steiners, die Gesellschaft zu einem tauglichen selbständigen Instrument für die anthroposophische (geistig-seelische) Bewegung zu erziehen, waren gescheitert. Die Gesellschaft war am Ende. Es fehlten damit auch jegliche Voraussetzungen, um aus ihrem Boden wieder eine esoterische Arbeit in einer esoterischen Schule aufzunehmen.         

  1. Auch er war an einem Ende angelangt. Der Kampf um die Gesellschaft und der mit ihm zusammenhängende, ihm zusätzlich aufgebürdete verschärfte Kampf mit den Gegnern waren unvereinbar mit seiner Geistesforschung. Ein weiterer zermürbender Kräfteverschleiß in auswegloser Situation hätte seinem Leben schnell ein Ende bereitet.
  2. Er musste versuchen, eine ganz neue Situation mit der Aussicht auf eine Wende zum Besseren herbeizuführen. In manchem schweren Moment des Versagens der Gesellschaft gegenüber dem so hässlich geführten Kampf der Gegner neigte er dazu, wie Marie Steiner berichtete, «die Bewegung ohne die Gesellschaft weiterzuführen». «Für alle Fehler der Gesellschaft werde ich verantwortlich gemacht und darunter leidet die [geistige anthroposophische] Bewegung»“[20]

Mit der Übernahme der Leitung war ein grosses Risiko verbunden, wie in Paris ausführt wurde:

„Was zu Weihnachten übernommen worden ist, war in gewissem Sinne ein Wagnis. Denn es war eine gewisse Eventualität vorhanden: diese, daß vielleicht – dadurch, daß die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft unmittelbar zusammengebracht wurde mit der Vertretung des spirituellen Weisheitsgutes – jene geistigen Mächte, welche in der geistigen Welt die anthroposophische Bewegung leiten, ihre Hände hätten abziehen können. Es darf gesagt werden, daß dies nicht der Fall war, sondern das Gegenteil ist der Fall: Mit einer größeren Gnade, mit einem höheren Wohlwollen kommen diese geistigen Mächte demjenigen entgegen, was durch die anthroposophische Bewegung fließt.“

Seine Entscheidung war von der geistigen Welt angenommen worden, aber es kam darauf an, dass die Impulse von den Mitgliedern ergriffen wurden:

„Es liegt auch in einem gewissen Sinne ein Versprechen vor gegenüber der geistigen Welt. Dieses Versprechen wird in unverbrüchlicher Weise erfüllt werden, und man wird sehen, daß in der Zukunft die Dinge geschehen werden, wie sie der geistigen Welt gegenüber versprochen wurden. So daß nicht nur der anthroposophischen Bewegung, sondern auch der Anthroposophischen Gesellschaft gegenüber dem Vorstande eine Verantwortung auferlegt ist.[21]

Das Versprechen gegenüber der geistigen Welt, für welches  Rudolf Steiner mit seinem Karma die Verantwortung übernommen hatte, konnte jedoch nur durch die Mitglieder erfüllt werden: „So daß … auch der Anthroposophischen Gesellschaft gegenüber dem Vorstande eine Verantwortung auferlegt ist.“ Diese Verantwortung bestand gegenüber Rudolf Steiner, die Mitglieder konnten sie letztlich nicht tragen.

Verbunden war mit der Situation nach der Weihnachtstagung aber auch

„daß allerdings auch — ich meine von der geistigen Seite her — sehr starke gegnerische Mächte, dämonische Machte gegen die anthroposophische Bewegung anstürmen.“[22]

Deutlich weist Rudolf Steiner darauf hin, dass die Weihnachtstagung nicht eine Tagung wie jede andere war:

„Wenn diese Weihnachtstagung nur so genommen wird, wie man so gern frühere Tagungen nahm, dann verduftet sie allmählich, dann verliert sie ihren Inhalt, und es wäre besser gewesen, man hätte sich nicht versammelt.“[23]

Man vergegenwärtige sich die Deutlichkeit und die Konsequenz dieser Aussage! Auf die Frage, wie sich die Anthroposophie und das Wirken Rudolf Steiners hätte entwickeln können, wenn man sich nicht versammelt hätte, kommen wir noch zurück.

Es trat das Befürchtete ein: Die Impulse Rudolf Steiners wurden weiterhin kaum  ergriffen, stattdessen lähmten ihn die persönlichen Bedürfnisse der Mitglieder.

Rudolf Steiner zu Ehrenfried Pfeiffer im Frühjahr 1924:

„Ein Hauptgrund dafür, dass meine Impulse nicht wirksam werden, liegt darin, dass die Mitglieder nicht auf das hören können, was ich sage, sondern sich selbst zum Ausdruck bringen wollen; und vor allen Dingen wollen sie die Menschen nicht akzeptieren, durch die ich aufgrund des Karmas wirken muss…. Wenn nur zwei zu mir halten würden, dann könnte ich meine Aufgabe, glaube ich, vollenden.“[24]

Rudolf Steiner im Nachrichtenblatt vom 19. Oktober 1924:

„Es handelt sich darum, dass, während ich den eigentlichen Kurs -Tätigkeiten, die so umfangreich in den letzten Monaten waren, durchaus gewachsen war, ich den Bogen meiner physischen Tätigkeit überspannen musste durch die übergrossen Forderungen, die neben der Kurstätigkeit aus der Mitgliedschaft kamen.  … Man denkt eben nicht oft daran, was von aussen bewirkte Überbürdung in Bezug auf Zeit bei jemand, der in geistgetragener Tätigkeit ist, für verheerende Folgen haben kann … Aber zuletzt muss ja alles das schicksalsgemäss (karmisch) empfunden werden.“

Andrej Belyj:

„Er selbst hat uns wiederholt gesagt, dass das, was ihn aufs Lager niederstreckte, die vielen Privatbesprechungen waren. 400 Besucher zählt der Torwärter in der Zeit, wo er täglich vier Vorträge gab …“[25]

Marie Steiner:

„Wir wissen, es hat nicht alles durchgeführt werden können, so wie es von Dr. Steiner beabsichtigt war. Zunächst war der Ansturm von Seiten der Mitglieder ein zu starker; um alles zu bewältigen, was an Bedürfnissen der Seelen herantrat, mußte manche eigene Intention für eine spätere Zeit zurückgestellt werden. Dann — trat der Tod dazwischen.“[26]

Wie wenig reif die Mitglieder waren und wie unrealistisch die Einschätzung diesbezüglich selbst von einem Vorstandsmitglied war, zeigt eine von Marie Steiner überlieferte Aussage von Guenther Wachsmuth:

„Dr. G. W. bringt es fertig, der Reife der majorenn [mündig] gewordenen Gesellschaft zuzuschreiben, dass Dr. Steiner dadurch die Möglichkeit gefunden hätte, sich mit ihr ganz persönlich karmisch zu verbinden.“[27]

Über die Weihnachtstagung und die an dieser

“Statt nun, wie er es sich vorher überlegt hatte, ein neues Werkzeug für sein geistiges Wirken zu schaffen [die Internationale Anthroposophische Gesellschaft], entschloss er sich, das Opfer seiner Person zu bringen. Er entschloss sich, sein Karma mit dem der Gesellschaft zu verbinden, während er früher versucht hatte, sie gleichsam auf sich selbst zu stellen und als ein sie beratender geistiger Lehrer zur Selbständigkeit hin zu erziehen. Nun sah er, dass sie diese Stufe der Reife noch nicht hatte, und übernahm den Vorsitz.“
Marie Steiner fasste zusammen:   
“Was diese Opfertat bedeutete, haben wir erlebt: Eine schier unübersehbare Fülle geistiger Offenbarungen hat er heruntergeholt, die er mit seinem physischen Tode bezahlt hat.“ [28]

Wie schon in der 1913 in Köln gegründeten Gesellschaft konnten die Mitglieder auch in dieser Neugründung die Impulse Rudolf Steiners kaum aufgreifen, der von ihm als erforderlich angesehen esoterische Zug, der durch die Gesellschaft hätte gehen müssen, erfolgte nicht, das Versprechen wurde nicht eingehalten. Und so konnte Rudolf Steiner nach neun Monaten in der Gesellschaft nicht weiter wirken, er hatte seine Intentionen nicht wie erhofft und allenfalls ansatzweise verwirklichen können. Offensichtlich konnten  die 4 x 12 Menschen[29], die von ihm hätten erkannt werden müssen, sich nicht zeigen. Ein Weiterwirken war nicht möglich.

Historisch und auch gegenwärtig lebt bei den Mitgliedern der  Gesellschaft weitestgehend das Bild, dass die Entscheidung Rudolf Steiners zur Weihnachtstagung und zur Neugründung der Gesellschaft auf jeden Fall gut und richtig war, denn ohne seinen Entschluss gäbe es die Weihnachtstagung, den Grundstein, die Grundsteinmeditation, die Grundsteinlegung und die Klassenstunden sowie die reichhaltigen Offenbarungen und Mitteilungen nicht, die im Nachgang der Weihnachtstagung erfolgt waren. Das alles ist Wirklichkeit geworden, das kennen wir.

Und wenn sich Rudolf Steiner tatsächlich zurückgezogen hätte von der Anthroposophischen Gesellschaft?

Wie wäre wohl die Entwicklung verlaufen, wenn Rudolf Steiner sich tatsächlich von der Gesellschaft zurückgezogen hätte? Er hätte gewiss seine Aufgabe und seine Mission auch weiterhin zu erfüllen versucht und in diesem Sinne weitergearbeitet. Vermutlich hätte er wesentlich länger wirken können, womöglich bis in die Dreißiger- oder gar Vierzigerjahre hinein, in denen das Erscheinen des Christus im Ätherischen erfolgen sollte. Und hätte ein mehrjähriges Weiterwirken dazu führen können, dass weitere und vielleicht sogar umfangreichere Offenbarungen und Mitteilungen in Wort und Schrift hätten gegeben werden können? Rudolf Steiner wäre gewiss seiner Aufgabe und seiner Mission, den Menschen, der Anthroposophie und den begonnenen „Projekten“ wie zum Beispiel  der Medizin, der Heilpädagogik, der Eurythmie, der Sprachgestaltung, den Naturwissenschaften und der Landwirtschaft  treu geblieben. Auch der von Marie Steiner geführte Verlag wäre gewiss nicht aufgegeben worden. Es war ja nicht die eigentliche anthroposophische Arbeit, die Forschung auf geistigem Gebiet und die Vorträge, die ihn überanstrengten: „Diese Vorträge halten mich gerade gesund”, sagte er, „das, was müde macht, das sind die toten Gedanken, die an einen herantreten, es ist der Unverstand, das Nichtverstehen der Menschen, was einen lähmt.”[30] Durch einen Rückzug Rudolf Steiners hätten sich auch nicht die bestehenden anthroposophischen Institutionen und Gruppierungen wie die Landesgesellschaften, die Zweige, und die Christengemeinschaft einfach aufgelöst, all das hätte sich auch so weiterentwickeln können und das Interesse für die Anthroposophie und der damit verbundenen und tätigen Menschen hätte zweifellos weiterhin bestanden. Insbesondere diejenigen, die sich bereits voller Enthusiasmus für die Anthroposophie einsetzten, wie zum Beispiel das Lehrerkollegium der Waldorfschule in Stuttgart. Die Gründung der Waldorfschule war keine Frucht der Anthroposophischen Gesellschaft und die Waldorfpädagogik hat sich auch in der Folge eigenständig und unabhängig vom Goetheanum entwickelt. Unter der Annahme, dass Rudolf Steiner noch viele Jahre hätte wirken können, hätte auch der Weltschulverein (der dann tatsächlich von A. Steffen verhindert wurde!) entstehen können und eine weitere Verbreitung der Waldorfpädagogik unter seiner Mitwirkung wäre möglich gewesen. Gewiss hätte auch die Klinik in Arlesheim weiterhin bestanden und die anthroposophische Medizin wäre in Zusammenarbeit mit Ita Wegman vermutlich sehr viel weiter entwickelt und auch verbreitet worden, als es so nach der Weihnachtstagung noch möglich war. Der Entschluss zum landwirtschaftlichen Kurs war bereits vor der Weihnachtstagung getroffen worden und der Kontakt nach Koberwitz bestand seit 1922. Auch auf diesem Gebiet hätte Rudolf Steiner sich weiterhin engagiert und Impulse gegeben. Die Weiterentwicklung der Eurythmie und der Sprachgestaltung waren nicht von der Gesellschaft abhängig, der öffentliche Erfolg der umfangreichen Tourneen, die Marie Steiner durchführte, waren ganz offensichtlich keineswegs  von dem Gesellschaftszusammenhang abhängig. Auch die Bereiche der Heilpädagogik, der Naturwissenschaft usw. wären von Rudolf Steiner weiter impulsiert worden, wenn er, befreit von der Last der Gesellschaft, mit den engagierten Menschen hätte weiterarbeiten können, die seine Gedanken aufgriffen und erfolgreich tätig waren. Man denke nur an Persönlichkeiten wie Carl Unger, Ludwig Polzer-Hoditz, Daniel Dunlop, Walter Johannes Stein, Lili und Eugen Kolisko, Ehrenfried Pfeiffer, Willem Zeylmans van Emmichoven, Albrecht Strohschein, Siegfried Pickert, Karl König, sowie viele mehr und natürlich Marie Steiner, Ita Wegman und Elisabeth Vreede. Die meisten der genannten Persönlichkeiten konnten nach den Ausschlüssen 1935 im Zusammenhang mit der Gesellschaft und der Hochschule nicht mehr wirken.

Grosse Projekte, wie z.B. die am 31. Dezember 1923 skizzierte Forschungsaufgabe zur Entwicklung einer anthroposophischen Methodik, die zu einer „wissenschaftlichen Gesamtanschauung“ hätte führen können und für dessen Realisierung Rudolf Steiner 50 – 75 Millionen Schweizer Franken veranschlagte[31], hätten sicherlich eines sehr grossen gesellschaftlichen Zusammenhanges bedurft. Rudolf Steiner muss ein solches Projekt an der Weihnachtstagung noch für grundsätzlich realisierbar gehalten haben, sonst hätte er nicht davon gesprochen. Allerdings liess die folgende Entwicklung ein derartiges Projekt nicht zu, es geriet „in Vergessenheit“. Ganz gewiss darf angenommen werden, dass auch die esoterische Arbeit intensiv neubegonnen worden wäre, denn diese hatte er 1918 nach dem Krieg  aufgrund der schwierigen Situation in der Gesellschaft nicht wieder aufnehmen können Und vieles andere wäre möglich gewesen. Wir können auch nicht abschätzen, welche Wirkung ein Weiterwirken in dieser Art auf die politische Entwicklung in Europa hätte haben können, auch hier wären andere Geschichts-Verläufe durchaus denkbar. Denn man darf wohl sicher davon ausgehen, dass die problematische Entwicklung in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft nach 1925 die Entwicklungen insbesondere in Deutschland eher begünstigt hatte.

Es ist im Grunde kaum auszudenken, was alles hätte entstehen können, wenn Rudolf Steiner noch 10 oder 20 Jahre hätte weiter wirken können.

Es ist bemerkenswert, dass diese Fragen bzw. diese Möglichkeiten kaum in Betracht gezogen werden und a priori der tatsächliche Verlauf der Entwicklung in gewisser Weise als alternativlos angesehen wird.

Wie es tatsächlich weiterging

Wie bereits erwähnt hatte Rudolf Steiner die Gesellschaft mit diesem Vorstand in der Hoffnung gegründet, „seine Intentionen“, seine Mission im Sinne des Zeitgeistes Michaels verwirklichen zu können. In den Statuten waren keine Regelungen aufgenommen worden, wie Vorstandserweiterungen bzw. Vorstandswahlen erfolgen sollten. Das ist sehr unüblich, jedoch von Rudolf Steiner gewiss nicht vergessen worden. Ohne eine solche Regelung hätte Schweizer Recht gegolten[33], was kaum Rudolf Steiners Intention gewesen sein kann und so muss angenommen werden, dass zumindest zunächst für diese neu gründete Gesellschaft eine Vorstandserweiterung oder eine Nachfolge nicht vorgesehen war. In Bezug auf die Hochschule wurde in den Statuten erwähnt, dass ein eventueller Nachfolger nur durch Rudolf Steiner hätte ernannt werden können. Dies war die Ausgangslage nach der Gründung der Gesellschaft und auch bis kurz vor seinem Tod hatte Rudolf Steiner weder für die Gesellschaft noch für die Hochschule sich zur Nachfolge geäussert. Eine direkte Frage von Ita Wegman kurz vor seinem Tod nach der Zukunft „wurde [von ihm] bewusst mit nein beantwortet“.[34]

Wie kann das bewerten werden? War es ein Versehen? Hatte er wirklich nicht mit seinem Tod gerechnet zu diesem Zeitpunkt und deshalb noch keine Notwendigkeit gesehen, die Nachfolge zu regeln? Ein Versäumnis kann wohl ausgeschlossen werden. Vielmehr wäre die Frage zu stellen, ob aus der Art und Weise der Gründung  und auch der Art und Weise, wie er sich als esoterischer Vorstand an die Spitze der Gesellschaft gestellt hatte, eine Fortführung sowohl der Gesellschaft als auch der Hochschule in der von ihm gegebenen Form ohne ihn aufgrund der Entwicklung nicht möglich und auch bewusst nicht vorgesehen war? Hätte denn eine esoterische Hochschule in dieser Form weiterbestehen können ohne einen esoterischen Lehrer? Gewiss, die Inhalte waren gegeben und vorhanden, damit konnte weitergearbeitet werden. Aber die freie Hochschule zu leiten hätte doch einer esoterischen Einsetzung bedurft, die nur von Rudolf Steiner hätte erfolgen können. Und auch die Gesellschaft, vor allem der Vorstand: war dieser denn ohne Rudolf Steiner noch esoterisch? Kann es einen esoterischen Vorstand als Ganzes geben, wenn die Vorstandsmitglieder nicht miteinander esoterisch arbeiten?[35] Im Vorstand kam nach Rudolf Steiners Tod nicht einmal eine exoterische Zusammenarbeit zustande. War und ist nicht die Vorstellung von einem esoterischen Vorstand nach Rudolf Steiners Tod eine vollständige Fiktion?

