Was in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft noch vorgeht

Antrag zur Dreigliederung der AAG

“Der soziale Organismus muß, wenn er gesund ist, dreifach gegliedert sein. Er muß die geistige Organisation haben (Zeichnung: rot), weil wir in diese vorzugsweise dasjenige hineintragen, was wir aus dem vorgeburtlichen Leben uns mitbringen (gelbe Pfeile links); er muß die wirtschaftliche Organisation haben (blau), weil sich in dieser stumm entwickeln muß dasjenige, was wir durch die Todespforte tragen und was Impulse nach dem Tode werden (gelbe Pfeile rechts); und er muß abgesondert von diesen beiden anderen das Leben des Rechtsstaates haben (weiss), weil auf diesem Gebiete sich vorzugsweise dasjenige ausprägt, was für dieses irdische Leben gilt. … Dieses Mittlere, das ich weiß gezeichnet habe, wird von dem Geistigen gewissermaßen seitwärts durchstrahlt (gelbe mittlere Linien).” [Rudolf Steiner, Dornach  29.3.1919, GA 190(1980) S.91f.]

Offene Fragen, die als Anträge bei den vergangenen Generalversammlungen zu Unstimmig­keiten geführt hatten, haben den Vorstand veranlasst, das Mitgliederforum ins Leben zu rufen. Mitglieder der Gesellschaft und Goetheanum-Leitung wollen gemeinsam gesundende Formen für die Zusammen­arbeit schaffen. In unserer Gruppe D11-Dreigliederung haben sich Menschen zusam­men­gefunden, die der Ansicht sind, in den Generalversammlungen würden viele Themen behandelt, bei welchen nicht klar ist, wie die Mitglieder in der richtigen Form einzubeziehen sind.

Betrachtet man das Geschehen an der Weihnachtstagung 1923, so fällt auf, dass damals eine klare dreigliedrige Form geschaffen wurde. Geistige Basis ist der Grundsteinspruch, welcher die Dreiglie­derung des einzelnen Menschen, der ganzen Schöpfung und der geistigen Hierarchien beschreibt. In diesem Verständnis wurde die neue Gesellschaft geschaffen. Die damals versammel­ten Menschen haben die Anthroposophische Gesellschaft neu gebildet – als Nachfolge der 1912 in Köln gegründeten Gesellschaft. Innerhalb der neuen Gesellschaft wurde die Hochschule für Geisteswissenschaft geschaf­fen, welche die “Stiftung für theosophische Art und Kunst” aus dem Jahr 1911 neu belebt. Und der seit 1911 bestehende Bauverein wurde umgeformt zum dritten Glied der neuen Gesellschaft. Die Hochschule braucht als Lebensbedingung die freie Entwicklung, die Gesellschaft das transparente und offene Gespräch im Einvernehmen unter Gleichen, und der Betrieb des Goetheanum (in der Nachfolge des Bauvereins) baut auf verbindliche Verträge mit Partnern.

Wir sind der Ansicht, dass in Richtung der damals angelegten Möglichkeiten gedacht werden sollte, dass dies aber nicht als “Programm” beschlossen werden kann, sondern sich nur lebendig gestaltend entwickeln kann. Einerseits müssen wir den richtigen Weg gemeinsam finden und andererseits müssen wir, wenn etwas Zukunftsweisendes entstehen soll, jeden Schritt erüben und entsprechende Erfahrungen sammeln. Wichtig ist ein differenzierteres Bewusstsein zu entwickeln dafür, ob Themen richtig verortet sind, wo die von der Mitgliedschaft bestimmten Verantwortlichen Entscheidungs- und Handlungsfreiheit brauchen und wo die durch deren Handeln betroffene Mitgliedschaft initiativ mitgestalten können muss, weil sie im Gesamtorganismus in der Mitverantwortung steht.

