Was in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft noch vorgeht

Antrag zur Verbesserung der Entscheidungsfindung in der Gesellschaft

In den Verhandlungen der Anthroposophischen Weltgesellschaft beraten sich die Mitglieder über zeitgemäße Formen der Zusammenarbeit zur Bewältigung der selbst gestellten Aufgaben. Für das Finden von Entscheidungen, die im Rahmen dieser Beratungen zu treffen sind, wird heute eine größtmögliche Berücksichtigung von Initiativen, von Begegnung von „Leitenden“ und Mitgliedern, von internationaler Beteiligungsmöglichkeit und von Transparenz gefordert. Dies lässt sich erreichen, wenn bestimmte Anträge aus der Mitgliedschaft oder aus anderen Gremien in gemischten Arbeitsgruppen mit dem Ziel einer einmütigen Entscheidung bearbeitet werden. Die so erarbeiteten Entscheidungen sind bindend. Der Vorstand oder die vorbereitende Gruppe der GV/MV soll die Möglichkeit erhalten, solche Gruppen einzurichten.

Begründung: Die Statuten der Anthroposophischen Gesellschaft kennen das Antragsrecht der Mitglieder. Sie beschreiben aber nicht, wie Entscheidungen getroffen werden. Diesen Freiraum gilt es in zeitgemäßer und kreativer Weise zu nutzen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Diskussionen im Plenum einer Versammlung schwierig sind und zu einer aufgeheizten Atmosphäre führen. In den letzten Jahren ist zudem der Zeitrahmen für eine gründliche Besprechung immer zu knapp gewesen. Dagegen hat sich die Arbeit in Kleingruppen bewährt, weil dort jeder gehört wird, zu Wort kommt und sich auf den Vorredner beziehen kann. Deshalb ist es dort auch eher möglich, zu einmütigen Entscheidungen zu kommen. Darüber hinaus ist es heilsam, bis zu einer Entscheidung noch einen Zeitraum der gemeinsamen Besinnung und Beratung einzuräumen.

Nach meiner Vorstellung arbeiten in einer solchen Beratungsgruppe mindestens 5 – 6 Mitglieder mit. Darunter sind 1 – 2 Antragsteller/innen und 1 – 2 Mitglieder aus der Goetheanum-Leitung. Die übrigen Mitarbeitenden können von diesen vorgeschlagen werden oder sie können sich um eine Mitarbeit bewerben, wenn sie das Programm der MV gelesen haben.

Die Gruppe kann über Mail-Kontakt und zoom-Konferenzen international besetzt werden. Jedes Mitglied (weltweit) kann sich per Mail an die Gruppe oder an einzelne Mitglieder der Gruppe mit Vorschlägen und Beiträgen wenden. Die Mitglieder der Beratungsgruppe haben wiederum Zeit, sich mit Kollegen oder Freunden zu besprechen. Aufgabe der Gruppe ist es, alle ernst gemeinten Vorschläge bei der Beschlussfassung zu berücksichtigen! Es geht also darum, neben dem eigenen Standpunkt offen zu sein für andersartige Perspektiven, also ein Wahrnehmungsorgan zu sein und nicht den eigenen Standpunkt „durchzudrücken“. Auf diese Weise wird sich auch in der kleinen Gruppe das Gesamtbild aus der Weltgemeinschaft abbilden.

Die Gruppe soll in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu einer einmütigen Entscheidung kommen. Die Entscheidung muss auch deshalb in der Gruppe getroffen werden, weil sich die Mitgliedschaft nicht schnell wieder versammeln kann. Die Entscheidung wird dann mit einer Begründung weltweit kommuniziert (z.B. in AWW). Sie ist bindend, kann aber nach einer vereinbarten Frist wieder geändert oder gar verworfen werden. Wenn keine einmütige Entscheidung zustande kommt, muss der Prozess neu aufgerollt werden.

Beispiele von Anträgen der letzten o. GV, die in dieser Weise bearbeitet werden könnten, wären z.B.:

– der Antrag von 34 Mitgliedern der Ungarischen Gesellschaft, die Fusion von AG und AAG aufzulösen und sich für entstandene Verletzungen zu entschuldigen,
– die beiden Vorschläge von Uwe Werner (Mitgliederversammlung als Delegiertentagung und konsultative Abstimmungen),
– der Antrag von Ursula Ostermai, den Kunstbetrieb im Fach Sprachgestaltung und Dramatische Kunst wieder aufzunehmen,
– der Antrag von Karin Lanz, den Menschheitsrepräsentanten auf die Bühne zu bringen.

Michael Munk, Kassel mickmu@gmx.de 28.2.2024

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