Bezüglich der Hochschule muss man heute vor einem Rätsel stehen, wenn ernsthaft geglaubt wird, die von Rudolf Steiner gegründete Hochschule als „Himmels-Institution“[36] habe man damals einfach fortführen können und sie bestehe auch heute noch. Diese freie Hochschule war letztlich eine Einsetzung aus der geistigen Welt, ein Nachfolger hätte nur von Rudolf Steiner ernannt werden können, dies erfolgte nicht. Kann man wirklich der Ansicht sein, dass der Vorstand[37] in spirituell berechtiger Weise die Leitung damals ergreifen und die Hochschule fortführen konnte, in dem dieser die  von Rudolf Steiner gegebenen Regeln auf sich anwendete und somit sich selber zum Nachfolger erklärte?[38] Konnte diese Leitung weiterhin beansprucht werden, auch nachdem mit Ita Wegman das einzige Vorstandsmitglied, welches von Rudolf Steiner mit Hochschulaufgaben betraut worden war, von ihren Vorstandes-Kollegen aus dem Vorstand ausgeschlossen worden war? In der neueren Zeit wurde dann irgendwann vom Vorstand die Leitung der Hochschule an die Sektionsleiter delegiert, diese haben dann die Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion ihrerseits wiederum an den Vorstand zurück delegiert und jetzt soll aus der Goetheanum-Leitung (in Zusammenarbeit mit einem Generalsekretär und einem Sektionsleiter)[39] eine neue Leitung der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion „inauguriert“ werden. Muss hier nicht die Frage gestellt werden, wer den damals und heute Handelnden die Vollmacht für derartige „Inaugurationen“[40] verliehen hat? Es mag ja mancher glauben, dass dasjenige, was heute „Freie Hochschule“ am Goetheanum genannt wird, die aus der geistigen Welt durch Rudolf Steiner gegründete „Himmels-Institution“ sei. Einer unbefangenen Erkenntnisbemühung wird dieser Glaube jedoch weder aus den historischen noch aus den gegenwärtigen Tatsachen standhalten können. Der Autor ist der Überzeugung, dass in einer freien Hochschule es heute auch nur einen freien Umgang mit den überlieferten Inhalten geben kann, ohne eine zentralistische und von Dogmen dominierte Leitung In Bezug auf die Gesellschaft ist neben der Frage, ob die an Weihnachten 1923 gegründete Gesellschaft eventuell mit Rudolf Steiners Tod aufgehört hat zu existieren bzw. ihre Existenzgrundlage verloren hatte, die Konstitutions-Entwicklung anzuschauen. So wurde an der Weihnachtstagung die „Anthroposophische Gesellschaft“ gegründet, am 8. Februar 1925 sollte der Bauverein („Verein am Goetheanum freie Hochschule für Geisteswissenschaft“, ursprünglich 1913 als „Johannesbau Verein“ gegründet) nach Rudolf Steiners Absicht als Verwaltungsgesellschaft in „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ umbenannt und die Administration der „Anthroposophische Gesellschaft“ (Weihnachtstagungs-Gesellschaft[43]) und des Goetheanums, sowie die Klinik und der Verlag als Unterabteilungen bei jeweils vollständiger rechtlicher Selbstständigkeit eingegliedert werden. Da Rudolf Steiner die notwendigen Vorgänge  zwar vorbereiten, jedoch krankheitshalber selber nicht durchführen konnte, hatte er offensichtlich Guenther Wachsmuth mit der Durchführung betraut. Irrtümlicher Weise war man allerdings offensichtlich der Ansicht, dass mit diesem Vorgang eine Integration des Bauvereines in die Weihnachtstagungs-Gesellschaft vorgesehen war und demensprechend erfolgte die mündliche Verhandlung am 8. Februar 1925 Dieses Missverständnis wurde jedoch nicht erkannt und so hatte tatsächlich, bis auf den Notar, wohl niemand verstanden, wie Rudolf Steiner die einheitliche Konstitution verwirklichen wollte, auch niemand von den Vorstandsmitgliedern. Am 22. März 1925 erschien ein Bericht im Nachrichtenblatt, der den irrtümlichen Eindruck vermittelte, am 8. Februar 1925 seien der Bauverein, die Klinik und der Verlag in die Weihnachtstagungs-Gesellschaft integriert worden. Diese Mitteilung bestand im Wesentlichen aus einer Ansprache, die Rudolf Steiner am 29. Juni 1924 bei einer außerordentlichen Generalversammlung des Bauvereines gehalten hatte, deren Inhalt jedoch so verändert, eigentlich muss man sagen: „manipuliert“ worden war, dass alle Hinweise und Namen, die sich auf den Bauverein bezogen, entfernt worden waren. Sowohl ein versehentliches Verändern dieses Textes als auch die Vermutung, Rudolf Steiner habe selber jene irreführenden Veränderungen vorgenommen, können ausgeschlossen werden.[45] Der Bericht war nicht namentlich gekennzeichnet, nur mit „der Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ unterzeichnet Rudolf Steiner selber konnte das entstandene Missverständnis bzw. diesem Irrtum erst aus dieser Veröffentlichung bemerken. Dass er ihn bemerkt hat, ist sehr wahrscheinlich, entweder bereits in den Druckfahnen oder im gedruckten Nachrichtenblatt. Niemand der übrigen Beteiligten hatte diesen Irrtum bemerkt und Rudolf Steiner darauf angesprochen. Im Grunde war mit diesem Missverständnis bzw. diesem Irrtum und vor allem dem Unverständnis auch der allernächsten Mitarbeiter in Rudolf Steiners unmittelbarer Umgebung, die Weihnachtstagungs-Gesellschaft als Grundlage für ein weiteres Wirken Rudolf Steiners zerstört. Er selber hat nichts richtig gestellt. Warum dies nicht geschehen ist, muss offen bleiben. Möglicherweise konnte er aus sich heraus nichts richtig stellen, wie es teilweise charakteristisch für sein Wirken war: So kann es sein, dass er warten musste, bis er gefragt worden wäre, bevor er hätte handeln können. Er wurde nicht gefragt. Wenige Tage später, am 30. März 1925, endete Rudolf Steiners Erdendasein.

Es ist von Rudolf Steiner keine abschliessende Beurteilung über die Entwicklung nach der Weihnachtstagung  überliefert, vermutlich gibt es eine solche auch nicht. Aber wie hätte wohl seine Beurteilung gelautet? Ist nicht zu vermuten, dass diese um keinen Deut günstiger ausgefallen wäre als die Beurteilung der gesellschaftlichen Situation vor der Weihnachtstagung? Hatte sich denn in der Mitgliedschaft überhaupt etwas geändert? Waren die Impulse Rudolf Steiners jetzt genügend aufgegriffen worden? Hätte nicht ein reicher Strom an Initiativen aus der Mitgliedschaft entstehen müssen? Einzelne haben gewiss die Notwendigkeiten erkannt und sich entsprechend engagiert. Das aber war auch schon vor der Weihnachtstagung der Fall.

Ist es nicht an der Zeit, dass wir die Geschichte und die Entwicklung der Gesellschaft endlich aufarbeiten, offen und vorurteilslos erkenntnismässig durchdringen und uns dadurch auch über die Grundlage der heutigen Situation aufklären? Können wir ohne diese Selbsterkenntnis in Bezug auf die Gesellschaftshistorie wirklich behaupten, die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft sei eine Erkenntnisgesellschaft? Ohne eine solche Erkenntnis und in Unkenntnis der Irrtümer, Fehler und Illusionen, mit denen wir leben, wird eine Erneuerung des Weihnachtstagungsimpulses zur säkularen Wiederkehr der Weihnachtstagung 2023/2024 und ein fruchtbares Wirken als Zivilisationsbeitrag für die Zukunft der Menschheit aus der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft heraus kaum möglich sein.

Thomas Heck

Dornach, 9. Dezember 2018

[1] Wer sich ein Bild über Rudolf Steiners Leidensweg mit der Anthroposophischen Gesellschaft verschaffen möchte, kann auf die sehr umfangreiche, allerdings auch ernüchternde Zusammenstellung von Zitaten und Überlieferungen von Gerhard Beckerath „Der Leidensweg Rudolf Steiners“, Dornach 2014 verwiesen werden.

[2] GA 258, 1981, S. 170, „Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Bewegung im Verhältnis zur Anthroposophischen Gesellschaft“.

[3] GA 259, 1991.

[4] GA 259, S. 223.

[5] GA 259, S. 213.

[6] GA 259, S. 302.

[7] GA 259, S. 152.

[8] GA 263/1990, S. 117.

[9] GA 263, S. 121.

[10] GA 263, S. 126.

[11] GA 263, siehe oben, S. 163.

[12] GA 263, S. 165.

[13] Dr. F. W. Zeylmans van Emmichoven: Entwicklung und Geisteskampf 1923-1935, Den Haag, 1935.

[14] GA 232, 1998, S. 234.

[15] GA 259, 1991, S. 865. Aus einem Brief von Rudolf Steiner an Marie Steiner.

[16] Hervorhebungen auch in den folgenden Zitaten Rudolf Steiners erfolgten durch den Autor.

[17] Rudolf Steiner, Prag, 29. März 1924, GA 260a, 1987, S.183.

[18] GA 260a, S. 113, 248, 263 .

[19] Gerhard von Beckerath, a.a.O., Seite 203

[20] GA 264/1996, S. 470.

[21] GA 260a, 1994, S. 335, und GA 240, 1992, S. 143, Rudolf Steiner am 18. Juli 1924 in Arnheim.

[22] GA 260a, 1994, S. 236, Rudolf Steiner am 23. Mai in Paris.

[23] GA 260a, 1987, S. 92. (Hervorhebung vom Verfasser).

[24] Ehrenfried Pfeifer, Ein Leben für den Geist, 2000 S.131.

[25] Andreij Belyj, Verwandeln des Lebens, 1977, S. 61.

[26] Rudolf Steiner: Die Konstitution der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Ihre Gliederung in Sektionen.  Verlag der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung, Dornach, 1957. Aus dem Vorwort von Marie Steiner.

[27] Marie Steiner in ihrem Brief an Richard Dürich vom 3. September 1947 in «Briefe und Dokumente», Dornach 1981, S. 330.

[28] GA 260a, S. 863).

[29] Letzte Ansprache am 28. September 1924, GA 238.

[30] Ita Wegman: An die Mitglieder, Nachrichtenblatt 4. Oktober 1925.

[31] Rudolf Steiner, Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, 1923/24, GA 260, 1994 S. 210-213f und Roland Tüscher, Anthroposophie neu erschliessen, Ein Nachrichtenblatt Nr. 19, 30. September 2018.

[32] Näheres hierzu in GA 266c, 1998, S. 353f.

[33] Nach dem Vereinsrecht würde der Vorstand von der Mitgliedschaft gewählt. Jeder könnte Vorschläge machen und jeder könnte sich auch selbst zur Wahl stellen.

[34] Ita Wegman, NB Nr. 17, 26. April 1925.

[35] Es bestanden offensichtlich sehr unterschiedliche Erfahrungshintergründe bei den Vorstandsmitgliedern bzgl. der esoterischen als auch der exoterischen Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner: M. Steiner, I. Wegman und E. Vreede waren bereits in der Theosophischen Gesellschaft mit Rudolf Steiner z.T. eng verbunden, setzten sich für die Gesellschaftsentwicklung ein und waren esoterische Schüler. Ganz anders die Situation bei A. Steffen und G. Wachsmuth, die beide erst 1920 nach Dornach kamen und die bis dahin in ihren Lebenszusammenhängen deutlich weniger mit Rudolf Steiner und der Gesellschaft in Beziehung gestanden hatten. Dies hier nur fragmentarisch als Anmerkung, eine wirkliche Beurteilung bedarf einer ausführlicheren Bearbeitung und Darstellung.

[36] GA 270c, 1999, S. 14.

[37] Dies gilt eigentlich nur für A. Steffen und G. Wachsmuth. M. Steiner hat diese Hochschulleitung zumindest später erklärtermassen nicht anerkannt und I. Wegman und E. Vreede wurden aus dem Vorstand – und damit auch aus der Hochschule – ausgeschlossen, bevor diese Frage aufkam und entsprechende Ansprüche geäussert  wurden.

[38] Zu bedenken ist, dass die einheitliche Form für alle Klassenstunden, wie sie heute gehalten werden, erst nach Rudolf Steiners Tod eingeführt wurde. Das gilt ebenfalls für das Vorlesen an sich und das Lektorensystem. Siehe hierzu: Johannes Kiersch, „Steiners individualisierte Esoterik einst und jetzt“, 2012.

[39] Siehe „Vierter Brief an die Mitglieder (Mitte Juni)“, AWW 7-8/18.

[40] Inaugurieren: feierlich einsetzen.

[41] Beispielsweise gehören neue Vorstände auch dann der Hochschulleitung an, wenn sie zuvor kein Hochschulmitglied gewesen sind und können schon nach relativ kurzer Zugehörigkeit selber Klassenstunden halten.

[42] Ein angemessener Umgang mit den Inhalten der Hochschule hätte wohl im Rahmen einer geistigen Bruderschaft ohne Machtansprüche angemessen erfolgen können. Siehe dazu: GA 54, Vortrag vom 23.11.1905

[43] Die Bezeichnung „Weihnachtstagungs-Gesellschaft“ ist ein Hilfsbegriff, mit dem die an der Weihnachtstagung 1923 begründete „Anthroposophische Gesellschaft“ von dem umbenannten Bauverein „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“, der 1913 gegründet wurde, deutlicher unterschieden wird. Zur Namensfrage siehe: Ein Nachrichtenblatt Nr. 3, 2017, 5. Februar 2017 oder http://www.wtg-99.com/name-wtg/

[44] Tagebucheintragung von Albert Steffen, 9 Februar 1925 (GA 260a, 1991, S. 22) sowie der Bericht von Hans Locher, der an der Versammlung teilgenommen hatte, in „Mitteilungen aus der anthroposophischen Bewegung, Nr. 68, 1980.

[45] Die Abweichung der in Mitteilung vom 22. März 1925 (heute in GA260a, 1987, S. 567ff) von dem Originaltext der Ansprache vom 29. Juni 1924 (GA 260a, 1987, S. 501ff) konnte nicht erkannt werden, da die Ansprache vom 29. Juni 1924 erstmals erst im Jahr 1966 veröffentlicht wurde. Ein kommentierter Textvergleich findet sich in Rudolf Saacke: Die Formfrage der Anthroposophischen Gesellschaft und die innere Opposition gegen Rudolf Steiner, 2000, ab Seite 127, auch als PDF unter http://fvn-rs.net/PDF/andere/Saacke_DieFormfrage.PDF

[46] Diese „Falsch-Mitteilung“ kann als der Beginn der irreführenden Berichterstattung angesehen werden, deren Einseitigkeit sich mit den zunehmenden Gesellschaftskonflikten steigerte und die bis heute besteht.

Myths of the constitutional question: “Amalgamation by conclusive action”.

“The General Anthroposophical Society was founded by Rudolf Steiner at the Christmas Conference 1923/24”

This statement does not correspond to the facts, since it was the “Anthroposophical Society” (Christmas Conference Society[1]) that was founded at the Christmas Conference. The “General Anthroposophical Society” is the Johannesbau-Verein (Bauverein[2]), founded in 1913, which has carried the present name since 8th February 1925 and corresponds to the society of which we are members. It has however been claimed repeatedly that there has been an amalgamation of the two societies and that in this respect the “General Anthroposophical Society” is also the Christmas Conference Society. This is based on an alleged amalgamation by “conclusive action”. As will be shown below, this is an unproven theory.

The following can be regarded as clarified today:

  • The name of the society founded by Rudolf Steiner at the Christmas Conference was “Anthroposophical Society”, not “General Anthroposophical Society”[3].
  • The “General Anthroposophical Society” is in fact the “Bauverein”, founded in 1913, which was renamed on 8th February 1925 and has carried this name ever since.

Brief historical outline

Until 1999, the leadership of the Society held the view that there was only one society, namely the General Anthroposophical Society, and that it had been founded at the Christmas Conference. As a result of the Riemer report (see below for further details), this uniform view was abandoned and from then on it was assumed that originally, two corporations had existed (Weihnachtstagungsgesellschaft and Bauverein), that an amalgamation of these two corporations had taken place, and that the General Anthroposophical Society can therefore be traced back to the Weihnachtstagungsgesellschaft after all. In 2000, a working group was formed to clarify the constitutional question, in which the legal opinion of Furrer/Erdmenger[4] led to the conclusion that an amalgamation had not taken place after all and that the General Anthroposophical Society therefore was not the Christmas Conference Society. It was assumed that the latter continued to exist as an orphaned corporation, although no general meetings had been held for more than 70 years, no executive council had existed since 1963, no members had been admitted for more than 70 years and thus hardly any members were left[5]. There had never been any awareness of this supposedly separate existence during the period from 1925 to 2002. With the Extraordinary General Meeting at Christmas 2002, this orphaned and allegedly still existing society was to be “revived”. Two groups of members sought judicial clarification against the actions of the Executive Council. After the courts had failed to agree with the arguments of the Executive Council even in the second instance, the Executive Council explained[6] in 2005 why the judgments were actually wrong and justified this with a statement from March 2005[7], commissioned from the lawyers Furrer and Erdmenger. Nevertheless, the Executive Council has itself referred to this judgment (which it had regarded as wrong) from then on and since 2005 has put forward the opinion that an amalgamation had taken place and that the General Anthroposophical Society therefore is the Christmas Conference Society after all. Paul Mackay claimed that this had been established “by Swiss jurisdiction” and Justus Wittich stated in 2014 that this was the case “from the point of view of the competent cantonal courts”[8].

This much for a brief outline. The following will be clarified and presented below:

  • why the assumption that an amalgamation had taken place is an unproven theory,
  • why the Riemer expert opinion does not carry any value of knowledge and
  • that the judgments as well as the reasons for those judgments by the courts principally cannot have any value in the sense of true findings.

The theory of an “amalgamation by conclusive action” (“Fusion durch konkludentes Handeln”)

“In general, a theory is knowledge gained by thinking as opposed to knowledge gained by experience”[9]. Experiential knowledge can be gained from a historical event by means of reports, documents or other “traces” or results left behind by it. No such evidence exists with regard to a possible amalgamation of the “Anthroposophical Society” (Weihnachtstagungsgesellschaft) and the “General Anthroposophical Society” (renamed Bauverein): There are neither reports nor documents, nor any other suitable indications. The course of events between the Christmas Conference and the General Meeting in 1925 is well documented, and the legal actions necessary for an amalgamation would certainly have left enough “traces”, since both bodies would have had to pass resolutions at general meetings and a written amalgamation agreement would also have been necessary. There is no indication of any such event or agreement, even if one assumes that not all formal necessities were adhered to at that time.

Therefore, according to the current state of facts, there is no empirical knowledge of an amalgamation of the two bodies and if such an amalgamation is nevertheless to be assumed, it would consequently be dependent on the formation of theories.

It is now claimed that the amalgamation took place by “conclusive action” and that this explains the lack of supporting documents.

What is a “conclusive action” (konkludente Handlung)?

A conclusive action is one which clearly shows that the acting person consciously intends to perform a certain legal act without making a declaration of intention or concluding a contract, either orally or in writing. If, for example, someone takes a newspaper out of the kiosk display and puts the money on the counter, this constitutes a conclusive action which creates a sales contract. Similar things often happen in everyday life. It is however hard to imagine that a complex legal process, such as the amalgamation of two associations or legal entities, could take place by conclusive action. It should not be overlooked that the person performing such a conclusive action must always be aware of the significance of this action. An amalgamation which happened “by mistake” and remained unnoticed for more than 70 years is simply impossible. This means that both the members of the Christmas Conference Society and the members of the Bauverein should have been aware[10] that an amalgamation had been decided and implemented. There is no record of that. Moreover, as explained above, there was no possibility, not even implicitly, to take such a decision.[11]

The Riemer report

In “Anthroposophy Worldwide” 9/1999, Paul Mackay reproduced an assessment of the constitutional problem by Prof Riemer[12], which was a written reproduction of the contents of a telephone call[13].  In “Anthroposophy Worldwide” 3/2000, this assessment then appears under the heading “Legal Opinion”. As is generally the case with expert opinions, all underlying bases for judgement were listed. These show that no written documents were available for evaluation, not even the Statutes. The society, which was founded in 1923/24, is not referred to by its real name, but only by “Christmas Conference Society”. The expert opinion was based on the following assumptions:

  • The Christmas Conference Society was founded in the period from 24 December 1923 to 1 January 1924, whereby it can be assumed that it was formed as an association within the meaning of Art. 60ff. of the Swiss Civil Code ZGB.
  • On 8 February 1925, the name of the existing association “Association of the Goetheanum of the School of Spiritual Science” [Bauverein] (“Verein des Goetheanum der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft”), which had already been on the commercial register for some time (also in accordance with the meaning of Art. 60ff. of the Swiss Civil Code), was changed to “General Anthroposophical Society” (GAS), and at the same time the composition of the association’s executive council was changed so that its executive council and the executive council of the Christmas Conference Society became identical. The changed name was subsequently entered in the commercial register.
  • Ever since then, the association has had a uniformed existence under the name “General Anthroposophical Society” (GAS). This uniform association life under the name “General Anthroposophical Society” refers particularly to General Assemblies, the acquisition of membership, the Executive Council and the Association’s assets, as well as to external relationships.

This is far too little information for a viable assessment, the actual events are not taken into account and the legal assessment is thus also formulated rather vaguely:

“In my opinion, it is … more obvious and also more appropriate to assume a conclusive amalgamation …”

Even though “legal opinion” was chosen as the heading, these are merely considerations based on insufficient information and by no means a well-founded expert opinion. Moreover, it remains a mere theory here as well, since the question of whether, how and when an amalgamation actually took place or could have taken place was not posed in the first place.

The Processes around the Constitutional Question in 2003 and 2004

Since 2005, the leadership of the Society has claimed that “…it has been determined by Swiss jurisdiction and is legally final and binding for the future”, that an amalgamation has taken place (the complete quote: see below).

Swiss jurisdiction most certainly meets the highest standards and its judgments are of great importance. This also applies to the judgments referred to here. The only problem is how to refer to them and how to use them:

  1. Self-acquired knowledge is substituted by a foreign knowledge, without revising the original own knowledge and without emulating the “foreign” knowledge. Due to the general reputation of the court, one’s own knowledge is replaced by the (alleged) court decision and made one’s own. That’s nothing other than “belief in authority”. In addition, the Executive Council, which had its own insights and confirmed their correctness even after the proceedings had been concluded in 2005, nevertheless adopted the “alleged court knowledge” as its own, even though it contradicted its own findings!6,7 Consequently one must actually speak of a belief in authority against better knowledge!
  2. It is in the nature of civil proceedings that only the facts presented by the parties may be taken into account by the court[14]. In civil proceedings, the court has no mandate to clarify the facts objectively; asking questions and conducting proceedings “must not lead to the facts being established ex officio”[15]. The primary objective is to resolve the dispute. It follows clearly from this that a judgment arising from civil proceedings cannot be ascribed a general value in terms of knowledge or truth.

