Was in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft noch vorgeht

Was war im Herbst 1999 geschehen?

Der Papierkorbentwurf (Dokumentation von Gerhard von Beckerath als PDF)

Zu dieser Zeit war das Konstitutions-Thema in der Gesellschaft hochaktuell, nachdem vor allem in den deutschen Mitteilungen Veröffentlichungen u.a. von Gerhard von Beckerath, Wilfried Heidt, Karl Buchleitner, Rudolf Saacke und anderen Autoren ermöglicht wurden sowie durch die Arbeit zweier „Frankfurter-Leitbild-Gruppen“, die einen gemeinsamen Satzungsentwurf erarbeitet hatten. Am Goetheanum war eine erste Konstitutionsgruppe[1] 1998 nach wenigen Monaten wegen „unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede“ gescheitert und eine Siebenergruppe war eingerichtet worden, bestehend aus Otfried Dörfler, Michaela Glöckler, Rolf Kerler, Paul Mackay, Roel Munniks, Charlotte Roder und Manfred Schmidt-Brabant. Diese Gruppe legte im Herbst 1999 einen Statutenentwurf auf der Basis der Statuten der Weihnachtstagung vor, die allerdings erheblich erweitert worden waren. Die wesentlichen Merkmale dieses Entwurfes waren folgende:

  • Für Mitglieder sollte es nur noch die Möglichkeit geben Anträge zu den vom Vorstand bekannt gegebenen Traktanden zu stellen. Das Antragswesen wäre damit im Grunde genommen nahezu abgeschafft worden.
  • Es wurde ein neues Organ eingeführt, „die Versammlung der Generalsekretäre“. Die Geschäftsordnung für diese Versammlung wäre vom Vorstand erlassen worden. Eine Ernennung von Generalsekretären wäre nur mit Zustimmung des Vorstandes möglich gewesen, der auch die Möglichkeit gehabt hätte, diese abzuberufen.
  • Beschlüsse der Generalversammlung hätten nur dann Gültigkeit erlangt, wenn die Versammlung der Generalsekretäre diesen zugestimmt hätte.

Das Selbstgestaltungsrecht sowohl der Mitglieder als auch der Landesgesellschaften wäre damit erheblich eingeschränkt worden zugunsten einer Erweiterung der Vormachtstellung des Vorstandes. Dieser Statutenentwurf hätte im Oktober 1999 den Zweig-und Gruppenleitern besprochen und eventuell an der Generalversammlung Ostern 2000 zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollen. Allerdings wurde nach massiver Kritik an zentralen Punkten des Entwurfs in einem Vorgespräch auf eine Veröffentlichung des Entwurfes einstweilen verzichtet. Da aber mit den Intentionen dieses Entwurfes weiterhin zu rechnen war, hatten sich Teilnehmer dieses Vorgespräches entschlossen, diesen in vollem Wortlaut bekanntzumachen. „Es kann nicht angehen, dass solche Bestrebungen im Verborgenen verfolgt werden. Die Mitgliedschaft hat ein Recht eine wichtige Urteilsgrundlagen vor der anstehenden wichtigen Entscheidung für die Bildung eigener Urteile kennen zu lernen.“ (Aus dem Vorwort der Veröffentlichung, die wohl weitgehend unbekannt ist. Bei der Zweig- und Gruppenleitertagung ist dieser Entwurf dann als „Papierkorbentwurf“ bezeichnet, aber nicht bekannt gegeben worden. Allerdings waren wohl schon damals die mit dem Entwurf verbundenen Intentionen nicht im Papierkorb gelandet, denn bei dem Rekonstituierungs-Versuch 2002 tauchte dieser Entwurf – nur leicht verändert – wieder auf.) Es sieht so aus, dass auch jetzt die Intentionen von damals wieder aktiv werden könnten. Von den heute handelnden Persönlichkeiten können davon nur die allerwenigsten ein Bewusstsein haben, denn sie waren damals weder daran beteiligt noch aus ihren damaligen Lebensverhältnissen an dem Geschehen in Dornach interessiert, abgesehen von Paul Mackay, der wohl 1999 eine massgebliche Rolle gespielt haben wird.

Der Papierkorbentwurf (Dokumentation von Gerhard von Beckerath als PDF)

[1] Teilnehmer: Rembert Biemond, Marc Desaules, Otfried Doerfler, Friedhelm Dörmann, Ron Dunselman, Dr. Reinald Eichholz, Dr. Benediktus Hardorp, Rolf Kerler, Ingo Krampen, Manfred Leist, Paul Mackay, Roel Munniks, Charlotte Roder, Manfred Schmidt-Brabant, Jaap Sijmons, Dietrich Spitta, Hans Stauffer, Uwe Werner, Justus Wittich.