Ziel sollte sein, den drei Bereichen Anthroposophische Gesellschaft, Hochschule und Goetheanum-
Betrieb
ihre notwendige Autonomie zu gewähren, wie sie in den Statuten von Rudolf Steiner dargestellt sind. Dabei sollen die Mitglieder der Gesellschaft wieder in dem sozialen Gefäss leben können, welches als in die Herzen versenkter dreigegliederter Grundstein an der Weihnachtstagung 1923 geschaffen wurde. Hierfür gilt es die Möglichkeiten der Mitglieder, sich einzubringen, mitzuarbeiten und sich für neue Initiativen zu vereinen, zu stärken. Wir stellen daher den Antrag:

Die Generalversammlung beschliesst eine Arbeit zu initiieren, die folgendes Ziel hat:
Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft möge eine soziale Gestalt erhalten in der Rechtsform eines speziell konstituierten eingetragenen Vereins mit drei Gliedern, die zur Erreichung ihrer unter­schied­lichen Aufgaben speziell gestaltet werden. Übergeordnetes Ziel ist die Verwirklichung der Grün­dungs-­­Statuten von 1923. Ausgangspunkt ist die Weihnachtstagung von 1923, in der die Hochschule und die Anthropo­sophische Gesellschaft – neben dem bestehenden Bauverein – neu gegründet wurden.

Dies ergänzen wir durch folgende Erläuterungen und Anregungen:

  1. Die Hochschule

Die Hochschule erhält eine eigene Rechtsgestalt innerhalb der Gesellschaft, und wird von den Sektionsleitern geleitet. Sie gibt sich Ihre Geschäftsordnung und ihre Prozessgestaltung selbst. Hochschulmitglieder können alle Mitglieder werden, die dies beantragen und bestätigt erhalten. Sie wird gebildet aus den „Klassenstunden“, den Sektionen und Arbeitsfeldern, die in Forschungs- und Lebensgebiete gegliedert sind mit je drei  Perspektiven:

> Geisteswiss. Forschung und Lehre, Informations- und Schulungsangebote in den Arbeitsfeldern,

>> Einbeziehung interessierter Mitglieder, weltweiter Austausch von Erkenntnissen und Erfahrungen,

>>> Durchführung von Projekten, Tagungen, Publikationen u.a.

  1. Die Gesellschaft

Im Zentrum steht die Mitgliedschaft in einer Rechtssphäre mit drei Gliedern, die das seelische Leben
aller in drei sozialen Verfahren und Gremien gemäß den Statuten pflegt:

> Sie führt Veranstaltungen durch und Mitgliederversammlungen, zu denen alle Mitglieder eingeladen werden und in denen in demokratischen Verfahren Beschlüsse, gefasst werden, Aufträge erteilt,  Mitgliedern Aufgaben übertragen und deren Erfüllung bewertet werden.

>> Einer Schlichtungsstelle, die von jedem Mitglied angerufen werden kann, wenn es Verstöße gegen Satzung, Beauftragung usw. sieht.

>>> Einem von der Mitgliedschaft gewählten rechenschaftspflichtigen Vorstandskollegium, das aus fünf bis sieben Mitgliedern besteht, darunter mindestens drei mit einem Wahlprofil für einen Sektionsleiter und mindestens einem mit einem Wahlprofil für das Führungsgremium des Unternehmens.

  1. Das Unternehmen

Es pflegt und entwickelt das materielle Eigentum der Gesellschaft, Grund und Boden, Gebäude, leistet auch die Administration der Gesellschaft und erhält dazu die Rechtsgestalt eines wirtschaftlich tätigen Betriebs innerhalb der Gesellschaft. Es arbeitet wirtschaftlich mit den Zielen bestmöglicher Nutzung für Arbeiten der Mitgliedschaft und Förderung der Ziele der Hochschule. Dazu sollen drei Arbeitsbereiche gepflegt werden:

> Information aller Mitarbeitenden über die Hochschularbeiten und fortwährende Gesprächsarbeit,

>> Gestaltung der notwendigen Arbeitsabläufe und Geldflüsse durch entsprechend qualifizierte Leiter,

>>> Delegationen, Beauftragungen von qualifizierten Mitarbeitern.

Weitere Unternehmen können als Assoziationen angegliedert werden.

14.2.2024 Mitglieder der Goetheanum-Forumgruppe D11: Karl-Dieter Bodack (D) kdbodack@icloud.com;
Imel de Boeck (B) imeldeboeck@telenet.be; Frank Gerritsen (N) frank@elfir.no; Joke Huurman (CH) huurman22@gmail.com; Bert Penninckx (B) bert.penninckx@gmail.com; Jan Penninckx (FIN) haapio@ymail.com; Michael Toepell (D) toepell@uni-leipzig.de; Martin Zweifel (CH)
martinc.zweifel@gmail.com; Suzanne Breme (CH), Philipp Merz (CH), Simona Roelly (CH)

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