Although it has already been clarified that the judgments are fundamentally unsuitable as a substitution for knowledge, it must be pointed out that the judgments say nothing at all about whether an amalgamation took place or not. The possibility of an amalgamation is only mentioned in the “deliberations” made by the court and set out in the so-called grounds for judgment, without clarifying whether such an amalgamation would have been at all possible in this specific case.[16]

Paul Mackay’s statement of 19 March 2005[17]:

“According to Swiss jurisdiction it is thus legally conclusive and also binding for the future that on 8th February 1925, the association which Rudolf Steiner founded during the Christmas Conference on 28th December 1923 was merged into the association which at that time had already existed since 1913.”

and the Declaration by Justus Wittich of 2014[18]:

“From the point of view of the competent cantonal courts, the legal conduct of the Executive Council and the members of the Anthroposophical Society over the decades had led to a “conclusive amalgamation” of the General Anthroposophical Society (founded during the Christmas Conference 1923/24) and the Bauverein.”

How is it to be seen if the Executive Council of an anthroposophical society substitutes its own knowledge for the belief in authority in relation to a judgment from a civil lawsuit, which even in principle, as has been described, has no objective truth content, and rates it higher than the existing and correctly recognized own judgement of knowledge whilst this “adopted” view of knowledge completely contradicts one’s own knowledge?

Summary

  1. The assumption that an amalgamation of the corporate bodies of the Christmas Conference Society and the General Anthroposophical Society (former Bauverein) had taken place is pure theory, the legitimate assumption of which is still not supported by any substantiated documents or evidence.
  2. With regard to the question of a possible amalgamation, the Court judgments do not make any statement, direct or indirect.
  3. The grounds for the judgment of the courts are unsuitable as a replacement for one’s own knowledge (as a substitute for knowledge), since they are merely considerations.
  4. Judgments – and thus also the grounds for those judgments – from civil proceedings are unsuitable as a substitute for knowledge for reasons of principle alone.
  5. The Riemer report does not constitute sufficient proof of an amalgamation.

Thus, there is no basis or evidence to support the theory of a conclusive amalgamation. On the contrary, it may be assumed that no such event has taken place and could not have taken place. This is also clearly demonstrated by the aforementioned legal opinion of Erdmenger and Furrer4 as well as their opinion on the judgments of the cantonal courts of March 20057.

Conclusion

Quite apart from all these remarks, the question remains how it is possible that in anthroposophical contexts one’s own judgement can be replaced by the judgement of a court? For these issues are questions of knowledge and by no means purely legal questions, the clarification of which can be left to experts and courts who only possess incomplete information.

At this point it is worth remembering the serious obstacles that arise for anthroposophical work when acting on untrue and unclear foundations, and being “of good faith” does not help to remedy this situation. Rudolf Steiner has repeatedly drawn attention to this and to the devastating effect of untruth in the context of spiritual science[19]. In addition, when people are told “by authority things that are untrue, their consciousness is subdued to the dullness of the consciousness of dreams”[20].

“Because untrue statements, even if they stem from goodwill, so to speak, are something that has a destructive effect within an occult movement. There must be no deception in this regard, but only complete clarity. It’s not intentions that matter, because it’s often very easy for a person to have those, but objective truth is what really matters. And one of the first duties of an esoteric student is not merely to say what he believes to be true, but to feel obliged to check that what he says truly is the objective truth. For only if we serve, in the sense of objective truth, the divine-spiritual powers whose forces pass through this school, will we be able to navigate through all the difficulties that anthroposophy is going to face.” [21]

Thomas Heck

19 November 2018

[1] The terms “Christmas Conference Society” (“Weihnachtstagungsgesellschaft”) and “Bauverein” are only used here to make a clearer distinction. These are not historically justified.

[2] Translated: “Building association”. This term is used as a short form for the society founded in 1913.

[3] http://www.wtg-99.com/name-wtg/

[4] Lawyer Prof Dr Andreas Furrer, Zurich and Dr Jürgen Erdmenger, Brussels. Newsletter No 18 of 28 April 2002.

[5] In 2002, Marjorie Spock was perhaps the last living member of the original Christmas Conference Society. The Executive Council, which itself was neither a member nor an officer of the Executive Board of this Christmas Conference Society, had been commissioned by the latter to carry out the reconstitution! Source: Justification of the judgement by the Dorneck-Thierstein District Court, judgement of 2/3 February 2004, page 18.

[6] Declaration by the Executive Council dated March 19, 2005, published in Nachrichtenblatt No. 15, April 8, 2005.

[7] The wording “on behalf of the Executive Council” makes it clear that this is not an independent statement, but a partisan statement by the Executive Council. This also applies to the expert opinion drawn up by the legal representatives of the Executive Council in 2002 (Newsletter No. 18 of 28 April 2002), which is to be regarded as a partisan rather than an independent expert opinion, not least because of its solution orientation. Until recently, this statement was to be found on the Goetheanum website. We have no knowledge of other publications.

[8] The quotes are reproduced in full below.

[9] See Wikipedia.

[10] Certainly, not all members would have had to agree, but each member would have had to be given the opportunity to participate, by corresponding invitation to a general meeting with an indication of the agenda.

[11] Nobody has yet explained how a decision in such a case could have been taken by conclusive action or how this might be possible at all. Moreover, until at least 2004 there had been no known case in Swiss legal history of an amalgamation of corporations by conclusive action.

[12] Prof Dr Hans Michael Riemer, until 2005 Chair of Private Law at the University of Zurich and recognized legal expert for association law in Switzerland.

[13] See “Anthroposophy worldwide” 10/1999, p. 6: “According to Paul Mackay, no written expert opinion by Hans Michael Riemer exists. He has however agreed in writing to the reproduction by Paul Mackay.”

[14] Even information or expertise held by the court but not provided by at least one of the parties may not be included in the judgment. This, and also the maxim that the court may not conduct its own investigations, is important for the neutrality of the court, because any additional information could benefit one of the parties and the impartiality of the court would thus be called into question.

[15] See Principles of Negotiation (Art. 55 ZPO), for explanations see:

Prozessmaximen im Zivilprozess

[16] This clarification could not have been made by the court itself; it would have been the task of one of the parties to demand it. That did not happen.

[17] Nachrichtenblatt No. 15, 8  April 2005

[18] In “Anthroposophy Worldwide” 1-2/2014: Justus Wittich also confuses the two societies in this statement: At Christmas 1923/24 the “Anthroposophical Society” was founded and the “General Anthroposophical Society” is the renamed Bauverein from 1913!

[19] z.B. GA 205, 1987, p. 238ff.

[20] GA 198, 1984, p. 125

[21] GA 270a, w.Y., p. 129. Highlighting by the author.

Mythen der Konstitutions-Frage: „Die Fusion durch konkludentes Handeln“

„Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft wurde an der Weihnachtstagung 1923/24 durch
Rudolf Steiner begründet“

Diese Aussage entspricht nicht den Tatsachen, denn an der Weihnachtstagung wurde die „Anthroposophische Gesellschaft“ (Weihnachtstagungsgesellschaft[1]) gegründet. Bei der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ handelt es sich um den 1913 gegründeten Johannesbau-Verein (Bauverein), welcher seit dem 8. Februar 1925 den heutigen Namen trägt und der Gesellschaft entspricht, in der wir Mitglied sind. Allerdings wird immer wieder behauptet, es habe eine Fusion der beiden Gesellschaften gegeben und insofern sei die „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“ doch auch die Weihnachtstagungsgesellschaft. Gestützt wird dies auf eine angeblich erfolgte Fusion durch „konkludentes Handeln“. In der Folge wird sich zeigen, dass es sich hierbei um eine unbewiesene Theorie handelt.

Folgendes kann heute als geklärt gelten:

  • Der Name der an der Weihnachtstagung von Rudolf Steiner gegründeten Gesellschaft lautete „Anthroposophische Gesellschaft“ und nicht „Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft“[2].
  • Bei der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ handelt es sich um den bereits 1913 gegründeten Bauverein, der am 8. Februar 1925 umbenannt wurde und seitdem diesen Namen trägt.

Kurzer historischer Abriss

Bis zum Jahr 1999 wurde von der Gesellschaftsleitung die Ansicht vertreten, es gäbe nur eine Gesellschaft, die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, und diese sei an der Weihnachtstagung begründet worden. Infolge des Riemer-Gutachtens (nähere Ausführungen dazu weiter unten) wurde diese Einheitsauffassung aufgegeben und von nun an davon ausgegangen, dass ursprünglich zwei Körperschaften existierten (Weihnachtstagungsgesellschaft und Bauverein), eine Fusion dieser beiden Körperschaften stattgefunden habe und insofern die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft doch auf die Weihnachtstagungsgesellschaft zurückgehe. Im Jahr 2000 wurde eine Arbeitsgruppe zur Klärung der Konstitutions-Frage gebildet, in der man durch das Rechtsgutachten Furrer/Erdmenger[3] zu der Erkenntnis kam, dass eine Fusion doch nicht stattgefunden habe und es sich daher bei der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft nicht um die Weihnachtstagungsgesellschaft handle. Es wurde angenommen, dass letztere als verwaiste Körperschaft weiter existent sei, obwohl seit über 70 Jahren keine Generalversammlungen stattfanden, seit 1963 kein Vorstand mehr existierte, seit über 70 Jahren keine Mitglieder aufgenommen wurden und somit fast keine Mitglieder[4] mehr vorhanden waren. Ein Bewusstsein von dieser angeblich separaten Existenz war in dem Zeitraum von 1925 bis 2002 zu keinem Zeitpunkt vorhanden gewesen. Mit der ausserordentlichen Generalversammlung an Weihnachten 2002 sollte diese verwaiste und angeblich noch existierende Gesellschaft „wiederbelebt“ werden. Gegen das Vorgehen des Vorstandes wurde von zwei Mitgliedergruppen eine gerichtliche Klärung angestrebt. Nachdem die Gerichte auch in 2. Instanz nicht den Argumentationen des Vorstandes gefolgt waren, wurde im Jahr 2005 von diesem  erklärt[5] und durch eine in Auftrag gegebene Stellungnahme der Rechtsanwälte Furrer und Erdmenger vom März 2005[6] begründet, warum die Urteile eigentlich falsch seien. Dennoch hat sich der Vorstand fortan auf diese selber berufen und seit 2005 die Ansicht vertreten, aus den (aus seiner Sicht falschen) Gerichtsurteilen ginge hervor, dass eine Fusion stattgefunden habe und es sich daher bei der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft nun doch um die Weihnachtstagungsgesellschaft handle. Paul Mackay berief sich darauf, dies habe „die Schweizer Gerichtsbarkeit“ festgestellt und Justus Wittich führte 2014 aus, dies sei „aus Sicht der zuständigen kantonalen Gerichte“ der Fall.[7]

Soweit ein kurzer Abriss. In der Folge soll geklärt bzw. dargestellt werden:

  • warum es sich bei der Annahme, es habe eine Fusion stattgefunden, um eine unbewiesene Theorie handelt,
  • warum dem Riemer-Gutachten kein Erkenntniswert zukommt und
  • dass den Urteilen bzw. den Urteilsbegründungen der Gerichte schon grundsätzlich ein Erkenntniswert nicht zukommen kann.

Die Theorie von der „konkludenten Fusion“

„Eine Theorie ist eine im Allgemeinen durch Denken gewonnene Erkenntnis im Gegensatz zum durch Erfahrung gewonnenen Wissen“[8]. Von einem historischen Ereignis kann Erfahrungs-Wissen durch Berichte, Dokumente oder andere „Spuren“ bzw. Ergebnisse, die dieses hinterlassen hat, gewonnen werden. In Bezug auf eine mögliche Fusion der  „Anthroposophischen Gesellschaft“ (Weihnachtstagungsgesellschaft) und der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ (umbenannter Bauverein) gibt es derartige Belege nicht: weder Berichte noch Dokumente und auch keine anderen geeigneten Hinweise. Der Verlauf der Ereignisse zwischen der Weihnachtstagung und der Generalversammlung im Jahr 1925 ist gut dokumentiert und die für eine Fusion notwendigen Rechtshandlungen hätten gewiss genügend „Spuren“ hinterlassen, da für beide Körperschaften Generalversammlungsbeschlüsse notwendig gewesen wären und es auch einer schriftlichen Fusionsvereinbarung bedurft hätte. Für ein solches Geschehen bzw. eine solche Vereinbarung fehlt jeder Hinweis, selbst wenn man unterstellt, dass man sich damals nicht an alle formalen Notwendigkeiten gehalten habe.

Nach aktueller Tatsachenlage ist daher ein Erfahrungs-Wissen von einer Fusion der beiden Körperschaften nicht gegeben und so ist man, wenn dennoch eine Fusion angenommen werden soll, auf eine Theorienbildung angewiesen.

Nun wird behauptet, die Fusion habe durch „konkludentes Handeln“ stattgefunden, aus diesem Grunde gäbe es keine Unterlagen.

Was ist eine „konkludente Handlung“?

Konkludent ist eine Handlung dann, wenn daraus eindeutig hervorgeht, dass der Handelnde bewusst eine bestimmte Rechtshandlung vornehmen will, ohne dass dazu mündlich oder schriftlich eine Willenserklärung abgegeben bzw. ein Vertrag abgeschlossen wird. Wenn z.B. jemand eine Zeitung am Kiosk aus dem Ständer nimmt und das Geld auf die Theke legt, so ist dies eine konkludente Handlung, durch die ein Kaufvertrag entsteht. Ähnliches geschieht im Alltag vielfach. Allerdings ist das Zustandekommen eines komplexen Rechts-Vorganges wie der einer Fusion von zwei Vereinen oder Rechtskörperschaften, durch konkludentes Handeln kaum vorstellbar. Nicht übersehen werden darf, dass sich der konkludent Handelnde immer über die Bedeutung seiner Handlung bewusst sein muss. Eine unbemerkte Fusion „aus Versehen“, die man erst über 70 Jahre später bemerkt, ist eine Unmöglichkeit. Das bedeutet, dass sowohl die Mitglieder der Weihnachtstagungsgesellschaft als auch die Mitglieder des Bauvereins ein Bewusstsein davon hätten haben müssen[9], dass eine Fusion beschlossen und vollzogen wurde. Davon ist nichts überliefert. Zudem hatte es, wie bereits dargestellt wurde, eine Gelegenheit zu einer Beschlussfassung nicht gegeben, auch nicht konkludent.[10]

Das Riemer-Gutachten

In „Anthroposophie weltweit“ 9/1999 wurde von Paul Mackay eine durch Prof. Riemer[11] vorgenommene Beurteilung der Konstitutions-Problematik wiedergegeben, wobei es sich um die schriftliche Wiedergabe des Inhaltes eines Telefonates gehandelt hatte.[12] In „Anthroposophie weltweit“ 3/2000 erscheint dann diese Beurteilung mit der Überschrift „Rechtsgutachten“. Wie bei Gutachten allgemein üblich wurden alle zugrunde liegenden Urteilsgrundlagen benannt. Daraus ist ersichtlich, dass keine schriftlichen Unterlagen zur Beurteilung vorgelegen haben, auch die Statuten nicht. So wird die 1923/24 gegründete Gesellschaft nicht mit ihrem richtigen Namen, sondern nur mit „Weihnachtstagungsgesellschaft“ benannt. Folgende Annahmen lagen dem Gutachten zugrunde:

  1. Die Weihnachtstagungsgesellschaft wurde in der Zeit vom 24. De­zember 1923 bis 1. Januar 1924 gegründet, wobei davon ausgegangen werden kann, es sei dadurch ein Verein im Sinne von Art. 60ff. ZGB entstanden.
  2. Am 8. Februar 1925 wurde der Name des bestehenden, bereits seit längerem im Handelsregister eingetragenen Vereins «Verein des Goetheanum der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft» (eben­falls ein Verein im Sinne von Art. 60ff. ZGB) abgeändert in «Allge­meine Anthroposophische Gesellschaft» (AAG), und gleichzeitig wurde die Besetzung des Vorstandes des Vereins so geändert, dass sein Vorstand und der Vorstand der Weihnachtstagungsgesellschaft identisch wurden. In der Folge wurde der abgeänderte Name im Handelsregister eingetragen.
  3. Seit dieser Zeit fand ein einheitliches Vereinsleben unter dem Na­men «Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft» (AAG) statt. Dieses einheitliche Vereinsleben unter dem Namen «Allgemeine An­throposophische Gesellschaft» bezieht sich namentlich auch auf die Generalversammlungen, den Erwerb der Mitgliedschaft, den Vor­stand und das Vereinsvermögen, ferner auch auf die Außenbeziehung

Für eine tragfähige Beurteilung sind das viel zu wenige Informationen, das tatsächliche Geschehen bleibt unberücksichtigt und so ist auch die rechtliche Beurteilung recht vage formuliert:

„Meines Erachtens ist es … naheliegender und auch sachgerechter, von einer konkludenten Fusion auszugehen …“.

Auch wenn als Überschrift „Rechtsgutachten“ gewählt wurde, handelt es sich doch lediglich um Erwägungen aufgrund unzureichender Grundlagen und keineswegs um eine gutachterlich fundierte Beurteilung. Zudem bleibt es auch hier eine Theorie, da die Frage, ob, wie und wann eine Fusion tatsächlich stattgefunden hat oder hätte stattfinden können, gar nicht erst gestellt wurde.

Die Prozesse um die Konstitutionsfrage in den Jahren 2003 und 2004

Nun wird seit 2005 von der Leitung der Gesellschaft behauptet, es sei „… in rechtlicher Hinsicht abschliessend und auch für die Zukunft bindend von der schweizerischen Gerichtsbarkeit festgestellt“ worden, dass eine Fusion stattgefunden habe (das vollständige Zitat: siehe weiter unten)

Gewiss kommt der Schweizer Gerichtsbarkeit höchstes Niveau und den Urteilen ein hoher Stellenwert zu. Das gilt auch für die hier angesprochenen Urteile. Problematisch ist lediglich, wie man sich darauf bezieht bzw. wie man sie benutzt:

  1. Es wird die eigene Erkenntnis substituiert durch eine fremde Erkenntnis, ohne dass die ursprüngliche eigene Erkenntnis revidiert und die „fremde“ Erkenntnis nachvollzogen wird. An die Stelle der eigenen Erkenntnis wird aufgrund einer allgemeinen Reputation eines Gerichtes dessen Urteil gesetzt und sich zu Eigen gemacht. Das ist nichts anderes als „Autoritätsgläubigkeit“. Hinzu kommt, dass der Vorstand, der über eine eigene Erkenntnis verfügte und auch nach Abschluss der Prozesse im Jahr 2005 die Richtigkeit derselben bekräftigte, sich dennoch die „angebliche Gerichtserkenntnis“ zu eigen machte, obwohl diese der eigenen Erkenntnis widersprach!5,6  So muss man eigentlich von einer Autoritätsgläubigkeit wider besseren Wissens sprechen!
  2. Es liegt im Wesen des Zivilprozesses, dass nur die von den Parteien vorgetragenen Sachverhalte vom Gericht berücksichtigt werden dürfen[13]. Das Gericht hat im Zivilprozess keinen Auftrag zur objektiven Tatsachenaufklärung, Nachfragen und die Prozessführung des Gerichtes dürfen „nicht dazu führen, dass die Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen stattfindet.[14]
    Das Ziel ist in erster Linie die Streitbeilegung. Daraus folgt eindeutig, dass einem Urteil aus einem Zivilprozess ein allgemeiner Erkenntnis- oder Wahrheitswert nicht zukommen kann.

Deutlich ist, dass eine Berufung auf diese Gerichtsurteile nicht sachgemäss und eigentlich unverantwortlich ist.

Obwohl damit bereits geklärt ist, dass die Urteile als Erkenntnissubstitution grundsätzlich ungeeignet sind, muss darauf hingewiesen werden, dass die Urteile gar nichts darüber aussagen, ob eine Fusion stattgefunden hat oder nicht. Lediglich in den „Erwägungen“, die das Gericht angestellt hatte und die in den sogenannten Urteilsbegründungen dargestellt sind, wird die Möglichkeit einer Fusion erörtert ohne zu klären, ob eine solche im konkreten Fall überhaupt möglich gewesen wäre.[15]

Die Erklärung von Paul Mackay vom 19. März 2005[16]:

„Es ist damit in rechtlicher Hinsicht abschliessend und auch für die Zukunft bindend von der schweizerischen Gerichtsbarkeit festgestellt, dass der Verein, den Rudolf Steiner während der Weihnachtstagung am 28. Dezember 1923 gegründet hat, am 8. Februar 1925 in den damals bereits seit 1913 bestehenden Verein hineinfusioniert wurde.“

sowie die Erklärung von Justus Wittich aus dem Jahr 2014[17]:

„Aus Sicht der zuständigen kantonalen Gerichte war durch das über Jahrzehnte hinweg gelebte rechtliche Verhalten von Vorstand und Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft eine «konkludente Fusion» der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (gegründet während der Weihnachtstagung 1923/24) und dem Bauverein erfolgt.“

Wie ist es zu bewerten, wenn der Vorstand einer anthroposophischen Gesellschaft an die Stelle der eigenen Erkenntnis den Autoritätsglauben gegenüber einem Urteil aus einem Zivilprozess stellt, dem, wie dargestellt wurde, schon prinzipiell kein objektiver Wahrheitsgehalt zukommt, und diesen höher bewertet, als das vorhandene und für richtig erkannte eigene Erkenntnisurteil und diese „übernommene“ Sichtweise der eigenen Erkenntnis zudem vollkommen widerspricht?

Zusammenfassung

  1. Die Annahme, es habe eine Fusion der Körperschaften der Weihnachtstagungsgesellschaft und der Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (ehemaliger Bauverein) stattgefunden ist eine reine Theorie, zu deren berechtigter Annahme bis heute stichhaltige Belege und Indizien fehlen.
  2. In Bezug auf die Frage nach einer möglichen Fusion wird in den Gerichtsurteilen weder mittelbar noch unmittelbar eine Aussage gemacht.
  3. Die Urteilsbegründungen der Gerichte sind als Ersatz für die eigene Erkenntnis (als Erkenntnis-Substitut) ungeeignet, da es sich lediglich um Erwägungen handelt.
  4. Urteile – und damit auch die Urteilsbegründungen – aus einem Zivilprozess sind als Erkenntnis-Ersatz schon aus prinzipiellen Gründen ungeeignet.
  5. Das Riemer-Gutachten ist als Beweis für ein Fusionsgeschehen nicht ausreichend.

Damit gibt es keine Grundlagen und Hinweise, die die Theorie einer konkludenten Fusion stützen. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass eine solche nicht stattgefunden hat und auch nicht stattgefunden haben kann. Dies wird auch eindeutig belegt von dem genannten Rechtsgutachten3 von Erdmenger und Furrer sowie deren Stellungnahme zu den Urteilen der kantonalen Gerichte vom März 20056.

Abschluss

Ganz abgesehen von all diesen Ausführungen bleibt die Frage, wie es möglich ist, dass in anthroposophischen Zusammenhängen an die Stelle eines eigenen Erkenntnisurteils ein Gerichtsurteil gestellt werden kann? Denn es handelt sich bei diesen Fragen um Erkenntnisfragen, keinesfalls um reine Rechtsfragen, deren Klärung man unvollständig informierten Gutachtern und Gerichten überlassen kann.

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, welch gravierende Hindernisse sich für die anthroposophische Arbeit ergeben, wenn auf unwahren und unklaren Grundlagen gewirkt wird, da hilft es auch nicht, wenn man „guten Glaubens“ ist. Darauf und auf die verheerende Wirkung der Unwahrheit gerade im geisteswissenschaftlichen Zusammenhang hat Rudolf Steiner vielfach hingewiesen[18]. Hinzu kommt: Wenn Menschen „unter Autorität Dinge, die unwahr sind“ erzählt werden, so „dämpft man [dadurch] ihr Bewusstsein bis zu der Dumpfheit des Traumbewusstseins herunter.“[19]

„Denn nicht-wahre Aussagen, auch wenn sie sozusagen aus gutem Willen hervorkommen, sind etwas, was innerhalb einer okkulten Bewegung zerstörend wirkt. Darüber darf keine Täuschung sein, sondern darüber muss völligste Klarheit herrschen. Nicht Absichten sind es, auf die es ankommt, denn die nimmt der Mensch oftmals sehr leicht, sondern objektive Wahrheit ist es, auf die es ankommt. Und zu den ersten Pflichten eines esoterischen Schülers gehört es, dass er sich nicht bloß dazu verpflichtet fühlt, dasjenige zu sagen, wovon er glaubt, dass es wahr ist, sondern dass er sich verpflichtet fühlt, zu prüfen, ob dasjenige, was er sagt, wirklich objektive Wahrheit ist. Denn nur, wenn wir im Sinne der objektiven Wahrheit dienen den göttlich-geistigen Mächten, deren Kräfte durch diese Schule gehen, werden wir hindurchsteuern können durch all diejenigen Schwierigkeiten, die sich der Anthroposophie bieten werden.“[20]

Thomas Heck, 19. November 2018

[1] Die Bezeichnungen „Weihnachtstagungsgesellschaft“ und „Bauverein“ werden hier lediglich zur klareren Unterscheidung benutzt. Diese sind nicht historisch begründet.

[2] http://www.wtg-99.com/name-wtg/

[3] Rechtsanwalt Prof. Dr. Andreas Furrer, Zürich und Dr. Jürgen Erdmenger, Brüssel. Nachrichtenblatt Nr. 18 vom 28. April 2002.

[4] Möglicherweise war im Jahr 2002  Marjorie Spock das einzige noch lebende Mitglied der ursprünglichen Weihnachtstagungsgesellschaft. Von dieser hatte sich der Vorstand, der ja selber weder Mitglied noch Vorstand dieser Weihnachtstagungsgesellschaft war, den Auftrag geben lassen, die Rekonstituierung durchzuführen! Quelle: Urteilsbegründung des Richteramtes Dorneck-Thierstein, Urteil vom 2./3. Februar 2004, Seite 18.

[5] Vorstandserklärung vom 19. März 2005, veröffentlicht im Nachrichtenblatt Nr. 15 vom 8. April 2005.

[6] Die Formulierung „im Auftrag des Vorstandes“ macht deutlich, dass es sich nicht um eine unabhängige Stellungnahme, sondern um eine parteiliche, die des Vorstandes handelt. Das gilt auch für das von den Rechtsvertretern des Vorstandes im Jahr 2002 erstellte Gutachten (Nachrichtenblatt Nr. 18 vom 28. April 2002), das allein schon durch die Lösungsorientierung als parteiliches und nicht als unabhängiges Gutachten zu werten ist. Diese Stellungnahme konnte bis vor kurzem auf den Internetseiten des Goetheanums gefunden werden. Weitere Veröffentlichungen sind unbekannt.

[7] Die Zitate werden weiter unten vollständig wiedergegeben.

[8] Siehe Wikipedia.

[9] Gewiss hätten nicht alle Mitglieder zustimmen müssen, aber jedes Mitglied hätte die Möglichkeit einer Beteiligung gegeben werden müssen, durch eine entsprechende Einladung zu einer Generalversammlung mit Angabe der Traktanden.

[10] Wie man sich überhaupt in einem derartigen Fall eine Beschlussfassung durch konkludentes Handeln vorzustellen hat bzw. wie dies überhaupt möglich sein soll, wurde noch von niemandem dargestellt. Zudem gab es zumindest bis 2004 in der Schweizer Rechtsgeschichte keinen bekannten Fall einer Fusion von Körperschaften durch konkludentes Handeln.

[11] Prof. Dr. Hans Michael Riemer, bis 2005 Lehrstuhl für Privatrecht an der Universität Zürich und anerkannter Rechtsexperte für Vereinsrecht in der Schweiz.

[12] Siehe „Anthroposophie weltweit“ 10/1999, S. 6: „Nach Angabe von Paul Mackay liegt von Hans Michael Riemer kein schriftliches Gutachten vor. Dieser hat sich aber schriftlich einverstanden erklärt mit der Wiedergabe durch Paul Mackay.“

[13] Selbst Informationen oder Sachkenntnisse, über die das Gericht verfügt, die jedoch nicht von wenigstens einer der Parteien vorgetragen wurden, dürfen nicht in die Urteilsfindung einbezogen werden. Dies, und auch die Maxime, dass das Gericht keine eigenen Nachforschungen anstellen darf, ist wichtig für die Neutralität des Gerichtes, denn jede zusätzliche Information könnte einer Partei zum Vorteil gereichen und damit wäre die Unparteilichkeit des Gerichtes in Frage gestellt.

[14] Siehe Verhandlungsgrundsatz (Art. 55 ZPO), dazu Erläuterungen unter:

Prozessmaximen im Zivilprozess

[15] Diese Klärung hätte das Gericht nicht von sich aus vornehmen können, es wäre die Aufgabe einer der Parteien gewesen, dies zu fordern. Das ist nicht geschehen.

[16] Nachrichtenblatt Nr. 15 vom 8. April 2005

[17] In „Anthroposophie weltweit“ 1-2/2014: Justus Wittich verwechselt in dieser Aussage zudem die beiden Gesellschaften: An Weihnachten 1923/24 wurde die „Anthroposophische Gesellschaft“ gegründet und bei der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ handelt es sich um den umbenannten Bauverein von 1913!

[18] z.B. GA 205, 1987, S. 238ff.

[19] GA 198, 1984, S. 125

[20] GA 270a, o.J., S. 129. Hervorhebungen vom Verfasser.

Die Ausschlüsse 1935 und die Albert Steffen-Stiftung / The Exclusions of 1935 and the Albert Steffen Foundation

In „Anthroposophie weltweit“ 7-8/18 und auf der Internet-Seite der Albert Steffen-Stiftung war unter dem Titel „Rehabilitierung  – ein Nachtrag und eine Vorschau“ eine Stellungnahme zur Rehabilitierungs-Initiative sowie zur Aufhebung der Beschlüsse von 1935 an der Generalversammlung 2018 von der Albert Steffen-Stiftung erschienen. Darauf wird im Folgenden eingegangen.

A statement on the rehabilitation initiative as well as on the repeal of the decisions of 1935 at the General Assembly 2018 of the Albert Steffen Foundation had appeared in “Anthroposophy worldwide” 7-8/18 under the title “Rehabilitation – postscript and preview”. This will be discussed below.

(Dieser Text als PDF)        (English version)      (English version as PDF)

Eine Zustimmung zu der an der Generalversammlung 2018 beantragten Aufhebung des Beschlusses, mit dem Ita Wegman und Elisabeth Vreede 1935 aus dem Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen und von ihrer Tätigkeit als Sektionsleiterinnen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft getrennt worden waren, konnte nur demjenigen möglich gewesen sein, der der Ansicht war, dass diese Absetzungen 1935 zu Unrecht erfolgten. Wer der gegenteiligen Ansicht war bzw. ist, musste selbstverständlich gegen die Aufhebung stimmen oder sich zumindest enthalten. Mehrheiten, auch überwältigende, sind keine Garantie dafür, dass die dadurch getroffenen Entscheidungen zu Recht oder zu Unrecht erfolgt sind, dies gilt für den Beschluss von 1935 ebenso wie für die Aufhebung dieses Beschlusses an der Generalversammlung  von 2018.

Zur Erinnerung: 1935 wurden mit einer einzigen Abstimmung nicht nur Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand und von ihren weiteren Wirkensmöglichkeiten in ihren Sektionen (Teil I des damaligen Antrages), sondern auch sechs weitere, namentlich genannte Einzelpersönlichkeiten[1] (Teil II) sowie die holländische und die englische Landesgesellschaft aus der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen (Teil III). Die Teile II und III wurden bereits an der Generalversammlung 1948 einstimmig, also auch mit Zustimmung der anwesenden Vorstände Albert Steffen und Guenther Wachsmuth, aufgehoben. Der Bericht im Nachrichtenblatt lautete wie folgt:

„Die Generalversammlung von Ostern 1948 erklärt den Beschluss der Generalversammlung vom 14. April 1935 bezüglich der Zugehörigkeit zur Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft als aufgehoben und dass sie jeden, der sich der Gesellschaft wieder anschliesst, begrüsst.”[2]

Diese Formulierung liess nicht deutlich werden, dass der Beschluss von 1935 lediglich teilweise aufgehoben worden war. Diese Tatsache war bis 2017 nicht bekannt, denn auch Uwe Werner berichtete im Nachrichtenblatt 51-52/2002 von der Aufhebung aller Teile des Beschlusses. Insofern werden viele im Februar 2017 überrascht gewesen sein, als bekannt wurde, dass der den Ausschluss Ita Wegmans und Elisabeth Vreedes betreffende Teil des Beschlusses weiterhin Bestand hatte.

Im Jahr  1948 konnte durchaus anerkannt werden, dass die Ausschlüsse „als solche“ zumindest teilweise ein Fehler waren. Dies geschah durch die einstimmige Annahme des Antrages. Die Möglichkeit, eine unvoreingenommene und vorurteilslose Bewertung des Geschehens von 1935 vorzunehmen oder gar die Anerkennung, dass Unrecht geschehen sein könnte, war noch nicht gegeben.[3] Dass dies heute anders sei, von dieser Überzeugung gingen die Initiatoren der Rehabilitierung-Initiative aus, nachdem bereits seit Jahrzehnten von etlichen Autoren wesentliche Beiträge zu einer Aufarbeitung vorliegen[4].

Ein doch gegensätzliches Bild ergibt sich aus dem Artikel von Christine Engels, Präsidentin der Albert Steffen-Stiftung. Dort werden erhebliche Einwände und Vorbehalte gegenüber der Aufhebung des Beschlusses und dem Rehabilitierungsbemühen in sachlicher und moralischer Hinsicht erhoben. Auf einige Motive soll im Folgenden eingegangen werden.

Zu den Ausführungen im Einzelnen:

Im ersten Absatz wird behauptet, dass

„die Persönlichkeit Albert Steffens als damaligem Erstem Vorsitzenden (neben der von Guenther Wachsmuth) Zielpunkt der Kritik in Bezug auf die Ausschlüsse von 1935“

gewesen sei. Mit dem folgenden Zitat aus der Broschüre[5] soll diese Aussage gestützt werden:

„An dieser Stelle sei angemerkt, dass in keinster Weise eine absolute Verurteilung der Persönlichkeiten Albert Steffen und Guenther Wachsmuth intendiert ist oder erfolgen darf. Auch ihr Einsatz für die Anthroposophie ist hoch zu schätzen. […] Einen Fortschritt in Richtung einer Bewusstseinsseelenhaltung könnte es bedeuten, wenn wir in den Taten eines Menschen das Wirken der Gegenmächte erkennen können[6], ohne dadurch die Liebe zu ihm als Mensch zu verlieren oder sein wahres Streben zu verkennen.“

Allerdings bezieht sich dieses Zitat keineswegs ausschliesslich auf die Ausschlüsse 1935 sowie Albert Steffen und Guenther Wachsmuth und schon gar nicht auf deren Persönlichkeit, was aber erst aus dem Zusammenhang ersichtlich wird, dem das Zitat entnommen wurde. Hier der ganze Kontext, in dem die von der Albert Steffen-Stiftung zitierten Passagen unterstrichen dargestellt sind:

„Im Laufe der nächsten Jahre wurde auch Marie Steiner, die an den Ausschlüssen ihrer Vorstands-Kolleginnen beteiligt war, von der Mitwirkung im Vorstand und der Gestaltung der Gesellschaft ausgeschlossen. Damit war auch das weibliche Element des Urvorstandes vollständig beseitigt. Die Bedeutung eines Gleichgewichtes in männlich-weiblicher Wirksamkeit für die erneuerte Esoterik wurde von Rudolf Steiner jedoch schon in den frühen esoterischen Stunden besonders betont.

Vor dem Hintergrund der Abendvorträge, die Rudolf Steiner bei der Neugründung der Anthroposophischen Gesellschaft im Dezember 1923 hielt, und aus denen sein über Jahrtausende währendes Zusammenwirken mit Ita Wegman im Dienste Michaels sichtbar wird, erscheint der Ausschluss vor allem Ita Wegmans aus dem Vorstand von besonderer Tragik und Folgenschwere. [7]

Als Wilhelm Rath nach der Generalversammlung 1935 Elisabeth Vreede aufsuchte und sie von den Ausschlüssen erfuhr, sagte sie, was in Dornach geschehe, habe Auswirkungen auf das ganze Weltgeschehen. „Der Damm gegen den Nationalsozialismus sei nun gebrochen.“[8]

Vom einstigen Urvorstand und der durch ihn repräsentierten relativen Vielfalt geistiger Strömungen waren nur noch Albert Steffen und Guenther Wachsmuth geblieben, die in einer unvermeidbaren Einseitigkeit nun über Jahrzehnte bestimmend blieben für die weitere Entwicklungsrichtung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Diese versank langsam in den Zustand der Lähmung und Wirkungslosigkeit, für Jahrzehnte, auf den Rudolf Steiner als drohende Gefahr hingewiesen hatte, wenn der Impuls der Weihnachtstagung nicht aufgenommen würde. „Anthroposophie wird sicher nicht aus der Welt geschafft. Aber sie könnte für Jahrzehnte und länger, ich möchte sagen, in einen latenten Zustand zurücksinken. Es wäre aber Ungeheures verloren für die Entwicklung der Menschheit.“[9]

An dieser Stelle sei angemerkt, dass in keinster Weise eine absolute Verurteilung der Persönlichkeiten Albert Steffen und Guenther Wachsmuth intendiert ist oder erfolgen darf. Auch ihr Einsatz für die Anthroposophie ist hoch zu schätzen. Wir verdanken z.B. Guenther Wachsmuth, dass der Bau des zweiten Goetheanum überhaupt möglich wurde und Albert Steffen seine grossartigen Dichtungen, Dramen und heilenden Bilder. Es darf jedoch auch nicht darüber hinweggesehen werden, wie durch diese beiden Vorstände die Gesellschaftsentwicklung geprägt wurde. Einen Fortschritt in Richtung einer Bewusstseinsseelenhaltung könnte es bedeuten, wenn wir in den Taten eines Menschen das Wirken der Gegenmächte erkennen können[10], ohne dadurch die Liebe zu ihm als Mensch zu verlieren oder sein wahres Streben zu verkennen. Wir könnten den gesamten Werdegang der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft im Lichte des permanenten Scheiterns und Versagens der Mitglieder sehen, uns eingeschlossen, weil wir es mit „starken gegnerischen Mächten, dämonischen Mächten“[11] zu tun haben, welche „gegen die anthroposophische Bewegung anstürmen“11 und „die sich ja doch der Menschen auf Erden bedienen“11. Jegliche „innere Opposition“[12], von der Rudolf Steiner so häufig sprach – „bis in meine allernächste Umgebung hinein“[13] – entstammte dem Einfluss der Gegenmächte.“

Deutlich wird einerseits, dass die Zitate nicht auf Albert Steffen und Guenther Wachsmuth „angewendet“ wurden, sondern die gesamte Mitgliedschaft gemeint war – uns selber eingeschlossen. Hätten wir diesen Hinweis lediglich auf Albert Steffen und Guenther Wachsmuth beziehen wollen, so hätten wir das auch deutlich formuliert, z.B. in dieser Art: „… wenn wir in den Taten dieser Menschen …“ bzw. „… dieser beiden Menschen …“ hätte es zumindest heißen müssen. So ist dieser vermutete Bezug auf Albert Steffen und Guenther Wachsmuth nicht gegeben, was auch deutlich aus dem Hauptzitat hervorgeht, auf das wir uns bezogen haben:

„… er [der Wanderer der Chymischen Hochzeit] soll in die Beweggründe des menschlichen Wollens und Handelns tiefere Blicke tun, als sie dem gewöhnlichen Bewußtsein zuteil werden. Der Darsteller der «Chymischen Hochzeit» will sagen, daß dieses gewöhnliche Bewußtsein nur die Außenseite des Wollens und Handelns kennenlernt, und daß auch die Menschen durch dieses Bewußtsein von ihrem eigenen Wollen und Handeln nur diese Außenseite gewahr werden. Die tiefer liegenden geistigen Impulse, die aus der übersinnlichen Welt heraus in dieses Wollen und Handeln sich ergießen, und die das menschliche soziale Zusammenleben gestalten, bleiben diesem Bewußtsein unbekannt. Der Mensch kann in dem Glauben leben, ein bestimmter Beweggrund führe ihn zu einer Handlung; in Wahrheit ist dieser Beweggrund nur die bewußte Maske für einen unbewußt bleibenden. Insofern die Menschen ihr soziales Zusammenleben nach dem gewöhnlichen Bewußtsein regeln, greifen in dieses Zusammenleben Kräfte ein, die nicht im Sinne der Entwickelung liegen, welche der Menschheit heilsam sind…“[14]

Es entsteht der Eindruck, dass u.a. durch das aus dem Zusammenhang herausgenommene Zitieren den Initiatoren der Rehabilitierungs-Initiative etwas unterstellt wird, was von diesen nicht intendiert war und auch nicht schlüssig aus den Original-Zitaten hervorgeht.

Es ist allerdings eine Tatsache, dass A. Steffen die Ausschlüsse von 1935 nicht nur befürwortet, sondern sein Verbleiben im Amt des ersten Vorsitzenden davon abhängig gemacht hatte, dass die Generalversammlung die Ausschlüsse beschliessen würde.[15] Wenn diese Ausschlüsse ein Unrecht darstellten, so war A. Steffen daran beteiligt, dass dies entstand.

Weiter wird in dem Beitrag von C. Engels ausgeführt:

„Justus Wittich betonte in seinem Artikel in <Anthroposophie weltweit> Nr. 1-2/2018, dass es mittlerweile erwiesen sei, dass Ita Wegman und Elisabeth Vreede «ohne Makel» gewesen seien, und schloss sich implizit der Ansicht an, dass die Ausschlüs­se aufgrund einer objektiven Fehlleitung der Verantwortungsträger der Gesellschaft geschehen seien.“

Tatsächlich bringt Justus Wittich folgendes zum Ausdruck:

„Die Anthroposophische Gesellschaft in der Schweiz stellte später über mehrere Jahre Material zu jedem Mitglied des Gründungsvorstandes zusammen, verschiedene Biografien erschienen allmählich, und im Bewusstsein einer dritten Generation von Anthroposophen waren die ehemals abberufenen Ita Wegman und Elisabeth Vreede ganz selbstverständlich und ohne jeden Makel mit in den Gründungsvorgang und die Gesellschaftsentwicklung eingeschlossen.“

und an anderer Stelle:

„In der Anschauung der meisten Mitglieder sind die damals abberufenen Vorstandsmitglieder deshalb von einer gewissen Warte aus bewusstseinsmäßig heute im 21. Jahrhundert längst ohne Makel. Eine offizielle Rehabilitierung hat aber nie stattgefunden. […] In der von 1.820 Mitgliedern im provisorisch fertiggestellten Zweiten Goetheanum besuchten Generalversammlung vom 14. März stellte eine Gruppe von Mitgliedern im Einklang mit den restlichen Vorstandsmitgliedern den Antrag auf Abberufung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede von ihren Vorstandsämtern (und dadurch auch von den Leitungen ihrer Sektionen).“

Die verkürzte Darstellung gibt nicht wieder, was Justus Wittich tatsächlich geschrieben hat. Woraus geschlossen wird, J. Wittich habe von einer „objektiven Fehlleistung der Verantwortungsträger“ geschrieben, ist unklar. Wenn damit die Formulierung „in Einklang mit den restlichen Vorstandsmitgliedern“ gemeint sein sollte, so kann an der Richtigkeit dieser Aussage kein Zweifel bestehen.

Inwieweit die Aufhebung der Beschlüsse an der Generalversammlung 2018 für die Albert Steffen-Stiftung zu früh kam, soll hier nicht beurteilt werden. Die Albert Steffen-Stiftung:

„Das Thema [die Vorgänge um 1935] ist so groß und vielschichtig, dass es viel Zeit braucht, um sich darin auszukennen.“

Das ist gewiss richtig und es ist ja schon vieles geleistet worden, so hat z.B. Emanuel Zeylmans van Emmichoven zwölf Jahre an seiner Dokumentation gearbeitet, die seit 25 Jahren vorliegt.

Weiter heisst es:

„Dazu kommt, dass uns – wir bitten um Verzeihung – die Art und Weise der Rehabilitierungsbemühungen unseriös erscheint. Rehabilitierung ohne Aufarbeitung mit dem Hinweis, das zu den Bemühungen berechtigende Material sei (fast ausschließlich) in Büchern zu finden, die enge Mitarbeiter Ita Wegmans verfasst haben, ist schon eher eine unangenehme Sache und wendet sich an das Gefühl, nicht an die Urteilsfähigkeit.“

Emanuel Zeylmans von Emmichoven, Lily Kolisko und Peter Selg beispielsweise sollen enge Mitarbeiter Ita Wegmans gewesen sein? Eine etwas „unangenehme Sache“ ist dieser Beitrag der Albert Steffen-Stiftung, denn in der Argumentation wird auf nichts verwiesen, auch nicht auf eine zugrunde liegende Literatur. Was hatte man erwartet? Dass wir alles noch einmal publizieren, was bereits publiziert ist? Unsere Broschüre enthält zahlreiche Fussnoten mit Quellenangaben und es sind die wichtigsten Veröffentlichungen im Literaturverzeichnis angegeben.4 Eine unabhängige Urteilsbildung für diejenigen, die sich noch kein Urteil gebildet hatten, war damit möglich, auch für Angehörige der Albert Steffen-Stiftung. Stattdessen werden Vermutungen und Behauptungen aufgestellt. Ist es nicht gerade dieser Duktus des Artikels der Stiftung, der sich an das Gefühl, nicht an die Urteilsfähigkeit“ des Lesers wendet?

Weiter aus dem Wortlaut:

„… da jedes Steffen-Zitat, das ihn von Vorwürfen freisprechen würde, sicher mit einem Zitat, das das Gegenteil aufzeigen würde, beantwortet würde, haben wir uns entschlossen, uns in der anthroposophisch-öffentlichen Diskussion der Sache nicht zu äußern. Wir empfinden dies selbst als Makel, stehen aber lieber zur Lücke, als hinterher vielleicht hinter selbstproduzierten Stellungnahmen stehen zu müssen, die sich als weder fundiert noch haltbar erweisen könnten.“

Wird damit nicht die Absicht unterstellt, man wolle Albert Steffen etwas vorwerfen? Und sind denn alle die Zeylmans, Kirchner-Bockholts, Meyers, Selgs, Wittichs und Hecks Gegner Albert Steffens? Der bisherige Stand der Aufarbeitung besteht schliesslich bei weitem nicht aus Zitaten, sondern in der Sichtung und Auswertung von Dokumenten und Berichten. Ist man in der Albert Steffen-Stiftung wirklich der Ansicht, dass es – ausserhalb ihrer selber – keinen unvoreingenommenen Erkenntniswillen in dieser Angelegenheit gibt und stattdessen nur darauf gewartet wird, „entlastende Zitate“ sofort mit „belastenden Zitaten“ zu beantworten?

Weiter im Artikel:

„Die diesjährige Abstimmung war auf der Grundlage aufgebaut, «es sei Unrecht geschehen». Dabei wurde dieses Unrecht der damaligen <Gewinnerseite> zugeschoben, und die damals Ausgeschlossenen wurden als unschuldige Opfer dargestellt. Über die Gründe für die Ausschlüsse wurde nicht gesprochen und somit den fast 1700 Mitgliedern, die für die Ausschlüsse gestimmt hatten (die Gegen- und Enthaltungsstimmen beliefen sich zusammen auf 129), Fehlurteil oder Irregeleitet sein unterstellt.“

Waren die Ausschlüsse damals zu Recht oder zu Unrecht gefasst worden? Wäre dies nicht die relevante Frage? Stattdessen wird unterstellt, dieses Unrecht sei der damaligen „Gewinnerseite zugeschoben“ worden. Der Vorwurf, über die Gründe für die Ausschlüsse sei gar nicht gesprochen worden, entspricht nicht den Tatsachen. Unsere Broschüre4 ist, wie schon erwähnt, voll mit Hinweisen auf Gründe, die seit Jahrzehnten bekannt sind und auch Peter Selg hat mehrfach darüber geschrieben und gesprochen. Im Zweig am Goetheanum gab es auf unsere Anregung hin im März 2018 einen offenen Gesprächsabend. Der Hinweis auf das Abstimmungsergebnis von 1935 ist einseitig, denn unterlagen die vielen, die in den vergangenen Jahrzehnten an der Aufarbeitung beteiligt waren, alle nur Fehlleitungen und Irrtümern? Oder hatten alle nur das ausschliessliche Ziel, Albert Steffen zu verleumden und die Unschuldigen schuldig zu sprechen? So auch die Mehrheit an der diesjährigen Generalversammlung und die über 1.500 Unterstützer der Initiative? Im Gegensatz zu 1935 war 2018 mehrere Monate vor der Generalversammlung das Thema aktuell und jeder konnte sich, wie bereits erwähnt, ein eigenes Urteil bilden. 1935 war die Denkschrift[16], die auch nach eigener Auffassung der Autoren derselben sowohl parteiisch als auch eine Streitschrift[17] gewesen ist, gerade einmal 3 Wochen vor der Generalversammlung erschienen. Ansonsten konnten sich die Mitglieder aus einem tendenziösen und fehlerbehafteten Vorläufer der Denkschrift[18] von Hermann Poppelbaum informieren. Die „Nachrichten für die Mitglieder“ waren auch damals ungeeignet, um sich eine eigene Urteilsgrundlage zu verschaffen. Da ist die Situation heute eine ganz andere (die Situation der Mitglieder, nicht die der offiziellen Publikationsorgane!): Wer urteilsfähig sein will, kann es sein. Dass die Albert Steffen-Stiftung in den Jahrzehnten nur sehr wenig zu dieser neuen Situation und für die Aufarbeitung beigetragen hat, ist bedauerlich. Angesichts der Tatsache, dass denjenigen, die sich um Aufarbeitung bemüht haben, oftmals ein Zugang zum Steffen-Archiv nicht gewährt wurde, ist es schon erstaunlich, wenn jetzt nach Jahrzehnten deren Ergebnisse pauschal und ohne auf konkrete Punkte einzugehen in dieser Art in Frage gestellt werden.

Sofern allerdings in der Albert Steffen-Stiftung die Ansicht besteht, die Ausschlüsse 1935 seien zu Recht erfolgt, so wäre es gut, dies deutlich zum Ausdruck zu bringen anstatt denjenigen, die zu anderen Beurteilungen gekommen sind, unlauteres und gar unseriöses Vorgehen zu unterstellen. Noch besser wäre es freilich, wenn die Ansichten sachlich und inhaltlich begründet und die Urteilsgrundlagen dazu der Forschung und Aufarbeitung uneingeschränkt zugänglich gemacht würden

Weiter aus dem Beitrag der Albert Steffen-Stiftung:

„Es war sicher ein Versäumnis von unserer Seite, das, was hier nach über zwei Monaten recht unaktuell daherkommt und vor allem von unserer derzeitigen Inkompetenz in der bewussten Angelegenheit spricht, nicht bereits vorher veröffentlicht zu haben.“

Hier wird die eigene „Inkompetenz in der bewussten Angelegenheit“ eingestanden.

Wie aber ist es zu verstehen, wenn man dennoch glaubt, über andere, die sich in die Publikationen und Dokumente der zugänglichen Archive eingearbeitet haben und deren Arbeiten urteilen zu können? Ist man tatsächlich den angegebenen Quellen und Hinweisen nicht nachgegangen?

Weiter aus dem Artikel:

„Zeitweise befürchteten wir, das Ergebnis der Rehabilitierungsbemühungen könnte sein, dass als Nächstes Albert Steffen und Guenther Wachsmuth rehabilitiert werden müssten.“

Gibt es denn Beschlüsse der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, die Albert Steffen oder Guenther Wachsmuth in ihrem Wirken und in ihrem sozialen Zusammenhang beeinträchtigt haben und die man im Sinne eines Beitrages zu einer Rehabilitierung aufheben könnte? (Gewiss gibt es mindestens einen Generalversammlungs-Beschluss, der gegen Marie Steiner gerichtet war[19], aber das ist eine andere Angelegenheit.) Auch scheint man keinen angemessenen Begriff vom Wesen und Ziel einer Rehabilitierung zu haben, denn „indem der Akzent auf dem ‚öffentlichen Ansehen‘ liegt, nicht auf dem Sein der Betroffenen, wird unzweifelhaft deutlich, dass primär die Gesellschaft von einem Rehabilitierungsverfahren betroffen bzw. von ihm gemeint ist – die damalige und die heutige.“[20]

Fazit

Der Beitrag von Christine Engels bringt in der Sache keine Erkenntnis, lediglich die Situation der Albert-Steffen-Stiftung wird deutlich, einerseits die selbst eingestandene Inkompetenz in dieser Angelegenheit und andererseits, dass es wohl noch Jahre dauern wird, bis es zu Veröffentlichungen eventuell vorhandener Materialien zur Gesellschaftsgeschichte der fraglichen Zeit kommen wird. Dennoch wird über die Intentionen und das Vorgehen anderer in dieser Angelegenheit sachlich und moralisch geurteilt.

Dornach, 22. September 2018, Thomas Heck

[1] Es handelte sich um D. N. Dunlop, George Kaufmann, Dr. F. W. Zeylmans, P. J. de Haan, Jürgen von Grone und Dr. E. Kolisko.

[2] Laut Bericht im Nachrichtenblatt Nr. 16/1948

[3] In der Begründung des Antragstellers Emil Leinhas hiess es: „dass – welche Verfehlungen herüber und hinüber auch vorgekommen sein mögen – der Ausschluss als solcher ein Fehler war.“ Quelle: Einige Gesichtspunkte zum Verständnis der Vorgänge in der Anthroposophischen Gesellschaft nach Rudolf Steiners Tod. Emil Leinhas, Selbstverlag. 1963

[4] Siehe Literaturverzeichnis am Ende der Broschüre: http://wegman-vreede.com/wp1/wp-content/uploads/2017/11/Rehabilitierung_Wegman-Vreede_A5.pdf

[5] Initiative zur Rehabilitierung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede, Verantwortlich: Thomas Heck und Eva Lohmann-Heck, Privatdruck 2017, www.wegman-vreede.com

[6]    „Der Mensch kann in dem Glauben leben, ein bestimmter Beweggrund führe ihn zu einer Handlung; in Wahrheit ist dieser Beweggrund nur die bewusste Maske für einen unbewusst bleibenden….“ Rudolf Steiner, GA 35, S. 349f: „Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz“

[7] GA 233, „Die Weltgeschichte in anthroposophischer Beleuchtung“, sowie u.a.: Zeylmans: Wer war Ita Wegman, Bd. I, 1992.

[8]    Heinz Eckhoff: Schicksal der Menschheit an der Schwelle. Stuttgart 1998, S. 96.

[9]    GA 258, 1981, S. 171. Zum Beispiel fanden während des zweiten Weltkrieges vier Jahre lang keine Vorstandssitzungen statt, von 1943 bis 1949 wurden am Goetheanum keine Klassenstunden gehalten – während die Hochschularbeit anderenorts durchaus weiterging.

[10]  „Der Mensch kann in dem Glauben leben, ein bestimmter Beweggrund führe ihn zu einer Handlung; in Wahrheit ist dieser Beweggrund nur die bewusste Maske für einen unbewusst bleibenden….“ Rudolf Steiner, GA 35, S. 349f: „Die Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz“

[11]  GA 260a, 1987, S. 235.

[12]  Mehrfach in GA 258, besonders häufig in GA 259 angesprochen u.a.

[13]  Zeylmans: Wer war Ita Wegman, Bd. III, 2013, S. 435.

[14] GA 35, S. 349

[15] Nachrichtenblatt Nr. 19 vom 12. Mai 1935

[16] Bei der „Denkschrift über Angelegenheiten der Anthroposophischen Gesellschaft in den Jahren 1925 – 1935“ handelt es sich in Wirklichkeit um eine Kampfschrift mit einem Umfang von 154 Seiten, mit welcher der Ausschluss von Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand sowie der Ausschluss namhafter Mitglieder und der Landesverbände von Holland und England begründet wurden. Diese „Denkschrift“ wurde offiziell von der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft bis 1949 vertrieben und inhaltlich nie widerrufen.

[17] Siehe Seite 7 der Denkschrift.

[18] Die Angabe „Februar 1935“ in der Denkschrift entsprach nicht dem tatsächlichen Erscheinungsdatum.

[19] „Anfang 1947 stellte der Berner Zweig angesichts der verfahrenen Situation den Antrag an die bevorstehende Generalversammlung, Albert Steffen und Guenther Wachsmuth alleine die Leitung der Gesellschaft zu übertragen. Die Generalversammlung stimmte diesem Vorschlag im Frühjahr zu. Steffen nahm daraufhin seine Arbeit wieder auf und sah seine Position durch diesen Beschluss so weit gestärkt, dass er sich weigern konnte, mit Marie Steiner weiter im Vorstand zusammenzuarbeiten. Den Mitgliedern der von ihr geleiteten Sektion für redende und musizierende Künste stellte er 1948, wie Marie Steiner sich ausdrückte, einen »Freibrief« aus, zu seiner Sektion für schöne Wissenschaften »überzulaufen«.“ Quelle: https://www.anthroweb.info/geschichte/geschichte-ag/verhaertete-fronten-kuenftige-versoehnung.html

[20] Rudolf Steiner: Briefe und Meditationen für Ita Wegman. Zur Rehabilitierung Ita Wegmans. Band I. Hrsg. Peter Selg, Verlag des Ita Wegman Instituts 2018. Aus dem Vorwort von Peter Selg.

Offener Brief an – Open Letter to – Jaap Sijmons

English version

Lieber Herr Sijmons,

in Anthroposophie weltweit 5/2018 hatte Peter Selg in Bezug auf die Zäsur geschrieben, dass, wenn man ein solches Mitgliedervotum auch in Zukunft einholen und entscheiden lassen will, so sollte das mit einem detaillierten Rechenschaftsbericht über die bisherige Amtszeit und die persönlich in ihr durchgeführten Arbeiten geschehen sowie mit einer klaren Beschreibung dessen, was in der nächsten Periode die konkreten eigenen Aufgaben sind.“ Ihre Reaktion darauf in  AWW 6/2018: „Das ist ein vernünftiger Gedanke, aber er kommt hier etwas spät…“.

Ihre Antwort überrascht und wirft Fragen auf. Ist denn niemand in den Leitungsgremien (Vorstand, Goetheanum-Leitung, Generalsekretäre und Landesvertreter) auf die Idee gekommen, dass ein Rechenschaftsbericht für die Mitgliedschaft erforderlich und angemessen wäre? Ist es wirklich notwendig, Sie alle darauf hinzuweisen, angesichts der Tatsache, dass überall, wo abgestimmt wird, die Menschen mehr oder weniger umfänglich informiert werden, damit sie urteilsfähig sind? Die Voten – auch von Ihnen – man möge die Amtszeitverlängerung bestätigen, weil diese von der Goetheanum-Leitung gewünscht wird, reichten keinesfalls aus. Die offensichtliche Erwartung, man solle ohne jegliche inhaltliche Beteiligung und Information zustimmen, zeigt nicht nur eine Geringschätzung der Mitglieder, sondern entspricht geradezu einer Beleidigung ihres Urteilsvermögens.

Nun beklagen Sie, dass Peter Selgs Hinweis nicht schon im November 2017 erfolgt sei. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt damit rechnen, dass es keinen Rechenschaftsbericht geben wird!

Aber ganz abgesehen davon, dass ein Rechenschaftsbericht und eine wirklich ausführliche Information  eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müssten, ist immer wieder davon die Rede, dass Sie (als Leitungsgremien) sich den Impulsen der Weihnachtstagung verpflichtet fühlen, so auch in Ihrem Beitrag. Nicht nur deshalb müsste Ihnen eigentlich auch der §10 der Statuten der Weihnachtstagung bekannt sein, nach dem die Gesellschaft laut Statuten ihre Aufgaben und Ziele verfolgt: Die Anthroposophische Gesellschaft hält jedes Jahr im Goetheanum eine ordentliche Jahresversammlung ab, in der von dem Vorstande ein vollständiger Rechenschaftsbericht gegeben wird.“

Was soll man nun davon halten, dass durch Ihren Beitrag öffentlich bekannt geworden ist, dass die Notwendigkeit eines Rechenschaftsberichtes niemandem in der Gesellschaftsleitung in den Sinn gekommen zu sein scheint?

Vielleicht wäre es eine gute Idee, für das Treffen im November einen Workshop vorzusehen: „Theorie und Praxis des Rechenschaftsberichtes im Umfeld einer aufgeklärten und entscheidungsfähigen Mitgliedschaft“. Empfehlenswert wäre das Studium der Rechenschaftsberichte, wie sie noch bis in die 90er Jahre durchaus gepflegt wurden. Als Arbeitsmaterial könnten z.B. die Rechenschaftsberichte aus den 70er und 80er Jahren dienen.

2018 war der bisherige Tiefpunkt in dieser Angelegenheit: Gerade einmal 10 Minuten für den Rechenschaftsbericht für den gesamten Vorstand – und die Aussprache dazu wurde vom Versammlungsleiter vergessen! (Anmerkung: Die Entwicklung zu einem immer engeren Zeitkorsett an den Generalversammlungen fällt insbesondere in die Amtszeit von Bodo von Plato und Paul Mackay!)

Sind Sie wirklich der Ansicht, dass Peter Selg Ihnen nicht richtig zugehört hat? Abgesehen von der Frage, ob es für einen Generalsekretär angemessen ist, in derartig polemischer Art und Weise sich über einen Kollegen öffentlich zu äussern, stellt sich doch eher die Frage, ob Sie denn selber immer richtig zugehört bzw. gelesen haben. Das wird in zweifacher Weise deutlich:

Erstens: In Ihrer Laudatio über Paul Mackay erwähnen Sie, dass Sie auch 3 Monate nach der Generalversammlung „sich nicht sicher seien, was die Gegenvoten bei der Zäsur motivierte …“. Haben Sie Ihrerseits vielleicht denjenigen nicht richtig zugehört, die ihre Motive klar und deutlich geäussert haben? Das betrifft doch auch Ihre Kollegen aus dem Kreis der Generalsekretäre und Landesvertreter, bei denen es durchaus auch Bedenken gab. Falls die interne Kommunikation so schlecht ist, dass Sie die Motive der Vorstände der AGiS nicht erfahren haben, so hätten Sie nachfragen können. Aber auch diverse Ereignisse der jüngeren Vergangenheit, über die u.a. in „Ein Nachrichtenblatt“ berichtet wurde, die gestellten Anträge und nicht zuletzt die Mitgliederbeiträge an der Generalversammlung selber gaben Aufschluss über die Beweggründe, einer Amtszeitverlängerung nicht zuzustimmen. Wen vertreten Sie eigentlich als Generalsekretär? Die Mitglieder offensichtlich nicht, das wurde an der Generalversammlung wieder sehr deutlich, ansonsten hätten Sie sich wohl kundig gemacht und nicht nach 3 Monaten selber kundgetan, dass Sie die Motive immer noch nicht kennen, sich also dafür offensichtlich auch nicht interessieren.

Zweitens: Sie kritisieren weiter:

Es mutet doch als ein ‹Strohmann›-Argument an, als hätte dieser Druck daraus bestanden, dass ich oder eine(r) meiner Kolleg/inn/en behauptet hätten: Eine Nichtbestätigung «wäre das Ende der anthroposophischen Sache in der Welt». Das glaube ich natürlich nicht und habe es auch nicht gesagt, und ich kann mich nicht erinnern, eine(r) der Kolleg/inn/en hätte solches gesagt. Es ist ja auch Unsinn, aber trifft gerade den Punkt, von dem ich glaube – und das mag vielleicht den ganzen Schweizer Vorstand treffen –, Peter Selg hat mir (oder ich glaube doch sagen zu können: dem Gremium der Generalsekretäre in großer Mehrheit) nicht gut zugehört.

Allein der Ton und die Art und Weise, wie Sie sich als Generalsekretär über die Vorstände der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz auslassen, ist an sich schon ausserordentlich peinlich und wäre selbst dann unangemessen und ungehörig, wenn Ihre Kritik berechtigt wäre. Letzteres ist allerdings nicht der Fall, denn Peter Selg hatte folgendes geschrieben:

In dieser Hinsicht [in Bezug auf die Urteilsfähigkeit der Mitglieder] haben mich nicht zuletzt die vehementen Voten einiger Generalsekretäre und Landesvertreter im Verlauf der Debatte betroffen gemacht. Ich verstand, dass sie weiter mit den genannten Kollegen zusammenarbeiten wollen, aus wertschätzenden und freundschaftlichen Gründen, und weil sie ihnen viel verdanken. Für mein Gefühl aber wurden die anwesenden Mitglieder sehr unter Druck gesetzt und der Eindruck erzeugt, eine Nichtbestätigung wäre das Ende der anthroposophischen Sache in der Welt, der Worst Case der anthroposophischen Bewegung.

Was Sie kritisieren, ist nicht behauptet worden! Zumindest haben Sie es bei Ihrem angeblichen Zitat an der notwendigen Sorgfalt mangeln lassen und haben aufgrund dieser unwahren Darstellung Peter Selg sowie seine Kollegen vom Schweizer Landesvorstand weltweit öffentlich an den Pranger gestellt. Ein Versehen? Oder war es Absicht? In jedem Fall ein nicht tolerierbarer Vorgang für einen Repräsentanten einer anthroposophischen Gesellschaft.

Der von Peter Selg geschilderte  Eindruck, dass auf die Mitglieder in der Frage der Zäsur unangemessener – und vor allem argumentationslos und inhaltsleer – Druck aufgebaut wurde, kann nur bestätigt werden. Der unisono vorgetragene Wunsch der allermeisten Funktionäre, dass man weiter zusammen arbeiten wolle, können Sie doch nicht ernsthaft als „klare, vernünftige Gründe“ bezeichnen. Dieser gemeinsame Wunsch war sehr wohl in kollektivistischer Weise zum Ausdruck gebracht worden, dies wurde vor allem noch durch einen Auftritt unterstrichen, bei dem fast alle  Generalsekretäre und Landesvertreter auf die Bühne gingen und sich demonstrativ hinter den Vorstand stellten, um ihren kollektiven Wunsch nach einer weiteren Amtszeit von Bodo von Plato und Paul Mackay zum Ausdruck zu bringen.

Als Mitglieder erfahren wir offensichtlich nicht, was sich hinter den Kulissen abspielt bzw. abgespielt hat. Die gewiss verhaltenen Formulierungen des Schweizer Vorstandes in Anthroposophie weltweit 6/18 lassen erahnen, dass es sich hier nur um die Spitze eines Eisberges einer internen Auseinandersetzung handelt:

„Es hat uns tief betroffen gemacht, in welche Ecke wir im Rahmen eines demokratischen Gemeinwesens im Laufe der Versammlung und im Nachhinein gestellt worden sind. … Der Druck, der sich seither gegenüber dem Schweizer Vorstand aufgebaut hat, dem die Schuld für das Abstimmungsergebnis zugeschoben wurde, ist massiv und entspricht in keiner Weise den wirklichen Geschehnissen.“

Wann treten Sie zurück?

Mit freundlichen Grüssen

Thomas Heck, Dornach, 16. September 2018

Leserbrief an “Das Goetheanum”

Vollständige Version des Leserbrief an „Das Goetheanum“. Die um 50% gekürzte Version ist am 3. August 2018 in “Das Goetheanum” erschienen.

Lieber Herr Deféche

Ich beziehe mich auf Ihren Artikel „Dornach: Einheit und Spaltung“ im »Goetheanum« Nr. 14 und die daran anschließende Korrespondenz mit Mario Betti. Ich möchte zunächst auf Ungenauigkeiten hinweisen, durch die ein falsches Bild entstehen kann. So schreiben Sie, dass es einerseits galt, Elisabeth Vreede und Ita Wegman „zu rehabilitieren“. Es war außerordentlich aufwendig (mehr als 100 Seiten Schriftverkehr!) Justus Wittich und Gerald Häfner davon zu überzeugen, dass es nicht darum geht und auch nicht möglich ist, die beiden damaligen Vorstandsmitglieder durch einen Beschluss „zu rehabilitieren“, sondern dass durch die Aufhebung der Beschlüsse von 1935 lediglich ein – gewiss wesentlicher – Beitrag zur Rehabilitierung geleistet werden kann. Gerald Häfner hatte diese Sichtweise übernommen und an der Generalversammlung auch deutlich darauf hingewiesen. Die nun von Ihnen verwendete Formulierung kann zu dem Eindruck führen, dass mit dem Beschluss an der Generalversammlung die Rehabilitierung abgeschlossen sei. Davon kann jedoch keineswegs die Rede sein, da noch vieles aufzuarbeiten ist, so ist zum Beispiel die Denkschrift inhaltlich noch nicht durchdrungen worden und auch die Rolle des Gesellschaftsorganes „Vorstand“ am Zustandekommen der damaligen Beschlüsse bedarf noch der Klärung.

In Bezug auf die Zäsur verwenden Sie leider auch eine unklare Formulierung, Sie schreiben von „einer Bestätigung der Amtszeit“. Auch diese Formulierung ist ungenau, denn es ging tatsächlich um eine „Verlängerung der Amtszeit“. Dies war der Wunsch des Vorstandes und der Funktionäre, dem hat jedoch die Generalversammlung mehrheitlich nicht zugestimmt.

Sie schreiben dann weiter, dass ein seltsames Bild entstanden sei, in dem „klare Einheit“ und „harte Spaltung“ im gleichen Raum auftraten. Auch wenn sie dies nicht explizit zum Ausdruck bringen, so kann der Eindruck entstehen, dass die „klare Einheit“ positiv und die „harte Spaltung“ negativ zu bewerten sei. In der Frage der Zäsur hat an der Generalversammlung eine  deutliche Mehrheit das erreichte Ergebnis gewünscht. Und es liegt im Wesen des sozialen Lebens, dass man sich nicht immer einig ist. Dies dann gleich als Spaltung zu bezeichnen und negativ zu belegen, ohne auf die zugrunde liegenden Ursachen Bezug zu nehmen, ist gewiss nicht sach- und auch nicht wesensgerecht.

Sie respektieren das Ergebnis durchaus, sind aber dann doch der Ansicht, dass „man“, also die Allgemeinheit, bedauern könne, dass nun mit diesen zwei „erfahrenen“ Menschen nicht weitergearbeitet werden könne und Sie verweisen auf die „erfolgreiche, unternehmerische Energie“ Paul Mackays und auf Bodo von Plato, „der die Anthroposophie mit einer herausragenden Offenheit repräsentiert“ habe. Hier wäre interessant zu erfahren, worauf Sie Ihr Urteil über die erfolgreiche Tätigkeit von Paul Mackay und die Repräsentanz der Anthroposophie durch Bodo von Plato gründen. Hierzu einige Beispiele:

  • Die in jeder Hinsicht missratene Faustinszenierung, die nun endgültig als die kürzeste, ungenügend­ste und als einzige mit einem erheblichen Defizit in die Geschichte der Gesellschaft eingehen wird. Daran tragen gewiss die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder eine erhebliche Mitverantwortung. Frühere Faustinszenierungen haben durch Überschüsse in erheblichem Masse zur Finanzierung der Goetheanums beigetragen – jetzt haben wir ein Mehrere-Millionen-Defizit.[1]
  • Die Tatsache, dass Paul Mackay nach eigenen Angaben bereits seit dem Jahrtausendwechsel klar war, dass das strukturelle Defizit zu hoch ist (AWW 9/2010), sich aber daran nicht nur nichts geändert hat, sondern das Defizit in erheblichem Masse gestiegen ist und die finanzielle Lage der Gesellschaft heute als ausgesprochen prekär und dramatisch bezeichnet werden muss.
  • Die kommentarlose Veröffentlichung des Rudolf Steiner diskreditierenden und diffamierenden Zitates von Helmut Zander in „Rudolf Steiner Bilder“.[2]
  • Die ausgesprochen unkünstlerischen, teuren und unnötigen Umgestaltungen im Goetheanum, die zu einer lieblosen und kalten Atmosphäre geführt haben.[3]
  • In der Konstitutionsfrage wurde 2005 insbesondere durch Paul Mackay und Bodo von Plato die zuvor gewonnene eigene Erkenntnis, dass die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft nicht die Weihnachtstagungsgesellschaft sei, ersetzt durch Erwägungen eines Solothurner Gerichtes, welches aufgrund unzureichender Informationen und auch aus anderen Gründen in dieser Fragestellung keinesfalls angemessen urteilsfähig war. Entgegen der eigenen Erkenntnis von 2002 wird auch weiterhin der Mythos verbreitet, die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft sei von Rudolf Steiner an der Weihnachtstagung begründet worden, was definitiv nicht richtig ist. Siehe hierzu: http://www.wtg-99.com/mythos-fusion/.
  • Während der Amtszeit von Paul Mackay und Bodo von Plato konnte der Mitgliederrückgang nicht gestoppt werden.
  • Insbesondere durch die Umgestaltung der Wochenschrift, sowohl optisch als auch inhaltlich, hat sich die Auflage in etwa halbiert auf derzeit ca. 5-6000.
  • Ebenfalls in die Amtszeit der beiden fällt die Abschaffung des Nachrichtenblattes und damit die auch schon zuvor spärlichen Kommunikationsmöglichkeiten für die Mitgliedschaft.

Diese Liste ließe sich durch weitere Punkte ergänzen, besonders auch die Hochschule betreffend. Von all diesen Aspekten war in dem Interview, das Sie im Vorfeld der Generalversammlung 2018 mit den beiden Vorstandsmitgliedern geführt haben, überhaupt nicht die Rede. Jeglicher Rückblick auf die konkreten Tätigkeiten der beiden war offensichtlich vermieden worden. So hatte dieses Interview allenfalls den Charakter einer konventionellen Werbemaßnahme und war für eine sachgemäße, bzw. im Rahmen einer anthroposophischen Gesellschaft wesensgemäßen Orientierung der Mitglieder vollkommen ungeeignet.

Aus Ihrem Artikel spricht deutlich eine gewisse Betroffenheit Ihrerseits und man darf wohl mit Recht annehmen, dass Sie sich ein anderes Ergebnis gewünscht hätten. Das ist Ihr gutes Recht und steht Ihnen uneingeschränkt zu. Es muss aber die Frage erlaubt sein, ob es die Aufgabe der Redaktion der Wochenschrift ist, in diesen Artikeln die Betroffenheit eines Redaktionsmitgliedes zum Ausdruck zu bringen. Ein solcher Beitrag kann nur einseitig sein. Im Gegensatz dazu hat ein sehr großer Teil der an der Generalversammlung anwesenden Mitglieder zum Ausdruck gebracht, dass man sich eine wahrheitsgemässere und ausgeglichenere Berichterstattung wünscht. Die in Ihrem Beitrag durchscheinenden Bewertungen sind zum Teil auf nichts gegründet bzw. werden die Grundlagen nicht genannt, sind sogar als eigentlich oberflächlich zu bezeichnen. So ist „Einigkeit“ kein positiver Wert an sich, letztendlich käme es darauf an worüber man sich einig ist. Und auch eine „Spaltung“ im Sinne unterschiedlicher Auffassungen ist nicht negativ an sich. Auf Ihre unbegründeten Beurteilungen der Tätigkeiten der beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder hatte ich bereits hingewiesen.

Zu fragen ist, ob Sie sich denn mit den Mitgliedern und deren Argumenten, die diese gegen eine weitere Amtszeit vorgebracht haben, auseinandergesetzt haben? Haben Sie z.B. mit den betreffenden Mitgliedern (darunter auch inzwischen ehemalige Mitarbeiter des Goetheanums) das Gespräch gesucht? Warum kommen diese Mitglieder im Rahmen eines freien Geisteslebens im Rahmen der Publikationsorgane der Gesellschaft nicht zu Wort? Wäre es nicht geradezu eine Aufgabe, Ihre Aufgabe, einen Dialog und einen Austausch zu ermöglichen? Wie soll sonst eine Versöhnung, von der Sie schreiben, möglich werden? Hierin würde ich eine angemessene und auch wünschenswerte Aufgabe sowohl für die Wochenschrift als auch für „Anthroposophie weltweit“ sehen. Gewiss ist es nicht produktiv und auch nicht versöhnlich, wenn ausschließlich die Betroffenheiten der Redakteure zum Ausdruck gebracht werden, wie es in Ihrem Artikel und in dem Artikel von Wolfgang Held „Hässliche Weckwesen“[4] erfolgt ist. Wenn Sie nicht nachvollziehen können, dass diese Artikel, wie auch von Mario Betti bemerkt, als suggestiv erlebt werden, wird sich der weitere Niedergang der Wochenschrift und auch der Gesellschaft kaum aufhalten lassen.

Thomas Heck, 6. Juni 2018

[1] „Anthroposophie weltweit“, 11/17, wobei nicht der gesamte Aufwand dargestellt ist, wie Justus Wittich am Mitgliedertag am 3. November 2017 ausführte.

[2] Ein Nachrichtenblatt, Nr.21, 9. Oktober 2016, Zum Vorfall der Goetheanum-Publikation ‹Rudolf Steiner Bilder› – »Das Goetheanum ist ein Haus, das mit sich selbst uneins geworden ist«, Stephen E. Usher

[3] Ein Nachrichtenblatt PLUS VII, Warum die Zäsur notwendig war, John C. Ermel

[4] http://www.wtg-99.com/rundbrief-ein-fuerwahr-wirklich-haessliches-weckwesen/, sowie: Ein Nachrichtenblatt PLUS VII/2018

Rundbrief – Ein fürwahr wirklich „hässliches Weckwesen“

Liebe Freunde,

die Generalversammlung 2018 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft wird gewiss als ein herausragendes Ereignis in die Geschichte der Gesellschaft eingehen. Zwei Ereignisse ragen – neben weiteren ebenfalls wichtigen und bedeutungsvollen Aspekten – deutlich hervor:

  1. mit der Aufhebung des Beschlusses von 1935, mit dem Ita Wegman und Elisabeth Vreede aus dem Vorstand ausgeschlossen wurden, ist erstmals ein Schritt in der Aufarbeitung der Gesellschaftsgeschichte durch ein Organ der Gesellschaft erfolgt.
  2. Ebenfalls erstmals in der Geschichte der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ist die Mitgliedschaft den Wünschen des Vorstandes in einer Frage der Vorstandszusammensetzung nicht gefolgt.

Der gesamte Verlauf der Generalversammlung war geprägt durch eine vorgegebene viel zu enge Zeitgestaltung und dem deutlichen Willen des Vorstandes, entgegen entsprechenden Forderungen aus der Mitgliedschaft, den Zeitrahmen nicht zu erweitern. Dadurch war die Generalversammlung von Zeitdruck geprägt, eine angemessene Behandlung der Tagesordnungspunkte war nicht möglich und es kam teilweise zu unwürdigen Situationen, die durch die jeweilige Versammlungsleitung zu verantworten waren. Insbesondere die Abstimmung über eine weitere Amtszeit als Vorstand von Paul Mackay und Bodo von Plato führte zu einer Polarisierung zwischen Gesellschaftsleitung und Funktionären einerseits und einem großen Teil der Mitgliedschaft andererseits, welche dann am Sonntag zum Abschluss der ganzen Tagung nach einer gemeinsamen Klassenstunde in einer regelrechten Mitgliederbeschimpfung durch die Funktionäre gipfelte.

All dies kann hier zunächst nur angedeutet werden und wird in nachfolgenden Beiträgen ausführlich dokumentiert und dargelegt werden.

Ausgesprochen klar war das Votum der Mitgliedschaft für eine tatsachengetreue und wahrhaftigere Berichterstattung in den Gesellschaftsorganen „Das Goetheanum“, „Anthroposophie weltweit“ und im Internet, wie es in dem Mitgliederantrag 8 gefordert worden war. Die Hoffnung, dass durch dieses Votum eine Veränderung eintreten könnte, wurde jedoch bisher enttäuscht, wie aus dem Beitrag im Anhang beispielhaft deutlich wird.

Aus den offiziellen Berichten kann aufgrund der weiterhin einseitigen Berichterstattung für die allermeisten Mitglieder kein Bild des wirklichen Geschehens an der Generalversammlung entstehen. Auch die Hintergründe zu einigen wichtigen Themen, die an der Generalversammlung behandelt wurden, sind weitgehend unbekannt. Auch aus diesem Grund sollen weitere Beiträge folgen. Wer gerne in diesem Sinne selber beitragen möchte, ist herzlich eingeladen.

Mit herzlichen Grüßen

Thomas Heck

PS: Bitte fühlen Sie sich frei, diese Information weiter zu geben bzw. weiterzuleiten. Weitere Interessenten können sich auch gerne auf der Seite www.gv-2018.com/Newsletter in den Verteiler für diesen Rundbrief eintragen. Soweit es möglich und auch leistbar ist, sollen auch die weiteren Beiträge in englischer Sprache erscheinen. Auf www.gv-2018.com sind neben aktuellen Beiträgen auch grundlegende Fragen zur Gesellschaftsgeschichte und zur Konstitution zu finden.

Ein fürwahr wirklich „hässliches Weckwesen“

In dem § 8 der Statuten der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft ist festgelegt, dass für die Aufgaben und Ziele der Gesellschaft ausschließlich der Vorstand zuständig ist und die Generalversammlung kein verbindliches Mitspracherecht hat. Aus diesem Selbstverständnis des Vorstandes heraus wurde bereits vor der Generalversammlung deutlich gemacht, dass die Abstimmungen zu einigen der Anträge nur fakultativ seien, das Ergebnis also für den Vorstand nicht bindend sei. Dies betraf auch den Antrag 8, mit dem der Vorstand beauftragt werden sollte, für eine ausgewogene und der Wahrheit verpflichtete Berichterstattung in den Publikations-Organen der Gesellschaft zu sorgen. Diese Forderung wurde an der Generalversammlung von einer sehr deutlichen Mehrheit unterstützt.

Offensichtlich hat man dieses Votum der Mitglieder tatsächlich nicht wirklich ernst genommen, denn es ist schon bemerkenswert, wie sich die einseitige Berichterstattung in dem Artikel „Hässliche Weckwesen“ von Wolfgang Held in der Wochenschrift vom 20. April 2018[1] fortsetzt, insbesondere, da sich dieser gerade auf die Generalversammlung bezieht, an der eine grosse Mehrheit der Mitglieder für eine andere Art der Berichterstattung votiert hatten. Die Tatsache, dass sich der Kommunikationsbeauftragte der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und Goetheanumsprecher öffentlich in dieser Art und Weise äussert, ist wirklich sehr bemerkenswert. Von Mitgliedern wird diese Äusserung allerdings nur bedingt wahrgenommen, da viele die Wochenschrift nicht mehr beziehen. (Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis die Auflage unter 5.000 sinkt. Zudem wird im ganzen nicht-deutschsprachigen Raum dieser Beitrag wohl gar nicht wahrgenommen.) Bemerkenswert ist auch, dass sich die hinter diesem Artikel stehende Haltung einerseits öffentlich offenbart, aber nicht wirklich offen gegenüber der gesamten Mitgliedschaft artikuliert wird.

Es folgen Ausschnitte aus dem Artikel von Wolfgang Held mit Kommentierungen (in kursiver Schrift).

»Hässliche Weckwesen«

»Es sei beklemmend wie kaum zuvor gewesen. So beschrieben die Mitarbeitenden in der Cafeteria und am Empfang am Goetheanum die Atmosphäre an der Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft, als es um die Bestätigung des Vorstandsamts von Bodo v. Plato und Paul Mackay ging.«

Soll mit dieser Formulierung der Eindruck erweckt werden, dass die Beklemmung der Atmosphäre ausschließlich im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Amtszeitverlängerung von Bodo von Plato und Paul Mackay entstanden sind? Zudem ist die Formulierung ungenau, es ging nicht um die Bestätigung des Vorstandsamtes sondern um die Erneuerung der abgelaufenen Amtszeit.

»Irritierend war ebenfalls, dass zur eigentlichen Abstimmung die Anzahl der anwesenden Mitglieder um 300 zunahm.«

Hier hat der Autor ein schlechtes Gedächtnis, denn die Generalversammlung ist üblicherweise an den Samstagen und insbesondere bei den Abstimmungen immer besser besucht als zu den anderen Zeiten. An der Generalversammlung 2017 war die Differenz so gross, dass die Anzahl der vorbereiteten Stimmzettel nicht ausreichte und es dadurch zu einer Stockung beim Einlass in den grossen Saal kam

»Sie hatten an den zweitägigen Beratungen zuvor nicht teilgenommen.«

Es entsteht der Eindruck, dass die Teilnehmer an dem Samstag überhaupt nicht an Beratungen teilgenommen hätten. Tatsächlich wurden von den insgesamt elf Mitgliederanträgen und dem Vorstandsantrag zur Zäsur lediglich zwei Anträge bereits am Freitag beraten, die Beratung aller anderen Anträge erfolgte auch am Samstag und wurde von den Hinzugekommenen sehr wohl wahrgenommen[2]. Die Meinungsbildung zu den beiden bereits am Freitag beratenen Anträgen (Aufhebung des Beschlusses von 1935, Entscheidung über die neue Amtszeit) dürfte wohl bereits für die allermeisten Mitglieder im Vorfeld abgeschlossen gewesen sein. Insbesondere zur Zäsur wurden von den Befürwortern einer weiteren Amtszeit in der Beratung keine inhaltlichen Begründungen angegeben, wie dies auch im Vorfeld schon nicht der Fall war. Inhaltlich substantielle Beiträge wurden ausschließlich von denjenigen vorgetragen, die die Amtszeitverlängerung infrage stellten. Die kurzen und wenig aussagekräftigen und zudem unvollständigen Berichte über ihre Tätigkeiten der beiden Kandidaten wurden erst am Samstag, entgegen der eigentlichen Planung, gegeben. Auch diese konnten von den Hinzugekommenen wahrgenommen werden.

»… Aus der Zäsur der Vorstandsmitglieder wird ein umfassender Halt – ein Halt zu einem hohen Preis.«

Wie kann man diesen letzten Satz verstehen? Entsteht ein umfassender Halt bei den Funktionären bzw. der Goetheanum-Leitung? Ein Halt gegenüber was oder wem? Der Mitgliedschaft? Und was mag mit dem hohen Preis gemeint sein?

»Denn das Wie des Wahlgeschehens hatte kaum etwas mit der viel zitierten ‹Pflege des seelisch-geistigen Lebens› zu tun.«

Auch hier nur Andeutungen, die wohl in Richtung der Mitgliedschaft zielen? Eine Unterstellung an denjenigen Teil der Mitglieder, die der Ansicht waren, dass eine weitere Vorstandstätigkeit von Paul Mackay und Bodo von Plato nicht sinnvoll sei? Es mag an anderer Stelle ausführlicher und detaillierter darzustellen sein, wie den Mitgliedern in den letzten Monaten keinerlei Urteilsgrundlagen gegeben wurden, um eine verantwortbare Entscheidung zu treffen. Es ist evident, dass lediglich berichtet wurde, dass intensive Beratungen zur Zäsur stattgefunden hätten. Über die Inhalte wurde nichts berichtet. Auch das Interview in der Wochenschrift („Das Goetheanum, 10. März 2018) ähnelt mehr einer herkömmlichen Wahlwerbung und war frei von Inhalten ebenso wie die schriftlichen Beiträge zur Generalversammlung in Anthroposophie weltweit (Nr. 1-2/2018). (Allerdings konnten sich engagierte Mitglieder die notwendigen Urteilsgrundlagen im Laufe der letzten Jahre aufgrund der ganz offenbaren Entwicklung des Goetheanum selber verschaffen und werden dies gewiss auch getan haben.) Diese Art und Weise des Umganges mit den Mitgliedern diente wohl kaum der „Pflege des seelischen Lebens … in der menschlichen Gesellschaft“[3].

»Die stehende und anhaltende Ovation für die 17 und 22 Jahre Vorstandsarbeit war dann auch der Wunsch, die eben geschlagenen Wunden schließen zu wollen – verständlich und widersprüchlich.«

Auch hier eine einseitige Beurteilung des Verhaltens der Mitglieder: Ist es für Wolfgang Held unvereinbar, dass man der Ansicht ist, es solle jemand nicht weiter im Vorstand tätig sein und ihm trotzdem menschlich und aus ganzem Herzen für die Vergangenheit stehenden Applaus zu spenden? Ist vielleicht nicht gerade in diesem Verhalten ein Beitrag zu einer „Pflege des seelischen Lebens ….“ in der Gesellschaft zu sehen?

»Nicht anders als im eigenen Seelenhaushalt, wo ein hässlicher Zug hereinbricht und entzweit und dann sein Licht wirft, so könnte hier auch in der Verdüsterung Erhellendes liegen. Ich vermute es hier: Der Schlüssel zu Demut und Großherzigkeit gegenüber dem anderen Empfinden und Verstehen findet sich nicht in den eigenen Überzeugungen und Idealen, wächst aus keinem Gegebenen, ihn wird nicht die Anthroposophie und nicht Rudolf Steiner stiften, sondern diese Großherzigkeit gibt sich allein aus dem persönlichen Entschluss, den anderen und sein Anderssein zu wollen.«

Dieser Abschluss stellt dann auch tatsächlich einen traurigen Höhepunkt dar, in dem sich der Autor in moralischen Vermutungen, subtilen Andeutungen und Beurteilungen versteigt. Handelt es sich hier möglicherweise geradezu um eine Projektion? Fehlt es nicht gerade dem Autor an „Großherzigkeit“ und Respekt gegenüber dem Denken und Wollen eines Teils der Mitgliedschaft, welches nicht seinem eigenen entspricht? Wie lässt sich das mit einem freien Geistesleben vereinbaren? Wie ist es möglich, dass in unserer Gesellschaft jemand Goetheanum-Sprecher, zuständig für die Kommunikation am Goetheanum und Redakteur der Wochenschrift sein kann, der sich öffentlich derartig herablassend, moralisierend und diskreditierend über einen Teil der Mitgliedschaft auslässt und dies bei weitem nicht zum ersten Mal?

Aber was vielleicht noch gravierender ist: wie ist es möglich, dass sich Mitglieder derartige Äußerungen, man möchte schon sagen ‚Beleidigungen‘, immer wieder bieten lassen? Und warum entsteht nicht ein Sturm der Entrüstung? In diesem letzteren Aspekt sehe ich das eigentliche Hauptproblem in unserer Gesellschaft.

Thomas Heck, 27. Mai 2018

Email: info@gv-2018.com

Website: www.gv-2018.com

[1] Auch im Internet zu finden: https://dasgoetheanum.com/ausgaben/2018/ausgabe-16

[2] Die zeitlich auseinandergezogene Gestaltung der Generalversammlung, eingebettet in die Tagung „Jahrestreffen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“ war im Vorfeld auf unterschiedliche Reaktionen gestoßen. Insbesondere für auswärtige Mitglieder wäre eine Teilnahme an allen Tagen mit erheblichen Kosten und Zeitaufwand verbunden gewesen.

[3] Worauf sich das Zitat von Wolfgang Held bezieht ist mir nicht ganz klar, möglicherweise bezieht er sich damit auf die Statuten der Weihnachtstagungs-Gesellschaft, dort heißt es in dem ersten Statut: „Die Anthroposophische Gesellschaft soll eine Vereinigung von Menschen sein, die das seelische Leben im einzelnen Menschen und in der menschlichen Gesellschaft auf Grundlage einer wahren geistigen Erkenntnis der geistigen Welt pflegen wollen.“

Newsletter – A Truly “Ugly Wake-up Call”

Dear friends,

The 2018 General Assembly of the General Anthroposophical Society will certainly go down in the history of the Society as an outstanding event. Among other equally important and significant aspects of the Meeting, two events stand out clearly:

  1. With the annulment of the resolution of 1935, in which Ita Wegman and Elisabeth Vreede were excluded from the Executive Council, for the first time a step was taken in the process of working through the Society’s history by an organ of the Society itself.
  2. Likewise for the first time in the history of the General Anthroposophical Society, the membership did not comply with the wishes of the Executive Council in a question of the Council’s composition.

The entire course of the General Assembly was marked by an overly tight time-schedule and by the clear will of the Executive Council not to expand the time-frame, contrary to corresponding requests from the membership. As a result, the General Meeting was characterized by being pressed for time; it was not possible to deal appropriately with the items on the agenda, and, in some cases, undignified situations arose, the responsibility for which lay with the particular moderators of those parts of the meeting. In particular, the vote on a further term of office in the Council for Paul Mackay and Bodo von Plato led to a polarization between the Society leadership and officials on the one hand, and a large part of the membership on the other; this culminated on Sunday, at the end of the entire conference and after a Class Lesson, in an outright insult toward members by the officials.

All this can, initially, only be given in outline and will be documented and explained in detail in following articles and contributions.

What was abundantly clear was the membership’s vote for a more factual and truthful practice of reporting in the Society’s publications Das Goetheanum, Anthroposophy Worldwide, and on the internet, as requested by the membership in Motion 8. However, the hope that this vote could bring about a change has so far been disappointed, as is clearly exemplified in the attached article.

Due to the continued one-sided way of reporting in the official reports, for the vast majority of members no real picture can emerge of what actually happened at the General Meeting. In addition, the background to some important topics discussed at the General Assembly remains largely unknown. For this reason, too, further contributions should follow. Whoever would like to contribute in this sense is cordially invited to do so.

With kind regards,

Thomas Heck

PS: Please feel free to pass along, or forward, this information. Others who are interested are also welcome to subscribe to the mailing list for this newsletter on the website www.gv-2018.com/Newsletter. As far as possible and affordable, the additional contributions should also appear in English. In addition to current contributions, the website www.gv-2018.com will also contain contributions on fundamental questions regarding the history of the Society and the Society’s constitution.

Translation: T. O’Keefe

A Truly “Ugly Wake-up Call”

Article 8 of the Statutes of the General Anthroposophical Society stipulates that the Executive Council is exclusively responsible for the tasks and objectives of the Society and that the General Assembly has no binding say. From this self-understanding it was already made clear before the 2018 General Assembly that, for some of the motions [i.e., the proposals put forth by members to be voted upon at the Assembly], an implementation of the outcome of the vote would only be optional; that is, that the result of the vote would not be binding on the Executive Council. This also applied to Motion 8, which was to entrust the Executive Council with the task of ensuring balanced and truthful reporting in the Society’s publications. This demand was supported by a very clear majority at the General Assembly.

Apparently this vote by the members truly was not taken seriously, as it is indeed remarkable how the one-sided reporting continues in Wolfgang Held’s article “Ugly Wake-up Call,” in the April 20, 2018 issue[1] of the weekly magazine Das Goetheanum – especially since it was written in direct reference to the General Assembly at which the members had voted by a majority for a different kind of reporting. The fact that the Communications Officer of the General Anthroposophical Society, and Goetheanum spokesperson, expresses himself publicly in this way is really very striking. In any case, members will only perceive this expression to a limited extent, since many no longer receive this weekly publication. (It will probably not be long before the circulation falls below 5,000. Moreover, this contribution will likely not even be noticed in the entirety of the non-German-speaking world.) It is likewise noteworthy that the attitude behind this article is, on the one hand, publicly revealed, yet, on the other hand, not really openly articulated before the view of the entire membership.

What follows are excerpts from the article by Wolfgang Held (in italics) with my commentary.

“Ugly Wake-up Call

It was more nightmarish than ever before. This is how the staff in the cafeteria and at the reception at the Goetheanum described the atmosphere at the General Assembly of the Anthroposophical Society when it came to the confirmation of Bodo v. Plato and Paul Mackay’s positions in the Executive Council.”

Is this wording intended to give the impression that the trepidation of the atmosphere arose exclusively in connection with the vote on the extension of Bodo von Plato and Paul Mackay’s terms of office? Moreover, the wording is imprecise; it was not actually a question of confirming the positions of the Executive Council members, but of renewing the expired terms of office.

“It was likewise irritating that the number of members present for the actual vote increased by 300.”

Here the author has a poor memory, because the General Assembly is traditionally better attended on the Saturday of the Assembly – and especially during the voting period – than at other times. At the 2017 General Assembly, the difference in attendees (between the day of voting and the other days of the General Assembly) was so great that the number of ballot papers prepared was insufficient, resulting in a stoppage at the entrance to the Great Hall.

“They [the 300 additional members] had not taken part in the preceding two-day deliberations.”

The impression emerges here that the participants who had come for Saturday had not taken part at all in the important deliberations. In fact, of the eleven motions put forward by members and the additional motion from the Executive Council for a caesura [i.e., a pause of the current terms of office for the two Executive Council members, followed by a consideration and a vote regarding whether or not to renew these terms of office for a further seven years], only two motions were discussed on Friday; the discussion of all other all other motions occurred on Saturday, and these discussions were very well perceived by the members who had newly arrived on Saturday.[2] The formation of opinions about the two motions that had already been discussed on Friday (the repeal of the 1935 decision and the decision regarding the renewed terms of office) is likely to have been completed in advance for the vast majority of members. Especially regarding the caesura, the proponents of a further term of office did not contribute to the discussion any substantive reasons for their view, as was, in contrast, not the case during the weeks and months leading up to the General Assembly. At the General Assembly, substantial contributions were made exclusively by those who brought into question the extension of the terms of office. The short, not very informative, and incomplete reports on the activities of the two candidates were only given on Saturday, contrary to what had been planned. These reports were also perceived by the newcomers [i.e., the members who arrived on Saturday].

“From the caesura of the Executive Council members, there emerges a comprehensive halt – a halt that comes at a high price.”

How can one understand this last sentence? Will there actually come about a comprehensive halt for the officials or Goetheanum Leadership? A halt with regard to what or whom? The membership? And what could be meant by the “high price”?

“For the ‘How’ of the election process had barely anything to do with the much quoted ‘care of the soul-spiritual life’.”

Here, too, there are only hints that are perhaps directed at the membership? An insinuation regarding that part of the membership which was of the opinion that a further period of activity on the Executive Council for Paul Mackay and Bodo von Plato would not make sense? It may be possible to describe in more detail at a later time how the members, in recent months, had been given no basis for judgment whatsoever, upon which to arrive at a responsible decision on this question. It is evident that it was merely reported that intensive deliberations on the caesura had taken place. Nothing was reported about the content of these deliberations. Even the interview in the weekly magazine Das Goetheanum (March 10, 2018) was more like a conventional election canvassing and was free of content, just as were the written contributions [by the Council Members up for reaffirmation] to the General Assembly in Anthroposophy Worldwide (No. 1-2/2018). (In any case, engaged members were able to obtain for themselves the necessary basis for judgement over the course of the last few years due to the quite obvious orientation of the Goetheanum’s development, and they will certainly have done so.) This way of dealing with the members hardly served the “care of the soul life . . . in the human Society.”[3]

“The standing and sustained ovation for the 17 and 22 years of Executive Council work was then also the desire to close the wounds that had just been inflicted – understandable and contradictory.

Again, a one-sided assessment of the members’ behaviour: Is it incompatible for Wolfgang Held that one is of the opinion that someone should no longer be active on the Executive Council and nevertheless give him human and heartfelt applause for the past? Is this behaviour not perhaps precisely a contribution to a “care of the soul life” in the Society?

“No different than in one’s own soul’s household, where an ugly stroke enters and separates and then casts its light, there could also be something illuminating here in the darkening. I suspect it is here: The key to humility and magnanimity toward others is not found in one’s own convictions and ideals, it does not grow out of anything given, it will not be brought about by anthroposophy and not by Rudolf Steiner, but this magnanimity is based solely on the personal decision to will others and their otherness”.

This conclusion actually represents a sad climax in which the author goes so far as to express moral presumptions, subtle intimations, and judgments. Is this possibly a projection? Is it not precisely the author who lacks “magnanimity” and respect for the thinking and will of a part of the membership that does not correspond to his own? How can this attitude be reconciled with a free spiritual-cultural life? How is it possible that in our Society someone can be a Goetheanum spokesperson, responsible for communication at the Goetheanum, and editor of the weekly publication Das Goetheanum, and yet can be so publicly condescending, moralizing, and discrediting toward a part of the membership? And this is by no means the first time.

But what is perhaps even more serious: How is it possible that many members allow for such statements, one might even say “insults,” to be offered again and again? And why is there not a storm of indignation? In this latter aspect, I see the real main problem in our Society.

Thomas Heck, May 27, 2018

Email: info@gv-2018.com

Website: www.gv-2018.com

Translation: T. O’Keefe

[1] This can also be found on the internet (in German): https://dasgoetheanum.com/ausgaben/2018/ausgabe-16

[2] The temporally dispersed structure of the General Assembly, which was embedded in the larger conference “The Annual Meeting of the General Anthroposophical Society,” had met with different reactions in advance. Particularly for members visiting from other countries, participation on all days would have meant significant cost and time-commitment.

[3] What the quote [“care of the soul-spiritual life”] cited by Wolfgang Held refers to is not entirely clear to me; possibly it refers to the Statutes of the Christmas Conference Society, where it says in the first statute: “The Anthroposophical Society should be an association of human beings who wish to cultivate the soul life in individual human beings and in human society on the basis of a true spiritual knowledge of the spiritual world.”

Zur bevorstehenden Generalversammlung 2018

Mit der bevorstehenden Generalversammlung scheint die Gesellschaft doch an einem wichtigen Entscheidungspunkt zu stehen, der für die weitere Entwicklung von grosser Bedeutung sein kann. Als wesentliche Aspekte sind da zu nennen:

  • Die vorgesehene Aufhebung des Beschluss von 1935 zur Rehabilitierung von Ita Wegman und Elisabeth Vreede. Dabei geht es insbesondere auch darum, wie sich die Gesellschaft zu ihrer eigenen Geschichte stellt. Es ist eben auch eine Rehabilitierung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, denn diese hat sich durch ihre Organe Vorstand und Generalversammlung 1935 in fragwürdiger Art und Weise verhalten. Heute steht nun die Frage an, wie wir das damalige Geschehen und Verhalten bewerten und ob bei uns eine Bereitschaft besteht, geschehenes Unrecht anzuerkennen und damit die moralische Integrität unserer Gesellschaft in dieser Angelegenheit wieder herzustellen. Dies wird von entscheidender Bedeutung für die Zukunft sein.
  • Durch die Zäsur wird der Fokus gelegt auf bestehende Gegensätze wie Erneuerung vs. Kontinuität oder Einfluss der Mitglieder auf die Geschicke der Gesellschaft vs. weiterer zentralistischer Führung. Dies drückt sich aus und spitzt sich zu in der Tatsache, dass die Mitgliedschaft in keinster Weise inhaltlich in die Überlegungen zur Fragestellung einer weiteren Amtszeit von Bodo von Plato und Paul Mackay einbezogen bzw. informiert wurde. Für den Rechenschaftsbericht für die letzten 7 Jahre Amtszeit sind an der Generalversammlung gerade einmal je 5 Min.[1] Eine ganz neue Dimension in unserer Gesellschaft stellt auch die Art der „Wahlwerbung“ in der Wochenschrift[2] und im Internet[3] in Form von gegenseitigen Belobigungen dar. Die Tatsache, dass sich die Gesellschaft und das Goetheanum nach 17- bzw. 22jähriger Amtszeit dieser beiden massgeblichen Vorstandsmitglieder in jeder Hinsicht in einer existenziellen Krise befindet, wurde dabei vollkommen ausgeblendet. Die Mitgliedschaft soll nun in blindem Vertrauen der Empfehlung des Vorstandes, der Goetheanum-Leitung und der Generalsekretäre folgen[4]. Was ist aus der Gesellschaft geworden, die eine Erkenntnisgemeinschaft im Zeitalter der Bewusstseinsseelenentwicklung sein sollte?
  • Über die Wege, Massnahmen und Projekte, mit denen die Gesellschaft aus der Krise geführt und zukunftsfähig gemacht werden soll, wird von jenen Kreisen und Funktionären entschieden, welche die Gesellschaft in die Krise geführt haben. Rückschau und Rechenschaft darüber erfolgt allenfalls intern, nicht gegenüber der Mitgliedschaft. Diese wird zumeist nicht einbezogen und erst informiert, wenn Entscheidungen getroffen worden sind bzw. sich bereits in Umsetzung befinden (siehe z.B. Goetheanum-Assoziation, Antrag 6 zur diesjährigen Generalversammlung). Über das Projekt „Goetheanum in Entwicklung“ wird nicht vollständig informiert, bei der Veröffentlichung wurden wesentliche Teile weggelassen und Nachfragen nicht beantwortet. Damit ist im Grunde für die Mitgliedschaft die Zukunft der Gesellschaft ungewiss und es wird erwartet, dass man sich auf die Funktionäre verlassen möge, „sie werden schon alles richtig machen“.
  • Für die bevorstehende Generalversammlung ist von der Gesellschaftsleitung ein Zeitkorsett vorgeben worden, dass eine angemessene Behandlung aller Tagesordnungspunkte nicht ermöglicht. Letzteres war von der Leitung auch nicht beabsichtigt, sondern es sollte eine „schlanke“ Generalversammlung in eine Tagung „als Fest der Begegnung“ eingebettet werden. Als Grund für diese Gestaltung wurde angegeben, dass insbesondere viele Mitglieder aus der Peripherie eine solche Gestaltung wünschen würden und Generalversammlungen, wie sie sonst üblich sind, ablehnen. Derartige Argumentationen sind nicht neu, allerdings blieben die Mitglieder, die diese Wünsche haben, immer im Hintergrund, äusserten sich nicht selber, nicht durch Beiträge und auch nicht durch Anträge an der Generalversammlung.[5] Warum bringen sie sich nicht aktiv ein? Es drängt sich die Frage auf, ob  es sie überhaupt in relevanter Anzahl gibt. Die Gesellschaft lebt davon, dass sich die Mitglieder aktiv einbringen. Die kommende Generalversammlung ist nach dem Wunsch dieser unbekannten Mitglieder gestaltet. Nun muss sich zeigen, wie die wirklichen Verhältnisse sind.

Damit stehen an der diesjährigen Generalversammlung wichtige und zukunftsgestaltende Richtungsentscheidungen an, allem voran die Frage, ob die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft eine Funktionärs-Gesellschaft[6] bleiben soll oder ob die Mitgliedschaft ihre Verantwortung für die Geschicke der Gesellschaft ergreifen  und an der zukünftigen Entwicklung mitwirken will. Und damit auch die Frage, ob wir in unserer Gesellschaft, auch als Beitrag zur Lösung der weltweiten Krisen im Zusammenleben der Menschen, durch Mitglieder-Initiative in unserer Gesellschaft konstruktive Lösungsbeiträge entwickeln möchten, oder ob wir uns auch weiterhin den veralteten Formen[7] einer zentralistischen Führung anvertrauen wollen, in der Hoffnung, dass „die da oben es schon richten werden“?

So kann man hoffen, dass es eine aktive und rege Beteiligung der Mitgliedschaft an dieser Generalversammlung geben wird. Die Ausdehnung auf 3 Tage ist gewiss für viele ungünstig. Allerdings werden nach der vorliegenden Planung die Beschlüsse alle erst am Samstag gefasst werden.

Thomas Heck, 17. März 2018

[1] Aus einem internen Ablaufplan, Stand 12.3.2018, der sich noch ändern kann. Allerdings korrespondiert diese Zeiteinteilung mit der veröffentlichten Zeiteinteilung in “Anthroposophie weltweit” 1-2/18.

[2] „Das Goetheanum“, Nr. 10, 2018

[3] https://dasgoetheanum.com/schwerpunkte/2018/3/9/interview-mackay-plato

[4] Dabei darf nicht übersehen werden, dass es auch intern kritische Stimmen gegenüber einer weiteren Amtszeit gibt. Diese Tatsache wurde inzwischen aus der Berichterstattung vollkommen eliminiert. Dokumentation hierzu in “Ein Nachrichtenblatt” PLUS I vom 11. März 2018 oder http://www.wtg-99.com/wp-content/uploads/2018/03/180311_ENB_PLUS_I_Zäsur.pdf

[5] Ich habe inzwischen sehr viel Korrespondenz mit Mitgliedern. Allerdings ist mir die dargestellte Argumentation bisher bei Mitgliedern nicht begegnet.

[6] Abgesehen von dem Verhalten der Gesellschaftsleitung geht dies eindeutig aus den ersten Sätzen Paul Mackays in dem erwähnten Interview sowie aus dem Beitrag „Zäsur von Paul Mackay und Bodo von Plato“ von Justus Wittich, “Anthroposophie weltweit” 1-2/18 hervor. Zudem vergegenwärtige man sich die § 8 und 12 in den Statuten (AAG).

[7] Die Gestaltung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft kann nicht auf Rudolf Steiner zurückgeführt werden, da es sich bei der Gesellschaft um den umbenannten Bauverein handelt, der nie als Mitgliedergesellschaft vorgesehen war. Die entscheidenden Regelungen, die zur heutigen Struktur geführt haben, wurden beginnend 1935 (Kooptionsprinzip) nach und nach statuarisch verankert. Näheres hierzu auf www.gv-2018.com.

 

Antrag zur Änderung der Tagesordnung vom 16. März 2018

Aufgrund der extrem knapp bemessenen Zeit für die Behandlung der Tagesordnungspunkte ist ein Antrag zur Änderung der tagesordnung gestellt und veröffentlicht worden.

Es besteht bis zum 16. März, ca. 22 Uhr noch die Möglichkreit, sich zu beteiligen. (Kontaktformular)

Vielen Dank für die Unterstützung. In der kurzen Zeit sind 71 Unterschriften zusammengekommen und der Antrag wurde rechtzeitig eingereicht.

Nähere Informationen zum Antrag und Hintergründe in Ein Nachrichtenblatt PLUS II

Offener Brief an den Vorstand zur Tagesordnung der GV 2018

Lieber Herr Girke, lieber Herr Wittich,

nachdem nun die Traktanden der Generalversammlung feststehen und die von Ihnen vorgesehene  Struktur des Ablaufes der Generalversammlung bzw. des Jahrestreffens deutlich ist, möchte ich bzw. wir hier einige Gedanken und Vorschläge dazu einbringen. Aus dem Kreis der Mitantragsteller und auch von anderen Mitgliedern, denen ich diesen Brief im Entwurf zur Kenntnis gegeben hatte, erhielt ich ausschliesslich zustimmende Voten.

Zunächst möchte ich aus meinem Anschreiben zitieren, mit denen ich Ihnen meine Anträge übersendet hatte:

„Leider ist es in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten üblich, Antragsteller als Gegner anzusehen. Das ist gewiss nicht durchgängig in den persönlichen Begegnungen der Fall, aber im Gesamtduktus doch vorhanden. Das ist sehr bedauerlich, ist doch die Möglichkeit für Mitglieder über Anträge Themen einzubringen nicht nur ein in unseren heutigen Gesellschaftsverhältnissen notwendiges Recht, sondern bereits in den Statuten der Weihnachtstagungsgesellschaft verankert gewesen. So ist letztlich die Generalversammlung als höchstes Organ doch eine Mitgliederveranstaltung, auch wenn sie vom Vorstand organisiert wird.

Hinzufügen möchte ich noch die Bitte, genügend Zeit für die Behandlung der Anträge einzuräumen (aller, nicht nur meiner bzw. mit meiner Beteiligung), damit möglichst kein Zeitdruck entsteht. Denn dieser ist es häufig, der dann die Menschen „mürbe“ macht und die Auseinandersetzung schwierig und unfruchtbar werden lässt.“

Bei der Generalversammlung und dem Jahrestreffen handelt es sich im Grunde um 2 Veranstaltungen, die ineinander verschachtelt sind. Dadurch gibt es wohl kaum Möglichkeiten, die Blöcke der Generalversammlung bei Bedarf zeitlich auszudehnen. Aufgrund des Umfanges der zu behandelnden Traktanden wird jedoch sehr erheblicher Ausdehnungsbedarf entstehen und es erscheint unklar, wie ein reibungsloser Verlauf bei dem von Ihnen vorgeschlagenen Ablauf gewährleistet werden kann. Dies wird aus den folgenden Aufstellungen deutlich. Die Themen der diesjährigen Generalversammlung sind zu wichtig, als dass eine angemessene und fruchtbare Behandlung dadurch in Frage gestellt werden sollte, dass nicht genügend Zeit zur Verfügung steht und durch entstehenden Zeitdruck sozialer Stress entsteht. Da alle Traktanden behandelt werden müssen, wäre letzteres bei der vorgeschlagenen Zeitstruktur kaum zu vermeiden. Wer Erfahrungen mit Dornacher Generalversammlungen hat, kennt die Auswirkungen. Zu befürchten wäre dann, dass aus dem „Fest der Begegnung“ dann doch mehr eine eher unerfreuliche „feste Begegnung“ werden könnte. Das werden Sie nicht wollen, das wollen auch wir nicht und so möchten wir uns aktiv dafür einsetzen, dass ein konstruktiver, fruchtbarer und angemessener Ablauf der Generalversammlung ermöglicht wird.

So sieht die Tagesordnung folgende inhaltliche Punkte vor:

–     Begrüssung und Eröffnung der Generalversammlung
–          Verlesung bzw. Erläuterungen zum blauen Heft, wie in den letzten Jahren?
–          5 x Rechenschaftsbericht des Vorstandes inkl. Aussprache
–          Finanzbericht mit Aussprache
–          Bericht der Revisionsstelle
–          Genehmigung der Jahresrechnung
–          Entlastung des Vorstandes
–          Zäsur Paul Mackay
–          Zäsur Bodo von Plato
–          Verabschiedung Seija Zimmermann
–          2 Anliegen
–          11 Anträge
–          Unbekannt: Weitere Anträge bzw. Gegenanträge?
–          Daraus ergeben sich mindestens 26 Einzel-Punkte. Vorgesehen sind 2 x 90 Min und 1 x 75 Min., zusammen 255 Minuten, d.h. pro Einzelpunkt bleiben gerade einmal knapp 10 Minuten.

Tatsächlich wird aber wohl pro Antrag und pro Anliegen im Schnitt mindestens die doppelte Zeit benötigt, d.h. allein für die Anträge und Anliegen müssten mindestens 260 Minuten vorgesehen werden, d.h. realistisch betrachtet würde der gesamte vorgesehene Zeitrahmen allein für die Anträge und Anliegen nicht einmal ausreichend sein (zum Vergleich 2017: 2 Blöcke a 90 Minuten für 6 Anträge = 30 Minuten pro Antrag).

Aus einer anderen Perspektive betrachtet:

Lt. Zeitplan gibt es genau 3 Blöcke:

  1. Donnerstag, 22.3. von 17:15 – 18:30 Uhr (75 Minuten)
    Für diesen ersten Block ist vorgesehen,
    alle Anträge und Anliegen vorzustellen nebst Erläuterungen (1. Lesung)
    alle Vorstandsberichte
    – die Vorlage der Jahresrechnung und der Befund der Revisionsstelle.
  2. Freitag, 23.3., von 14:30 – 16:00 Uhr (90 Minuten)
    – Aussprache zu allen Anträgen und Anliegen (2. Lesung)
    – Aussprache zu allen Vorstandsberichten
    – Aussprache zur Jahresrechnung
    – Aussprache zur Zäsur ?
  3. Samstag, 24.3., von 14:30 – 16:00 Uhr (90 Minuten)
    – Genehmigung der Jahresrechnung
    – Wahl der Revisionsstelle
    – Beschlussfassungen zu allen Anträgen (3. Lesung)
    – Antrag auf Entlastung des Vorstandes
    – Bestätigung einer weiteren Amtszeit von Paul Mackay und Bodo von Plato

Eine Zeitreserve gibt es am Donnerstag nicht, am Freitag bzw. Samstag müssten die nachfolgenden Blöcke entfallen bzw. gekürzt werden.

Soweit die vorgegebene Zeiteinteilung, die nicht realistisch erscheint.

In Bezug auf die Zäsur zeichnet sich ein weiterer Antrag ab, der für Paul Mackay und Bodo von Plato jeweils 1 – 1,5 Std. vorsieht, um Fragen zu beantworten, damit ein Rückblick und ein Ausblick ihres Wirkens auch für die Mitglieder ermöglicht wird. Im Moment ist es so, dass zwar von Gesprächen innerhalb der Leitungsgremien berichtet wurde, von dem Inhalt aber nichts mitgeteilt wurde. Unter diesen Umständen die Mitglieder um Zustimmung zu bitten, ist für eine „Erkenntnis-Gesellschaft“ im Zeitalter der Bewusstseinsseele doch problematisch.

Damit zeichnet sich ein wesentlich höherer Zeitbedarf für die Generalversammlung ab:

–          Rechenschaftsberichte des Vorstandes ca. 5 x 10 Minuten plus 5 x 10 Minuten Aussprache = ca. 1,5 – 2 Std.
–          Finanzbericht mit Aussprache, Bericht der Revisionsstelle und Genehmigung: 0,5 Std.
–          Entlastung des Vorstandes: 5 – 20 Minuten
–          Zäsur Paul Mackay und Bodo von Plato: 2 – 3 Std.
–          2 Anliegen mit Bericht und Beratung des bisherigen Ergebnisses (Anliegen 1): ca. 0,5 – 1 Std.
–          11 Anträge je 20 – 30 Min., insgesamt 4 – 5,5 Std.

Wenn man das zusammenrechnet ergibt sich ein Zeitbedarf von 9 – 12 Std., also mehr als das Doppelte bis zum Dreifachen des geplanten Zeitbedarfes.

Zwischenbemerkung:

Welchen Einfluss diese Gestaltung, besonders die Verteilung der Generalversammlung auf 3 Tage, auf die Anzahl der Teilnehmer haben wird, werden wir sehen. Schon jetzt ist insbesondere auch von weiter entfernt lebenden Mitgliedern Unmut zu hören, da sowohl der grössere zeitliche Aufwand als auch die zusätzlichen Aufenthalts- und Teilnahmekosten für viele nicht tragbar sind. Die Behandlung wichtiger Entscheidungspunkte erfolgt am Freitag zu einer Zeit, die für viele Arbeitszeit ist (das war u.a. auch ein Grund für den schlechten Besuch des Mitgliedertages zur Faust-Inszenierung am 3.11.2018). Wenn dann am Samstag die Abstimmungen erfolgen, werden daher viele Mitglieder mit abstimmen, die bei der Beratung der Anträge und der Zäsur gar nicht anwesend sein konnten. Wobei natürlich grundsätzlich gegen eine längere Generalversammlung nichts einzuwenden ist.

Als Antragsteller fühlen wir uns (aufgrund der Voten kann ich hier auch für die anderen Antragsteller sprechen) sowohl für eine angemessene Behandlung der von uns eingebrachten Themen als auch für einen möglichst reibungslosen Ablauf der Generalversammlung mitverantwortlich. Um dieser Verantwortung gerecht werden zu können, wäre ein Austausch mit Ihnen notwendig, wenn wir auf entsprechende Anträge zur Änderung der Tagesordnung verzichten wollen. Wir bitten daher um ein möglichst kurzfristiges Gespräch, um bereits im Vorfeld mit Ihnen besprechen zu können, wie der Ablauf der Generalversammlung erfolgen kann. Dieses Gespräch sollte zeitlich so möglich sein, dass eine geänderte Zeitstruktur bereits in der nächsten Ausgabe von “Anthroposophie weltweit” veröffentlicht werden könnte, insbesondere im Hinblick darauf, dass auch der Ablauf der Jahresversammlung von den Veränderungen betroffen sein würde und die Teilnehmer dies nicht erst zu Beginn der Veranstaltung erfahren sollten.

Mit der Unterstützung eines grossen Teils der „Mitantragsteller“ und anderer Mitglieder möchte ich Sie daher, wie oben schon erwähnt, um einen kurzfristigen Gesprächstermin mit Ihnen und einer Delegation der Antragsteller (max. 3-4 Teilnehmer) bitten, damit wir gemeinsam aus den jeweiligen Verantwortlichkeiten heraus zu einem möglichst reibungslosen und vorhersehbaren Ablauf der Generalversammlung beitragen können, so dass es wirklich zu einem Fest der Begegnung kommen kann.

Herzliche Grüsse

Thomas Heck, Dornach, 14. Februar 2018

Aktueller Stand

Am 25. Februar hatte Matthias Girke reagiert und für den 26. Februar ein Gesprächstermin angeboten, den wir wahrgenommen haben. In Bezug auf die Zeitstruktur bestätige Matthias Girke die Tatsache, dass für eine angemessenen Behandlung aller Tagesordnungspunkte nicht genügend Zeit zur Verfügung stehen wird. Allerdings sah er keine Möglichkeit den Zeitrahmen zu verändern.

Thomas Heck, 4. März 2018

Über die Berichterstattung in den Gesellschaftsorganen

Damit eine eigene Urteilsbildung möglich ist, werden hier, soweit möglich, alle verfügbaren Beiträge zu den Beispielen des Antrages aufgelistet. Die wichtigesten Beiträge sind hervorgehoben dargestellt.

Beispiel 1

Das verwendete Zitat von Helmut Zander.

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 21/2016 vom 09.10.2016
»Das Goetheanum ist ein Haus, das mit sich selbst uneins geworden ist« von Stephen E. Usher
Zum Beitrag von Stephen E. Usher –  von J.M. Florin, B. v. Plato
Gewissenhaftigkeit zwischen Dogmatismus und Relativismus von Thomas O’Keefe
Zum Beitrag von Stephen E. Usher – Einleitung vonThomas O’Keefe

“Ein Nachrichtenblatt”  Nr. 22/2016  vom  30.10.2016
Stephen E. Usher antwortet auf Jean-Michel Florin und Bodo v. Plato

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 23/2016 vom  13.11.2016
Öffentlicher Brief an den Vorstand von Willfried Hammacher
„Gedanken sind reale Kräfte“ (R.St.)  Über Insinuation als Methode von Thomas O’Keefe
Ein weiterer Kommentar zu der Broschüre “Rudolf Steiner Bilder” von Stephen E. Usher
Gedanken zur Stellungnahme der Goetheanumleitung zu Stephen E. Ushers Artikel von  Leonhard Schuster

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 24/2016 vom 27.11.2016
„Helmut Zander und Bodo von Plato“ von  Armin Husemann

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 24/2016 vom 27.11.2016
Broschüre “Rudolf Steiner-Bilder“ – Leserbrief von Elisabeth Winterer

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 26/2016 vom 19.12.2016
Eine irritierende Auseinandersetzung von Justus Wittich

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 3/2017 vom 05.02.2017
„Replik auf den Beitrag ‘Eine irritierende Auseinandersetzung’“ von Stephen E. Usher
„Eine Antwort auf Justus Wittich’s Artikel ‘Eine irritierende Auseinandersetzung’“ von Thomas O’Keefe

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 7/2017 vom 19.03.2017
„Von Verantwortung“ von Béla Szoradi, Roland Tüscher
Zu den Beiträgen von Stephen E. Usher und Thomas O’Keefe, in ‹Anthroposophie weltweit›, 1–2/2017 von Uwe Werner

“Ein Nachrichtenblatt” Nr. 19/2017 vom 24.09.2017
„Erwartungen“ von Thomas Heck